Mangelnde Impulskontrolle

  • Huhu,

    es gibt aber auch durchaus Rassen wo das Zittern Nervosität ist. Ich finde aber auch, dass der Hund mehr Führung braucht. Wenn sie so unsicher ist, warum leint sie ihn überhaupt ab? Ich würde mal mehr an der Hund-Mensch-Beziehung arbeiten und für ihre Unsicherheit den Hund an der Schleppleine lassen. Das tut auch vielen unsicheren Hunden gut. Vor allem würde ich ihm auch im Umgang mit deinem Hund Grenzen aufzeigen. Das müsste eigentlich von ihr kommen, aber vielleicht kannst du, wenn du dich mehr traust, ihr das vor machen. Einfach mal den Hund wegschicken wenn er deinen nervt und bedrängt. Bisher kommt er ja damit immer durch, das würde ich nicht fördern.
    Impulskontrolle fehlt ihm vielleicht auch ein bisschen. Ich würde anfangen ihn warten zu lassen, z.B. bevor sie etwas wirft absitzen (am Anfang mit Leine oder Schleppleine sichern), warten bevor er aus dem Auto darf, vor dem Napf kurz warten etc. Immer so lange bis der Hund ruhig ist und sie anschaut. Ich habe das mit meinem auch eine ganze Weile eisern durchgezogen und das hilft wirklich. Irgendwann "fragen" sie bevor sie etwas machen und achten viel mehr auf einen, als sich ständig alles selbst zu nehmen.

  • Hallo :winken:

    bei Bertha und mir haben folgende Trainings- und Beschäftigungsmethoden geholfen, die Impulskontrolle und die Konzentration auf mich zu verbessern:

    1. Dummytraining (bedeutet nicht: wegwerfen und hinterherhetzen, sondern bitte einmal schlau machen zu Themen wie Steadyness etc).

    2. Nasenarbeit wie ZOS (Zielobjektsuche).

    3. Verleitungsübungen

    Zum Thema Rütter: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die mit Reizangeltraining ein sinnloses Hinterherhetzen wollen - richtig eingesetzt, kann es sehrwohl auch zum Training von Impulskontrolle dienen. Aber ich denke, deine Bekannte kann mit kleineren Übungen wie: vor dem Essen wird gewartet, auf Fiepen wird nicht reagiert, erst einmal anfangen. Wenn XXX gesund ist (Zittern abklären lassen) kann man auch mit Longieren eine gute Fokussierung auf den Menschen erreichen.

    Viel Erfolg - vorerst würde ich eine lange (Schlepp) Leine an XXX machen. :rollsmile:

  • Das Zittern könnte auch einfach auf nen Terrieranteil hindeuten. Die Wesensbeschreibung paßt 1a...... Ich dachte, die TS beschreibt meinen Bossi, wie der anfangs zu mir kam :-)

    Und auf meiner "Verdächtigenliste" stand der Terrier nach der Beschreibung ganz oben, anschließend der Mali - weil der genauso bekloppt is..... *gg

    Jo - generell stimme ich zu, wenn gesagt wird, daß die Hundeführerin da ein Einsehen haben muß. Ihr könnt nix Anderes dazu beitragen, als den Streß des Hundes zu minimieren, indem ihr mit ihr nimmer geht. Und vor allem wird das den Streß vom eigenen Hund weghalten.

    Sicherlich ist z.B. Impulskontrolle was Gutes, wenn ein Hund jagdliche Ambitionen hat oder Impulskontrolle lernen muß. Aber letztlich doch nur ein mini-Baustein dessen, was insgesamt getan werden kann.

    Eher kleine, ruhige Spazierrunden, keine Action unterwegs, damit der Hund zur Ruhe kommt. Selbst Ruhe bewahren. Immer nur einen Schritt nach dem Anderen, weil sonst beide Seiten überfordert sind und dann auf Dauer Frust schieben bzw. aufgeben (Hundehalter). Du könntest mal ruhige Sachen vorschlagen - "Heut hab ich Leckerlies mitgebracht, mein Hund soll die auf der Wiese suchen." oder "ich möchte heut meinem Hund ne Fährte legen, hilfst Du mir?" Dann kann die Bekannte ne kurze Spur legen, und Dein Hund arbeitet die ruhig ab. Anschließen fragen, ob sie Lust hat, das mit ihrem auch mal zu testen. Evtl. mit zweifelndem Tonfall fragen: "Meinst, Deine kann das auch?" (um dann hoffentlich zur Antwort zu bekommen "Ja klar - leg mir mal was". Wenn sie sagt "Niemals!" , sag einfach "Wetten, daß? Warte...." und fang an, was zu legen). Auf diese Art kann man evtl. der Bekannten Spaß an ruhigen Beschäftigungen beibringen. Und v.a. sieht die dann im Idealfall hinterher, wie gechillt ihr Hund anschließend so ausgelastet dann mitgeht. Dann kannst ein "Ich glaub, wir sollten das öfter machen - scheint ihm zu bekommen. Was meinst, treffen wir uns nächsten Samstag mal, um das wieder zu machen?" einflechten.

