Beiträge von Nocte

    Ohne jetzt auf die Vertragsgestaltung einzugehen und Verzinsung etc. Ich finde es für mich sinnvoll, wenn dadurch Dritte (z.B. die Familie und die Hunde) abgesichert werden. Z.B. wenn Kredite von meiner Arbeitskraft abhängig sind und ich sicher gehen will, dass die niemandem zur Last fallen, falls mich der nächste Bus überfährt.

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    Bus und Bahn kann ich noch nachvollziehen, da das Auto auch mal kaputtgehen kann, und man dann dahin ausweichen muss, um von A nach B zu kommen, z.B. zum Tierarzt. Außerdem sind öffentliche Verkehrsmittel für alle Hundehalter frei zugänglich, und man kann dort jederzeit üben. Ein Auto ist nicht für jedermann jederzeit zum üben verfügbar. :/

    In diesem Fall ziehe ich Mietwagen (bei längerem Defekt des eigenen Autos) oder ein Taxi vor, weil eben zu unseren beiden Tierärzten und vielen Orten, die ich ansteuere keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Zumal es hier nur Busse gibt und keine Bahnen. Außerdem wäre der Fall eines defekten Autos ein Sonderfall - da kann man dann ggf. einen kleineren Hund im Kennel transportieren, einen Maulkorb aufsetzen und was weiß ich nicht noch, aber man hat keinen Prüfer dabei, bei dem man sich dann auch noch fragen muss, ob das nun i.O. so ist oder nicht.

    Zwangshundeführerscheine führen in unserer Gegend gerade dazu, dass die Hundeschulen einen irren Zulauf haben und zwar von Neuhundhaltern. Unter den Trainingsplätzen sind auch gut etablierte Hundeplätze, auf denen mit Leinenruck, Stachelhalsband und Co. gearbeitet wird. Desweiteren gibt es nicht annähern genügend zugelassene Prüfer und es hat sich tatsächlich sehr schnell ein Geschäft daraus entwickelt, Leute abzuzocken. Die Betroffenen sind dann der Ansicht, sie hätten die Prüfung, haben sie aber nicht. Bevor man den Hundeführerschein eingeführt hat, hat sich keiner darum gekümmert, in ausreichendem Maße Prüfer bereitzustellen oder Maßstäbe festzusetzen, nach denen anerkannte Prüfer und Ausbilder arbeiten sollen und nun gibt es zu wenige. Das ist ein riesengroßes Geschäft und die Hundeschulpreise sind auch nochmal angestiegen. Es gibt auch keine Regelung, was mit den Neuhundhaltern passiert, die die Prüfung nicht bestehen. Es kann eigentlich von staatlicher Seite kein Interesse daran bestehen, die betroffenen Hunde aus den Familien zu nehmen. Damit ist das ganze Instrument obsolet und es hat nicht den Anschein, als würde diese offensichtliche Frage in absehbarer Zeit mal angerissen würde. Das Alter der Hunde bei solchen Prüfungen ist zudem ein Witz - ein Hund, der fünf Monate alt ist, reagiert anders, als einer mit 17 Monaten. Da die Prüfung aber innerhalb eines Jahres abgelegt werden muss, sind die Hunde selten älter.

    Und so als Anekdote am Rande: eine Hundehalterin, die sich vor drei Wochen einen Welpen zugelegt hat (Kleinsthund) und wegen des besagten Führerscheins nun auch von Tag zwei an in der Hundeschule mit dem Winzling ist, merkte dann gestern an, ihr Hund sei ja klein und müsse nicht erzogen werden.

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    Ist doch das selbe in Grün!
    Du willst nicht gezwungen werden, Deinen Hund alltagstauglich zu machen, verlangst aber, das Phobiker sich einer Therapie unterziehen!
    Doppelmoral lässt grüßen!

    Da das Ausgangszitat gekürzt ist und von mir kam, will ich hier nochmal einhaken. Die eigene Freiheit hört da auf, wo die der anderen anfängt. Das heißt für mich nicht nur, dass ich andere Menschen in Ruhe lasse, sondern sie mich auch. Ob jemand Angst vor einem Hund hat, ist mir egal. Wenn der Mensch nicht drunter leidet, dann sehe ich da kein Problem. Ich leine den Hund an und mache einen Bogen, auch mal einen größeren. Ansonsten sehe ich das wie bei allen Phobien - wenn es die betroffenen nicht stört, braucht man sicher keine Therapie anordnen. Andersrum sehe ich es aber auch so, dass der Hundehalter sich mit seinem Hund unbehelligt bewegen können muss und in unserer Gesellschaft sehe ich genau das nicht mehr. Es ist sicher nicht in jedem LAndesteil so, aber hier reicht es schon, einen Hund zu haben und prompt meinen Leute, sich herausnehmen zu können, die Hunde mit Steinen zu bewerfen. Einfach, weil sie da sind. Auch wird man ständig angepöbelt, weil man es wagt, mit seinem Hund morgens genau da spazieren zu gehen, wo ein hundehassender Radfahrer langradelt. Die Liste kann ich lange fortsetzen. In keinem der Fälle hat der Hund etwas anderes getan, als einfach nur da zu sein.

