Zitat(...)
Ich bin trotzdem der Meinung dass diese Prüfung (außer dem Konfrontieren mit Betrunkenen und dem Streicheln müssen) äußerst bewältigbar ist und eigentlich für ziemlich jeden Hund machbar ist. Mit bissl üben zumindest.Und ich wohn in nem 700 Seelen Dorf.
Meine Hündin ist trotzdem bereits Bahn gefahren, Aufzug gefahren, lässt sich auf Rolltreppen tragend transportieren, fährt Straßenbahn, kennt den Mauli, geht mit in die Innenstadt und war auch schon (eh zu Trainingszwecken) mit in nem großen Shoppingcenter.Insofern..
Für mich ist es auch ein Stück weit Rechtfertigung warum Hund dieses und jenes nicht kann oder können muss.
Aber ich komm halt auch aus Hundesportkreisen, somit is es für mich völlig selbstverständlich meinen Hund jederzeit und überall auch unter Ablenkung mal ein paar Minuten ins Platz zu legen, abrufen zu können und zB bei Bahnhöfen und vor Supermärkten zu trainieren. (...)
Das ist für mich aber der Punkt - nicht das es mit gezieltem Training erlernbar wäre, aber ich will genau dieses Training gar nicht - nicht für mich und nicht für die Hunde. Es gibt im Test Dinge, die man nebenbei üben kann, wie die Leinenführigkeit. Sowas stört mich auch nicht weiter, weil es eben nebenbei machbar ist. Die Handling-Übungen stören mich auch nicht, sie wären für uns unproblematisch, aber da erschließt sich mir der Sinn für den Freilauf nicht. Mich stören die Dinge, die nicht in unser Leben gehören und auch nie rein gehören werden.
Ich habe NIE einen meiner Hunde vor einem Supermarkt angebunden und werde das auch nie tun. Schon deshalb nicht, weil hier schon Hunde gestohlen wurden, die vorm Supermarkt angebunden waren. Persönlich wäre mir da ja ein Hund lieber, der zubeißt, als ein gestohlener, aber meine Hunde würden das auch nicht tun. Dann stellt sich mir beim Bleib die Frage, warum der Hund in einer vorgegeben Position verharren soll? Wo liegt da denn der Sinn. Wir bringen den Hunden in der Huschu sogar bei, dass das anders Lagern auf dem zugewiesenen Platz erwünscht ist - ich würde also gegen mein bisheriges Training arbeiten für nichts und wieder nichts.
Ich selbst will schon nicht in Einkaufszentren sein und finde wenig Dinge für mich so stressig, wie einen Stadtbummel. Das ist mein persönlicher Horror und ich sehe für mich nicht die geringste Veranlassung, auch noch den Hund auf so einen Horrortrip mitzunehmen. Welch abstruse Konstellation von Zufällen soll denn dazu führen, dass ich das nicht vermeiden könnte? Ich fahre auch nicht mit dem Hund Bahn oder Bus - wir sind noch nie in die Situation gekommen, dass das notwendig geworden wäre und mir fällt auf Anhieb kein Ziel ein, das ich mit Hund ansteuern würde, zu dem die Öffis hinfahren. Straßenbahnen gibt es hier nicht mal. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Hunde das sogar mitmachen würden, aber auch da frage ich mich, was das an Freilaufrelevanz mit sich bringt. Ebenso unrelevant für Freilauf ist die Fähigkeit des Hundes mich in ein Caffee zu begleiten. Und die Eingangsfrage war ja, ob ein solcher Test als Bedingung für die Erlaubnis zum Freilauf gelten könne.
Ich sehe nicht den geringsten Grund ständig Geld und Zeit in Dinge zweifelhaften Sinns zu verschwenden und nichts anderes wäre für mich ein solcher Zwangstest. Ginge es nur um die Beschäftigung mit dem Hund und darum sicher zu stellen, dass der Halter sich der Gefahren bewusst ist, die von einem Hund ausgehen, dann gäbe es auch andere Möglichkeiten, dies sicher zu stellen. Von mir aus ein Prüfer, der uns im Alltag begleitet, auch den ganzen Tag lang oder auch Gefahrenbelehrungen etc.
Mir fehlt in dem ganzen Szenario eines solchen Tests für die Leinenbefreiung die Verantwortung anderer Menschen, dem Lebewesen Hund gegenüber. Wir haben doch als Kinder auch gelernt, dass man nicht einfach Hunde anfasst oder sie umrennt - warum müssen heutzutage nur Hunde solche Situationen meistern, aber niemand setzt darauf, die Zahl solcher Situationen zu verringern, indem auch Nichthalter in die Pflicht genommen werden. Ganz ohne derartige Begegnungen kommt man sicher nie durchs Leben, aber Rücksicht ist keine Einbahnstraße. Mir erscheint es außerordentlich gefährlich, der Gesamtbevölkerung den Gedankengang zu vermittelt, dass man sich Hunden gegenüber benehmen könne, wie man wolle, denn die müssen ja getestet sein und mit jeglichem idiotischen menschlichen Verhalten klar kommen.