Emma - ein letzter Versuch

  • Super, ein neuer Versuch, es geht weiter!
    Ich würde Angst und Panik unterscheiden. Zeigt Emma Angst, kannst du auf sie einwirken, bei Panik nicht. Deshalb gibt es Panik zu vermeiden - heißt, du musst sie voraus sehen lernen, bestenfalls. Und das, ohne übersensibel auf bestimmte Situationen zu reagieren! Also nicht: Oh Gott, das wird ihr wieder Angst machen... Sondern: Hey, ein weiterer Regenschirm, super, wieder eine Übungslektion mehr!
    Habe in einem Buch gelesen, dass es 600 Wiederholungen brauchen kann, bis eine neue Erfahrung die alte überdeckt. Damit hangel ich mich heute noch weiter! Und es wird der Tag kommen, da hast du 600 Sonnenschirme, Busshäuschen, andere Hunde, xy Angstauslöser, getroffen, die deinen Hund nicht gefressen haben und die er ohne Panik überlebt hat!
    Der Hund wird vermutlich eine gewisse Scheue behalten, aber ihr habt reelle Chancen die Panik wegzukriegen! Dein Hund muss ein neues Verhaltensreportoire aufbauen, dazu gehört auch, "wenigstens Angst" stat Panik vor den Dingen zu haben. Denn bei Angst ist sie beeinflussbar, bei Angst kann sie noch reagieren. Insofern ist Angst ein Fortschritt (gegenüber der Panik)! Und das nächste wäre dann, dass aus der Angst Vorsicht wird.

    Ich finde, du hast alles richtig gemacht, weiter so!
    Sofern es keine Panik ist (dann hilft nur raus aus der Situation, damit der Hund runterkommt), würde ich das Leinenziehen übrigens korrigieren. Warum? Weil es die Situation normalisiert. Es gibt nichts, was ihr Angst macht, also auch keinen Grund an der Leine zu ziehen. Es kann sein, dass es ihr Sicherheit gibt, wenn du ihr die bekannten Kommandos gibst, die ihr bekannten Anforderungen stellst.
    Zum Ausweichen: Ich nenne es bei meinem Hund "vergrößerte Individualdistanz". Wir haben eine Zeit lang die Flexi eingesetzt, damit sie ihren eigene Distanz wählen kann und sich so selbst in neuen Verhaltensweisen erproben kann. Dennoch war sie in Kontakt mit mir. War eine Art "sanfte Gewalt", sie zumindest auf den 5 m Radius der Flexi (nach den 10 m der Schleppe) runterzukriegen. Sie hat dadurch auch gelernt (gilt für Leinenführung allgemein), dass wir die Situation zusammen durchstehen. Sie hat sie auch zu mir Zutrauen gefasst. Das macht sie uU weniger, wenn sie stets auf eigenes Gutdünken ausweichen kann.

    Wie gut nimmt sie Leckerli draußen an? Kannst du ihr bestimmte Dinge ggf schön füttern?
    Gibt es einen anderen Moment, in dem sie sehr nervenstark ist? Dann kannst du da gewisse Angstreize ganzh dosiert einbringen. Denn der Hund braucht ja auch Erfolgserlebnisse, damit er merkt, es lohnt sich ein anderes Verhalten als die Angst! Und diese Erfolgserlebnisse addieren sich zu seinem allgemeinen Selbstbewusstsein.

    Wir hören sicher wieder voneinander. Respekt für deinen erneuten Anlauf! (Mensch, ich hab doch das Gefühl, dass ihr beide das Dreamteam seid...)

  • Zitat

    Musst du unbedingt Emma
    stadttauglich machen ?


    Im Moment definitiv NEIN! Wir wohnen hier relativ ländlich, haben unendliche Spaziergehmöglichkeiten direkt vor der Haustür und da Emma problemlos allein zuhause bleibt, bin ich nicht gezwungen sie ständig mit in die Stadt zu schleppen.
    Allerdings sind wir in unserer Freizeit recht viel unterwegs, machen Wanderungen, besuchen andere Städte oder machen sonst irgendwelche Tagestouren, ja und hin und wieder, da fahren wir dann auch mal in den Urlaub...
    Und gerade diese Situationen, die sind mit Emma derzeit einfach hochproblematisch, wenn man nicht gerade im tiefsten Wald wandern geht, dann weiß man im Vorfeld nie, wieviele Angstauslöser man trifft und wie Emma darauf reagieren wird.
    Oftmals müssen wir sie dann auch zuhause lassen bzw. wenn es länger dauert Emma irgendwo anders unterbringen, was natürlich auch nicht so einfach ist, denn Emma kann man ja auch nicht jeder Person anvertrauen.


