Caspar hat Epilepsie

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    Liebes Forum, das wird leider ein etwas längerer Beitrag, aber wir sind total verzweifelt...vielleicht hat ja jemand Zeit und Lust es sich durchzulesen.

    Unser Golden Retriever Caspar (5 Jahre) hat Epilepsie. Die ersten Anfälle bekam er letztes Jahr, als ich (damals 17) alleine mit ihm zuhause war und mich aufs Abi vorbereitet hab. Wie man sich vorstellen kann, war das natürlich das totale Drama. Caspar fällt dann um, krampft und zuckt am ganzen Körper, fiept und jault und setzt Urin ab. Allerdings dauern die Anfälle maximal 2 1/2 Minuten und steigern sich auch nicht in der Länge, die Dauer und Stärke ist immer Unterschiedlich.

    Beim ersten Anfall dachte ich, er stirbt. Epilepsie ist ja auch nicht das erste, was man bei einem Hund so im Kopf hat. Das Schlimmste war aber, dass er mich nach dem ersten Anfall nicht erkannt hat. Er ist sonst der bravste Hund der Welt, ich habe ihn bis zu diesem Tag noch nie knurren gehört aber da war er völlig in Panik und ich musste ihn in einen Raum sperren, weil er echt aggressiv war. Das Highlight war dann auch noch, dass sich von 20 Tierärzten in der Umgebung niemand bereit erklärt hat, zu kommen, um ihm irgendwas zur Beruhigung zu geben. Wie hätte ich ihn (fast 40 Kilo) in dem Zustand sonst ins Auto kriegen sollen?! Ende vom Lied war dann, das der Tierarzt meines Pferdes netterweise gekommen ist, und ihm etwas gespritzt hat. In der Tierklinik haben sie ein großes Blutbild gemacht, völlig unauffällig. Zu dem Zeitpunkt war der Hund auch wieder völlig normal, nur etwas schlapp. Nach allen darauf folgenden Anfällen hat er uns übrigens sofort erkannt, jetzt kennt er das mittlerweile auch schon und es gab nie wieder Probleme.


    Danach folgten auf den Tag genau alle 3 Wochen (!) weitere Anfälle. Wir vermuten, dass das bei ihm auch stark mit der Psyche zusammenhing, denn er bekam jeden Anfall Montags vormittags gegen elf. Es stresst ihn sehr, dass nach dem Wochenende meine Eltern wieder arbeiten gingen, da er (wahrscheinlich auch krankheitsbedingt) sehr empfindlich ist. Im Übrigen ist er von Geburt an ziemlich kränklich und hatte die ersten 2 1/2 Jahre mit dauerndem Durchfall zu tun, den wir mit einer Tierheilpraktikerin nach unzähligen Versuchen durch den Tierarzt in den Griff bekamen.Außerdem ist Epilepsie für einen Golden Retriever ja leider auch schon fast typisch. Ich weiß aber gesichert, dass seine Eltern, die Großeltern und alle seine Geschwister keine Anfälle haben.


    Auf Anraten eines Tierarztes begannen wir ihn mit Luminal zu behandeln. Ich kann euch den genauen Medikamentenspiegel nicht sagen, er ist aber im unteren Normbereich und der Hund wurde sorgfältig eingestellt. Durch das Luminal konnten wir die Anfälle auf alle 3 Monate verringern, was für uns ein großartiger Erfolg war. Wir begannen, uns wieder ein bisschen zu entspannen, und nicht mehr ständig in Angst zu leben.


    Uns fiel aber eine Sache auf: 2-3 Tage bevor er einen Anfall bekam, biss Caspar sich meistens die Pfoten blutig. Man kann das natürlich darauf zurückführen, dass er den Anfall schon bemerkte, und Stress hatte, aber die Pfoten waren zwischen den Ballen auch immer sehr sehr stark gerötet, auch bevor er sie aufgekaut hat. Es scheint ihn dann unwahrscheinlich zu jucken. Außerdem kriegt er die Anfälle immer, wenn ihn seine Ohren sehr stark jucken. Er hat einen Pilz im Ohr, den wir trotz intensiver Bemühungen nicht in den Griff kriegen. Wenn also seine Ohren anfangen zu jucken, kann man sich auf einen Anfall in den nächsten 48 Stunden einstellen. Zwar kriegt er sehr selten auch einen Anfall, wenn ihn etwas sehr stresst (mehrere Familienmitglieder ohne ihn im Urlaub), aber 95 Prozent der Anfälle sind auf die Ohren zurückzuführen.


