Ein Hund - Zwei Baustellen

  • Hallo ihr Lieben :winken:

    freue mich, hierher gefunden zu haben. Wie der Betreff schon sagt, habe ich die eine oder andere "Baustelle" bei unserem neuen Familienzuwachs. Es handelt sich um Lenny, einem ca. 2 Jahre alten Labrador-Galgo-Mix, der unser "Rudel" (Familie neben unserem Doggen-Senior Cisco, 13 Jahre) bereichert hat. Wir haben Lenny vor drei Wochen aus der Verwandschaft übernommen, da der Besitzer mit dem kleinen Rabauken aus gesundheitlichen Gründen beim Gassi-Gang nicht mehr zurecht kam. Lenny hat in den etwa 2 Jahren seines Daseins eine ganze Menge mitgemacht; wir sind bereits die vierten (!) Besitzer. Nach Aussage der Tierhilfe, wo Lenny vor der Übernahme des letzten Besitzers stationiert wurde, ist er vermutlich viel zu früh von seiner Mutter getrennt und auch misshandelt worden (er hat große Angst vor Flaschen, Gläsern, lauten Stimmen und dominanten Männern). Dennoch ist er ein superfröhlicher Geselle, hat sich prima bei uns eingelebt, ist sehr anhänglich, lieb, verschmust und äußerst gelehrig.

    Der Vorbesitzer aus der Verwandschaft ist vorbildlich mit ihm umgegangen, war mit ihm bei einem Hundetherapeuten und im Anschluss regelmäßig in der Hundeschule; hat aber leider nicht ganz so viel daheim umsetzen können bzw. aus Liebe falsch gemacht. Womit wir bei unserem ersten Problem wären:

    Steinefressen
    Lenny LIEBT Steine. Jedes Mal, wenn er bei seinem früheren Herrchen aus dessem Steingarten einen Kiesel gemopst hat, ist Herrchen sofort aufgesprungen und hat Stein gegen Leckerchen getauscht. Dadurch hat Lenny gelernt, dass es eine Belohnung gibt, wenn er Steine einfängt. Ein äußerst fataler Lernprozess! Denn wir waren mit Lenny am Wochenende in der Tierklinik - Darmverschluss. Es wurde ein 4,5 Zentimeter umfassender Stein herausoperiert. Gottlob hat er alles gut überstanden und befindet sich auf dem Weg zur Besserung. Wichtig ist nun, dass das NIE wieder passiert. Seitdem er bei uns ist, hat er keinen Stein mehr gefressen (wir haben auch ein Kiesbeet, aber nur kleinkiselig ... die Steine haben einen Durchmesser von max. 2 Zentimeter), dennoch will ich mich nicht darauf verlassen und ihm das verlässlich abtrainieren. Nur wie? Wo ihm doch so "schön" beigebracht worden ist, dass er Steine holen/futtern soll ... Woran sich gleich das nächste Thema anschließt:

    Ignorieren von "Komm"-Befehlen
    Seitdem wir Lenny haben, trainiere ich täglich mit ihm für etwa eine Stunde an der Schlepp-Leine "Bleib" und "Komm". Das klappt hervorragend! Er ist auch inzwischen wirklich gut leinenführig. Ich halte es hier - auch wenn ihn viele verteufeln - mit der Ausstrahlung von positiver, ruhiger, selbstbewusster Energie, die Cesar Millan predigt (seine übrigen Methoden darf man ruhig bezweifeln, dennoch bin ich davon überzeugt, dass ein ruhiger Mensch am Ende der Leine auch Ruhe für den Hund bedeutet) und positiver Bestärkung in Form von Leckerchen. Das hat unglaublich viel bei ihm gerbracht und im Gegensatz zu seinem früheren Herrchen läuft er hinter oder neben mir bei durchhängender Leine.