    Zitat

    Wenn du mit Emma übst, bist du dann immer mit ihr alleine Unterwegs?


    Nein, Janosch ist eigentlich immer dabei. Ich denke schon, dass er ihr etwas Sicherheit vermittelt, denn er bleibt selbst wenn sie total ausflippt absolut gelassen und lässt sich von ihrer Angst in keiner Weise anstecken.


    Zitat

    Sofern es keine Panik ist (dann hilft nur raus aus der Situation, damit der Hund runterkommt), würde ich das Leinenziehen übrigens korrigieren. Warum? Weil es die Situation normalisiert. Es gibt nichts, was ihr Angst macht, also auch keinen Grund an der Leine zu ziehen. Es kann sein, dass es ihr Sicherheit gibt, wenn du ihr die bekannten Kommandos gibst, die ihr bekannten Anforderungen stellst.


    Hm...ich weiß nicht so recht... :???:
    Ich glaub, soweit sind wir noch nicht. Wenn wir an irgendwelchen Angst-Reizen vorbeikommen und sie nicht gleich in Panik verfällt, dann führt sie zwar nach wie vor alle Kommandos aus, ich könnte sie auch ins Fuß nehmen, allerdings macht sie das immer furchtbar hektisch, ich habe wirklich das Gefühl, dass sie im Moment ihre ganze Aufmerksamkeit braucht um sich mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen...

    Eine Frage hätte ich noch:
    So Trainingsaktionen wie gestern, wie oft sollte ich die durchführen? Ich dachte so an zwei- bis dreimal in der Woche... :???:

  • Ich würde das Leinenziehen nur korrigieren, wenn es leichte Angst ist. Also mal ein Flatterband oder so. Wenn es aber so krass wie bei Emma ist, würde ich sowas erstmal ganz hinten anstellen.

    Ich hab ja schonmal gesagt, das ich konditionierte Entspannung gut finde. Mir fällt da auch was ein, damit Du ruhig bleibst, aber nicht lachen!! Meine Bekannte hat sich mal ein Buch gekauft indem u.a. darüber geschrieben wird, das es vielen HH hilft, wenn sie gewisse Atemtechniken anwenden. Ich hab keine Ahnung, wie das abläuft und ob es wirklich was bringt. Aber vielleicht wäre das eine Idee!?

    Sonst kann ich Dir leider gar nicht helfen. Meine 2 sind nicht so extrem bzw. Lee läßt sich eigentlich sehr einfach aus Angst-Situationen holen und beruhigen.

  • Zitat

    Eine Frage hätte ich noch:
    So Trainingsaktionen wie gestern, wie oft sollte ich die durchführen? Ich dachte so an zwei- bis dreimal in der Woche... :???:

    Hallo Björn,

    ja, ich denke d. reicht ;) .


    Was sich mir noch nicht erschlossen hat, wenn Du weißt d. Du ruhiger werden musst, warum versuchst Du es nicht mal andersrum ?

    Das mit dem " Hilfstier" haben wir nur am Anfang gemacht. Die Zeiten sind lange vorbei.

    Wenn Du genau wissen willst woran die ganze Situation krankt, warum gibst Du Emma nicht mal jemand ganz anders an die Leine. Nicht meckern :D , keinem Anfänger. Schon jemand der generell mit Hunden umgehen kann.

    Dann schicke die Person los und Du bleibst Zuhause. Nach 10 Minuten oder was immer nötig ist um z.B. in die Stadt zu kommen fährst Du nach.

    Beobachte Emma " heimlich". Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder ist Emma mit einem gelassenen und ruhigen Hundeführer viel ruhiger und gelassener, oder sie flippt wieder aus.

    Dann hast Du einen glasklaren Beweis. Also entweder liegt es an Deiner inneren Unruhe oder der Hund braucht noch länger und gut ist.

    Hör auf mit grübeln/wenn u.aber. Schaffe Tatsachen und Du weisst ganz konkret wo Du ansetzen musst ;) .

    Vielleicht ein Weg um auch für Dich innere Sicherheit herzustellen ?

    Viel Glück und liebe Grüße. Burgit

  • Zitat

    Wenn Du genau wissen willst woran die ganze Situation krankt, warum gibst Du Emma nicht mal jemand ganz anders an die Leine. Nicht meckern :D , keinem Anfänger. Schon jemand der generell mit Hunden umgehen kann.

    Dann schicke die Person los und Du bleibst Zuhause. Nach 10 Minuten oder was immer nötig ist um z.B. in die Stadt zu kommen fährst Du nach.

