(chemische) Kastration?

  • Hallo zusammen,

    habe gerade einen immensen Gewissenskonflikt zu bewältigen *seufz*

    Versuche mal (möglichst kurz *räusper*) zu schildern um was es geht:
    Unser Hund (ca. 15 Monate alter Rüde) ist nicht sozialisiert (wuchs als Welpe wohl mehr oder weniger komplett isoliert auf) und wir haben ihn im Alter von ca. 6 Monaten übernommen. Seither haben wir sehr viel mit und an ihm gearbeitet. Wir machen auch RH Arbeit und wir haben immense Fortschritte mit ihm gemacht. So war er z.B. ein extremer Leinenpöbler - ist er jetzt überhaupt nicht mehr. Der Gehorsam sitzt auch ziemlich gut, in der Rettungshundearbeit ist er sowas wie ein Naturtalent und alles könnte prima sein...wenn.... ja wennnnnnnnn er nicht immer wieder anfangen würde andere Hunde (im Speziellen Rüden) zu provozieren und teilweise auch zu mobben.

    Da wir in einer RH Staffel mit sehr vielen unkastrierten Rüden verschiedensten Alters (ältere und jüngere als er) sind, gibt's in letzter Zeit vermehrt Probleme. Gerade aktuell am WE gab es zwei Beissereien, bei denen beide Male Blut floss - einmal seines und einmal das des Andere :(

    Nun wurde mir (von einer TA unserer Staffel, die unseren Wuff also kennt) ans Herz gelegt meinen Rüpel kastrieren zu lassen, damit sich die oben beschriebenen Probleme bessern.

    Darum liebäugel ich jetzt mit einer chemischen Kastration um zu sehen, ob eine Hormonveränderung überhaupt irgendwas bewirkt... bin mir aber nicht sicher, ob das Ganze überhaupt dem Vergleich mit einer operativen Kastration stand hält?

    Ich hab' ehrlich gesagt eine wahnsinnige Angst, das sich mein Hund vom Wesen her ZU sehr durch so eine Kastration verändern würde... *seufz*

    Naja, also langer Rede, kurzer Sinn: Ich weiss einfach nicht was ich machen soll und bin hin- und hergerissen ... vielleicht hat eine/r von Euch Erfahrungen mit so etwas und kann davon ein wenig berichten um mir die Entscheidungsfindung ein wenig zu erleichtern?

    (EDIT: Hab' versucht den Mega-Roman zu verkürzen..vielleicht hat jetzt jemand den Nerv dazu sich durch zu kämpfen *hoff* :???: )

  • Hi.

    bei Doc&Co. auf TierTv wurde auch mal über das Thema diskutiert. Diese Pille für den Rüden wurde dort von den Tierärzten und Hundetrainern empfohlen. Aber nur um für eine zeitlang, wie du gesagt hast, bei Unschlüssigkeiten eine Kastration "auszuprobieren".

    Eine Anruferin hat damals genau das gleiche Problem mit ihrem Rüden geschildert. Dort wurde ihr aber nur bedingt dazu geraten, weil diese chemische Kastration zwar die männlichen Hormone senkt, aber dieses Rüdengetue sich oft bereits im Verhalten gefestigt hat. Sprich eine Kastration hift da nicht wirklich. Was sie geraten haben ist: Training um Alternativ Verhalten zu üben.
    Dein Hund befindet sich ja eh noch in der Rüpelphase. Oft legt sich diese Rüdenbissigkeit mit dem Alter und sinnvollem training.

    Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen.

    Viel Erfolg
    Dawn

  • Ihr habt schon viel geschafft mit eurem Hund.
    Eine Kastration,oder hormonbehandlung, kann vieleicht die Situation entspannen, vieleicht aber auch nicht.
    Wichtig finde ich auch jegliche Pöbeleien zu unterbinden, rechtzeitig einzuschreiten bevor es scheppert.
    Ich habe, und hatte, immer unkastrierte Rüden. Teilweise hatte ich sie von Welpenbeinen an, teilweise auch erwachsen übernommen. Natürlich muss der Hund nicht jeden anderen lieben aber er muss lernen sich abrufen zu lassen.
    Bei meinen handhabe ich das so, das wenn die Jungs mit Imponiergehabe anfangen ich sie sofort aus der Situation herausrufe. Falls das bei euch noch nicht klappt, würde ich hier erst mal ansetzen.

    Auf die "chemische Kastration" reagiert nicht jeder Rüde. Quintus hatte mal Probleme mit der Prostata als in meiner direkten Umgebung drei Hündinnen gleichzeitig läufig waren. Er hat, trotz noch mal Nachspritzen (also sehr hoch dosiert) keinerlei reaktion auf die Hormone gezeigt, sein Verhalten(und die Größe der Prostata) waren völlig unverändert. Wir haben das ganze dann ausgesessen.
    Die "chemische Kastration" entspricht nicht unbedingt dem Bild eines Kastrierten Rüden, jeder reagiert anders.

