War es die richtige Entscheidung?
-
evilmaker -
8. September 2008 um 17:31
-
-
Hi,
erstmal zu meinem Hund: Er hieß Arny, war 14 Jahre alt, erkankte an Diabetes Mellitus und wurde von mir und meiner Familie immer liebevoll behandelt und gestreichelt.
Da er nicht kastriert war, bildete sich ein Tumor an der Analdruese - auch das Problem haben wir in den Griff bekommen (er war gutmuetig), jedoch kam irgendwann der Tag, als er nichtmal mehr einen Schluck Wasser trinken konnte ohne zu erbrechen. Meine Mutter und ich waren sofort bei der Tieraerztin, die ihm Magenmedikamente verschrieb und ein kleines Blutbild machte. Soweit nichts auffaelliges. Wir waren danach jeden Tag bei ihr, jedoch ohne Erfolg - der Hund erbrach den ganzen Tag ueber! Wir haben alles versucht.
Wir sind daraufhin sofort in die Tierklinik gefahren - Arny sollte ueber Nacht da bleiben: Roentgen, großes Blutbild, Infusionen, Ultraschall Untersuchungen.
Am Abend noch der erloesende Anruf: Bisherigen Werte sind Ok - weist auf eine Darminfektion hin. Wir haben uns alle gefreut, doch der naechste Tag sollte uns belehren.
Abends sollten wir vorbeifahren - haben wir auch getan. Arny war natuerlich uebergluecklich uns zu sehen :). Nach der anfaenglichen Euphorie, ist er aber selbst im Stehen eingeschlafen: Er guckte muede, zerbrechlich und schutzlos.
Der Arzt bekam diesen Abend die Ergebnise des großen Bluttests: Alle Nieren + Leberwerte (außer einem) waren STARK erhoeht. Es ging sogar so weit, dass manche Werte nicht mehr im messbaren Bereich lagen. Diagnose vom Arzt: Cushing Syndrom, in Folge dessen Diabetes Mellitus. Unsere Tieraerztin hat NIE irgendwelche Anzeichen gemacht, dass der Diabetes auch woanders herkomme koennte.
Er sagte mir klipp und klar: Waere es mein Hund, wuerde ich ihn einschlaefern lassen. Es besteht keine Hoffnung mehr, dass die gaengigen Medikamente anschlagen wuerden.
Meine Mutter, meine Freundin und ich gingen nochmal mit ihm eine kleine Runde. Natuerlich haben alle bitterlich geweint, aber eine Entscheidung musste her.
Arny ist und bleibt mein bester Freund und ich habe mir geschworen ihn auf dem letzten Weg zu begleiten, allerdings frage ich mich, ob diese Buerde nicht zu schwer fuer mich ist. Keiner war mehr in der Lage klar zu denken - ich habe es versucht und keinen Ausweg gesehen, so wie der Arzt. Ich nahm Arny an der Leine - er schaute mich gluecklich an und lief mit mir in die Praxis zurueck... danach schlief er ein.
Seitdem habe ich starke Schuldgefuehle. Wie konnte ich meinen besten Freund zur "Schlachtbank" fuehren? Haetten wir den Medikamenten nicht wenigstens eine Chance geben sollen? War es so richtig?
Ich bitte um Vergebung dafuer, dass ich das groeßte Geschenk Gottes - fuer mich und meine Familie - mit zur Schlachtbank gefuehrt habe.
Seit diesem 05.09.08 weine ich taeglich - meine Mutter kann ueberhaupt nicht mehr und das Leben ohne Hund kommt mir leer und wertlos vor.
Was haettet ihr in meiner Situation getan? Die Werte waren wirklich eine Katastrophe, aber haette man es nicht wenigstens versuchen koennen?
Es ist schwer...

MFG Tim
- Vor einem Moment
- Neu
Hi,
Schau mal hier: War es die richtige Entscheidung?*
Dort wird jeder fündig!-
-
hallo tim,
es wird besser werden,langsam, ganz langsam...mach die keine vorwürfe, arny sollte ja auch nicht leiden...
hört sich nach einem kompletten organversagen an, mein alter bursche hatte das auch, drei monate vorher waren noch alle werte im grünen bereich und dann innerhalb einer woche hört ein organ nach dem anderen auf...ich habe es mit intensiv behandlung versucht...eine woche lang...es wurde unter infusionen und tausend medikamenten immer schlechter...
mein schwerster weg...
mach dir keine vorwürfe...es geht im gut wo er jetzt ist... -
Hallo lieber Tim,
erst mal möchte ich dir sagen, wie leid mir das tut, so ein letzter Gang mit dem Pelzkumpel zu gehen ist immer unheimlich schwer und tut entsetzlich weh.
egal was ich sagen würde, den Schmerz über den Verlust des Süßen kann weder ich noch jemand anderer dir nehmen und 14 Jahre sind eine lange Zeit. auch wenn man weiß, dass der gemeinsame Weg mit einem Tier nicht lange ist, ist man dankbar um jedes Jahr, jeden Tag und jede Minute.
