Beiträge von Marula

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    Um einen Genpool zu erweitern gibt es auch andere möglichkeiten als zwei völlig verschiedene rassen miteinander zu verpaaren.


    Stimmt, man könnte auch zwei eng verwandte Rassen kreuzen die eben nicht völlig verschieden sind. Wie man allerdings in einem geschlossenen Zuchtbuch die genetische Basis ohne Zugänge von außen erweitern möchte wüsste ich jetzt nicht? Das beste was man da zustande bringen kann ist der Versuch, sie nicht schneller als nötig schrumpfen zu lassen.

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    Was haltet ihr hiervon?
    http://www.lua-dalmatiner.de/


    Viel. Das ist ein vernünftiges und bisher ja wohl auch ganz erfolgreiches Outcrossprogramm gewesen.

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    Als Gegenteil einer sinnvollen Einkreuzung möchte ich die Bobtail Boxer nennen. Da wurde der Pembroke Corgi eingekreuzt, um Stummelruten zu erzeugen! Ein unmögliches Zuchtziel in meinen Augen, nur um dem Kupierverbot zu entgehen. Man sieht an den Hunden, daß von halblangen Ruten, nicht vorhandenen Ruten bis zu Krüppel- und Knickruten alle Formen vertreten sind.


    Ja... obwohl ich das Experiment an sich interessant finde, weil es zeigt wie schnell man nach eine Einkreuzung selbst einer phänotxypisch EXTREM unterschiedlichen Rasse wieder zum gewünschten Typ zurückkommt, finde ich die Motivation dahinter nicht so toll. Lass den armen Viechern doch ihre Rute und gut ist, die muss man weder abschnippeln noch wegzüchten, komplett ist eh am schönsten.

    Andererseits zeigt es auch ganz gut die Scheinheiligkeit in manchen Bereichen der Rassehundezucht.
    Bei den Boxern: Oh Gott, Stummelruten + die damit einhergehenden Wirbelsäulendefekte, das wollen wir nicht! (Richtig so, aus meiner Sicht).
    Bei anderen Rassen: Super, Stummelrute, Zuchtziel erreicht, alles A-ok! :gut:


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    [...]wenn du versuchst etwas wegzuzüchten und dabei nur den eigenen Genpool benütztst, kommt es doch automatisch zu einer Verkleinerung des Genpools. Das mag für ein Merkmal ja gut sein, aber damit hadt du evtl unabsichtlich Gene eliminiert, die in amderen Bereichen nützlich wären.
    Deshalb denke ich, dass es grundsätzlich besser ist den Genpool einer Rasse möglichst grosd zu halten, was natürlich zur Folge hat, dass die Tiere sich nicht wie ein Ei dem andern gleicht.


    Richtig...

    Ich glaub, dass da zwei Sachen durcheinandergewürfelt werden:
    Einmal die selektive Zucht weg von unerwünschten Merkmalen, wie z.B. extrem kurze Nasen beim Mops. Ja, das funktioniert innerhalb des bestehenden Rasse, dafür muss man nicht einkreuzen. Es wird wahrscheinlich ziemlich dauern (und ich persönlich fände es auch ok, da die Abkürzung über ein passende Einkreuzung zu gehen, muss vielleicht nicht grade Jack Russel sein...), aber es ist defintiv möglich.

    Und dann eben nen populationsgenetisch sinnvolle Zucht. Da sind komplett für immer und ewig geschlossene Zuchtbücher generell ne schwierige Angelegenheit und es geht mit jedem weiteren Selektionsschritt und sogar "einfach so" im Laufe der Zeit unweigerlich genetische Vielfalt flöten, daran ändert auch noch so sorgfältige Zucht nix. Und bei jeder Selektionsmaßnahme läuft man Gefahr, das noch zu beschleunigen.

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    Zu a) Was soll denn der SwissyDog leisten, das ich nicht auch bei den Ursprungsrassen finde? Was wäre das Zuchtziel?