    Da frage ich mich doch, wodurch in einer Gesellschaft, in der Hundehaltung immer dazu gehört hat, die verbreitete Idee aufgekommen ist, dass Hundehaltung einem zum Menschen zweiter Klasse macht. Am Liebsten sollen sich Hundehalter mit ihren Tieren aus dem öffentlichen Raum zurück ziehen. Warum kann man nicht einfach Menschen mit Hunden ignorieren?

    Und genau da sehe ich einen Kritikpunkt dieser Tests, sofern sie allgemein verbindlich werden sollen. Sie erwecken den Eindruck, dass es in Ordnung sei, Hundehalter in ein Nischendasein zu drängen und sich dem Lebewesen Hund gegenüber nicht rücksichtsvoll benehmen zu müssen. Schließlich dürfen sich ja nur "perfekte" Hunde unter uns Zweibeinern frei bewegen, egal wie perfekt wir selbst sind. Genauso kritisch sehe ich die 20/40-Regelung, zentrale Hunderegister wie in Niedersachsen, Zwangshundeführerscheine oder Rasselisten - es gehört für mich zum selben Phänomen und dient in meinen Augen nicht dem Zweck, die Straßen sicherer zu machen. Es werden einseitig Lasten und Kosten auferlegt, die so mancherorts eine Kluft geschlagen haben, die nun dazu führt, dass sich auf beiden Seiten Menschen wie die Axt im Walde benehmen.

    Zum Thema Alltagstauglichkeit und alltagstauglich machen: Solche Tests messen nicht die Alltagstauglichkeit - sie stellen einen genormten Test dar, der genauso gut funktioniert, wie PISA-Tests. Außerdem heißt es nicht, das Menschen, die nicht an dem Test teilnehmen wollen, ihre Hunde nicht erziehen - so wird es im Thread aber dargestellt.

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    (...)
    Aber gut, ihr werdet euch schon nicht anpassen müssen(...).

    Genau das ist der Gedankengang dabei, der mich in derartigen Situationen am meisten verwundert. Warum soll man sich anpassen? Die eigene Freiheit hört da auf, wo die der anderen anfängt. Warum sollte man innerhalb der eigenen Freiheit danach streben, wie alle anderen zu sein? Im Jugendalter, um die Schule zu überstehen, bevor man sich gefunden hat, mag das der sozialen Norm und Konvention entsprechen, aber im urprivaten Bereich meiner Freizeit? Die Forderung, dass andere sich anpassen, geht meiner Erfahrung nach oft genug mit dem Wunsch einher, sich selbst nicht auf andere einstellen zu müssen.

    Mal als Nachtrag zu solchen Prüfungen: Der letzte Hund mit dem ich eine ähnliche Folge von Übungen durchlaufen habe, war ein Pflegehund und zur Sicherheit mit Maulkorb gesichert. Das Tier hat mit Bravour bestanden, weil es völlig eingeschüchtert von der Situation war. Tatsächlich war der Hund kreuzgefährlich für Menschen. Das hat die Prüfung aber nicht gezeigt, aber bestanden ist bestanden ... oder doch nicht?

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    Worauf willst du jetzt hinaus Nocte?
    Schade wenn es für deine Hunde unmachbar ist an Leuten vorbei zu gehn, ein Shoppingcenter zu besuchen oder mal 2 Minuten Sitz zu machen.

    Genau so stellst du dich grad dar.
    Obwohl ich dich von den anderen Beiträgen ausgehend nicht so eingeschätzt hätte.

    Wie gesagt, ich fände so ne Prüfung einfach bewältigbar. In gewisser Form gibt es sie sogar schon, abgeschwächt. Die BH.

    ..von unterwegs - ich entschuldige mich für Buchstabendreher!

    Die Frage ist nicht, was meine Hunde können oder nicht. Es ist vermessen, anzunehmen, dass alle Hunde etwas können, weil der eigene es kann.

    Ich stell mir das spaßig vor, für die Halter des importieren Podencos aus der Tötung, mit dem sie dann so eine Prüfung ablegen sollen oder den Miniaturhund in der dicht gefüllten U-Bahn von Berlin. Darf der dann auf den Arm genommen werden?

    Ganz davon ab, ob so eine Prüfung bewältigbar ist, stellt es einen Eingriff ins private Leben von Hundehaltern dar, der für mich nicht zu rechtfertigen ist und schon gar nicht einem Hund gegenüber gerechtfertigt wäre, wenn davon wirklich abhinge, ob er je ohne Leine laufen darf (das war ja im Eingangspost die Frage). Es gibt ausreichend Regeln, die das Bewegen mit dem Hund in der Öffentlichkeit regeln und es gibt mindestens so viele Regelungen, wenn mit einem Hund was passiert. Dem Regulierungswahn stehen aber auf der anderen Seite keine Zahlen gegenüber, die die weitere Überregulierung nur ansatzweise rechtfertigen würden. Wo hört der Spaß denn auf? Der Trend sieht momentan arg danach aus, dass es irgendwann nur noch handtaschengroße Hunde geben darf, die im öffentlichen Raum in einer geschlossenen Tasche zu führen sind.

    Und Du bist der Maßstab, der das von allen Hunden erwarten darf?