    Problem ist aber, wenn Lenny abgelenkt ist - wie eben: "Hey, ich hab da gerade einen superinteressanten Stein entdeckt!" oder "WOW, HUND VORAUS!!! ...Kampfmodus!!" ist er nur schwer abrufbar. Bei Hundebegegnungen schaffe ich es inzwischen ganz gut, dennoch Ruhe zu bewahren, die Leine immer noch locker zu lassen, selbstbewusst mit ihm voran zu schreiten und in 90% aller Fälle können wir ohne weiteres an dem anderen Hund vorbei. Aber bei den übrigen 10% tendiert er zum Ausrasten (unabhängig von der Größe/Geschlecht des anderen Hundes). Wenn ich sehe, dass es Trubel geben könnte, lenke ich sofort die Aufmerksamkeit auf mich (ohne Leckerchen, nur Fingerzeig), wir gehen im Bogen um den anderen Hund herum und ich gebe Leckerchen, wenn er ruhig bleibt. Immer klappt das aber nicht. Bei einem von 10 Hunden dreht Monsieur frei. Ich frage mich, WAS kann/könnte hier der Auslöser sein?

    Zudem: Wenn ich ihn komplett frei laufen lasse (z.B. bei uns an einem Hundestrand), rennt der junge Mann mit riesigen Sprüngen fort und ist in keinster Weise mehr abrufbar - wir müssen ihn dann suchen. Total blöd. Was kann ich hier tun? Beim Schleppleinentraining klappt es doch auch. Oder ist es das Galgo-Gen??

    Ich würde den Hund natürlich gern körperlich voll auslasten und daher mit dem Fahrrad oder Inlinern auch mal mit ihm sporteln wollen. Aber dafür ist die Verlässlichkeit einfach noch nicht da, denn ich würde nur ungern vom Rad gezogen oder mit den Inlinern flach liegen wollen, wenn Monsieur Lenny seine drolligen 5 Minuten hat. Hättet ihr da Tipps??

    Was Hundeschule betrifft ... tja ... wir wohnen dermaßen ländlich, dass die nächste Hundeschule eine gute Stunde Autofahrt entfernt ist und die gefällt mir nicht besonders (habe da mal "Trainings" beobachtet ...) ... Auch denke ich, dass ich das schon auch noch selbst mit ihm hinbekommen könnte. Denn er ist wirklich ein herzensguter, lieber und total verschmuster Hund und absolut wissbegierig und lernen-wollend.

    Freue mich auf eure Hilfe und Unterstützung ...

    Viele Grüße von mir :winken:

  • :winken: .

    Er ist 2J., es gab Misshandlungen in seiner Vorgeschichte, ihr seid die 4. Besitzer und er ist faktisch erst 3 Wochen bei euch, in denen es schon einen Vorfall mit OP gab. Ich glaube ich würde mich erst einmal über das freuen, was alles schon toll klappt und ihm erstmal noch viel mehr Zeit lassen, richtig bei euch anzukommen und Vertrauen zu dir/euch zu fassen und solange nicht den Freilauf üben und auch noch nicht Inliner oder Radtouren machen. Erstmal zusammen wachsen, ihm Sicherheit geben, dass er es bei euch nun endgültig gut hat und da den Fokus drauf legen.

    Entschleunigen.


    Ich denke, das braucht er erstmal .

  • Das Kiesbeet würde ich bei einem solchen Hund entweder abdecken oder Kies weg, Erde drauf. Entspannung für alle Beteiligten.

    Du wirst mit Management (also vorsorgen) besser fahren als mit "abgewöhnen" (was ein sehr langer Prozess sein wird).