    Zu b) Warum nennst Du als Gegenbeispiel so unpassende Rassekombis? Es wäre doch auch das Einkreuzen eines passenden Molossers möglich. Die Kombi Schweizer / Mastiff könnte z. B. passen. Die Rassen haben unterschiedliche Ursprünge und trotzdem ähnliche Charaktere, die gut harmonieren könnten. Wenn das Ziel eine Auffrischung des Genpools zur Verbesserung der Rassegesundheit ist, warum dann nicht den ganzen Schritt machen und einen harmonierenden Hund moeglichst fremden Ursprungs wählen?

    Der Swissy ist ein Mischling. Ein harmonischer Mix ist es sicher, eben weil die Sennenhunderassen recht nah verwandt sind. Ich würde aus selbem Grunde aber auch nicht davon ausgehen, dass diese Hunde weniger anfaellig für rassetypische Erkrankungen oder angenehmer im Wesen sind, als die einzelnen Ursprungsrassen.

    M. E. ist die Zucht von "Designer-Dogs", außer für den Geldbeutel des Herstellers, generall nutzlos. Und beim Swissy zieht fuer mich noch nicht mal das "Genpool-Argument".

    Wenn die "Swissy Dogs" wirklich nur endlos wiederholte F1-Kreuzungen sind die niemals wieder in die Populationen der Ausgangsrassen eingehen, dann stimme ich dir sogar in gewisser Weise zu, das ist nicht so viel anders als Labradoodle und Co. Wobei ich mit gezielter Mischlingszucht auch kein Problem hab, wenn es ordentlich gemacht wird - aber das ist ein anderes Thema.
    Ich hatte jedenfalls das Thema weniger in Bezug auf die Erzeugung solcher F1-Nachkommen oder die Erschaffung einer neuen Rasse namens "Swissy Dog" mit nem seperaten Zuchtziel verstanden, sondern eher auf eine gegenseitige Blutauffrischung verschiedener Rassen (in dem Beispiel halt Sennenhunde) untereinander.

    Das Konzept einer Landrasse sagt dir was, oder? Die Sennenhunde sind ja eigentlich alle aus der gleichen Ursuppe geschöpft, ähnlich wie die Belgischen Schäferhunde, die Dackelvarianten mit ihren verschiedenen Haararten und Größen, die Pudel mit ihren verschiedenen Größen, Norwich und Norfolk Terrier, die vier Setter, die verschiedenen Schnauzer, die verschiedenen Spitze...
    Man kann die alle entweder als grundverschiedene Rassen bzw als eine Rasse, aber strikt getrennte Varianten ansehen, oder aber als Varianten eines Typs, die verschiedenen Seiten einer... ähm, eines Würfels. :D

    Ich sag nun nicht, dass man die Verschiedenen Variationen einer Rasse oder alle nah verwandten Rassen wild durcheinanderzüchten und jede erkennbare Trennung verwischen sollte, diese verschiedenen Typen haben schon alle ihren eigenen Wert!
    Aber sie gelegentlich zu kreuzen wenn man sich positives davon erhofft (gezieltes Einbringen bestimmter Anlagen oder auch generelle "Blutauffrischung", also Genpoolerweiterung) ist in meinen Augen eher ein "zusammenbringen, was genetisch und historisch lange eine Einheit war" als "mischen von völlig fremden Komponenten".