    Da die hormonbehandlung ja nur ein paar Wochen wirkt ist es in eurem Fall vieleicht einen Versuch wert.
    Wichtiger fände ich aber weiter an der Erziehung zu feilen!
    Abrufbarkeit aus jeder Situation kommt einem schließlich auch im Alltag zu gute und die Kastration ist kein Allheilmittel.

  • Hallo und vielen Dank Euch Beiden für Eure Antworten :)

    Ilona: Nein, natürlich ist Kastration kein Allheilmittel!!! Und ich möchte es mir damit auch nicht "einfach machen" und die Kastration als Erziehungsersatz benutzen! Das Ganze würde mich wohl nicht so sehr belasten, wenn es nur um den Alltag ginge. Dann hätte ich das sicherlich im Griff. Da wir aber in einer RH Staffel mit vielen unkastr. Rüden sind und diese nun mal zwangsläufig immer wieder Umgang miteinander haben UND mein Hampelmann manchmal einfach unglaublich schnell ist, hab' ich es leider eben nicht immer im Griff. Und wenn mein Herr immer der einzig Leidtragende in diesen Situationen wäre, würde ich sagen "selbst schuld". Außerdem ist er auch nicht immer derjenige der direkt und so ganz augenscheinlich aggresiv wird. Das läuft oft so schnell und subtil ab... unglaublich! Bei der letzten Aktion war es z.B. auch ein anderer (älterer) Rüde des Rudels, der zwischen zwei Junghunde (meinen und einen anderen) gegangen ist um zu splitten und anschliesend hat er gleich die Gelegenheit ergriffen um meinem mal so richtig die Meinung zu geigen (da war eh noch was offen vom Vortag). Blöderweise hat meiner dann sein Ohr saublöd getackert, so das er genäht werden musste :( Allerdings ging diesem "Angriff" des Älteren auch noch voraus, das meiner vorher auf einem Spaziergang schon immer ganz provozierend an diesem vorbei und voran gelaufen war (was ja normalerweise dem "Chef" vorbehalten ist). Er hat den Älteren also ganz klar provoziert.
    Muss dazu sagen, das ich selbst nicht dabei war, sondern mein Mann und der hat diese Zeichen leider gar nicht gesehen/erkannt. Mir wurde das später aber von den anwesenden Staffelkollegen erzählt.

    Naja.. ich schweif ab - sorry!

    Ich mach' mir das bestimmt nicht leicht, und wie gesagt: Kastration ist selbstverständlich kein Erziehungsersatz!!!! Aber ich möchte auch nicht das er sich nun ständig prügelt und es ständig Verletzte auf allen Seiten gibt.... ich hab' darauf halt leider nicht immer und überall Einfluss (s.o.)

  • Die Frage ist halt nur ob die Kastration den gewünschten Effeckt hat, das ist nicht bei jedem Hund so.

    Und, kastriert oder nicht, müsst ihr lernen euren Hund zu lesen(auch bei der Rettungshundearbeit wichtig) und das Verhalten wirksam abzubrechen bevor es scheppert!
    Einen solchen "Pöbelbruder" darf man keine Sekunde aus den Augen lassen!

    Versuch das doch mit der Hormonspritze. Ob man dann den nächsten Schritt geht und ihn kastrieren lässt muss ja nicht sofort entschieden werden. Wenn sich die Situation mit "gedämpften Hormonen" deutlich entspannt kann man immer noch weitersehen.

  • Solltest du dich dafür entscheiden, erkundige dich bitte über die Nebenwirkungen einer chem. Kastr..
    Ich habe gehört die sollen nicht ohne sein. Kann dir aber leider auch keine näheren Angaben dazu geben.
    Bestimmt kann dir dazu aber hier noch jemand was sagen.

    LG Conny

  • Hallo Sylvia,

    zunächst einmal vorweg, ich bin kein totaler Kastra- Gegner. In Deinem Fall aber, nachdem Du eigentlich selber nicht davon überzeugt bist, Deinen Hund zu kastrieren, würde ich die Kastra ablehnen. Wenn Du nicht dahinter stehst bzw. unsicher bist, lass es. Als letzte Option steht es Dir ja immer noch offen, wenn Nichts anderes hilft. Zumal Du ja scheinbar nur bie der Rettungshundearbeit das Problem hast mit Deinem Hund. Was, wenn Dein Hund nach der Kastra ruhiger, phlegmatischer, weniger triebig ist? Dann hast Du wieder ein Problem, das dann aber nicht nur in der Rettungshundearbeit. Oder wenn er von den Erzfeinden bzw. Hündinnen angepöbelt wird? Toll wenn er vielleicht weniger pöbelt, dann aber von den anderen überfallen wird.