    Alles Andere: üben, üben, üben. Dein Hund ist gerade erst angekommen. Wie gut seine Erziehung ist, wird sich langsam erst zeigen. Und alles was nicht klappt: üben. Den Hund sichern und üben. Es führen keine Abkürzungen am langwierigen üben vorbei. ;)

  • Hey, vielen Dank ihr zwei, dass ihr euch gleich gemeldet habt :applaus: .... Meine Fragen waren auch eher längerfristig und nicht als Sofot-Maßnahme gedacht. Das ist allein aufgrund der OP nicht möglich. Erst in zwei Wochen können wir wohl erst wirkich wieder langsam anfangen. Natürlich muss er sich noch weiter bei uns einfinden; ich dachte aber, dass es nicht schadet, hier schon mal im Vorwege nachzufragen. @wildsurf ... jop ... mit Vorsorge ist es wohl der richtige Weg, da magst du Recht haben. Wir weren alles dafür tun und den Kies bei uns mit einem Netz abdecken, was ich eh schon angedacht habe. Danke für eure Tipps!

  • Wenn der Hund das Steinefressen auch beim Spaziergang macht, könnte es eventuell zusätzlich sinnvoll sein, ihn an einen Maulkorb mit Fressschutz zu gewöhnen (da gibt's ganz leichte, bunte aus Plastik, die auch nicht 'gefährlich' aussehen, aber verhindern, dass der Hund sich irgendwas ins Maul schiebt).

    Langfristig ersetzt das natürlich nicht das Üben, aber wenn man selbst oder der Hund mal einen unkonzentrierten Tag hat und trotzdem entspannt spazieren gehen will, hilft das ungemein, weil ja nix passieren kann. :smile:

  • @pardalisa ... beim Spaziergang kann ich gut durchgreifen, da ich ihn ja im Blick habe; problematisch wird es nur, wenn ich ihn nicht sehe (sh. Weglaufen). Wäre bestimmt eine gute Idee, wenn wir den Freilauf (irgendwann ...) mit ihm trainieren. Denn dann KANN er weder einen Hund angreifen, noch einen Stein aufnehmen. Ich würde aber dem gern zuvorkommen und gar nicht erst einen Maulkorb nötig machen wollen ... Ideen...? ...

  • Hey :winken:

    Wenn dein Hund ohne Leine nicht mehr kommt, geht kein Freilauf... stehst du nämlich dann da und rufst und rufst und rufst, lernt der Hund das Gegenteil von dem, was er lernen soll... nämlich "prima, ich hör nicht, und es passiert genau -- nix!"
    Ich würde solche "Erfolgserlebnisse" in negativem Sinne unbedingt vermeiden.

    Auch mit Schlepp oder langer Flexi geht bei längerem Gassigang eine sinnvolle Auslastung, da muss der Hund nicht immer unbedingt frei laufen, vor allem, wenn ihr einen Garten habt, wo er sich frei bewegen kann.

    Ist das mit dem Labrador- Galgo- Mix gesichert? Oder die Vermutung von Leuten aus dem Tierheim, wo er gelandet ist, nachdem er von der Strasse eingefangen worden ist?
    Also, Labrador seh ich ;) , aber Galgo... :???: :smile:

  • Auf jeden Fall als Management-Maßnahme erstmal Maulkorb antrainieren. Das Verhalten des Hundes scheint ja echt festgefahren zu sein und die Gesundheit geht da erstmal ganz klar vor. Später im Training schützt ein Maulkorb auch vor weiteren "Erfolgserlebnissen", da der Hund mit entsprechendem Mauli keine Steine mehr aufnehmen kann.


    Eine Stunde Training ist viiiiel zu lange! Der Hund hat zudem schon sehr viel durchgemacht, da würde ich das Üben ganz drastisch zurückdrehen. Du verlangst vuel zu viel von dem Kerl, anstatt ihn erstmal richtig amkommen zu lassen. Nichts spricht gegen ganz kurze Übungseinheiten, aber die sollten nicht mal 5 Minuten dauern, gescgweige denn eine Stunde.

    Dass ein junger Hund mit der Vorgeschichte bei Ablenkung nicht zuverlässig abrufbar ist, ist völlig normal. Sichere ihn entsprechend und gib ihm Zeit.

    Ich finde auch, dass hier erstmal Entschleunigung angesagt ist.

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