Kritikos Lagonikos - kretischer Jagdhund

Es gibt 32 Antworten in diesem Thema, welches 8.042 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von Spirelli.

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    https://www.vdh.de/welpen/mein-welpe/kritikos-lagonikos


    Guten Abend!


    Pelle lebt seit drei Monaten bei mir. Er kam mit sechs Monaten nach Deutschland und wurde auf Kreta geboren. Er wurde dann in eine Familie vermittelt, die ihn nach drei Jahren wegen Überforderung abgab.


    Ich habe eben aus Langeweile "griechische Hunderassen" gegooglet und saß direkt beim ersten Bildtreffer bei Google senkrecht auf dem Sofa und als ich die Rassebeschreibung las, war für mich fast klar, dass in Pelle ein wesentlicher Teil des Kritikos Lagonikos stecken wird.


    Ich stell Euch mal Fotos zur Verfügung:

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    Pelle ist in der Wohnung inzwischen einigermaßen entspannt und im Grunde ein ruhiger Geselle, auch wenn er seine Empfänger nie ganz ausstellt bisher.


    Menschen gegenüber ist er reserviert, aber freundlich, wenn auch nicht unbedingt zwingend höflich. Er checkt sie durchaus ab und rempelt auch. Uns gegenüber ist er verkuschelt und nähebedürftig. Mit unserer dreijährigen Tochter hat er eine Engelsgeduld und zeigt Nanny-Dog-Qualitäten.


    Draußen ist er permanent unter Strom und registriert jede Bewegung: Laub, Mäuschen, Vögel, Fußgänger, Radfahrer, Hund, Katze, Eichhörnchen, Rehe. Menschen will er draußen abchecken, identizifiert sie aber auch joggend oder radfahrend als nicht jagdbar. Alles Tierische findet er reizend und verfällt unmittelbar in den Jagdmodus. Bei Hunden ist es eine Mischung aus Interesse, Unsicherheit, Anspannung, Jagdmotivation und ritualisierte Aggression bei Sichtung. Er zeigt das gleiche Jagdgeläut, wie bei Wildsichtung, entspannt sich aber bei größerer Distanz.


    Er rennt und hetzt mit Passion. Ich glaube, das ist seine größte Leidenschaft. Neben dem Fressen. Wir trailen seit einigen Wochen, das gefällt ihm. Es ist aber eine Herausforderung sich im Arbeitsmodus auf den Auftrag zu fokussieren und nicht weiterhin die Umgebung zu scannen. Grundsätzlich entscheidet er die Dinge gern allein, auch wenn er gern mit mir arbeitet. Mein Angebot an ihn muss eindeutig und attraktiv genug sein. Nur auf Druck macht er gar nichts. Da hält er sich dann vornehm zurück und rührt sich gar nicht mehr.


    Fotos gibt es leider nicht so wahnsinnig viele. Das findet er nämlich außerordentlich blöd und zeigt deutliche Beschwichtigung und Unwohlsein.


    So. Gibt es Leute, die sich näher mit dem Kritikos Lagonikos auskennen und ihn in Pelle wiederfinden? Ich bin so neugierig!


    Mein Mann hat mir den Feragen-Gentest geschenkt, aber das Ergebnis dauert noch...

  • Der Kritikos ist n Halbwindhund.

    Für nen reinen Kritikos sieht er auf den Fotos zu breit gebaut aus und außerhalb Kretas sind sie wohl immer noch selten. Möglich isses trotzdem. Bzw halt irgendne lokale Spielart.


    (Ich bin nur insofern immer skeptisch, weil viele griechische Mixe zumindest subjektiv empfunden gerne hetzen und rennen. Der schwesterliche Grieche hatte war zb sicher kein KritikosMix, auch wenn sie es anfangs dachte. Bis er dann Normalgewicht hatte).


    Standfotos von der Seite wären interessant, weil man da die typischen Körpermerkmale der windhundartigen eher sieht.

