Temi Oh – Do you dream of Terra-Two?
"No light, no sound. Most people can't last fifteen minutes before they begin to see things, begin to panic.
They don't even know what they're afraid of. Themselves, maybe. In the darkness every fear finds a face."
"Vor einem Jahrhundert stellten Wissenschaftler die Theorie auf, dass es in einem nahe gelegenen Sonnensystem einen bewohnbaren Planeten gibt. Heute werden zehn Astronauten die sterbende Erde verlassen, um ihn zu finden. Vier von ihnen sind hochdekorierte Veteranen des Weltraumrennens des 20. Jahrhunderts. Sechs sind Teenager, Absolventen der exklusiven Dalton Academy, die fast ihr ganzes Leben lang für diese Mission trainiert haben. Das Team wird dreiundzwanzig Jahre brauchen, um Terra-Two zu erreichen. Dreiundzwanzig Jahre, die sie auf engstem Raum verbringen werden. Dreiundzwanzig Jahre, in denen sie sich nur aufeinander verlassen können. Dreiundzwanzig Jahre, in denen keine Rettung möglich ist, sollte etwas schiefgehen. Und etwas geht immer schief."
Aus der Sicht der sechs Teenager erzählt und geteilt in drei Phasen – Ausbildung und Selektion, Start und frühe Mission, Krise und Zerfall – legt diese SF-Geschichte weniger den Fokus auf die vielerwähnte 23-Jahre-dauernde Reise, sondern stellt eher die Frage "Wenn ein Traum erfordert, dass man sein ganzes Leben opfert, lohnt es sich dann trotzdem, ihn zu verfolgen?"
Die Themen, die hier erforscht werden – Kosten des Ehrgeizes, psychische Belastung und Isolation, Schicksal vs. Verdienst, utopische Träume, Identität und Adoleszenz – werden ausschließlich durch die Teenager dargestellt und wie diese Themen ihren Charakter und die Beziehungen zu den wenigen anderen Charakteren formen. Die Diskussionen um "Schuldgefühle von Überlebenden, Hochstapler-Syndrom und die Angst, seinen Platz nicht zu verdienen" fand ich allesamt sehr interessant, ebenso die Frage in welche Gesellschaft die Teenager hineinwachsen, wenn die gesamte Adoleszenz auf einem Raumschiff stattfindet und dann auf einem leeren Planeten. Im letzten Drittel kommt schließlich die Diskussion auf, ob die Mission ethisch vertretbar ist, ob die (damals noch) Kinder ihren Weg wirklich frei gewählt haben und ob Terra-Two jemals das Opfer wert war. Das Ende ist offen, was als Schwäche des Buches gewertet werden könnte, ich fand es gut, es lässt viel Raum zur Interpretation. Wirkliche Schwächen für mich waren das eher uneinheitliche Tempo, die Anzahl an (austauschbaren) Charakteren, die für mich nicht explizit genug ausgearbeitet waren und alle irgendwann dieselbe Stimme hatten. Was mich nicht gestört hat, war das schwache Worldbuilding. Es gibt diese Kulisse, dass Großbritannien ein starkes Weltraumprogramm leitet und deswegen diese Mission durchführen kann, die Wissenschaft und die Technologie dahinter sind aber nur Randnotiz.