    Weiterhin:
    Wenn man einen Outcross machen möchte, gibts verschiedene Verfahren. Unter anderem kann man mit Blutanschluss (Einkreuzung einer verwandten Rasse) züchten oder ohne (Einkreuzung einer gar nicht oder nur extrem weitläufig verwandten Rasse).
    Mit Blutanschluss hat man den Vorteil, dass die Rassen sich meistens ähnlicher sind, sowohl was das Aussehen als auch was Charakter und eventuelle Arbeitseigenschaften angeht, man ist schneller wieder am ursprünglichen Zuchtziel. Man hat den Nachteil, dass sie sich auch genetisch etwas ähnlicher sind als eine komplett unverwandte Rasse wäre. Allerdings kann auch eine verwandte Rasse schon einen guten Schuss frischen Wind reinbringen. Diesen Effekt hat man ja teilweise schon, wenn man innerhalb einer Rasse Tiere von z.B. verschiedenen Kontinenten oder aus lange getrennt gezüchteten Linien zusammenbringt.
    Ohne Blutanschluss ist es im Prinzip umgekehrt: Man hat ein größeres Risiko, in den ersten Generationen Hunde rauszukriegen, die optisch und von Charakter und Arbeitseigenschaften noch recht weit vom Zuchtziel weg sind weil die Ausgangesrassen nicht wirklich "passten" (wie bei Boxer x Corgie, wo die ersten Generationen ziemlich bizarr aussahen) aber dafür auch eine größere Wahrscheinlichkeit, wirklich was "neues" einzubringen.

    Eins ist nicht besser oder schlechter als das andere, es kommt halt drauf an was man will. Die Beispiele mit Mops x Jacky und Aussie x Toller hab ich gewählt, weil das zwei Sachen sind die gemacht wurden und die ich für eher wenig sinnvoll halte.

    Ein Toller ist ein Retriever, ein Jagdhund. Ein Aussie ist ein Hütehund. Beide sind ungefähr gleich groß und ähnlich gebaut und es wurden zwei Hunde mit ähnlicher Farbe gewählt, aber das wars dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Verwendungszweck und Temprament sind völlig unterschiedlich. Da hätte eine andere Retrieverrasse mMn mehr Sinn gemacht.
    Das Mops und Jacky vom gewünschten Temperament her nicht umbedingt zusammen passen wurde hier im Thread auch schon mehrfach bemängelt, eventuell wäre da einen andere nette, ruhige Gesellschafthunderasse passender als so ein kerniges Energiebündel. Ich mein, grade Möpse werden nun meistens wege ihrem Charakter gekauft, da wäre es schon wichtig, dass die nicht völlig außer Rand und Band sind.

    Sinnvoll finde ich dagegen sowas:
    http://www.sueddeutscher-club-langhaar.de/zuchtversuch.html

    Aber gut, wenn du der Ansicht bist "Wenn Outcross, dann gleich volle Pulle" kann ich schon verstehen, warum du Sennenhund x Sennenhund für nicht gewinnbringend hälst und eher was komplett anderes besser fändest. ;)

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    Der einzige Grund für gezielte Zucht ist somit doch nur die Tatsache, dass Menschen Hunde eben für bestimmte Gebrauchszwecke benötigen. Das sehe ich auch ein für all diejenigen, die immer noch wirklich mit ihren Hunden ernsthaft arbeiten und bestimmte Eigenschaften einfach brauchen. Aber alle anderen? "Braucht" man für den 0815 Familienhund wirklich gezielte Zucht?


    Ich finde ja! Ich will ja keinen 0815-Familienhund (wenns den denn gäbe), sondern einen, der für mich der passende Begleithund ist. Der muss andere Charaktereigenschaften haben als der ideale Hund von anderen Leuten UND ich bin so oberflächlich zu sagen, dass er mir auch noch optisch gefallen soll.
    Da finde ich gezielte Zucht mehr als nützlich.

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    Weil es einfach reicht! Der Bedarf gedeckt ist und was will man denn noch mehr!
    Viele jammern, dass die Rassen schlecht sind, krank sind - neue Rassen werden nicht besser sein.


    Wenn dein Bedarf gedeckt ist und du wunschlos glücklich bist, ist doch fein. Andere Leute haben vielleicht nen anderen Bedarf und wollen z.B. gern nen Silken Windsprite oder nen Alaskan Husky, weil das genau das ist, was sie sich vorstellen und was sie bei den schon existierenden anerkannten Rassen nicht gefunden haben.

    Neue Rassen werden auch nicht zwingend gesünder sein als alte, da hast du Recht. Aber sie werden auch nicht zwingend kränker sein und es gibt ja auch noch andere Eigenschaften als Gesundheitsmerkmale, die einen dazu veranlassen, sich eine bestimmte Rasse oder Kreuzung auszusuchen.


