Auch ein Angsthund

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    Bob ist ein Angsthase, wie er im Buche steht. Aufgewachsen in den ersten Monaten nur im Badezimmer der Züchter, danach ab und zu im hauseigenen Garten und ganz zum Schluß, bevor er zu mir kam, auch mal auf dem Feld neben dem Haus, hat er in den ersten 5 Monaten kaum normale Außenreize kennengelernt.
    Die erste Zeit war der Horror - er verkroch sich, sobalds nur klingelte, und das Gassigehen war, bis auf die Abend- und frühen Morgenstunden, ein Graus.
    Das ist nun über 5 Jahre her, in denen wir so einiges durch haben. Aber in alledem hat er sich sein überaus liebevolles, sanftes Wesen bewahrt und seine Zuneigung zu allem, was Fell und 4 Beine hat. Er liebt alle Hunde und die Hunde lieben ihn. Ein Geschenk, denn dann ist er glücklich
    Viele Ängste haben sich nicht gelegt. An Reisen oder Unternehmungen auch nur kleinerer Art mit ihm ist nicht zu denken - ich hab versucht, ihn daran zu gewöhnen, aber irgendwann, als ich merkte, dass er mir dabei seelisch kaputt geht, aufgegeben.
    Er kann zum Glück gut allein bleiben und so lasse ich ihn auch besser in seiner gewohnten Umgebung, in der er sich sicher und geborgen fühlt.
    Generell ist er einfach nur ein Schatz - und jede Aggression ist ihm fern. Es hätte auch anders kommen können.....
    Doch so gern würde ich ihm seine vielen Ängste nehmen - es muss hier im Haus nur hämmern, dann dreht er durch, eine Fliege im Zimmer und er flüchtet usw usw.... :fear:


    Noch Chancen auf Veränderung oder muss ich aufgeben, was das betrifft?

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  • Hallo,
    Dein Hund ist in der wichtigsten Phase seines Lebens mehr oder weniger isoliert aufgewachsen und dies Hunde haben es schon schwer, mit gewohnten Alltagssituationen klar zu kommen, doch die Hoffnung würde ich nicht aufgeben

    Doch so gern würde ich ihm seine vielen Ängste nehmen - es muss hier im Haus nur hämmern, dann dreht er durch, eine Fliege im Zimmer und er flüchtet usw usw....


    Noch Chancen auf Veränderung oder muss ich aufgeben, was das betrifft?

    Wie verhältst Du Dich, wenn der Hund in Panik gerät?

  • In diesem Fall würde ich gar nicht von einem Angsthund sprechen, sondern von einem Hund mit Deprivationssyndrom.


    Die wichtigsten Synapsenverknüpfungen entstehen beim Hund in den ersten 16 Wochen.


    Je mehr Verbindungen im Gehirn, desto besser kann der Hund später mit neuen Situationen umgehen und selbst Lösungen finden.


    Ist dies nicht geschehen, ist dieser Prozeß abgeschlossen und wo nichts ist, kommt auch nichts mehr hin.


    ABER: es ist immer möglich, den Hund zu kontrollieren und zu managen und auch, ihn an Neues langsam zu GEWÖHNEN.
    Gewöhnen heißt aber nicht, dass der Hund eine neue Situation, an der er gewöhnt ist, automatisch auf andere Situationen generalisiert. Alles Neue ist also immer wieder neu und der Hund kann selbst keine Lösung finden.


    Es geht also nur Schritt für Schritt und manche Dinge gehen nie.


    Ich würde den Hund möglichst viel in gewohnter Umgebung halten, viele Rituale einbauen, viel ruhen lassen, gleiche Spaziergehwege gehen und nur ab und an und Schritt für Schritt ihn in neue Situationen bringen, die er gerade noch schaffen kann, damit er mit einem guten Gefühl raus geht.

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  • Generell würd ich sagen, dass Du noch etwas an der Situation verändern kannst. Ich denke, dass nur noch nicht der "richtige" Zugang zum Hund gefunden wurde. Das soll kein Vorwurf sein, denn Hunde sind ja ebenso komplex, wie wir. Es hat sehr oft (wenn nicht sogar immer) etwas mit der eigenen Einstellung zur Thematik zu tun. Wie schon gefragt wurde: Wie verhältst Du Dich in diesen Situationen?