Die Trauer musst du zulassen, ebenso wie deine Mutter, aber irgendwann wird es leichter zu ertragen, dass der Schatz nicht mehr da ist. Aber die Erinnerungen an die schönen Dinge sind das Wertvollste und sie sind bleibend.
Deine Schuldgefühle jedoch sind hingegen eine andere Seite. Ich kenn das Gefühl, wenn man an seiner Entscheidung zweifelt. All die Fragen kommen danach hoch: hätte man nicht vielleicht doch oder wäre da nicht vielleicht doch noch eine kleine chance gewesen, hab ich zu voreilig entschieden, hätte, wäre, wenn... das nagt innerlich so sehr, aber was mir geholfen hat, war einfach die schmerzliche Erinnerung wie schlecht es dem Schatz gegangen ist und die Tatsache, hätte ich länger gewartet, dann hätte es nur das Leiden verlängert.
Ich hab mir immer wieder ins Bewusstsein gerufen, dass es zu meiner Verantwortung gehört nicht nur für die Pelznasen zu sorgen, sie zu lieben, sie zu betüdeln, sondern eben auch diesen letzten Gang mit zu gehen - egal wie hart mich das treffen wird, egal wie traurig mich das macht und wie leer das Leben ohne sein wird. Jeder meiner Hunde hat seine Spuren hinterlassen und auch heute noch muss ich an den Tränen schlucken, wenn ich dran denke, aber ich kann auch über die schönen erinnerungen lächeln und bin dankbar dafür, dass sie mein Leben bereichert, mich ein Stück geprägt haben und ein Teil meines Lebens mich begleitet haben.
Leider können sie nicht mit uns alt werden, aber die Zeit die uns mit ihnen vergönnt ist, ist wertvoll und bleibend.
Du hast deinen Schatz nicht zur Schlachtbank geführt, Tim, du warst bei ihm, als seine Zeit gekommen ist und hast ihm viel Leid und Schmerzen erspart. Im Moment schmerzen dich alle Erinnerungen an ihn, selbst die schönen, weil er dir so schrecklich fehlt, aber irgendwann kehrt auch dein Lächeln wieder zurück, weil dir bewusst wird, wie sehr er dein Leben bereichert hat, wie sehr er dich geprägt hat, dich zum Lachen brachte, wie oft du auch mal über ihn geschimpft hast. Es wird auch dann wieder Momente geben, an denen du lachen kannst darüber, welche Faxen er gemacht, welche Eigenarten er hatte, welche Flausen er nie abgelegt hat.
ich weiß, egal was andere sagen, es tut weh und man hat das Gefühl, das nimmt kein Ende. Fühl dich von mir gedrückt.
Ganz liebe Grüsse
Pandora -
Zitat
Ich bitte um Vergebung dafuer, dass ich das groeßte Geschenk Gottes - fuer mich und meine Familie - mit zur Schlachtbank gefuehrt habe.
Seit diesem 05.09.08 weine ich taeglich - meine Mutter kann ueberhaupt nicht mehr und das Leben ohne Hund kommt mir leer und wertlos vor.
Hoer' auf Dir Vorwuerfe zu machen!!! Was Du fuer Arny getan hast war ein tapferer und mutiger Liebesbeweis. Du hast es ihm moeglich gemacht in Ruhe und in Wuerde und schmerzfrei zu gehen.
Und koennte Arny Dir etwas sagen dann wuerde er dir Gewiss dafuer danken und nicht wollen das Du dir Vorwuerfe machst
ZitatWas haettet ihr in meiner Situation getan? Die Werte waren wirklich eine Katastrophe, aber haette man es nicht wenigstens versuchen koennen?
Genau das gleiche wie Du auch. Ich war auch schon in der Situation.....und obwohl der Gedanke daran immer noch weh tut weiss ich das es fuer meinen Hund das Beste war ihn in Wuerde und ohne weitere schmerzhafte Behandlungen los zu lassen......er ist zu Hause auf der Couch in meinem Arm eingeschlafen und ich weiss das die Entscheidung in seinem besten Interesse war.
In deiner Situation.....waere es bei Arny erst mal zu akutem Nierenversagen gekommen haette er Hoellenqualen erlitten.....das hast Du ihm aber abgenommen, dieses Schicksal, indem Du die Entscheidung getroffen hast.......und dafuer ist er Dir dankbar.Denk' an all die guten Zeiten mit Arny, nicht an den Abschied.....du darfst Dir den letzten Tag nicht die letzten 14 Jahre an Glueck nehmen lassen.
Auch denk' immer daran das sein Tod lediglich ein Abschied auf Zeit ist und nicht fuer Immer.
-
Danke, die Kommentare geben mir sehr viel Kraft!