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    Eine sinnlose Verpaarung dreier recht eng verwandter Rassen. Da schwappt der Genpool direkt über vor Vielfalt.


    Naja, wenn man bedenkt, dass die Sennenhunde ursprünglich eine Landrasse mit leicht unterschiedlichen Typen, aber jeweils ähnlcihen Funktionen waren und, dass die einzelenen Typen/Rassen jetzt schon seit Jahrzehnten isoliert und relativ eng gezüchtet werden, kann man schon erwarten, dass die sich a) ganz gut ergänzen werden (ist jetzt ja nicht sowas weithergeholtes wie Mops x Jack Russell oder NSDTR x Aussie) und dass sie b) schon jeweils einiges an Genen einbringen können, die bei den anderen Typen vielleicht mal vorhanden waren, aber eventuell mit der Zeit verloren gegangen sind oder die in der willkürlich isolierten kleinen Gründerpopulation für die jeweiligen Rassen einfach nicht vorhanden waren, im weiteren Sinne in der Landrasse aber schon.

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    Der Kromfohrländer wurde nicht gezielt gezüchtet, das war ein Zufallswurf, der sehr einheitlich war und der Urzüchterin gefiel und ihr auch geraten wurde weiterzuzüchten. ;)


    Ja, das ist mir bekannt. Und von dem ersten Zufallswurf aus wurde gezielt weitergezüchtet. Oder hat die gute Frau ihre läufigen Hündinnen nachts im Dorf losgelassen und gewartet, was für Überraschungen nach 62 Tagen rauskamen? :lol:


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    Ja weil die nicht brauchbaren getötet worden sind

    Das ist heute nicht mehr nötig. Wird ja bei reinrassigen Hunden auch nicht gemacht, auch da gehen zur Zucht nicht taugliche Hunde auf Sofaplätze und fertig. Der Markt auch für "Mischlinge" ist in Deutschland dicke groß genug, so dass man bei verantwortungsvoller Auswahl der Elterntiere und vorheriger Betrachtung der Marktsituation (was man beides so oder so auch bei reinrassigen Hunden vor jedem Wurf machen sollte) die Nachkommen ohne weiteres loswerden kann.
    Nochmal, ich rede nicht von planlosem rumgedoodel um des Mammons willen, sondern von gezielter Zucht. Und davon sind Outcrosses auf anderen Rassen und Typen seit Menschengedenken ein Teil gewesen, in jedem Bereich der Tierzucht. Es gibt genau gar keinen wissenschaftlich haltbaren Grund sowas nicht zu praktizieren.

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    neue Rassen braucht kein Mensch


    Woher nimmst du diese Arroganz? Vor 100 Jahren und weniger war es ganz normal, dass man neue Type und Rassen kreiert und bestehende Typen und Rassen untereinander kreuzte um Eigenschaften in seinen eigene Linie einzubringen die man haben wollt , aber heute ist das nicht mehr ok weil...?
    Der Irische Wolfshund, der Dobermann, der Golden Retriever, der Leonberger, in jüngerer Vergangenheit der Eurasier und der Kromfohrländer... ich bräuchte keinen davon, meinetwegen könnten wir die alle abschaffen.
    Aber es gibt Leute, die fanden die Idee damals gut, es gibt heute Leute, die finden diese Rassen toll und damit haben die auch ihrer Daseinsberechtigung.

    Und heute gibts halt Leute, die wollen gern einen handlichen Windhund mit Whippetformat und -charakter, aber in langhaarig, und deswegen gibts halt seit ein paar Jahrzehnten Silken Windsprites, Langhaarwhippets oder wie auch immer man sie nennt, entstanden aus Whippet und Sheltie.
    Der Sinn mag sich manchen nicht erschließen, aber wie gesagt, ich bräuchte auch keinen Dobermann oder Goldie.