    Das kuriose aber ist: Im Internet finde ich so viele Fälle, wo die Epilepsie auf Ohrenerkrankungen zurückzuführen ist, aber jeder Tierarzt sagt uns ernsthaft, dass das überhaupt nichts damit zu tun haben kann. Wir waren wirklich schon überall, auch bei der TiHo in Hannover. Die haben so etwas noch nie gesehen. Einen Tumor schließen sie eigentlich aus, denn wenn Caspar seit 1 1/2 einen Tumor im Kopf hätte, der so schlimme Anfälle auslöst, würde er nicht mehr leben. Außerdem waren alle anderen neurologischen Tests unauffällig. Sie haben uns MCT öl empfohlen, man hat vor kurzem rausgefunden, dass das etwas hilft bei Epilepsie (auch bei Menschen).


    Bis jetzt hatte Caspar also alle 2 1/2 bis 5 Monate einen einzelnen Anfall. Völlig ok, eine Anzahl mit der man leben kann wie wir finden. Vor allem da es ihm nicht lange schlecht ging.


    Das schlimme: diese Woche hatte er erstmals zwei Anfälle an einem Tag (letzten Samstag) und heute bahnte sich wieder einer an, den wir durch die rechtzeitige Gabe von Diazepam verhindern konnten. Das klappt aber nur in den seltensten Fällen und wenn man exakt den richtigen Zeitpunkt der Gabe erwischt. Samstagmorgen galoppierte er dann erstmals während des Anfalls los und krampfte dabei. Er kann sich schon verletzten, wenn er auf dem Boden liegend krampft, aber was ihm dabei passieren kann will ich mir nicht ausmalen. Eine Gefahr für andere schließe ich erstmal aus, da er grundsätzlich nur Anfälle kriegt, wenn er zu hause in Ruhe ist.


    Vielleicht hat ja jemand etwas über Mundpropaganda gehört, was ihm helfen könnte. Mit mehreren Anfällen die Woche wollen und können wir nicht leben. Wir sind noch lange nicht so weit, dass wir ihn einschläfern lassen würden. Er ist grundsätzlich ein sehr verspielter und lebensfroher Hund, auch wenn man ihm gelegentlich leicht anmerkt, dass er eine neurologische Krankheit hat (er starrt sehr selten an die Decke). Das stört ihn aber überhaupt nicht. Wir werden jetzt erstmal die Luminaldosis erhöhen, sind aber nicht so zuversichtlich, dass das helfen wird. Es kann so nicht weitergehen. Ein normales Leben ist für uns so nicht mehr möglich, es ist einfach nur Psychoterror. Wir schlafen oft sehr schlecht, da wir schon durch einen Anfall geweckt wurden, dass sind schreckliche Geräusche. Außerdem haben wir natürlich schreckliche Angst, dass er erstmals einen Anfall kriegt, wenn er alleine ist und sich dann verletzt. Oder zum ersten Mal einen Anfall, wenn wir mit ihm unterwegs sind. Wir haben wirklich das Gefühl, dass der Hauptauslöser die Ohren sind. Kennt ihr für sowas einen Spezialisten, oder jemanden, der sich in die Erforschung solcher Dinge reinhängt? Epilepsie und ihre Auslöser sind ja generell noch relativ unerforscht. Die meisten Tierärzte (mit Außnahme der TiHo) haben auch keine Lust, sich da näher mit auseinanderzusetzen. Es erscheint wirklich äußerst abwegig, dass kein Zusammenhang zwischen Ohren und Anfall existiert. So viele Zufälle hintereinander gibt es nicht...

