Das Problem Gassigehen, oder: unsicherer Draufgänger

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    Hallo zusammen,


    Ich bin Besitzerin einer 1,5 Jahre alten Labradorhündin. Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden und glücklich mit ihr, bis auf die Ausnahme Spaziergang, von der ich gleich berichten möchte ;) sie benimmt sich in der Wohnung wirklich toll, spielt auf Aufforderung und ist sonst sehr relaxt und ruhig - sie bleibt auch problemlos alleine und döst dann meist, wenn ich heim komme.


    Das Problem stellen einige - seltsamerweise nicht alle - Spaziergänge dar.
    Vielleicht berichte ich erst kurz, wie die aussehen. Und zwar gehe ich 3 mal am Tag mit ihr spazieren, vor dem Schlafengehen gehts dann nochmal zum Pipimachen vor die Tür. Morgens und abends gehe ich kürzere Runden an der Leine, so ungefähr 30-40 Minuten, es kann gelegentlich auch mal sein, dass es abends nur 20 Minuten sind - muss ich zugeben. Mittags/ nachmittags ist es dann eine große Runde im Freilauf. Die beginnt quasi direkt vor der Tür und die Maus kann dann 1-1,5 Stunden durch Wald und Wiesen fegen. Dann nehme ich auch meist einen Ball o.Ä. mit. Ein Mal in der Woche arbeite ich länger, da fällt die Runde kürzer aus. Dafür gehe ich am Wochenende meist so 2-3 Stunden ohne Leine.


    Mittlerweile macht mir das aber nur noch Spaß, wenn wir da unsere Ruhe haben. Das Problem bei den Runden an der Leine sieht so aus, dass sie einfach komplett mit der Nase am Boden klebt und komplett nasengesteuert über den Gehweg zerrt, ohne auf mich zu achten. Sie schnuppert teilweise unendlich lange und erschreckt sich auch, sobald ein Blatt auf den Boden fällt, eine Jalousie geöffnet wird oder eine Autotür ins Schloss fällt. Dieses Verhalten ist aber relativ neu, ich würde sagen, dass es sich seit circa 2 Monaten so eingependelt hat. Teilweise läuft sie den kompletten Weg aber auch ganz brav ohne zu ziehen und es ist sehr entspannt - ich kann nicht erkennen, woran es liegt, dass es teilweise so anstrengend ist. Ich kann sie natürlich mit Leckerchen dazu ermuntern, nicht zu ziehen - aber dann ist ja der komplette Weg eine Übungseinheit und sie kommt kaum zum Schnüffeln.


    Bei den Gängen ohne Leine ergibt sich das Problem, wenn interessante Menschen auftauchen (kinder, nordic walker, jogger) oder Hunde. Sie freut sich dann so sehr, dass sie schon fast abhebt vor Wedeln - läuft aber auch sofort ohne Rücksicht auf mich los. Sie macht sich dann direkt klein und unterwirft sich, wenn sie dort ist, es gab da noch nie eine Rauferei oder Ähnliches. Sie spielt sehr lieb mit anderen Hunden und trifft auch immer wieder bekannte Hunde, bei denen sie das darf. Aber natürlich soll sie nicht einfach los laufen, ohne auf mich zu achten. Zumal auch auf der Wiese und im Wald nicht alle Hunde frei laufen oder verträglich sind. Wenn sie Hunde trifft, mit denen sie spielen darf, unterhalte ich much meist mit den haltern und wenn ich dann nach einer Zeit gehen möchte, kommt sie auch problemlos mit. Möchte ich aber einfach so an anderen Hunden vorbei gehen, bleibt mir nur die Chance, sie schnell genug anzuleinen und sie mit zu ziehen oder sitzen zu lassen, bis die anderen Hunde weg sind. Das kann aber ja nicht des Rätsels Lösung sein. Eben hatte ich auch die Situation, dass sie überhaupt nicht mehr kam, obwohl ich außer Sichtweite war - da war neben zwei Hunden auch ein tennisball involviert - das ist natürlich noch schwieriger.


    Also zusammengefasst: die Spaziergänge werden immer anstrengender, weil sie bei interessanten Gerüchen, Menschen oder Hunden nicht mehr auf mich reagiert.


    Was ich schon probiert habe: hundeschule - da klappt es auch mit hundeablenkung problemlos - aber im Alltag leider nicht... Ablenkung mit Leckerchen - interessiert maximal bei Gerüchen oder angeleinten Hunden auf der gegenüberliegenden Straßenseite und auch nur bis sie das leckerchen hat, dann dreht sie sich um und versucht ihr Glück weiter. Lieblingsspielzeug als Ablenkung - völlig uninteressant. Sitzen lassen und warten, bis sie ein Kommando bekommt um spielen zu dürfen - klappt angeleint, sie ist aber extrem aufgeregt und schießt anschließend los... Impulskontrolle habe ich auch schon geübt, drinnen und draußen. Ball werfen und sitzen bleiben, bis sie ein Kommando bekommt ist überhaupt kein Problem, Futter liegen lassen bis zum Kommando auch nicht. Sie beherrscht das Kommando "nein" auch, außer in den genannten Situationen.