    Die Sache mit den Swissy Dogs finde ich von der Grundidee her gar nicht mal unvernünftig. Man hat bei den Schweizer Sennenhunden ein schönes Beispiel dafür, wie aus einem ursprünlich variablen Landschlag verschiedene Rassen raus "destiliert" wurden, aus einer großen, offenen Population wurden 4 kleine, abgeschlossene. Das bedingt, EGAL wie sorgfältig man innerhalb dieser geschlossenen Minipopulation züchtet, Genverlust, mehr oder wenige viel Inzucht und heutztage hat man zumindest bei den Bernern dadurch eine nicht grade kleine Krankheitsbelastung.
    Es geht nicht um "Mischlinge sind auf magische Weise gesünder als Rassehunde" und auch nicht nur um den Heterosiseffekt in der ersten Generation, es geht um langfristige Populationsgenetik. Und da ist es eigentlich ein Geschenk, wenn man 4 nahe verwandte Rassen hat, die jeweils ab und an mal aus Outcross für die anderen Typen herhalten könnten. Das heißt ja nicht, dass man dann alles zu einem typlosen Einheitsbrei vermischen muss und mit Doodels und Cockerpoos hat das erst recht nix zu tun.

    Das Problem dabei ist, dass sowas leider oft ohne Abstimmung mit den Zuchtvereinen gemacht wird - was zum Teil an der rückständigen Bildungssituation in den Vereinen liegt, zum Teil aber auch daran, dass manche Leute, die sowas vorhaben eben wirklich keinen Schimmer oder unlautere Motive haben... wie die Situation nun grade bei den Sennenhunden ist weiß ich nicht.
    Und damit ist man dann oft in den Arsch gekniffen was das eigentlich erstrebenswerte Ziel der Genpoolvergrößerung und Schaffung von mehr Selektionsmöglichkeiten angeht, weil die außerhalb der FCI gezüchteten und dann auch noch gekreuzten Hunden kaum jemals wieder den Weg zurück ins FCI-Zuchtbuch finden werden und somit der Aufwand mehr oder weniger im Sand verläuft. Wenn man immer nur F1-Kreuzungen macht und letztlich nie gezielt wieder zurückkreuzt, dann verpufft das alles wirkungslos.


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    Ich frage mich wie ein hellbrauner Hund aus verschieden Sennenhunden entstehen kann. Bei uns hats ja viele Sennhundmischlinge (Region Ostschweiz) die sind sozusagen die normalen Bauernhofmischlingshunde, aber doch immer schwarz-braun-weiss.
    Appenzeller gibts zwar selten in braun, aber auch nicht in hellbraun-weiss.


    Braun und blau (beides Modifikationen von schwarzem Pigment) können als rezessive Gene jeweils über Generationen versteckt weitergegeben werden. Ebenso ist es bei e/e gelb, dabei wird die Ausprägung von schwarzuem Pigment im Haar komplett verhindert und der Hund wird eben cremegelb bis rot (wie ein Golden Retriever). Ist er E/e oder E/E wird er ganz normal schwarz, erst wenn zwei E/e Hunde aufeinander treffen können e/e Welpen entstehen.
    Das ist also alles ohne weiteres ohne Fremdrasseneinkreuzung möglich.


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    Anders und unter Umständen nachdenkenswert wäre es, Fellvarianten wieder als eine gemeinsame Rasse zu führen. Das würde den Genpool vergrößern und könnte wahrscheinlich einen positiven Effekt haben. Gleiches gilt für die Aufhebung der getrennten Zucht verschiedener Farben innerhalb einer Rasse (zB einfarbige und mehrfarbige Cocker).

    Auf der HP werden auch zwei verschiedene Probleme nicht sauber getrennt, nämlich einerseits die Zucht von Extremmerkmalen (Qualzucht) und andererseits die genetische Engzucht (Linienzucht, strenge Selektion). Das sind zwei ganz verschiedene Baustellen die zwar beide zu gesundheitlichen Problemen bei Zuchtpopulationen führen, allerdings aufgrund ganz unterschiedlicher Mechansimen.


