Jimmy braucht Hilfe

  • Liebe Foris,

    ich hoffe ich bin in dieser Rubrik richtig, sonst bitte verschieben...

    Ich muss hier jetzt mal die Geschichte von Jimmy loswerden. Über das Wie alles gelaufen ist und dass es so definitiv nicht laufen sollte zu reden bringt wohl nichts mehr, jetzt muss Jimmy geholfen werden. Und zwar dringend...

    Also, es könnte lang werden, sorry.

    Jimmy ist der Hund meiner Arbeitskollegin. Im Folgenden einfach A. genannt. Jimmy ist ein Münsterländer Labbi Irgendwas Mix, vom Aussehen erinnert er mich aber eher an einen Bernersennenmix. Er ist ca. 60cm gross...

    A. hat zwei Töchter. Jimmy wurde damals von der Familie vor allem für die 15 jährige Tochter angeschafft, im Einverständnis aller. (Jaja, ich weiss, man schafft sich keinen Hund für ein Kind an... :sad2: )
    Naja, anfangs ging auch alles relativ gut, die Familie zeigte Interesse an Jimmy und es war alles ok.
    Dann trennten sich A. und ihr Mann, worunter alle sehr litten, natürlich auch Jimmy. Der Mann entwickelte daraufhin einige merkwürdige Eigenarten und es wurde immer mehr gestritten. Jimmy bekam alles hautnah mit. Zack, die erste BEzugsperson weg.

    Dann begann A. ihre Kinder ins Gebet zu nehmen, jetzt mussten sie sich mehr um Jimmy kümmern. A. ist berufstätig, acht Stunden täglich, die Kinder sind ab mittags zuhause.
    A. merkte aber bald, dass ihre Kinder mit Jimmy nicht rausgingen. Oft kam sie nach Hause und Jimmy hatte auf den Boden gemacht und schämte sich sehr. Sie versuchte alles um ihre Kinder zu bewegen mehr mit dem Hund rauszugehen. Dabei tat sie aber selbst längst nicht alles um Jimmy gerecht zu werden. Sie ging kurz nach der Arbeit mit ihm raus, war also wenig konsequent und ebensowenig Vorbild.

    Jimmy entwickelte sich nun immer schlechter. Natürlich war er völlig unterfordert und wenn es dann raus ging, zerrte er wie verrückt an der Leine und wurde immer ungestümer (völlig klar, der grosse Rüde kam gerade mal 15 min am TAg raus :zensur: ). Spazieren war also keine Freude mehr, und die Tochter konnte dann auch nicht mehr mit ihm gehen, weil sie ihm köperlich einfach nicht mehr gewachsen war.
    A. entschuldigte sich immer wieder, wenn ich ihr sagte was ich davon halte und ihr Tips gab, wie sie mit Jimmy wieder zurechtkommen würde (ausgewogenes Verhältnis an Auslauf, Beschäftigung und Konsequenz). Sosehr ich A. mag, ich merkte immer mehr, dass Jimmy ihr zuviel wurde.

    Dann zogen die Kinder zu ihrem Vater (gleich zwei Bezugspersonen auf einmal weg, Jimmy verstand die Welt nicht mehr) und Jimmy spielte sich immer mehr als Chef auf, laut A. (ich deute das als Verlustangst). Er liess die Kinder kaum mehr gehen wenn sie zu Besuch kamen, wurde zunehmend agressiv gegenüber Männern und Besuchern, schnappte sogar nach A. Der HUnd muss permanent unter Einsamkeit und Stress stehen...

    dann lernte A. einen neuen Mann kennen, der aber weit weg wohnt. So war Jimmy oft auch noch am Wochenende viel allein. Laut A. kommt der neue Mann wohl aber sehr gut mit Jimmy klar (er beschäftigt sich ja auch mit ihm, kann ihn aber nicht übernehmen), aber alles andere werde mittlerweile agressiv angegangen. Ich empfahl ihr immer wieder einen Trainer, aber sie ist nicht bereit soviel ihrer Zeit für JImmy zu geben. Ich glaube sie liebt ihn irgendwie aber auch nur irgendwie.
    Jetzt soll Jimmy weg. Ins Tierheim will sie ihn nicht geben, deswegen suchte sie eine Pflegestelle.