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  • Dass er reinrassig ist, glaube ich auch nicht. Dafür ist er mit 26kg zu schwer. Oder zu fett. Stockmaß müsste ich messen. Aber er wurde in einem Karton mit seinem Bruder gefunden als Welpe. Ob er also jemandem gehörte und ausgesetzt wurde und reinrassig sein könnte oder eine Straßenpromenadenmischung ist, kann so halt nicht rekonstruiert werden.


    Da es die Rasse im Grunde nur auf Kreta gab und gibt, ist es nicht so unwahrscheinlich, dass er da Teile in sich trägt. Der Kritikos ist auf jeden Fall in der Feragen Datenbank drin, also werden wir es bald wissen. Ich war nur so aufgeregt, weil die Bilder und Beschreibung schon ziemlich gut passen. Aber vielleicht ist das auch wie mit Horoskopen und man liest für sich das Passende raus. :ugly:


    Ich guck mal wegen passenderen Fotos von der Seite, kann aber nix versprechen!

  • [Externes Medium: https://youtu.be/obRXPt5v17M]


    Vom Jagdeinsatz her müssten sie ein bisschen ähnlich wie viele Podencos "funktionieren". Also viel stöbern, durchaus auch hetzen, aber nicht so stark auf Sicht allein fokkusiert, wie die klassischen "Nur-Hetzhunde".

    Sind auch geländegängiger, als zumindest die europäischen Windhunde.


    Das im Video sind irgendwie unterschiedliche Typen des Kritikos. Wobei ja die Verbandszucht, mit ein paar hundert registrierten Tieren und mehr Vereinheitlichung sicher nicht den Hauptteil aller existierenden Hunde ausmacht, sondern das halt "Arbeitsschläge" sind.


    Das könnte auch nen Gentest erschweren. Die "Bauernhunde" sind wahrscheinlich, ähnlich wie beim Galgo, eher ein Typ, eine Gebrauchskreuzung, ein Landschlag, als eine reinrassige Rasse.

    • Neu

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  • Spirelli


    Nein, das Gewicht schließt es nicht aus. (Naja, kommt auf die Größe an) Die massigeren Typen gehen durchaus bis so 30kg.


    Ich hatte überlesen, dass er auf Kreta geboren wurde. Jo, gut möglich, dass dann ein Teil Kritikos in ihm steckt. Ein reiner "Züchterkritikos" ist er nicht, ein "Bauernkritikos" hat vielleicht mitgemischt. Es geht nicht ums "dick". Ich finde ihn, soweit man das auf Fotos sagen kann, zu grobknochig und verhältnismäßig zu kurzbeinig für einen ganzen Kritikos. Kann täuschen. Aber ich hätt in allen Fotos bisher keinen in ihm gesehen.


    Und vom Tempo her kann man nix sagen, im Video hetzt er nicht. Er läuft nur.


    Die Rute hat er ja so ein bisschen gekringelt manchmal.



    Hm... ich bin gespannt und tippe jedenfalls zusätzlich auf etwas Schäferhund dabei.

  • Sein Vorgänger war ein Podenco-Mix und der hat schon anders "gejagd". Pelle habe ich im Gegensatz zu Nilo noch nicht jagen gesehen. Aber grundsätzlich ist Nilo eher auf Sicht motiviert, streunte auch durchs Unterholz in der Hoffnung etwas hochzuscheuchen, aber er war im Ganzen nicht so... akribisch? Er war weniger hartnäckig, ließ schneller vom Objekt der Begierde ab und ich war mir nie sicher, ob er tatsächlich seine Beute stellen und töten würde. Bei Pelle bin ich mir da sehr sicher. Der ist irgendwie robuster, zielgerichteter und härter im Nehmen. Dass der stundenlang seinen Menschen begleiten und arbeiten würde, kann ich mir gut vorstellen. Nilo hätte den Fokus nie so lange halten können.