Ich erinner mich staendig auch an die schoenen Dinge und muss staendig laecheln :). Fuer mich war der kleine Racker mehr als "nur" ein Hund. Er war vll derjenige, der mich immer und unter allen Umstaenden bedingungslos geliebt hat und andersrum war es natuerlich auch so!!!
Es ist wirklich hart, wenn man das Liebste auf der Welt verliert.
Zu seinem Gesundheitszustand: Alle Werte waren mindestens um das 4x erhoeht. Ein Wert, dessen Norm bei 300 lag, war bei ueber 3000! Dieser Wert konnte ueberhaupt nicht mehr gemessen werden. Diese Werte schockierten mich sofort zu tiefst und ich waere fast aus der Praxis heulend rausgerannt, weil es einfach so unverhofft kam...
Ich kann gar nicht beschreiben wie sehr er fehlt und ich kann mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen...
-
-
Zitat
Ich kann gar nicht beschreiben wie sehr er fehlt und ich kann mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen...
Gib' dir Zeit die Trauer auszuleben und zu verarbeiten.......und dann schaust Du dich nach einem neuen Begleiter um

-
Zitat
Ich kann gar nicht beschreiben wie sehr er fehlt und ich kann mir ein Leben ohne Hund nicht vorstellen...
Hallo,
mußt Du doch auch gar nicht...! Du bist 20Jahre alt, hast Dein Leben noch vor Dir und noch sooooooooo viel Platz in Deinem Herzen für ganz viele Fellnasen, die Dich brauchen und lieben werden.
Gib Dir Zeit, die Trauer um den Verlust zu verarbeiten. Ich fühle mit Dir, habe am 15.05.2007 diesen schweren Gang gehen müssen und weine noch heute, wenn ich an unseren Räuber denken muß. Räuber und Arny haben sich bestimmt schon kennengelernt im Regenbogenland und spielen vergnügt zusammen, ohne Organversagen und kaputten Rücken und gelähmten Hinterpfoten.
Seit fast einem Jahr ist Ronja bei uns und wir sind glücklich mit ihr. Und bei jedem Regenbogen sagt mein Sohn immer "Guck mal, Mama, Räuber denkt an uns!".
Liebe Grüße
BETTY und Ronja
-
Hallo,
ich kann gut verstehen wie du dich jetzt fühlen musst aber du brauchst dir keine Vorwürfe zu machen. In der Situation hast du meiner Meinung nach das Richtige getan und ihn nicht noch weiter mit unzähligen Behandlungen gequält. Und er hätte sich unnötig gequält ...
Auch dass du beim letzten Gang dabei warst finde ich klasse. Es ist immerhin ein Familienmitglied. Ich selber war bisher auch bei fast allen Tieren die eingeschläfert werden mussten dabei und ich würde mir mehr Vorwürfe machen, wenn ich es nicht gemacht hätte. Ich denk dann immer, dass das Tier ja gar nicht weiss was los ist, wenn wir es weinend wegschicken und er in einem Zimmer von fremden Menschen umgeben ist.
Da ist es besser der geliebte Besitzer ist dabei und hält es fest. Und man selber kann es dann irgendwie auch besser begreifen, dass der Hund oder welches Tier auch immer nicht mehr da ist.
Ich wünsche euch für die nächste Zeit viel Kraft und denk daran: Da wo euer Hund jetzt ist hat er keine Schmerzen und er ist dir dankbar für deine Entscheidung.
Lieben Gruß
Carina
-
Lieber Tim, ich fühle mit Dir, es ist so schwer und schrecklich, diesen Weg zu gehen, umso mehr, wenn die Notwendigkeit dazu so schnell und unerwartet kommt! Du musstest schnell entscheiden und hast genau das Richtige getan, Du hast Deinen besten Kumpel Arny vor Schmerz und Leid bewahrt und warst bis zum Ende bei ihm. Das wird er Dir danken.
Mitfühlende Grüße
Wauzihund -
Hey Tim!
Tut mir echt leid für dich! Meine Hündin ist auch Ende letzten Jahres gestorben. Mir hat unser neuer Hudn sehr viel Kraft gegeben, den wir uns ein paar Wochen vorher noch dazu geholt hatten.Du hattest eine sehr schwere Entscheidung zu treffen. Aber ich denke es war die richtige. Arny hat sicherlich auch gelitten, wenn er den ganzen Tag nur noch gebrochen hat, und auch so hatte er bestimmt Schmerzen. Und 14 Jahre ist ein stolzes Alter. Ich hätte denke ich auch nicht versucht, auf irgendwelche Medikamente zu hoffen, die VIELLEICHT IRGENDWANN mal anschlagen und der süße bis dahin noch mehr leiden muss.
Du bzw. Ihr braucht euch echt keine Vorwürfe zu machen. Ihr habt bestimmt keine Schuld an irgendwas und ihr habt das Richtige getan. Arny geht es jetzt bestimmt besser, denn er muss sich jetzt nicht mehr quälen!
Liebe Grüße Bianca - Vor einem Moment
- Neu
Jetzt mitmachen!
Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!