    Da stimme ich in beiden Punkten zu.


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    Will man ernsthaft Rassekreuzung betreiben, bedarf es nach meiner Ansicht eines von Genetikern ausgearbeiteten, permanent unter wissenschaftlicher Kontrolle stehenden Zuchtprogrammes und genügend Züchter, die an diesem Programm langfristig teilnehmen. Und es bedarf einer überzeugten Käuferschicht, die die Zwischenprodukte dieses Zuchtprogrammes abnimmt, auch wenn diese noch weit vom Zuchtziel entfernt sind. Früher hat man Hunde, die nicht dem Ziel entsprachen, ohne Federlesens beseitigt, und in sehr vielen Ländern wird das heute noch praktiziert - zumindest in D ist das aber nicht mehr möglich. Womit die Verantwortung der Züchter bei solchen Kreuzungsprogrammen noch mal steigt.


    Nunja, irgendwie haben unsere Vorfahren es ja auch geschafft, recht taugliche und dazu sogar noch hübsche und nette Hunde ohne wissenschaftlichen Beistand zu züchten. Hunde züchten ist vielleicht nicht so einfach wie Brötchen backen, aber es ist auch keine Raketenwissenschaft.
    Schaden kann Beratung durch nen studierten Tierzüchter und/oder Genetiker aber sicher nicht

    Die ausreichende Anzahl an aktiven Züchtern und Käufern ist allerdings tatsächlich extem wichtig. Das ist ja auch ein, wenn nicht der Grund, warum die meisten solcher Einkreuzungsprojekte schon in den Anfangsstadien scheitern: Eine einzelne Person verbesser bzw verändert keine ganze Rasse...

    Man braucht auch gar nicht bis nach Kanada gucken. In Spanien und Italien gab es immer Wölfe, zur Mitte des 20. Jhd mit abnehmender Tendenz, jetzt erholen sich die Bestände langsam wieder. Vorfälle mit Nutztieren gab es dort immer, mit Menschen... wäre mir nicht bekannt. Und das obwohl die Wölfe z.B. in Italien durchaus auch an und in die Dörfer kommen. Und sooooo klein sind die auch nicht, Gewichte von 30+ kg und Schulterhöhen von 70 cm findet man da auch in der Literatur.

    Ich find man muss das weder romatisieren noch verdammen. Wenn es wirklich Hinweise gibt, das ein bestimmtes Tier für Menschen gefährlich wird oder das ein Rudel sich auf Nutztiere spezialisiert, dann weg damit. Aber halt erst im begründeten Einzelfall, nicht aus so einer Hysterie raus.

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    Demnach gibt es derzeit in D einen Wolfsangriff auf einen Jagdhund mit tödlichem Ausgang (das war ein Jagdterrier, der die Wölfin verfolgt hat) und einen, wo der Hund dank Schutzweste überlebt hat. So wie ich die Jägerschaft in Bezug auf den Wolf kennengelernt habe, wäre es längst publik, gäbe es mehr Angriffe mit tödlichem Ausgang. Das wäre nämlich "Öl aufs öffentliche Feuer" und das wäre vielen Jägern lieb.


    Genau.
    Das deckt sich auch mit dem, was man aus Skandinavien und den USA weiß: Frei rumlaufende Hunde ohne Menschen in direkter Nähe und allein draußen lebende Hunde, am besten noch an der Kette, werden zu Opfern. In den Balkanländern auch Herdenschutzhunde, die teilweise nur getötet, teilweise auch angefressen werden.

    Der Vorfall hier passt da halt nicht so wirklich ins Muster.


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    Könnte es sonst andere Tiere geben die solche Verletzungen einem Hund zufügen könnten ? :???:
    Was gibt es denn noch ? Iltis ?


    Versuchs mal mit Monthy Pythons weißem Killerkaninchen, das ist deutlich wahrscheinlicher als die genannten. ;)

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    Mag die ja gerne, vorallem Kurzhaardackel :D


    Ich find Kurzhaardackel auch ganz süß, aber sehe fast nie welche. Eigentlich nur rauhhaarige. Auch die langhaarigen sieht man kaum noch.