    Meiner mobbt bei Gelegenheit den Nachbarsrüden (ehemaliger Erzfeind, seit Jahren kastriert) immer noch, manchmal denk ich mir, das ist um der guten alten Zeiten willen...

    An Deiner Stelle würde ich am Grundgehorsam arbeiten. Nicht jeder Hund muss mit jedem Hund können. Eigentlich sehe ich das Problem nur beim Bilden einer Suchkette. In der Unterordnung, Gerätearbeit usw. musst Du ja nicht mit jedem Hund auskommen. Und bis zur Einsatztauglichkeit wird es wohl in Anbetracht des Alters Deines Hundes ohnehin noch ein Weilchen dauern. Beim Spielen und Üben würde ich halt die Erzfeinde meiden und an der Abrufbarkeit in diesen Situationen arbeiten.

    Erst wenn alles nicht hilft und Du die Kastra als für Dich richtigen Weg siehst, dann würde ich, um zu sehen, wie sich eine Kastra auswirkt, die chemische Lösung probieren. Allerdings nur ein oder zweimal, bis ich mir sicher wäre pro oder contra "richtige" Kastra, da das Medikament schließlich im Verdacht steht, diverse Nebenwirkungen zu haben.

  • Also ich kann jetzt nur aus meiner eigenen Erfahrung mit Silky, unserem roten Cocker, berichten.

    Wir hatten ein ähnliches Problem, da Silky durch das Testosteron sozusagen unter Dauerstreß stand, war der Aufenthalt in der Umgebung mit anderen Rüden wirklich eine Art Spießrutenlauf. Und auch im täglichen Umgang, war es schon ziemlich heftig, mit einem Hund der dauernd unter STreß steht und der kein bißchen mit Streß jeglicher Art umgehen kann.

    Unsere TÄ riet uns auch, mit einer chem. Kastra auszutesten, welche Veränderungen sich bei dem Hund andeuten. Da die Kastra den Hormonspiegel nicht kompl. herunter regelt, ist es eben nur eine Entwicklungsrichtung, die sich zeigt.

    Silky bekam also letztes Jahr eine chem. Kastra-Spritze und zumindest bei ihm war die Auswirkung wirklich unglaublich. Ich dachte echt, ich hätte, im absolut positiven Sinne, einen anderen Hund an der Leine. Mein Hund war völlig ruhig und ausgeglichen (wohlgemerkt ruhig, im Sinne von freundlich und nicht schlafmützig) und fiel nicht mehr ständig von einem Extrem ins andere. Die Spritze hielt ziemlich genau 3 Wochen vor, dann merkte man direkt am Verhalten, das die Wirkling nachläßt. Da wir die Woche drauf in Urlaub fuhren und ich nicht mit einem frisch operierten Hund nach Italien wollte, bekam er noch eine 2. Spritze und diese hat das ERgebnis der ersten Spritze voll bestätigt.

    Nach unserem Urlaub wurde Silky dann im Oktober kastriert und ich habe es bis heute nicht bereut. Nicht nur, daß wir uns jetzt auch auf vollen Agility-Turnierplätzen an dicht an dicht stehenden Zelten vorbei bewegen können, ohne daß es Streitereien gibt, auch im täglichen Umgang ist er sehr viel ausgeglichener, selbst bei Streßsituationen wie dem TA, bei dem Silky früher regelmäßig ausgeflippt ist, läßt er die Dinge über sich ergehen. Gerade gestern hatte er eine äußerst unangenehme Augenuntersuchung, die ohne Narkose gemacht werden mußte und er hat zwar ein bißchen gejammert, aber keinen Versuch gestartet, alle Beiteiligten die Hände zu perforieren (sicherheitshalber hatte er, wie immer beim TA, den Mauli auf, aber es wäre tatsächlich auch ohne gegangen, noch vor einem Jahr wäre dies undenkbar gewesen).

    Silky hat kein bißchen an Temperament verloren, ist aber grundsätzlich geduldiger und freundlicher geworden. Allerdings die alten Erzfeinde, aus seiner Vorkastrazeit, die mag er auch heute noch nicht leiden, mir scheint aber, das ist eher so was wie Gewohnheit. ;) Das Einzige, was ich etwas bedauere ist die Fellveränderung, sein vormals schönes Cockerfell ist fluffiger und dicker geworden, aber das war ziemlich klar, das dies passiert und ich denke mir, was ist ein bißchen Optik gegen eine entspanntes, glückliches Leben.

    Ich finde persönlich die chem. Kastra eine gute Möglichkeit auszutesten, was es für Veränderungen geben wird. Es gibt Hunde, bei denen zeigt die Spritze keinerlei erkennbare Wirkung, andere wiederrum werden zu absoluten Nachtkappen. Dann habe ich aber immer noch die Möglichkeit mich gegen die Kastra zu entscheiden. Irgendwelche wie auch immer erkennbaren Nebenwirkungen hatte die chem. Kastra bei Silky nicht.

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