    Ich habe dann auch geholfen, habe Pflegestellen durchtelefoniert und mit einer anderen Arbeitskollegin, der Jimmy auch sehr leid tut, Steckbriefe aufgehängt, er steht im Internet auf einer Tierschutzseite zur Vermittlung (http://www.vivalahund.de ,glaube ich). Uns ging die Geschichte immer mehr zu Herzen.

    Naja, mittlerweile verletzt Jimmy sich selbst. Er hat sich schon eine kahle Stelle am Schwanzansatz angebissen und die Pfoten aufgebissen. Er tut mir so leid. Ich habe wie eine Verrückte auf A. eingeredet, ihr meine Schleppleine geliehen, damit sie Jimmy wenigstens etwas Auslauf verschaffen kann. Sie sagt sie benutzt sie und es klappt ganz gut...

    dann fand sich eine Pflegestelle mit 2 Hunden. A. brachte Jimmy dorthin, anfangs lief es ganz gut. Dann ging A. Kaum war sie auf der Autobahn rief die Pflegestelle an und sagte Jimmy hätte den Mann gebissen und die anderen Hunde angegangen, er müsse sofort wieder weg (dazu müsst ihr wissen, Jimmy ist zuhause Chef. Er darf alles, muss alles beschützen und trotzdem rennen alle die er liebt vor ihm weg. Und dann steckt die letzte, die noch geblieben ist, ihn in ein fremdes Rudel und geht einfach).
    A. holte ihn sofort wieder ab. Von da an war klar, wie schwer die Vermittlung von Jimmy sein würde...

    Ich hatte mir fest vorgenommen, alles nicht zu nah an mich ran zu lassen, ich kenne mich, mir geht sowas sehr zu Herzen. Deswegen wollte ich Jimmy am besten nie kennenlernen....aber jetzt muss etwas passieren.Wer würde Jimmy denn haben wollen, bei den Problemen, die er entwickelt hat? Da muss sich schon jemand mit Hundeverstand ernsthaft in ihn verlieben...ich hoffte sosehr dass sich jemand auf die Steckbriefe meldet...passierte dann auch. Aber A. weiss gar nich wie sie ihn beschreiben soll, da er wohl immer wenn jemand die Whg betritt Terror macht..da geht ja jeder Interessent rückwärts wieder raus...

    Meine andere Arbeitskollegin, C. , rief ihre Schwester an, sie ist Tierkommunikatorin (an alle, die nicht daran glauben, einfach überlesen, ich persönlich tue es und war mal wieder überrascht)..die nahm dann Kontakt zu Jimmy auf. Er erzählte ihr, dass A. nicht gut zu ihr sei, manchmal auch sehr grob. Sie würde allen Frust an ihm auslassen. Er verletzte sich, weil er sich so unwohl in seiner Haut fühle. Er sei so einsam...dann sendete die Schwester Jimmy ganz viel Energie und sagte ihm er solle an sich glauben und es gäbe Menschen die ihm helfen würden. Er müsse nur Geduld haben.
    Jimmy schickte noch ein Bild wie er mit einer jungen Frau über einen Wiese tollt, ohne Leine und frei. Und er sagte er wisse dass er ein toller Hund sei, nur im Moment sei er voller Leid .

    C. und ich fassten nun den Entschluss, nachdem wir neue Steckbriefe erarbeitet hatten und überall ausgehängt, am Freitag zu A. zu fahren um uns ihn anzuschauen. Wir möchten einfach herausfinden, wie es ihm geht, mit ihm spazieren gehen, ihm Liebe geben und vor allem einen Weg finden, wie er zu vermitteln wäre.
    Da es ihn der Whg nicht geht, treffen wir uns auf einem Feld, als wären wir Interessenten und gehen dann allein ne Runde mit Jimmy um zu schauen, wie er wirklich ist. Ich muss ihn einfach selbst erleben, ich kann A. s Schilderungen nicht mehr allein vertrauen. Wir möchten dann auch bei der Vermittlung helfen.