    Auch wenn ein Hund die ersten Monate isolierter als andere Hunde gelebt hat, sollte eine Fliege ja nicht Angst, oder etc. hervorrufen. Jeder Hund trifft unweigerlich irgendwann auf seine erste Fliege, und die meisten Hunde reagieren neugierig/interessiert auf das "Ding" das da durch den Raum fliegt..... also, würde ich es so betrachten, dass er erstens einfach ein vorsichtiger/skeptischer Hund ist, der sich aufgrund seiner Verhangenheit halt noch zusätzlich so geprägt hat....


    Wichtig wäre mir persönlich in diesen Situationen, herauszufinden, WO ein Zugang zum Hund entstehen kann. Mit WAS kann ich den Hund aus seiner Letargie bringen? Mit Worten, mit Körperkontakt, mit Ablenkung, mit Verbieten und zugleich Alternativverhalten zeigen/anbieten.... es gibt wahrscheinlich noch mehr Möglichkeiten :-) Ich bin kein Profi in solchen Dingen. Habe einen Hund, der eigentlich sehr mutig rüber kommt, aber wir hatten hier auch Ausschweifungen in Situationen, in denen er Panik/Angst bekommen hat......mir war immer wichtig, selbst ruhig zu bleiben und dem Hund Geborgenheit in Form "ich bin der Fels in der Brandung" zu geben. Die Herausforderung hierbei ist, dass jeder Hund anders zugänglich in solchen Situationen ist..... das muss man selbst herausfinden...


    Ich sags mal gerade heraus... ich hab mir nie viel geschi**en.... war immer ruhig, aber bestimmt in diesen Situationen. Als wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass das jetzt so gemacht wird, dass das jetzt so passiert. Hat Milo z. B. sich mal total erschreckt und gekläfft, habe ich ihm erstmal das Bellen "verboten". Denn, es ist nicht förderlich... klar, er erschreckt sich, kläfft, aber, hach... es bringt ihn selbst ja auch nicht weiter, wenn er jetzt 20 Mal bellt und sich nochmehr reinsteigert...also, erstmal "no" und dann mit sanfter Bestimmtheit (Verständnis zeigen, Ruhe spenden, aber wissen, dass alles gut ist....) den Hund dirigieren.... anders kann ichs leider nicht ausdrücken :-P


    Ich sag immer zu mir selbst: ICH muss von meinem Vorhaben überzeugt sein, damit mein Hund auch überzeugt ist. Das was man sagt, muss man auch denken und positiv eingestellt sein.


    Ich glaube, dass Tiere ganz genau merken, wenn man von einer Sache nicht überzeugt ist. Und das birgt Unsicherheit in sich.....


    Sorry, für die Anekdote..... ich schreib das nur so ausführlich, weil ich selbst und auch bei anderen miterleben konnte, dass selbst jahrelange Angstprobleme gelöst werden konnten, wenn man selbst seine Einstellung zur Thematik ändert...kleinste Änderungen.... und aufeinmal machts klick beim Hund und man hat einen Zugang gefunden.


    Ich an Deiner Stelle würde nicht aufgeben und mir nicht damit abfinden wollen, dass mein Hund Stress in gewissen Situationen hat. Man selbst macht sich dann nur ein Hundeleben Vorwürfe, was man vielleicht hätte ändern können, und der Hund hat sein Leben lang gewisse Probleme mit seinem Umfeld.... mit seinem Leben... das ist Stress....


    Ich weiß, es werden viele sagen: Ja laber nicht, ich hab schon alles probiert, aber nichts hat funktioniert. Es gibt mit Sicherheit auch Hunde die in gewissen Situationen keinerlei Zugang zulassen. Und es einfach schlichtweg "unmöglich" ist, den Hund irgendwie zu befreien... aber, wir sind alle Lebewesen und funktionieren gleich. Im Endeffekt gibt es für alles eine effiziente Lösung.....

    „Dass mir mein Hund das Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde, mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“

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