    Wird der Unterschied deutlich?

  • Is zwar bei Mixen immer so ne Sache mit woher kommt es, aber Podencos jagen ja zb mit weichem Maul. Beim Kritikos bin ich mir da nicht sicher, ob der nicht doch ein Beutetöter ist. Aber so von Landschaft und Beute aufscheuchen seh ich schon Parallelen. Historisch theoretisch auch.


    Im Grunde wirst Du, beim Kritios genauso wie beim Podenco, viel auch über die Beschäftigung mit Laufhunden bzw Bracken verstehen können.

  • Ja na klar. Erstens Mischlinge, zweitens beide nicht richtig sozialisiert und drittens ja auch jeder für sich ein Individuum.


    Aber ich finde das total spannend und habe mich bei Nilo nie mit "dem Jagdhund" auseinandergesetzt, sondern ein für ihn sinnvolles AJT mit einer Trainerin erarbeitet. Hätte ich gewusst, was da auf mich zukommt im Laufe der Jahre, hätte ich ihn wohl damals nicht genommen.


    Bei Pelle habe ich mich bewusst für einen Jäger entschieden und auch für einen Hund, bei dem man sich die Zusammenarbeit verdienen muss. Nilo war von Anfang an unendlich abhängig von mir. Der dachte wohl, dass er ohne mich verloren wäre. Pelle kommt gut ohne irgendwen klar.


    Von daher ist die Situation anders und ich bin viel neugieriger mir die verschiedenen Jägertypen anzugucken und zu vergleichen, um zu sehen, was auf Pelle passt und was mir Zugang zu ihm verschafft.

  • Im Gegensatz zu Podencos, die weitestgehend reine Kaninchenjäger sind, jagen die Kritikoi Hasen. Angeblich gibt es auf Kreta keine Kaninchen. Die Landschaft ist aber nicht offen genug für die "gradeaus Hasenhatz".

    Über Tempo allein fangen ja auch Windhunde keine Hasen bzw entwischen viele. Es geht eher um Taktik. Die langsameren Rassen treiben quasi die Hasen bis zur Ermüdung vor sich her. Teils über sehr große Distanzen.


    Der Kritikos ist, wie eben die Windhunde auch, ein "Sonderjagdhundtyp" (bzw der ursprünglichste). Alle Sequenzen der Jagd und der Hund erlegt die Beute, es ist Jagd ohne Gewehr. Die "Sichthunde" sind dabei nicht spurlaut, Podencos tendentiell schon, der Kritikos angeblich eher nicht (aber da spricht Körperbau und Jagdweise bzw der vermehrte Naseneinsatz trotzdem wieder gegen die Einordung bei den "ganzen" Windhunden - das englische "Sighthound" ist ja irgendwie treffender.)


    In dem Terrain, in dem der Kritikos lebt, is gradaus rasen nicht immer drin. Sprungkraft und Trittsicherheit ist eher gut ausgeprägt. Und halt Ausdauerfähigkeit. Hasen erwischen geht über Ausdauer, wenn man in der Lebensumgebung kein HighSpeed hinkriegt. Bzw über Taktik und Zusammenarbeit der Hunde.


    Im Deutschen find ich, wird diese hündische Jagdvariante selten gut dargestellt. Und auch der Zugang der Coursing Szene erfasst nicht das volle Spektrum. (Über den vorgegebenen Kurs können die Hunde ihre Taktiken nicht voll anwenden und den "Hasen" treiben)


    Ich find den angloamerikanischen Raum und die Working Sighthound oder Working Lurcher Literatur da viel ergiebiger. Zumindest wenn man verstehen will, warum der Hundetyp der Hetzjäger so ist wie er ist. Bei den Mediterranen Rassen und wahrscheinlich auch beim Kritikos ist aber auch ein Abstecher in die Gruppe der Laufhunde, also die Hound Group als eigenständige Jäger insgesamt, sinnvoll.

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