Frustrationstoleranz trainieren
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Hallo zusammen,
ich bin Ersthundebesitzerin und habe einen 9 Monate alten Welsh Corgi Pembroke Rüden. Von Anfang an habe ich mit einer Hundetrainerin gearbeitet (10 Stunden), bin mir inzwischen aber unsicher, wie ich weiter vorgehen soll.
Immer wieder lese ich, wie wichtig es ist, dass Hunde früh lernen, Frust auszuhalten. Meine Trainerin hat dieses Thema bisher jedoch kaum angesprochen. Deshalb habe ich heute eine Übung ausprobiert, die man häufig liest: Beim Spaziergang auf eine Bank setzen, auf die Leine treten und nicht mit dem Hund interagieren.
Anfangs stand mein Hund ruhig da und schaute mich zwischendurch an. Dann kam in einiger Entfernung eine Frau mit Hund vorbei. Mein Hund fixierte ihn und als dieser hinter den parkenden Autos verschwand, begann meiner zu fiepen, baute Zug auf der Leine auf und sprang mich schließlich an. Ich blieb sitzen, bis er sich beruhigte und sich setzte, und ging dann kommentarlos weiter.
Danach habe ich jedoch gelesen, dass das möglicherweise zu viel Frust war und für manche Hunde eher überfordernd ist. Das Anspringen könne eine Suche nach Regulation sein – also ein „Hilf mir“. Demnach hätte ich die Situation früher auflösen sollen, bevor die Spannung zu hoch wird, damit der Hund lernt, nicht über seine Grenze gebracht zu werden.Zusätzlich beschäftigt mich das Thema Hundesportverein. Ich war anfangs mit ihm dort, gehe aber schon länger nicht mehr hin, weil er durch die vielen Hunde extrem hochfährt. Irgendwann klappte es zwar während der Gruppenübungen, aber eher, weil er offensichtlich erschöpft war. Mit Leberwurst habe ich mich öfter in die Mitte gesetzt, während andere Hunde um uns herum- oder auf uns zugelaufen sind. Nun frage ich mich: Sollte ich wieder hingehen oder ist das eher kontraproduktiv?
Im Alltag zieht er stark zu anderen Hunden, bellt dabei aber nicht und zeigt keine Aggression. Ich vermute eher Neugier und Spielwunsch. Bei Menschen konnte ich das Ziehen gut in den Griff bekommen, inzwischen sind Gerüche auch spannender als Menschen. Bei Hundebegegnungen hingegen bekomme ich seine Aufmerksamkeit gar nicht – selbst wenn ich im großem Bogen und mit Leckerli vorbeilaufe.Sind solche Übungen (mit der Bank) sinnvoll? Wann sollte ich diese abbrechen? Ich dachte anfangs, das Fiepen ist der Frust und das er eben genau das jetzt aushalten muss. Aber scheinbar ist das falsch?
Übt ihr sowas mit euren Hunden? Ich schaue mir häufig Videos von "Doguniversity" auf Youtube an. Wie schaffe ich es, entspannt mit ihm an anderen Hunden vorbei zu gehen?Ich würde mich sehr über einen Rat von den erfahrenen Hundehaltern unter euch freuen, vielleicht sogar von Hütehund-Besitzern.
Dankeschön :)
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Sind solche Übungen (mit der Bank) sinnvoll?
Ja, kann man machen. Aber dann würde ich den Hund darin schulen, was er eigentlich machen soll und nicht in der Luft hängen lassen. Ich belohne in solchen Situationen ruhiges, korrektes Verhalten mit Futterstückchen bis der Hund komplett zur Ruhe gekommen ist.
Die größte Frustrationsübung ist übrigens das normale Leben.
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Sind solche Übungen (mit der Bank) sinnvoll? Wann sollte ich diese abbrechen? Ich dachte anfangs, das Fiepen ist der Frust und das er eben genau das jetzt aushalten muss.
Wenn du Pech hast, trainierst du so genau das Gegenteil, nämlich dass er den Frust immer länger zeigt/hat.
Wir haben - mit Traineranleitung - auch mal so trainiert, mit eben dem Ergebnis. Trauriger Rekord waren über 2 Stunden nach denen mein KHC immer noch gefiept hat und wo die Trainerin dann abgebrochen hat weil sie weg musste
Lerneffekt für den Hund: Null.Wenn würde ich das so machen wie flying-paws gesagt hat. Wir konnten damit dann noch ein bisschen was retten und beim aktuellen Junghund üben wir sowas überhaupt nicht mehr gezielt.
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Oh man, alles kompliziert. Überall hört und liest man was anderes. 😮💨
Er hat auch angefangen immer im Auto zu fiepen. Außer wir fahren dann von der Gassirunde wieder heim, dann ist er zufrieden und ruhig.
Vorher klappte das aber ohne Probleme, er war super ruhig im Auto..
Da habe ich aber nichts verändert. Alles wie immer. Geht das nach der Pubertät wieder weg? Ich mache es akutell so, das ich immer ein Leckerli in seine box auf der Rückbank werfe, sobald er ruhig ist. Aber das geht dann auch nur, wenn ich gerade an der Ampel stehe.
Und wie mache ich das mit den Hundebegegnungen? Ich lass ihn nicht an die Hunde ran, sondern halte die Leine kurz und laufe möglichst zügig und im Bogen vorbei. Aber trotzdem wäre es wünschenswert, dass er irgendwann gar nicht erst so doll zieht.
Also sollte ich es eher beim Deckentraining belassen? Damit ich eben die Decke dann nutzen kann und er so weiß, was erwünscht ist?
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Die größte Frustrationsübung ist übrigens das normale Leben.
Ein weiser Satz über das Hundetraining hinaus.
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Die größte Frustrationsübung ist übrigens das normale Leben.
Das ist wieder mal so ein kluger Satz, den sollte man ans virtuelle dogforum-Eingangstor pinnen

Ich persönlich empfinde solche gestellten Übungen übrigens als Schikane, weil ich mich frage, was damit erreicht werden soll: den Hund brechen?
Das ist ein junger, heranwachsender Rüde, der strotzt wahrscheinlich vor Energie und verändert sich mit jeder Woche. Mit so einem Hunde-Teenie läge bei mir die Priorität auf meinem eigenen Timing und auf der Beobachtung des Hundes, um punktgenau lenkend eingreifen zu können, damit er lernt, manierlich auf andere Hunde zu reagieren.
Die Hundeschule würde ich mir schenken, sondern vielmehr ausprobieren, wie Du es - siehe Zitat - schaffst, in Alltagssituationen die Aufmerksamkeit bei Dir zu halten.
Und man muss lernen zu erkennen, wann jegliche Aufmerksamkeitsheischerei sinnlos ist und man einfach nur den Hund möglichst geschickt durch die jeweilige Situation durchmanövriert.
Bei dieser ganzen modernen Begrifflichkeit von Ruhelernen, Impulskontrolle, Frustrationstoleranz, etc. pp. wird m. E. suggeriert, dass das quasi programmierbare Verhaltensweisen sind, die man nur "richtig" auftrainieren muss, anstatt den Tieren einfach die Möglichkeit zu geben, selber zu lernen - vorausgesetzt, die Lebensumstände geben das her und überfordern den Hund nicht per se.
M. E. wird gerade bei Hundeneulingen in der heutigen Zeit zu viel Wert auf "Training" und "Arbeit" gelegt, anstatt sich auf das schöne Abenteuer einzulassen, den Hund lesen zu lernen und den Umgang mit dem Tier an sein Lebensumfeld anzupassen.
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