Dackel + Terrier = starker Jagdtrieb

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    Seit knapp einem Jahr haben wir einen zweiten Hund, Bodo. Er ist ein ehemaliger Straßenhund aus Ungarn und wir haben ihn aus einer Tötung übernommen.


    Bodo ist ungefähr 2 Jahre alt und ist eine Mischung aus Rauhhaardackel, Puli und Terrier, wahrscheinlich Foxterrier.
    In der Wohnung ist er einfach nur lieb, versteht sich sehr gut mit unserem anderen Hund Freddie und auch mit den Katzen (immerhin 7) gibt es keine Probleme.


    Allerdings mutiert er draußen zu einem völlig anderen Hund. Sobald er irgendwas sieht, was sich bewegt, oder sich in den nächsten Sekunden bewegen könnte, ist er weg. Dann ist er nicht mehr ansprechbar, reagiert wirklich auf gar nichts und hat nur seine 'Beute' im Sinn. Manchmal reicht es auch, wenn er nur eine Fährte aufnimmt. Er rennt dann ziellos über die Felder, kreuz und quer und es interessiert ihn die Bohne, daß wir auf ihn warten. Auch Freddie ist dann abgemeldet.


    Weil dieses Verhalten zu gefährlich ist, gehen wir zur Zeit nur noch mit Schleppleine mit ihm raus, aber auch wenn die Leine 15 Meter lang ist, kann es das auf Dauer nicht sein. Er soll, genau wie Freddie auch toben können und richtig rennen, soll sich mal auspowern können.


    Er lernt sehr schlecht, kann sich kaum konzentrieren und darum kann er bislang auch nur wenige Kommandos. Er hört, wenn er nicht abgelenkt ist, auf 'hier' und er macht Sitz, das wars aber auch schon.


    Weil er halt noch sehr jung ist und sein erstes Lebensjahr praktisch auf der Straße verbracht hat, haben wir viel Geduld mit ihm, aber das wir ihn praktisch nicht mehr von der Leine lassen können, ist schon weniger schön.


    Wer kann mir einen Rat geben, was wir vielleicht mal versuchen können?

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  • Hallo,
    das ist ja eine hochexplosive Mischung und dass er jagdtriebig ist,wundert mich nicht.


    Du kannst den Hund nur unter Kontrolle bekommen, in dem Du ihn adäquat auslastest und ein gezieltes Antijagdtraining machst.
    Atti (Border-Collie-Münsterländer-Mix) hat ebenfalls eine große Portion Jagdtrieb und ich habe 1 Jahr lang Schleppleinentraining mit allem Zipp und Zapp gemacht, außerdem nach dem Buch von Pia Gröning gearbeitet (
    Antijagdtraining (Preis: 22,90 €) (Affiliate-Link)

    )
    Heute gehen wir in der Dämmerung durch den Wald, die Rehe laufen neben uns her und Atti guckt nur.

  • Ich habe eine Dackel-/Jack-Russell-Mix-Hündin aus Serbien, also Willkommen im Club!


    Ich hatte mit meiner Hündin genau das gleiche Problem, was du hier schilderst. Starker Jagdtrieb, auf Sicht und auf Fährte gleichermaßen, unter "Strom" war sie quasi nicht ansprechbar und wenn die Leine ab war (habs am Anfang aus Ahnungslosigkeit drauf ankommen lassen, sie ist mein erster Hund), dann war sie von einem auf den anderen Augenblick über alle Berge - ohne vorherige Unruhe, ohne Anzeichen, ohne Wildreiz - die ist einfach losgerannt um zu gucken, ob sie irgendwo eine Spur findet.


