• Für mich hört sich das auch an, als hätte der Hund schlichtweg nichts kennengelernt, weil keiner sich richtig gekümmert hat, und ist daher jetzt unter Dauerstreß, weil er mit tausend neuen Dingen konfrontiert wird, u.a. eben auch Hunden unterwegs.

    Wenns das tatsächlich ist, dann würde ich erstmal ganz langsam anfangen: Immer dieselbe Gassirunde, ganz langsam gehen, ab und an einfach auf ne Bank setzen, sofern vorhanden, und den Hund die Umgebung einfach nur beobachten lassen. Damit sie erstmal diese eine Runde kennenlerntmit allen ihren Möglichkeiten - die Leute dort, die Hunde, die dort ausgeführt werden, die Umgebung, die sie erschnüffeln kann, etc.

    Erstmal keine Hundeschule, weil das glaub ich zu viel wäre. Aber später evtl. mal gezielt Hundebegegnungen in bekannter und als "sicher" erlebter Umgebung inszenieren - mit einzelnem Hund, den man kennt, der ruhig und souverän reagiert. Mit dem zusammen dann auch evtl. mal ne Runde laufen. Aber wie gesagt: in bekannter Umgebung, erstmal kurze Begegnung. Und dann aber an dem Tag nichts Anderes mit Action mehr machen, das muß der Hund erstmal verarbeiten.

    Hunde auch erstmal aus der Entfernung angucken. Gebt Ihr eine Alternative - Hund muß nicht hingehen, darf aber gucken, was der andere Hund so treibt. Bis dieser weg ist. Dann heimlaufen. Gebt dem Hund eine Alternative zum "Theatermachen". Bei uns ist das ein Fuß, das wird Eurer sicher noch nicht können. Kann auch ein Sitz sein oder ein WEITER oder KOMM MIT oder so. Einfach, damit er weiß, was er tun soll, wenn da ein Hund kommt, der ihn ja offenbar nervös macht.

    Freilauf würde ich dem Hund so erstmal nicht gewähren - Jagdtrieb ist da zweifellos vorhanden, und wenn so viel Neues auf ihn einstürmt, nicht, daß der Euch dann abhaut, weil er irgendwo erschrickt...... Am Jagdtrieb würde ich erst dann arbeiten, wenn der Hund draußen ruhiger geworden ist - vorher macht das überhaupt keinen Sinn, weil er draußen in keinster Weise aufnahmefähig ist in so aufgeregtem Zustand. Ist bei so nem Hund auch ein "Nebenkriegsschauplatz" - da gibt es Wichtigeres zu bewältigen, damit der Alltag für das Kerlchen streßfreier wird!

    Generell: versucht, den Hund mehr an Euch orientiert zu kriegen, indem Ihr mit ihm Dinge unternehmt, die er allein nicht bewältigen kann. Das kann ein einfacher querliegender Baumstamm sein, den er sich nicht allein zu erklettern traut, oder eine Brücke, oder ein "komischer" Untergrund. Sodaß der Hund merkt, mit Euch erlebt er tolle Sachen, Ihr helft ihm bei Unsicherheiten, mit Euch kann man auch Spaß haben (z.B. ruhige Leckerlisuchspiele im Garten o.ä.).
    Nimmt er unterwegs Leckerli oder spielt er? Dann kann man auch sowas einsetzen, um dann immer wieder zu bestätigen, wenn Hundi Euch auch nur anguckt, auf Euch wartet, oder sowas - halt zeigt, daß er EUCH im Hinterkopf hat. Kann aber sein, daß das anfangs noch net klappt - wenn der Streßpegel extrem ist, futtern die Hunde nicht unbedingt, und möchten dann u.U. auch (noch!) nicht spielen.

    Bleibt ruhig und konsequent, gebt ihm die benötigte Stabilität, zeigt ihm die Welt "da draußen", und bewältigt gemeinsam alle Herausforderungen unterwegs. Und nie vergessen: das Kerlchen macht das nicht, um euch zu ärgern - der kennt einfach noch nicht viel..... :-) Und Neues immer nur in "homöopathischen" Dosen - danach Zeit geben, das zu verarbeiten.

  • Wenn von den Vorbesitzern nie jemand wirklich Zeit für die Hündin hatte, kennt sie vielleicht einfach genau gar nichts da draussen und steht bei den vielen ungewohnten Eindrücken einfach entsprechend aus Unsicherheit/Aufregung unter "Strom", rassebedingt vielleicht eher noch mehr, als andere Hunde. So im Streß zu sein, hindert daran, wirkliche Lernerfahrungen machen zu können.

    Da man von hier aus nicht wirklich die Ursache finden kann, solltest Du die Hündin vielleicht einfach mal einem guten Hundetrainer bei einem Hausbesuch bei Euch vorstellen und eine Runde mit ihm und der Hündin drehen, damit er das Verhalten besser einschätzen kann. Wenn man das Verhalten live und in Farbe gesehen hat und somit besser deuten kann, ist es auch leichter, Dir Tipps zu geben, wie Du damit am besten umgehst.

    LG, Chris

  • Für mich hört sich das auch an, als hätte der Hund schlichtweg nichts kennengelernt,

    Genauso sehe ich das auch. Dein Hund ist bestimmt kaum vor die Tür gekommen und kann mit den ganzen Umweltreizen nicht umgehen.
    Da mußt du ganz von vorne anfangen, wie mit einem Welpen.

  • Danke für eure tollen Ratschläge!
    Hab mir das mit den Bachblüten nämlich auch schon gedacht, hab mir heute schlussendlich auch welche zusammenbrauen lassen. Hoffe, dass es zumindest ein wenig unterstützt.

    Und uns ist heute ja was ganz tolles passiert :smile:

    Sie war zum ersten Mal, seit ich sie besitze, für ein Paar Minuten komplett entspannt. Es war weit und breit nichts, aber immerhin ein guter Anfang. Ich hab mich ja so gefreut, und sie sich auch mit mir :hurra:

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