    Ein Argument, das für mehr Ruhe spricht und meist "zieht": "Wenn der Hund entspannter ist beim Spazierengehen, dann springt er auch net auf jedes Blätterrascheln an oder auf jeden anderen Hund, der ihm entgegenkommt. Dann kann er sich auf den Hundeführer konzentrieren, und wenn er konzentriert ist, nimmt er auch den Rückruf eher wahr, als wenn er im Inneren schon auf 180 ist. Das erleichtert Dir also den Rückruf.".

    Versuch, ihr das, was sie tun muß, so beizubringen, daß sie nen Vorteil für SICH darin sieht, das so umzusetzen und Dinge zu ändern. Und mach Dinge spielerisch, laß sie eben erfahren, was dem Hund gut tut, wenn sie´s verbal nicht versteht oder nachvollziehen kann oder einfach das Wissen fehlt.

    Was Anderes fällt mir spontan net ein, solange die Hundeführerin nicht bereit ist, mitzuarbeiten, muß man ihr eben die Vorteile schmackhaft machen von bestimmten Vorgehensweisen, und aufzeigen, wie schädlich das Hochpushen ist. Man kann auch, wenn sie erst Balli spielt, und 5 Minuten später der Hund abhaut (Wildspur) mal sagen: "Naja, was erwartest Du - Du hast ihn mit dem Ballwerfen und hetzen lassen gerade eben gepusht ohne Ende, der ist auf 180, ist doch klar, daß er bei nächster Gelegenheit loslegt. Hetzen is ne Jagdsequenz, das hat ihn aufs Jagen eingestimmt. Und wer Streß hat durchs Hetzen, will sich bewegen, das ist, wie wenn man selbst aufgeregt ist und deswegen hin und her tigert vor ner Prüfung o.ä.. Man braucht die Bewegung, um den Streß loszuwerden, und der Hund verschafft sich die Bewegung bei der nächstbesten Gelegenheit." Einfach erklären, man kann ja freundlich bleiben, aber manchmal verstehen es die Leute anhand akuter Situationen dann eher, als wenn man rumtheoretisiert, und alles, was sie falsch machen, auf einmal hinterfragt. Schrittchen für Schrittchen - die lernt´s auch noch.... *gg Ich hab Bossi anfangs auch öfter mal im Spiel hochgepusht und mich später gewundert. Oder Bällchen nach vorn (=Laufrichtung von mir weg!) geworfen und mich dann gewundert, warum er sich "komischerweise" nicht zu mir (=nach hinten) orientiert. Bis mir jemand über den Weg gelaufen war, der´s besser wußte und mich nciht hat dumm sterben lassen.... *ggg
    Und oh Wunder - der Hund ist deswegen nicht zur Schlaftablette mutiert. Aber er hört jetzt auf den Rückruf, gehorcht für nen Terrier supertoll ("laß mich erst zu Ende schnuppern, ich komm gleich" - und das macht er dann auch) - und er läßt sich vom Jagen abhalten, egal, wo wir sind (wenn ich schnell genug reagiere, will heißen, bevor er losrennt), und er läßt sich abrufen, wenn er grad pöbelnd auf nen anderen Hund zurennt.

  • Ich nochmal... Ich habe mir heute im Laufe des Tages weitere Gedanken über das Thema gemacht und gebe Euch in vielen Dingen Recht. Danke...

    ... flying-paws und @muecke
    für den Hinweis, dass das Zittern auch eine Überanstrengung der Muskulatur sein könnte. Klar hatte ich sowas schon selbst, wäre beim besagten Hund jedoch nicht auf diese Idee gekommen. Für mich war die Ursache die hohe Erregung, weil der Hund immer dann so stark zittert, wenn er hochgepusht ist. Werde das mal im Auge behalten.