    Vielleicht hat ja jemand eine Idee!

    Hannah und Caspar

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  • Die erste Frage: Was wurde bereits an Diagnostik betrieben um sicherzustellen das es Epilepsie ist und nicht "nur" ein Symptom einer anderen Grunderkrankung?


    Blutbild, neurologische Untersuchung und weiter?

    Herzultraschall? Schilddrüsenwerte? Leber(shunt) abgeklärt? Zeckenkrankheiten? Liquor auf Entzündungen untersucht? Gehirnveränderungen (dazu zählt nicht nur ein Tumor)?
    Epilepsie ist eine reine Ausschlussdiagnose, erst wenn alles abgeklärt ist was epileptische Anfälle auslösen kann (meine Aufzählung ist leider nicht vollständig), dann kann man von Epilepsie ausgehen.


    Ansonsten betreibt man mit Antiepileptikern reine Symptombekämpfung, aber die Ursache bleibt bestehen.

    Beispiel: Schilddrüse ist autoimmunkrank, man behandelt die epileptischen Anfälle, Schilddrüse geht immer weiter kaputt weil nichts dagegen unternommen wird.


    Ich habe meine Hündin rund 1 1/2 Jahre nach ihrem ersten Anfall gehen lassen müssen, die Ursache war aber nicht die Epilepsie, sondern lag woanders und war nicht mehr behandlungsfähig, jedoch habe ich die komplette Diagnostik inkl. MRT machen müssen um das zu erfahren.

    Ebenfalls habe ich mehrere Medikamente "durch" gehabt bis ich das richtige hatte um sie weitestgehend anfallsfrei zu bekommen. Sie hatte immer Clusteranfälle, d.h. 3-6 in 14 Stunden, regelmässig alle 1 - 1 1/2 Monate. Diazepam wirkte bei ihr nur sehr hochdosiert, sonst gar nicht. Sie bekam daher einen anderen Anfallsunterbrecher.


    Und meine Hündin hatte einen anfangs schwer zu behandelnden, später nicht behandelbaren Pilz an den Ohren (aussen). Als Grund wurde mir das geschwächte Immunsystem + Medikamente genannt. Angekündigt haben sich die Anfälle meiner Hündin mit unberechenbarer Aggression inkl. Beissen etwa 2 Wochen vorm Anfall.

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  • Vielen Dank für deine Antwort!! Das mit deinem Hund tut mir sehr leid. Also, alles organische ist durch diverse Bluttestts (inklusive Zuckertest) eigentlich ausgeschlossen. Was ich vergessen habe zu sagen: den ersten Anfall hatte er 16 Stunden nachdem er einen Zeckenpräparat (Ardap Spot on) in den Nacken geschmiert gekriegt hat. Einige Tierärzte meinten, dass er eben einfach ein idiopathischer Epileptiker ist (also ohne eine andere Grunderkrankung), und das dann das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Aus diesem Grund war er auch nicht in der Röhre, weil er dafür eben eine Narkose bräuchte, und auf Dinge wie Impfen und Wurmkuren schon empfindlich reagiert. Deshalb entwurmend wir auch selektiv. Bis jetzt haben uns die Tierärzte auch davon abgeraten, da eben alle Fakten leider dafür sprechen, dass er „einfach“ Epileptiker ist: Erster Anfall in relativ jungem Alter, die rasse... aber ich finde wir sollten da definitiv noch mehr ausprobieren, vor einer Narkose haben wir bei ihm Respekt. Vielleicht auch mal ein anderes Medikament? Bis jetzt hat aber jeder Tierarzt nur Luminal empfohlen, was hat dein Hund gekriegt?

  • Luminal muss der Wirkspiegel überprüft werden, gerade wenn sich was anden Anfällen ändert.Meine hündin war dreimal"gut eingestellt"bis es dann endlich ausgereicht hat. Esreicht shcon, dass er einzweiKilozugelegt hat, der Körper gewöhnt sich auchundverarbeitet das Madikament schneller. auc ob ihr es mit Futter gebt, wann die Letzte Fütterung her ist, wirkt sich auf die Aufnahme aus.