    Beobachte Emma " heimlich". Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder ist Emma mit einem gelassenen und ruhigen Hundeführer viel ruhiger und gelassener, oder sie flippt wieder aus.

    Dann hast Du einen glasklaren Beweis. Also entweder liegt es an Deiner inneren Unruhe oder der Hund braucht noch länger und gut ist.

    Sowas ähnlich hatte ich auch schon im Sinn und die Idee find ich echt nicht schlecht. Klar kein wildfremder Mensch, da hat Emma ja Probleme mit. Aber ein Mensch, dem sie soweit vertraut und dann einfach mal schauen!?

  • Angsthunde... tja. Ausweichen, weitermachen, ignorieren, unterstützen, aufgeben...

    Ich sage immer: Es ist eine dauernde "Bastelei".

    Deine Trainingsideen sind doch ganz gut. Nur eines fehlt mir: Die Berücksichtigung des Zyklus von Emma. Denn dort gibt es Zeiten, in denen wird ein Training gar nichts bringen und welche, wo es super funktionieren wird. Daher ist ein so "starrer" Ablauf wie drei Mal die Woche dahin und dorthin nicht so richtig umsetzbar. Ich würde es eher tagtäglich entscheiden.

    Ich denke übrigens, dass man irgendwann an den Punkt kommt, wo man den Schritt über das scheinbar erträgliche Hinaus machen sollte. Das klingt ersteinmal widersprüchlich, aber:

    Hunde können lernen, dass man auch noch weiterlebt, wenn der Kopf vor Eindrücken übergequollen ist. Aber erst dann, wenn ein bestimmtest Level erreicht ist. Und ich denke aufgrund Deines Eingangspostings, dass ihr dort seid.

    Gestern z.B. hatten wir eine Übungsstunde, in der auch eine Hündin dabei ist die mit ähnlichen Angstproblematiken kämpft. Während wir vor einem Jahr noch nach dem Motto "ausweichen" und "nur gerade so lange wie es eben noch geht" trainiert haben, habe ich sie gestern bewusst über diesen Punkt kommen lassen. Und es kam im Grunde ein "Rückfall". Aber wir sind nicht weggegangen, sondern sie musste in der Situation bleiben. Und siehe da - es trat wieder eine Änderung ein. Sie wurde wieder ruhiger, konzentrierter und danach waren wieder Übungen möglich, die Frauchen aufgrund der vorherigen Situation nicht mehr für möglich gehalten hätte! Ich habe aber gespürt, dass es gehen würde.

    ABER: Da muss man aufpassen, denn wenn der Hund nicht wieder zurückfindet zu sich, dann ist natürlich der Lerneffekt hin. Deshalb sagte ich "es ist Bastelei".

    Irgendwann ist für mich auch eine Phase erreicht, in der ich den ängstlichen Hund nicht mehr in der direkten Angstsituation unterstützen (durch aktives Weggehen) würde, sondern gezielt reaktionslos warten würde, bis der Hund durch Körpersprache zeigt, dass er sich entspannt und gezielt die Entspannung belohnen.

    Ich habe immer das Gefühl, macht man diese Schritte nicht, dann bleibt man an dem Punkt hängen, an dem Du jetzt bist...

    Schwierig schwierig mit den ängstlichen Hunden...

    Viele Grüße
    Corinna

  • Ich brauche auch ein Korrektiv von außen. Das sind zum einen die Menschen in meinem Umfeld, die Joy von Anfang an kennen und immer mal wieder sagen, was sie für Fortschritte gemacht hat. Bestenfalls an Tagen, an denen ich gerade keine sehen. Plötzlich sagt zB eine Nachbarin, dass sie den Eindruck haben, dass Joy gewachsen sei. Und das liegt dann daran, dass Joy sich weniger angstklein macht, mit erhobenerem Haupt (Rute, Ohren und Rücken) durch die Welt geht! So was zu hören tut dann richtig gut!
    Und ohne die Hundetrainerin wären wir auch nicht so weit. So ca alle 3 Monate gibt es bei Joy Verhaltensänderungen, ist mein Eindruck. Und dann stimme ich mich erneut mit der Trainerin ab. Die Trainerin erlebt Joy 1x/Woche in der Hundegruppe und ist somit immer auf dem Laufenden. Am Anfang haben wir öfter telefoniert und wir tun es immer noch, sobald bei mir Wunsch nach Austausch kommt.

