Überforderung mit neuem Hundeleben

  • Ich habe auch noch keinen positiven Punkt an dem ich mich festhalten kann, der kommt hoffentlich noch.

    Nein, gar keinen? Überhaupt nichts?

    Schau mal und bewerte evtl. deine Ansichten neu:

    wir haben es geschafft, dass sie mit spazieren geht,

    wenn dann kaut sie gerne auf Spielzeug.

    Ihr könnt mit ihr spazieren gehen. Kommt sie, obwohl sie Angst zeigt, einigermaßen freiwillig mit? Das wäre z.B. schon richtig gut! Wusste sie denn davor, was Gassi gehen ist? Was Leine und Halsband sind? Unser Mogeltier hat sich z.B. irgendwann geweigert und blockiert. Da war nichts mit Spazieren gehen. Und selbst heute, fast 3 Jahre später, zeigt er manchmal ganz deutlich seine Angst. Es war ein langer, harter Weg für uns zu akzeptieren, dass er nicht spazieren gehen muss, dass das mitunter viel zu viel Stress für ihn ist und dass er manchmal etwas länger braucht, um dort mit rauszukommen.

    Sie kaut gerne auf Spielzeug? Wirkt sie dabei ruhig, liegt eine Weile rum, ohne sofort aufzuspringen, wenn du dich bewegst, den Raum verlässt?

    Geh mal durch deinen Alltag und schaue wirklich genau hin. Ich bin mir sicher, du findest Sachen, die sie toll macht. Wir hatten auch unsere Vorstellungen. Und wir sind, obwohl das Mogeltier schon ein paar Wochen auf einer deutschen Pflegestelle war, ziemlich tief gefallen und mussten komplett umdenken.

  • Hi,

    irgendwie hört es sich für mich so an, als fühltest Du Dich etwas im Stich gelassen mit einer Situation, die Du nicht recht einschätzen kannst. Habt Ihr Kontakt mit erfahrenen Hundehaltern mit (oder ohne) sicheren und gefestigten Althunden, die Euch ein bisschen begleiten und ggf. etwas Input geben können, oder mit denen Ihr Eich mal luve über Erfahrungen mit nicht so ganz einfachen Tierschutzhunden austauschen könntet?

    Solltest Du zufällig im Raum MKK wohnen und mobil sein, ich würde ansonsten auch ein Ohr anbieten. Also zum Zuhören, nicht zum Schnappen :smile:

  • Mogeltier Sie geht mittlerweile einigermaßen freiwillig mit zum Gassi, da hast du Recht! Ob sie Halsband und Leine kannte weiß ich nicht, sie war immer mit Hunden und Katzen draußen, aber für den Tierarzt z. B. hatte sie schon ein Geschirr.

    Wenn ich mich bewege läuft sie mir mittlerweile überall hinterher, außer der Raum ist ihr zu unsicher.

    Danke für deine Erfahrung und freut mich, dass es bei euch besser wurde!

    Phonhaus Fühle mich tatsächlich etwas verloren und haben leider keine hundeerfahrene Menschen mit Tierschutzhunden in unserem Umfeld.

    Danke richtig lieb von dir! Sind leider aus der Oberpfalz in Bayern. Über einen Austausch würde ich mich aber freuen.

  • Okay. Für mich wäre der Ausgangspunkt erstmal, die Vorstellungen beiseite zu schieben, die Du von Leben mit Hund hattest und die Ansprüche sowohl an Dich als auch die Hündin. Was Ihr erwartet und völlig verständlicherweise erhofft habt, ist eine Sache. Jetzt ist aber die Realität eine Andere und von dieser Realität aus beginnt Euer gemeinsamer Weg. Wenn Du Dich an das anklammerst, was Du Dir erhofft hast, dann machst Du Dir damit nur Kummer und stehst auch dem Verständnis für Deine Hündin im Weg. Es ist menschlich verständlich, aber aktuell einfach nicht hilfreich.