    Also wirkspiegel überprüfen lassen und dann geht man immer erstmal in Schritten mit dem bei euch ja wirksamen Medikament weiter nachoben und kuckt, wie die anfälle sich entwickeln, das braucht Zeit. Wenn dann einegrenze erreicht ist, entweder der köroer nicht reagiert oder dieNebenwirkungennicht abklingen, oder man in den Lebertoxischen Bereich müsste, dann nimmt man ein weiteres Medikament dazu.

    Da gibts verschiedene. Klassiker ist Kaliumbromid. Danngibts noch Levetiracetam, Gabentin und andere ...

    Da würde ich wirklich mit zur TiHannover gehen, die haben eine gute Sprechstunde.

    Die Idee, dass eine Pilzinfektion im Ohr die Epilepsie verursacht, da würde ich michnicht drauf versteifen. Diekannaufflammen, weil der Körper unter steress ist oder er merkt denJuckreiz mehr, wenn sein Gehirn in Aufruhr ist, oder esist garkein Ohrnekratzen,sondern focale Anfälle, die halt so aussehen. Filme das mal.

    Zum Serienunterbrechen langfristig, also wenn ihr das schon wisst, dass dann Anfälle kommen, dakann man Levetiracetam einsetzen, das wird dann nach einem bestimmten Muster gegeben und wieder ausgeschlichen und so verhindert dass er sie überhaupt bekommt.

    Und klar, solltet ihr nochmal eine Kultur machen lassen von der Ohreninfektion in einer Spezialisierten Klinik am besten und den Mist nochmal angehen, das ist ja auch unabhängig von der Epilepsie eine blöde Sache. Ist er denn schonmal ausgespült worden?

    Jedenfalls,ihr seit mit einemMedikament und einer Dosierung echt noch am totalen Anfang aller möglichkeiten.MCT Öl, wie Magnesium und andere Zusätze, sind eine Möglichkeit, die dazu noch recht nebenwirkungsarm sind. Meine hat zum BeispielMagnesiumund Vitamin B den letzten kick zur Anfallsfreiheit gegeben.

    Sorgfältig informieren, Plan überlegen, eine Sache ändern, beobachten, anpassen, weitermachen ... und bleib eben offen, wenn du beim TA die Ohrenin den Fordergrund stellst, werdensie versuchen dir das mit den Ohren auszureden. Es geht darum die anfällewieder besser zu kontrollieren und da sollte es eben um die weitere Medikamentenaufstellung gehen.


    Viel Erfolg beim einstellen, wir hatten biszu 13 anfälle am Tag,78 im Monat und sidn jetzt ein Jahr anfallsfrei. sie ist auch gerannt und dann gefallen, kriegt keineLuft bei so einemanfall, schlägt soheftig mit dem Kopf, das sie sich dne Kiefer brechen würde ... ich weiß,wie du dich fühlst. aber wie gesagt, ihr seit erst ganz am Anfang eurer Möglichkeiten.

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    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


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    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



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  • Oje, was eine Odyssee. Ich kann es sog gut nachfühlen - ich habe jahrelange mit einer "echten" Epileptikerin zusammengelebt. Allerdings habe und hatte ich auch Hunde, die aus anderen Gründen Anfälle hatten und bei Euch schreit es für mich förmlich danach, dass es eine Grunderkrankung gibt, die die Anfälle verursacht.


    Du erwähnst, dass der Hund immerzu mit Durchfall zu kämpfen hatte die ersten Jahre. Dann ist Dir sicher geläufig, dass Ohrenentzündungen, vor allem Pilzeninfektionen und auch das Jucken von Pfoten auf Allergie bwz. Unverträglichkeit mit Futtermitteln hinweist? Ich würde daher an diesem Punkt noch mal intensiv ansetzen. Dafür spricht auch, dass das Immunsystem in die Knie geht, wenn man den Zeckenmist auf den Hund tut ...

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