    Einmal ist sie mir von der Hundewiese entwischt und war 40 Minuten lang verschwunden, bis sie ohne mich Zuhause ankam. Auf dem Weg hatte sie etliche Straßen überquert. Ich saß da, mit dem Hund im Arm, hab vor Erleichterung geheult und mir geschworen, dass sowas nie wieder passieren darf.
    Sie durfte von da an nicht mehr frei laufen. Ich hatte sie insgesamt über ein Jahr ausschließlich an der Schleppleine, bevor ich wieder einen Freilauf-Versuch gestartet habe. "Fertig" mit dem Training waren wir nach ca. 3 Jahren (komplett erledigt ist das Thema wohl nie, aber heute kann sie zu 95% frei laufen).
    Das empfohlene Buch von Pia Gröning ist sehr gut, ich habe auch danach gearbeitet. Ich habe alles ausprobiert, von Dummytraining über Fährtenarbeit zu Anzeige-Training und "gemeinsamer Jagd" auf Geruchsgegenstände etc. Dazu Impulskontrolle (an Futter und Spielzeug) und ein gefühlt endloses Rückruftraining mit Superschlachtruf (war bei uns ein Pfiff und als Belohnung Katzenfutter oder Leberwurst in rauen Mengen). Ich habe zwischendurch ein echtes Karnickelfell besorgt, um ihr unter möglichst realistischen Bedinungen ein Abbruchkommando aufzutrainieren.
    Das ganze Training hat dazu geführt, dass sich unsere Beziehung massiv verbessert hat. Endlich hatte sie auch mal mit mir ihren Spaß, und nicht nur irgendwo hinten auf dem Feld, wenn ich schon lange außer Sichtweite war. Als ich sie das erste Mal wieder frei laufen gelassen habe, habe ich aufgepasst wie ein Schießhund. Sobald sie nur verzögert auf ein Kommando reagiert hat, kam sie wieder an die Leine. Es ist tatsächlich ein Credo, das funktioniert: lass deinen Hund nie (!) wieder ein jagdliches Erfolgserlebnis haben! Jede Wiederholung verstärkt das Verhalten und mit jedem Jagdausflug wird es schwieriger, dem Hund jemals kontrollierten Freilauf anbieten zu können.


    Anti-Jagd-Training dauert seine Zeit. Es hängt vom jeweiligen Hund und seiner Trieblage ab, aber auch von den Vorerfahrungen. Bei Auslandshunden ist man da oft doppelt gekniffen, weil viele bereits Jagderfahrungen gemacht haben und darüber hinaus nicht gewohnt sind, mit dem Menschen zu kooperieren. Das gemeinsame Erlebnis, das Lernen und die Trainingssituation an sich ist vielen Hunden so fremd, dass sie am Anfang nicht zu begreifen scheinen, was der Mensch überhaupt von ihnen will.


    Ich kann dir nur raten: kümmer dich schnell darum und lass deinen Hund nicht mehr frei laufen, bis du ihn entweder zuverlässig abrufen kannst (was lange dauert und manchmal gar nicht zu schaffen ist) oder mindestens zu 99% sicher erkennst, wann er kopfmäßig abdriftet und du ihn anleinen musst.
    Beim Jagdverhalten finde ich es durchaus sinnvoll, ohne Trainer anzufangen. Letztlich musst du der Experte für deinen Hund werden. Wenn du sehr unsicher bist, dann such dir einen Trainer, der absolut gewaltfrei arbeitet. Der Jagdtrieb ist ein alter, tief verwurzelter Instinkt. Man kann ihn durch Bestrafungen und Zwang eindämmen, aber damit macht man den Hund und die gemeinsame Beziehung kaputt.
    Was die Lebensqualität angeht, kann ich dich auch beruhigen: wie beschrieben ist meine Hündin erst durch das intensive AJT richtig mit mir zusammengewachsen und auch aufgeblüht. Sie war in der Zeit besser ausgelastet als je zuvor und hat nichts vermisst. Wenn du deinen beiden Hunden freies Spiel und Rennen ermöglichen willst, dann lass diese am Besten nur noch in eingezäunten Bereichen zusammen frei laufen. Ich bin mir sicher, dass die "Schleppleinenhaft" dir selbst mehr ausmacht als deinem Hund ;) Außerdem ist diese Maßnahme, wenn auch erstmal längerfristig eingeplant, ja idealerweise kein lebenslanger Zustand.


    Viel Erfolg!

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  • Vielen Dank für eure Antworten und die Zeit, die ihr euch dafür genommen habt.


    Wegen der Zeitangaben (1 bis 3 Jahre) habe ich erst mal geschluckt, aber wenn ich ehrlich bin, haben weder mein Mann noch ich mit was anderem gerechnet. Schließlich hat Bodo viele Monate mehr oder weniger allein gelebt und es wird Zeit brauchen, bis er lernt, daß es sich lohnt, sich den Menschen mit Haut und Haar anzuschließen.
    Einen Hund gewalt- und schmerzfrei zu erziehen ist für mich eine Selbstverständlichkeit, er soll keine Angst vor mir haben und soll das, was er tut, gern machen!