    Auch die Vorstellung, dass man recht schnell sowas wie tiefe Zuneigung oder Bindung hat: Es ist schön, wenn das da ist. Wenn nicht, dann kann man daran arbeiten, dass es kommt. Aber krampfhaft was zu erwarten/erhoffen, was nicht da ist, das baut zusätzlich Druck auf und schadet letztlich bzw. blockiert den Weg zum Verständnis. Hilfreich wäre jetzt also quasi erstmal eine ganz neue Tafel, die Ihr Schritt für Schritt gemeinsam beschreibt.

    Wenn Du denkst, dass Du das nicht leisten kannst, dann wäre es halt auch eine Erwägung wert, den Verein zu fragen, ob sie den Hund zurücknehmen.

    Wenn Du denkst, dass Du es kannst: Aktuell hast Du eine junge Hündin im „Kulturschock.“ Ein soziales Lebewesen, das von der Veranlagung her ein Gewohnheitstier ist, jetzt aber in einer ungewohnten Umgebung ist und in einem Sozialverband, der noch nicht darauf eingerichtet ist, dass ein Hund seinen Platz da hat. Sie ist also nicht weniger überfordert als Du.

    Ich würde jetzt erstmal akzeptieren, dass sie ist, wie sie ist, es nicht werten, wie sie ist, sondern sie einfach ganz unbeleckt von Erfahrungen kennen zu lernen. Und ihr Zeit geben, das umgekehrt auch zu tun. Also viel Zeit für vorsichtige gegenseitige Beobachtung (quasi aus den Augenwinkeln, nicht mit starkem Fokus auf dem Hund, sondern beiläufig). Erstmal gucken, wann und wie sie Ruhe findet. Viel, viel Schlaf ist das Wichtigste, was sie jetzt braucht.

    Dann gucken, was sie mag, was sie nicht mag, womit man sie gut belohnen und womit man ihr eine Freude machen könnte. Meine Auslandshündin spielt nicht mit Spielzeug (alle Jubeljahre einmal gibts einen zaghaften Ansatz zum Zergeln oder Angeben, aber die ersten Jahre gar nicht. Bei anderen Hunden ist es später gekommen).

    Und ansonsten guck halt auch, dass Ihr Euer Leben und Euren Alltag so gewohnt wie möglich weiterlebt und auch gut für Euch sorgt, jetzt halt mit Hund. So dass Ihr und Hund herausfinden könnt, wo sie im Alltagsgefüge ihren Platz findet und welche Routinen sich gut für Euch eignen. Routinen sind für Hunde wichtig. Und für Menschen, denen es mental gerade nicht so gut geht, auch :smile:

    Schaut erstmal nach Eurem kleinsten gemeinsamen Nenner und baue darauf auf und mach Dir bewusst, dass es nicht so bleibt, wie es jetzt ist. Ihr könnt nur von dem Punkt jetzt und hier loslaufen, aber das Ziel ist ganz woanders. Doch Ihr kommt da nur schrittchenweise hin, also von einer kleinen Anpassung zu nächsten.

    Meiner Erfahrung nach stellt sich das Gefühl füreinander ein. Manchmal schneller, manchmal dauert es länger. Mach Dir da keinen Druck, indem Du Dich mit anderen vergleichst oder zu heftig an Dir kritisierst.

    Fördere das, was Euch allen Spaß machst und gucke, wie Du es Euch allen so leicht wie möglich machen kannst.

    Wenn sie draußen Richtung anderer Hunde oder Menschen schnappt: Ist jetzt halt so. Sorge dafür, dass sie keinen erwischt und arbeite mit dem Trainer, der zu Euch kommt, ein Programm aus, wie Ihr in kleinen Schritten daran arbeiten könnt. Lähme Dich nicht mit Gedanken wie „Ist/bleibt das immer so?“ Gebt Euch da Zeit fürs gemeinsame Lernen und gemeinsame Arbeit. Lernprozesse dauern. Und solange Dein Neuankömmling noch gestresst ist, dauert es länger, weil der Metabolismus unter Stress nicht gut lernt. Auch hier ist viel Ruhe und Schlaf wichtig.