    Das mit dem Zweit- und Dritthund stimmt, das scheint ein Trend zu sein. Bei uns in der direkten Nachbarschaft (Neubausiedlung am Dorfrand, 10 Häuser): Ich mit drei großen Hunden, Nachbarn diagonal gegenüber mit zwei Cocker Spaniels, Nachbarn am Ende der Straße mit zwei sehr großen Mixen, Nachbar am anderen Ende der Straße mit zwei oder drei Schäfern und einem Malteser, ein paar Häuser weiter gibts noch jemanden mit zwei Labradoren und einem Podenco, die nächsten in der Ecke haben ihre Malis zwar viel im Zwinger und man sieht sie kaum, aber nach dem Gebell sind es auch mindstens zwei. Einmal über die Hautstraße ins alte Dorf wohnt jemand mit zwei großen Mischlingen, dann ein bisschen die Straße runter auf meiner Gassirunde wohnt jemand mit drei großen und einem kleinen Hund... und das ist nur die direkte Umgebung, im Rest-Dorf fallen mir noch einige Leute ein die ab 2 Hunde aufwärts haben.

    Naja, nen Wildschwein wird wohl kaum in ein eingezäuntes Gelände kommen ohne das am Zaun was zu sehen war. Die Wolfsbeauftragte die im Artikel erwähnt wird, Gesa Kluth, ist regelmäßig dafür zuständig Nutztierrisse auf Wolfsbescheinigung zu überprüfen.
    Wenn die sagt, dass das Gelände ausreichend gesichert war, dann geh ich mal davon aus, dass nen Schwein da nicht einfach reinmarschieren kann.

    Ausreichend gesichert muss ja aber nicht heißen, dass der Zaun komplett unüberwindbar war. Normal gehen Wölfe ja nichmal durch ein Flatterband was sie nicht kennen (googelt mal, wo der Spruch "durch die Lappen gehen" herkommt) und bei den als ausreichend sicher bezeichneten Einzäunungen für Schafen und Ziegen würden Wölfe theoretisch auch rüberkommen, sie (also die entsprechend hohen/soliden oder unter Strom gesetzen Zäune) sind nur normalerweise abschreckend genug.

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    [...] oder die Hunde nicht unbeobachtet draussen rumlaufen lassen (finde ich sowieso etwas seltsam)


    Hatte es so verstanden, dass es der eigene Hund der Pensionsbetreiberin ist? Ich finds jetzt nicht so komisch, einen Hund, grade einen eigenen, abends nochmal alleine in den Auslauf zu lassen für seine Geschäfte.

    Wenn da jetzt mehrere Pensionshunde durcheinander laufen, dann würde ich Aufsicht erwarten, aber wer rechnet denn auf dem eigenen Gelände mit sowas (immer ausgehend davon, dass wirklich irgendwas von außen passiert ist und nicht mit ihren eigenen bzw Gasthunden)?
    Ich guck auch nicht jede Minute was meine Hunde im Garten machen wenn im Sommer die Terrassentür offen ist und unser Garten ist keine zwei m hoch eingezäunt.

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    Ist ein Schäferhund nicht eine Nummer zu gross für einen Wolf? Bzw. hat sich der Hund ja sicherlich gewehrt. So ein Risiko geht doch ein Wolf nicht ein. Ausserdem muss das doch einen ziemlichen Krach gemacht haben. Wieso merk das niemand in einer Pension?


    Das es keinen Lärm gegeben haben soll wundert mich auch, und nach dem "Warum?", also "Warum sollte ein Wolf so ein Riskio eingehen um einen Hund zu töten, der nichtmal in seinem Revier ist, frag ich mich ebenfalls.