    Das Buch habe ich gerade bestellt und ich bin jetzt schon gespannt, wie Bodo mit sich arbeiten läßt.


    Sjerri, so, wie du deinen Hund beschreibst, könnte ich alles eins zu eins auf Bodo übertragen und deshalb habe ich jetzt auch ein wenig Hoffnung, daß auch wir es hinkriegen.
    Außerdem hoffe ich auch, daß er eine bessere Bindung zu uns bekommt, denn im Moment ist es so, daß er zwar in der Wohnung der anhänglichste Hund ist, aber draußen dreht er sich nicht einmal um, was ich von den Hunden, die ich hatte und auch von Freddie gar nicht so kenne. Die schauten immer mal, ob wir auch noch in der Nähe waren und reagierten sofort, wenn ich auf einmal in eine andere Richtung ging. Bodo interessiert das Null!
    Und ja, er wird mit Sicherheit bis auf weiteres an der Schleppi bleiben, alles andere ist wirklich zu gefährlich. Die Sache, daß er kein Erfolgserlebnis beim Jagen haben soll, ist mir so noch gar nicht gekommen, aber es macht total Sinn!


    Also, vielen Dank für eure Zeit und wollen wir hoffen, daß es klappt! :)

  • Was ich noch anmerken möchte:
    Vom jagen abhalten und durch die Schlepp sichern, unbedingt. Aber er soll auch trotzdem mit dir zusammen was spassiges machen können. Etwas, das er liebt - und da ist seine Nase wohl prädestiniert dafür.
    Auch wenn du ihn an der Schlepp hast kannst du tolle Suchspiele mit Bodo machen. Dann steigst du als Frauchen auch in seiner Gunst da du ja tolle Sachen initiierst.


    Beispiel:
    Falls du in der Nähe eine Natursteinmauer hast, oder einen Hang mit Wurzeln, versteck da mal einige Käsestückchen oder Würstchen. Dann schnappst du dir deinen Bodo und gehst spazieren. Zeig ihm diese super tolle Mauer und dann schick ihn zum suchen. Wow, Frauchen kennt eine Käse-Stückchen-Mauer :-)


    Oder du arbeitest mit ihm mit einem Futterbeutel, den du unterwegs im Laub versteckst und ihn suchen lässt. Da ist eben der Vorteil, dass er nur an das Futter ran kommt wenn er dir den Beutel bringt und du ihn für ihn öffnest. Das müsstest du aber zu Haue üben, das apportieren des Futterbeutels. Macht sehr viel Spass!
    Einfach damit er nicht "nur" unter Kommando und Kontrolle stehen muss, sondern auch mal noch mit dir zusammen was machen kann.

    liebe Grüsse Kathrin und die Golden-Bande


    Caron - Golden Retriever - 28.06.2007
    Mojito - Golden Retriever - 05.04.2014
    Nevis - Golden Retriever - 25.03.2019

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


    Das hat mir die weitere lange Suche nach dem richtigen Futter erspart: Hier müssen Ihr lediglich wenige Minuten investieren und einige konkrete Fragen zu Ihrem Hund oder Katze beantworten. Anschließend erhaltet Ihr, abgestimmt auf Ihren Liebling, bis zu fünf Futterproben als kostenloses Paket zugeschickt!


    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



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  • Hi,
    solche Sachen machen wir schon zwischendurch immer wieder, allerdings ist bei ihm das Problem, daß er leider überhaupt nicht verfressen ist.


    Unseren Freddie kann ich mit Leckerchen und vor allem seinem geliebten Bällchen begeistern, dafür tut er alles und ich genieße seine volle Aufmerksamkeit.


    Bodo hingegen setzt da ganz klar Prioritäten. Zweimal oder, wenn ich Glück habe, dreimal nimmt er die Leckerlies, aber dann ist seine Umgebung interessanter. Ich könnte dann mit einem Filetstück herumwedeln, er reagiert einfach nicht. Da müßte ich schon einen lebendigen Hasen vor ihm herumhüpfen lassen, das wäre nach seinem Geschmack...


    Ich hoffe jetzt erst mal auf das Buch, das hoffentlich die Tage kommen wird und ansonsten denke ich, daß er mit der Zeit vielleicht auch ruhiger wird und dann für solche Spielchen ansprechbarer wird.


    Aber trotzdem vielen Dank für den Tipp!

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