    Ich glaube, dieser Hund würde sich unter liebevoller Führung sehr schnell positiv verändern. Er verletzt sich immer mehr selbst und muss dringend von A. weg.
    Ich selbst habe zwei Hunde, die beide sehr gut "funktionieren" und sicherlich auch Hundeverstand, aber das allein reicht bei Jimmy nicht mehr...er braucht ein Wunder. DAss sich jemand für ihn entscheidet weil er den wahren Jimmy sieht...
    ich würde auch oft mit Jimmy spazieren gehen und mit ihm arbeiten, aber A. wohnt ziemlich weit weg...zeitlich einfach nicht zu schaffen, zudem ich meinen Hunden auch noch gerecht werden muss und will.

    Was meint ihr? Hat Jimmy eine Chance? Was können wir noch für ihn tun???

    Am Freitag werde ich Fotos machen und sie mal einstellen und von unseren Erfahrungen berichten, wenn es euch interessiert. Bitte entschuldigt den langen Text, aber ich musste es mir einfach mal von der Seele schreiben...
    würde mich sehr über Antworten freuen.
    Liebe Grüsse, Meike *inGedankenbeiJimmy*

  • Hallo Meike,
    puh, ich hatte gerade eine Gänsehaut nach der Anderen, ganz ehrlich!!!

    Wenn Du ihn nicht kennst, wie kommst Du dann auf Bernersennen-Mix, wahrscheinlich von Fotos, oder?? Könntest Du Dich nicht direkt an diese Nothilfe wenden?? Die haben doch meistens Pflegestellen, die sich mit diesen Rassen-Mixen sehr gut auskennen.

    Es ist bestimmt sehr schwer, sowas in seiner Nähe zu erleben und fast nichts tun zu können.
    Wenn A. nicht die Zeit oder auch Kraft aufbringen will, dann sollte Jimmy so schnell wie möglich weg von dort, denn sonst dreht er entweder komplett durch oder er schadet sich noch mehr selbst. Ganz ehrlich, da wäre er wahrscheinlich in einem TH vielleicht noch besser aufgehoben, aber durch seine Verlustangst wäre das weniger sinnvoll. Ich bin sehr gespannt, wie er sich am Freitag verhält und was Du berichtest. Das mit Deiner Kollegin C ist schon sehr interessant, vor allem wäre es interessant, wie Frau A darauf reagieren würde, wenn ihr sie darauf ansprecht.
    Hoffentlich kann dem armen Fell geholfen werden :sad2:

  • Hallo Meike,

    ich finde es wirklich toll von dir und deiner Arbeitskollegin, wie ihr euch für Jimmy einsetzt! Ich drücke euch und Jimmy die Daumen, dass eure Bemühungen Erfolg haben und Jimmy in ein schönes neues Zuhause vermittelt werden kann.

    Für Freitag wünsche ich euch zunächst einmal einen schönen Spaziergang ...

  • Ja, durch Fotos...die werdet ihr ja sehen am Freitag...
    also ich habe mich an alle möglichen Nothilfen gewendet, aber Jimmy ist momentan einfach nur allein zu vermitteln und da gibt es sehr wenig Pflegestellen.
    Ich habe kurzzeitig auch überlegt, ob er wohl besser im TH aufgehoben wäre, kenne auch ein gutes, aber dann entwickelte sich die Agression. Ich denke wenn er jetzt im Zwinger landet, wird sich das verstärken und er wird einer der Hunde, die kläffend am Gitter hängen und den niemand haben will...um Gottes Willen, wenn es anders geht...