    Das ein Schäfer zu groß ist um relativ einfach von einem Wolf getötet zu werden denke ich aber nicht. Selbst wenn man ein moderates Gewicht von 30 kg statt Schätzungen von 60+ kg ansetzt, ist ein Wolf nunmal ein wesentlich geübterer Jäger als ein Hund. Und ein schäferhundgroßer Hund kriegt einen anderen in der Größenordnung auch ohne weiteres tot wenn er es ernst meint. Zumal 9 Jahre zwar nicht uralt, aber eben auch nicht mehr taufrisch ist.

    Außerdem werden bei den Vorfällen mit Jagdhunden in Skandinavien und den USA regelmäßig Hunde in schäferhundgröße getötet. Gut, da weiß man jeweils nicht, ob es nicht mehrere Wölfe waren, aber wenn man dem Gedankengang, dass es ein Wolf gewesen sein könnte, überhaupt Glauben schenken will, muss es auch hier kein Einzeltier gewesen sein.


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    Ausserdem hat der Hund ja anscheinend keine Verletzungen am Hals und auch ansonst sieht der Hund gar nicht mal so schwer verletzt aus, zumindest sehen die Bisswunden nicht tötlich aus. Ein Raubtier würd doch aber sicher die Kehle durchbeissen. Ich denke eher, dass der Hund vielleicht an Herzversagen gestorben ist.


    Die Schwere der Wunden bei Hundbeißereien täuscht oft. Durch die lose Haut beim Hund sehen Wunden von außen oft nicht so schlimm aus wie sie von innen sind. Grade am Brustkorb: Ein paar mal Brustwand punktiert, Pneumothorax (Luft in der Lunge, Lunge fällt zusammen), Einblutungen in die Lunge, vielleicht in den Herzbeutel. Am Hals reichen auch relativ kleine Punktionen um die großen Gefäße zu verletzen. Das muss nicht dramatisch nach außen bluten, Hunde wie Wölfe "reißen" nach dem Einbiss (Zähne einhaken und dann Kopf rumreißen), dabei entsteht innen oft größerer Schaden als außen. Insofern kann ein Hund mit solchen Wunden ohne weiteres nach innen verblutet sein.


    Naja, wie auch immer, ich persönlich hab da auch starke Zweifel und bin gespannt auf die Untersuchungen. Hoffentlich finden sie was definitives und nicht nur "nix außer dem Opfer-Hund", sonst wird über den bösen Wolf spekuliert werden bis zum St. Nimmerleins-Tag.

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    Ich wohne in Finnland und hier werden tatsächlich Hunde von Wölfen getötet. Der letzte Fall, von dem ich gehört habe liegt zwei Jahre zurück, der Besitzer hatte seinen Golden Retriever nochmal zum Pinkeln vor die Tür geschickt und dann wohl drinnen Staub gesaugt. Als der Hund nicht zurückkam ist er den Spuren im Schnee gefolgt und fand ihn tot ein paar hundert Meter vom Haus entfernt. Geschehen in Westfinnland bei Tampere.


    Ja, klar, sowas kennt man ja auch aus Schweden und den USA, oft sind es ja weitjagende Jagdhunde und Hunde die alleine "Gassi gehen".

    Aber die Geschichte hier lief ja noch ein bisschen anders, das klingt für mich bisher auch noch ein bisschen unglaubhaft.
    Ebenso wie die anderen finde ich es doch etwas seltsam, dass ein einzelner (?) Wolf gezielt in ein gut eingezäuntes Gelände (hoher Zaun, Einstieg über Stromkasten) in einer Ortschaft eindringt, da unbemerkt den Hund totbeißt und dann wieder aus dem Gelände verschwindet.
    Ich mein, ich hab keine Schwierigkeiten zu glauben, dass ein Wolf 2 m Zaun überwindet, das können auch viele normale Hunde und von Haltern von Wolfhunden kennt man solche Stories auch. Zumal da ja auch steht "bis zu zwei m hoch", das heißt er war nichtmal überall 2 m hoch. Aber normal ist ein solider Zaun, wie ihn eine Hundepension haben sollte, ja schon eine Hemmschwelle.

    Ich hoffe, die Sektion und DNA wird Aufklärung bringen.