    ....@lemmingstyle und @Kamille
    für die prima Ideen, um Impulskontrolle zu üben. Gebe ich in jedem Falle an meine Bekannte weiter.

    ... BieBoss:
    Wow! Was für eine ausführliche Antwort :bindafür:
    Dass ein Mali drinsteckt, denke ich ebenfalls, und dass wir zusammen Fährtenarbeit machen habe ich auch schon überlegt. Zum Thema fand ich heute im Internet "Das große Schnüffelbuch" von Viviane Theby. Hat relativ gute Rezensionen, und evtl. bestelle ich das.
    Vielleicht ist das falsch rübergekommen: Meine Bekannte ist absolut kooperativ und bemüht sich wirklich sehr etwas umzusetzen. Dass wir mal zusammen Fährtenarbeit probieren, davon wäre sie sicher begeistert. Sie hat sich auch schon für ein Mantrailing bei Rütters Dogs angemeldet. Ihr großes Handycap ist ihre Unsicherheit und die mangelnde Führung.

    Bis sie nächste Woche aus dem Urlaub zurückkehrt mache ich mir anhand Eurer Ratschläge mal Gedanken über einen Trainingsplan und werde dann darüber mit ihr reden.

    Bis denne!

  • Ich nenne ihn "XXX". XXX ist 3 Jahre alt, kam mit 6 Monaten ins Tierheim, war dort 1,5 Jahre und lebt seit einem Jahr bei meiner Bekannten

    Der Hund weiß es nicht besser, weil er nie gelernt hat, sich zu beherrschen. Wie auch, wenns ihm keiner beigebracht hat? Für mich hört sich das nach einem Hund an, der wenig Sicherheit erfahren hat, um selbstsicher genug zu werden. Im Grunde tut mir der Hund leid, weil ihm scheinbar niemand bisher eine Struktur und Erziehung gegeben hat, und ihm gezeigt hat, wie er sich verhalten kann. Und in seiner Aufregung kommen noch Hetzspiele dazu die ihn noch weiter hoch puschen, anstatt mit ihm Fährtensuche oder sonstige geistige Auslastung zu betreiben, die ihn runterbringt.

    Deine Bekannt sollte mal dringend Ruhe in den Hund bringen, an ihrer Stelle würde ich erst mal sehr viel alleine mit dem Hund gehen und alltägliche Situationen trainieren.

  • Ja, der Hund ist unsicher. Er hat ja seine Jugend im TH verbracht, und das ist obendrein eines, das keine Mehrhundehaltung im Freilauf gewährt.

    Vielleicht hatte ich das "öfters gemeinsam Gassi gehen" missverständlich benutzt. Die Bekannte und ich gehen pro Woche etwa 4- bis 5-mal gemeinsam, ansonsten jeder für sich und alleine. Das ist für mich schon "öfters".

    Dass das nicht in Ordnung ist, dass ihr Hund z. B. anderen etwas entreisst oder meinen anrempelt, ist uns beiden klar. Ich rede mal mit ihr über all Eure Vorschläge, und ganz sicher wird sie da einiges übernehmen.

    Ihre Unsicherheit jedoch ist auch noch ein wichtiger Faktor, und ob sie die loswerden kann, weiß ich nicht.

  • Vielleicht ist das falsch rübergekommen: Meine Bekannte ist absolut kooperativ und bemüht sich wirklich sehr etwas umzusetzen. Dass wir mal zusammen Fährtenarbeit probieren, davon wäre sie sicher begeistert. Sie hat sich auch schon für ein Mantrailing bei Rütters Dogs angemeldet. Ihr großes Handycap ist ihre Unsicherheit und die mangelnde Führung.

    Das sind doch aber eigentlich gute Voraussetzungen. Ich kann da nur für mich sprechen aber im ersten Jahr war ich auch sehr unsicher, aber das wird irgendwann weniger. Umso mehr man sich mit dem Hund beschäftigt und umso mehr man mit andere Mensch-Hund-Gespannen im Kontakt steht und Hundeschulen besucht etc, umso besser wird das auch. Irgendwann weiß man auch wie es läuft, wie sein Hund tickt, wo die eigenen Schwächen und Stärken liegen und spätestens dann ist man auch sicherer. Wenn du sie da ein bisschen an die Hand nimmst und ihr vielleicht wirklich auch zusammen mal noch einen Kurs (Fährtenarbeit zB) besucht, bist du bestimmt eine große Hilfe.

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