    Ich scherze gerne, dass, wenn Joy ein "normaler" Hund wäre, sie schon längst ausgebildeter Polizeihund wäre, hätten wir nicht die ganze Ausbildung in den Angstabbau stecken müssen :roll:

    Zur Frage der Häufigkeit deiner Übungen:
    Mein Eindruck ist, dass Joy nach einem richtigen Schocker 2-3 Tage braucht(e), bis sie wieder ganz runter war. Ca. 20-30 Min, dann war die konkrete Panik weg, aber es dauerte noch 2-3 Tage, bis auch die erhöhte Schreckhaftigkeit als Folge der Panik verschwand. Danach würde ich auch die Trainingseinheiten richten.

    Bin gespannt auf deine weiteren Berichte!

  • Hmm.. also das mit der "fremden" Person kann natürlich auch nach hinten los gehen, da wäre ich vorsichtig, mit wem ich Emma losschicken würde. Allerdings eignet es sich sozusagen schon als Test um herauszufinden, ob sie bei einer gelasseneren Person auch ruhiger wäre.
    Ist sie es denn gewohnt, allgemein mal mit irgend einer anderen Person ohne dich spazieren zu gehen?

    Zu den Trainingseinheiten wollte ich noch sagen, dass es schon von der Tagessituation des Hundes abhängt, aber definitiv auch von deiner. Achte nicht nur auf Emma, sondern auch auf dich.
    Vielleicht macht ihr die Stadtausflüge auch ganz ungeplant und spontan? Denn mit der Planung nimmt bestimmt auch der Druck zu...

    Unsere Amy war leider auch so ein Angsthund und zwar, weil sie als Welpe zu wenig Erfahrung sammeln konnte, sie war deshalb auch extrem unsicher.
    Könnte es sein, dass es Emma auch so geht?
    Bei Angsthunden aus Spanien mit schlechten Erfahrungen würde ich irgendwie andere Angstauslöser erwarten, als aufgespannte Regenschirme und Mülltüten usw.
    Das spricht eher dafür, dass sie einfach kaum etwas kennen lernen durfte.
    Bei Amy ist es nicht nur mit endlosem Training, sondern auch mit dem Alter besser geworden. Aber da du Emma anscheinend schon ein Weilchen hast, ist sie bestimmt längst kein Junghund mehr, oder?
    Vielleicht, eine ganz andere Idee, hilft es ihr nicht nur, wenn sie jemand "Starken" (Janosch) im Rudel hat, der ihr Sicherheit gibt, sondern auch jmd "schwachen"?
    Ich habe bei vielen Hunden, besonders bei Hündinnen erlebt, dass sie sich um bekannte Welpen auch sehr kümmern, sie z.B. bei Spaziergängen vor fremden, wild tobenden Hunden auch beschützen wollen. Da achten sie dann weniger auf sich, sondern mehr auf den Welpen.
    Das ist sicherlich von Hund zu Hund unterschiedlich und es ist wohl auch nicht ganz so leicht, jetzt einen Welpen als Schützling aufzutreiben, aber vielleicht finden sich ja auch hier im Forum ein paar HH mit Welpen in deiner Nähe?
    Na ja - war ja nur so eine Idee ;)

    Ich wünsche euch noch weiterhin ganz viel Glück und hoffe auf weitere Berichte.

  • Ich habe gute Laune... :D
    Heute - Trainingseinheit Nr.3:
    Ich bin mit beiden Hunden mit dem Fahrrad zur Uni gefahren. Eine Strecke 12 km, davon 4 km direkt durch Kassel.
    Was soll ich sagen, es lief perfekt...naja, fast perfekt!
    Ich bin natürlich möglichst ruhige Straßen zur Uni gefahren...aber wir mussten direkt durch Kassel und nur das zählt im Moment für mich.
    Ganz besonders toll fand ich auch, dass Emma vielen Dingen, denen sie vorgestern auf dem gleichen Weg noch deutlich ausgewichen ist heute schon etwas gelassener hingenommen hat.
    So z.B. eine sehr belebte Kreuzung über die wir drüber müssen...vorgestern hat sie ihr noch enormen Stress bereitet, heute Morgen war es schon einen Tick besser und heut Nachmittag noch etwas besser...
    Auch auf dem Unigelände hat sie sich heute so wahnsinnig gut geschlagen, mit Janosch vollkommen selbstvergessen vor der Bibliothek getobt, vor der Mensa auf der Seite gelegen und gedöst, obwohl 10 Meter weiter eine Fahne geweht hat...und der Knaller war, dass mir zweimal gesagt wurde, was ich nur für wahnsinnig unauffällige und entspannte Hunde hätte... :D
    Der Tag war also ein voller Erfolg - keine Ahnung, warum es auf einmal klappt - aber ich hoffe, es bleibt erstmal so...

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