    Wir haben A. bewusst nichts von der Kommunikation erzählt, sie glaubt nicht an sowas und wir wollen, dass sie möglichst lang und intensiv mit uns arbeitet, soweit das eben möglich ist, um das Beste für Jimmy rauszuholen. Sie zu konfrontieren könnte zu Lasten Jimmys gehen und das möchten wir nicht. Und A. ist definitiv kein schlechter Mensch, in ihrem Leben ist einfach zuviel Dummes gleichzeitig passiert, sie ist echt durch die Hölle gegangen. Ich würde niemals meinen Hunde vernachlässigen, aber sie ist nunmal nicht ich.
    Und sie ist uns unendlich dankbar für unsere Hilfe, hat oft Tränen in den Augen. Auch wenn sie alles falsch gemacht hat, ich will sie in Bezug auf Jimmy nicht in Schutz nehmen, tut sie mir manchmal leid.

    @El Rocko...wenn er dann mit uns geht... :gott:

  • Ich habe mir fast gedacht, daß A nicht an das glaubt, was C sagt.

    Wenn ihr euch am Freitag trefft, würde ich Jimmy erstmal ignorieren, falls er irgendwie anstalten macht rumzuzicken. Würde mich mit leckerer Schinkenwurst oder Frolic bewaffnen, ihn nicht anschauen und die Leckers in der Hand halten. Dann schauen, was er macht.

    Wird schon, bin wirklich gespannt, wie Euer Spaziergang läuft.

  • Ja, danke für die Tips, genau so werde ich es machen. Habe auch einen super Verhaltenstherapeuten an der Hand, von dem ich einiges über meine Mäuse gelernt habe, das wende ich natürlich an... ;)

    Werde detailliert schildern, wie Jimmy sich benommen hat, hoffe ich kriege dann noch mehr Tips wie ich ihm helfen kann...vielleicht hat hier ja jemand sonst noch Ideen..hauptsache ich konnte es mal loswerden, das hilft schon enorm..
    Danke vor allem an dich Bibidogs... :roll:

  • hallo meike,
    das liest sich ja alles furchtbar. toll, dass ihr euch um den hund kümmert. ich drücke die daumen, dass ihr ein gutes zuhause für ihn finden werdet.

    ich komme gar nicht darüber weg, dass ein mensch seinen hund so vernachlässigen und ihn so leiden lassen kann. ich glaube, ich könnte nicht mehr nett mit A umgehen. würde bestimmt mal einen netten spruch los lassen. ja, ich weiß, man sollte es nicht, bringt nichts.

    fassungslose grüße marion

  • Marion so geht es mir auch, ich hatte echt Gänsehaut, so krass fand ich das.
    Aber ich denke, es könnte so sein, wie bei meiner Kollegin mit der Epilepsiekranken Dogge, je Druck, desto mehr stößt man auf eine Wand und das würde Jimmy ja auch nicht helfen.
    Aber leider ist es einfach so, manche Menschen sollten einfach keine Tiere haben, so hart das auch klingt.
    Meike, ich finde es toll, daß Du Dir Jimmy annimmst.

    Sag mal Marion, wie würdest Du denn die erste Begegnung mit Jimmy angehen =)

  • Zitat


    Sag mal Marion, wie würdest Du denn die erste Begegnung mit Jimmy angehen =)

    bibi, das kann man doch so, ohne den hund in der situation zu erleben gar nicht sagen. auf jeden fall würde ich nicht frontal auf ihn zu gehen, alles andere ergibt sich dann. :D

    vielleicht seitlich annähern, wegschauen dabei von der seite den hals streicheln, mit ihm sprechen ohne augenkontakt, wie auch immer er sich verhält. ich denke, dass ich da ganz spontan, je nach situation reagieren würde.

    und wie würdest du vorgehen?

  • Rottifrauchen: Guck mal Marion, hatte ich schon geschrieben ;)

    Zitat


    Wenn ihr euch am Freitag trefft, würde ich Jimmy erstmal ignorieren, falls er irgendwie anstalten macht rumzuzicken. Würde mich mit leckerer Schinkenwurst oder Frolic bewaffnen, ihn nicht anschauen und die Leckers in der Hand halten. Dann schauen, was er macht.

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