Unser Hund meint Chef zu sein

  • Zunächst einmal: der Hund will sicher nicht die Weltherrschaft an sich reißen.
    Hunde in diesem Alter testen ihre Grenzen aus. Das ist ihr Job, damit aus ihnen später selbstbewusste Hunde werden, die gut und sicher durch das Leben kommen.

    Wenn ein Hund im Spiel zu fest beißt, hat er entweder im Vorfeld nicht richtig gelernt, was eine Beißhemmung ist (das ist nach der Übernahme Aufgabe der neuen Halter), oder er wird weiter gepusht, obwohl das Spiel zu stressig ist oder schon zu lange dauert.

    Rammeln kann in diesem Zusammenhang eine ganz einfache Motivation haben: der Hund hat es (durch die einsetzende Pubertät zunächst sexuell motiviert) ausprobiert und festgestellt, dass es ihn entspannt. Gut möglich, dass er deshalb rammelt, weil er total gestresst ist, keine Hilfe von Euch bekommt und sich selbst mit dieser erprobten Methode beruhigen will.

    Stell Dir bitte mal vor, dass Du selbst in einer extrem stressigen Situation bist. Ein heftiger Streit mit Deiner Lebensgefährtin, ordentlicher Ärger mit dem Chef, was auch immer. Dein Herz rast, Du willst am liebsten wegrennen, aber kannst nicht. Was willst Du in dieser Situation? Dass Dich jemand herausnimmt, Dich beruhigt und Dir einen sprichwörtlichen Weg heraus zeigt oder dass Dich jemand anbrüllt und Dir sagt, dass Du gefälligst die Klappe zu halten und Dich zu beruhigen hast, weil Du sonst verprügelt wirst? Letzteres macht ihr mit Eurem Hund, indem Ihr ihn unterwerft.

    Ihr braucht jemanden, der Euch grundlegend erklärt, wie ein Hund denkt, lernt und was er braucht. Und Ihr braucht einen erfahrenen Trainer, der gewaltfrei arbeitet und ohne Begriffe wie "Unterwerfung" und "Dominanz" auskommt. Das kostet Zeit und Geld und muss schnell passieren, weil der Hund eine sehr wichtige Entwicklungsphase durch macht, die die Weichen für sein weiteres Leben stellt. Wenn Ihr nicht dazu bereit seit, dies zu investieren, sucht bitte über einen seriösen Verein oder eine ähnliche Anlaufstelle (nicht ebay Kleinanzeigen & Co!) einen neuen Halter und gebt den Hund schnell in gute Hände.

  • Ihr redet von einem 5 Monate alten Pekinesen. OH HIMMEL! Wenn ihr keinen Hundetrainer euch leisten könnt, geht zum Hundeverein. Gebt ihn Kauspielzeug, damit er sich abreagieren kann und fahrt seinen Tagesablauf runter.

    Meine Massnahmen wären (bezogen auf die wenigen Informationen die hier stehen):

    Alle 4 Stunden raus und einen LANGSAMEN Spaziergang bis max 30 Minuten. In der Ruhe liegt die Kraft -für Hund und Halter.

    Hundekontakt nur nach Absprache zulassen und vor allem nicht ständig Hundekontakt zumuten.

    Sucht euch (z.B. über Aushang im Supermarkt) einen passenden Hundehalter für gelegentliches gemeinsames Spazieren.

    Womit läßt sich Spike am besten belohnen? Was mag er am liebsten? Spiel, Leckerlis oder Streicheleinheiten?

    Nehmt euch täglich ein wenig (vielleicht 2x 10 Minuten) um an Grundkommandos zu arbeiten wie Sitz, bleib oder geh ins Körbchen. GEMEINSAME Erfolgserlebnisse schaffen!

    Lasst ihn Zeit seine Erlebnisse zu verarbeiten, also nicht in der Wohnung mit ihm spielen, sondern ausruhen lassen.

    Bei youtube gibt es genügend gute Videos zum Hundetraining. Einfach mal suchen, sich anschauen und umsetzen!

  • Da haben wir wieder das Problem mit diesen TV-Sendungen und s.g.Hundeflüsterern.
    Da wird werden diese Methoden einfach übernommen, egal ob es passt oder nicht.
    Der Hund hat weder Führung noch Vertrauen in seine Halter deswegen diese Übersprungshandlungen, er weiß überhaupt nicht was richtig und falsch ist, das ist meine Meinung dazu. :|

  • Das ist richtig, Anette, nur muss dem HH gezeigt werden, wie er mit seinem Hund umzugehen hat, denn ohne diese "Anleitung" wird das nichts.
    Man kann verschiedene Erziehungsbücher lesen, jeder Autor arbeitet nach einer anderen Methode und völlig unerfahrene, überforderte "Neuhundehalter" werden für sich und ihren Hund nicht entscheiden können, welche Richtung der Hundeerziehung die geeignete ist.
    Darum, wie schon meine Vorschreiber sagten "Ein Hundetrainer muss ins Haus"

  • Dein Hund will nicht Chef sein; er will Führung haben und zwar im Sinne von Orientierung "Was darf ich, wann und wo?", "Was ist erlaubt, was ist verboten".

    Auch ein Kleinhund will Beschäftigung und nicht einfach nur dasein, für Knuddelzwecke herhalten und seine eigenen Bedürfnisse ins Eck stellen müssen. Er will Erziehung und Orientierung!

    Dein Hund will ständige Aufmerksamkeit (bestes Beispiel sein Verhalten beim Telefonieren).Dein Hund muss lernen, dass sich die Welt nicht nur um ihn dreht, sondern, dass er auch mal sich selbst beschäftigen muss (Kauartikel kauen) oder einfach mal nur Ruhe geben muss.

    Rammeln hat nichts mit "Chef-Sein" zu tun, sondern ist ein Zeichen, dass der Hund Auswege aus seinem Verhaltensmuster sucht, aber eigentlich gar nicht weiß, wie er es ändern soll bzw. wie er in das gewünschte Verhalten kommt.

    Behandelt doch den Kleinen mal wie einen richtigen Hund. Gebt ihm Verhaltensregeln - und die sind nicht durch Druck und Unterwerfung (Rücken drehen, festhalten und zappeln lassen .......) durchsetzbar, sondern durch liebevolle Bestätigung bei richtigem Verhalten mit Leckerli oder Spieleinheiten.

    Wer körperlichen Druck auf seinen Hund ausüben muss, der beweist nur, dass er körperlich überlegen ist - aber sagt nichts über Führungsqualitäten aus. Ein Hund braucht klare, nachvollziehbare Strukturen und Erziehungsmaßnahmen.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!