    Als „bitte nicht“ würde ich „Futter nur aus der Hand“ nennen (falls Ihr das macht oder geraten bekommt). Konsequente Erfüllung der Grundbedürfnisse ist ein wichtiger Punkt dabei, dem Hund Stress zu nehmen.

    Das wären so meine ersten allgemeinen Tipps. Für alles Konkretere müsstest Du etwas mehr darüber schreiben

  • Ihr habt einen Direktimport aus dem Ausland adoptiert. Das heißt, man muss mit Anpassungsschwierigkeiten, Unsicherheiten und Verhaltensauffälligkeiten rechnen. Der Hund könnte krank sein, ängstlich, vllt sogar traumatisiert. Die Beschreibung „ Anfängerhund“ ist zumindest fragwürdig. Das sollte eigentlich vorher klar sein.
    Was brauchen diese Hund? Ruhe, Sicherheit, einen geregelten Tagesablauf, positive Unterstützung und vor allem viel Zeit und Geduld. Wenn ihr nicht bereit seid, ihr das zu geben, solltet ihr sie möglichst schnell wieder zurückgeben.

  • Phonhaus Wirklich vielen lieben Dank für deine ausführlichen allgemeinen Tipps, das hilft mir sehr weiter! Ich versuche sie anzunehmen/umzusetzen. Danke, dass du dir Zeit dafür genommen hast.

    Ich schaue wie der Trainertermin heute ist, geb dem Ganzen noch Zeit und schaue dann weiter, was das Richtige ist.

  • So wie das aber rüberkommt, haben sie nicht damit gerechnet, dass sie sich so verhält.

    Der Verein hat sich hier nicht wirklich mit Ruhm bekleckert. Dass ein Anfänger erstmal irrationale Vorstellungen von Auslandshunden hat, leuchtet mir sehr ein. Dass ein Verein diese aber auch an Anfänger mit irrationalen Vorstellungen vermittelt und nicht damit rechnen, dass ein Auslandshund sich so verhält, wie sich eben ein Hund verhält, der unter solchen Bedingungen aufgewachsen ist, leuchtet mir sehr wenig ein.

    Unter Anderem deswegen finde ich auch diese ganze social media Bewegung völlig irre, wo jeder aufs Härteste verurteilt wird, der einen Hund vom Züchter hat.

    Dass man nach 3 Wochen noch keine tiefe Bindung zum Hund hat ist völlig normal. Das wächst mit der Zeit. Das war bei mir auch bei den Hunden so, die ich als Welpen bekommen habe. Bei der aktuellen Hündin (Karla) dachte ich lange, dass sie es einfach auch schwer hat, weil ihre Vorgängerin (Lena) wohl für immer "meine Hündin" bleiben wird. Dabei mochte ich Karla auch von Anfang an. Sie war toll und irre unkompliziert. Aber da war nur wenig Verbindung zwischen uns. Das hat ein paar Monate gedauert und ich hab mich nicht unter Druck gesetzt. Ich fand es auch völlig okay, dass es so ist und habe drauf gebaut, dass das kommen wird. Und natürlich dauert es, wenn die Realität am Ende so von der Vorstellung abweicht. Genau deswegen finde ich es nicht immer optimal, wenn man sich so lange vorbereitet und so intensiv dabei ist. Dann kann man nämlich auch deutlich mehr genaue Vorstellungen entwickeln, die dann nicht erfüllt werden können.

  • Was sich auch immer anbietet, um Fortschritte zu sehen und die Realität besser anzunehmen (statt dem Ideal hinterherzutrauern) ist ein Trainingstagebuch. Es gibt einen tollen Motivationsboost, wenn man sieht, wo man mal gestartet ist und was man nach 4 - 8 - 12 Wochen so erreicht hat. Und man kann auch nachlesen, dass einander-annähern ungleichmässig verläuft, auch mal kurz rückwärts, und dann wieder einen gewaltigen Sprung nach vorn macht.


    Und versuch wirklich, es lockerer zu sehen. Ist schwer, weiss ich, aber ein bisschen Humor und "Scheiss drauf, ist halt jetzt so, lass das beste draus machen und Spass dabei haben!"-Trotz hilft ungemein. :nicken:

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