    So, ich bin mit meinem Latein am Ende und überlege schon, einen privaten Hundetrainer um Hilfe zu bitten. Ich finde das sehr anstrengend und ich glaube für die kleine Maus scheine ich ja auch nicht die richtige Lösung zu finden, das macht mich ganz traurig :sad2: vor allem, weil zuhause und bei Spaziergängen ohne Ablenkung ( die gibts auch mal) alles so wunderbar ist...


    Helft mir :gott:


    Liebe grüße!

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  • Mh, für mich hört sich das jetzt aus der Ferne nach keinen dramatischen Problem an, das sich je nach Hund aber sicher unterschiedlich regeln lässt. Aber ich kann es total verstehen das dich das nervt :)


    Ich persönlich würde schätzen das alles andere außer du einfach perse erst mal spannender ist. Die Ablenkung ist für deinen Hund bestimmt noch zu groß um in den genannten Situationen besser auf dich achten und reagieren zu können.
    Was machst du den mit deiner Hündin so auf dem Spaziergang? Darf sie, wenn sie ab geleint ist, tun und lassen was sie will? Oder hältst du sie auch mal bei dir in der Freifolge, machst z.b. ein paar Übungen mit ihr oder spielst du 'nur' mal Ball (mit Übungen wie du ja sagtest) und dann darf sie wieder tun und lassen was sie möchte?
    Ich würde ihr evtl. ein paar mehr Begrenzungen setzen, je nachdem wie euer Spaziergang aussieht. Vielleicht hilft es dir auch wenn du immer mal wieder ein paar mini Übungen einbaust, so das ihre Aufmerksamkeit bei dir bleibt.
    Du könntest, je nachdem wie gut euer Abbruch ist, auch schon abbrechen wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf einen anderen Hund lenkt und du nicht möchtest das sie hingeht. Oder sie abrufen. Bei beidem kann man schön mit einer kurzen (wir haben 5m) Schleppleine arbeiten, die normal eben hinterherschleppt, aber im Notfall kannst du deine Hündin damit ausbremsen.


    Wenn sie vorm spielen schon sehr nervös und aufgeregt ist, würde ich sie solange sitzen lassen bis sie ruhig ist. Und nicht nur akustisch ruhig, sondern wirklich ruhig. In dem Alter darf man das erwarten. Muss natürlich geübt werden ;) Vielleicht kannst du auch ein paar Meter abstand halten und sie ist dann ruhiger, oder du lässt sie nach dem ab leinen erst mal ein paar Meter bei dir in der Freifolge und gibst sie dann erst ruhig frei. Ohne große Geste und ohne großen Freudentaumel von dir. Je nach Hund steckt dein freudiges 'los gehts' sie schon an, falls du so etwas in der Art sagst. Wir haben deswegen von 'los' auf 'weiter' gewechselt. 'Los' hatten wir z.B. immer im Geschwisterspiel für jetzt dürft ihr raufen genommen, dementsprechend wollten sie das auch immer sobald wir 'los' gesagt haben. Haben also neu Konditioniert, bzw. sind dabei :D


    Vielleicht bekommt deine Labbidame auch zu wenig negative Konsequenzen von dir wenn sie doch abzischt. Wie versuchst du sie den daran zu hindern? Es gibt ja so ein paar Kandidaten, bestimmt auch Rasseabhängig, die ein nett gemeinten Abbruch eben naja nett finden, sie aber nicht großartig in ihre Entscheidungen einbauen. Lieber einmal richtig kontra geben, als immer wieder ein klein wenig. Wobei richtig kontra geben natürlich unterschiedlich ausfallen muss je nach Hund, versteht sich von selbst :)


    Was das ablenken mit Futter, Spielzeug und der gleichen angeht, so mach ich das persönlich nicht so gerne. Aber das ist eben ne persönliche Ansicht :)

  • Ich würde mal abwechseln. Ordentlich an der Leine gehen - dann ohne Schnüffeln und Stehenbleiben. Aber nicht lange am Stück, sondern immer mal wieder 10 Minuten frei laufen lassen und dabei immer wieder beschäftigen - Rückruf, Belohnen, mal apportieren und so - und wieder ein paar Minuten einfach Schnuppern lassen. Dann wieder an die Leine - und wieder ordentlich laufen.


    Geregelte Hundekontakte - also am besten bekannte Hunde treffen, spielen lassen, gemeinsam Laufen, auch dabei immer mal rufen und belohnen. Aber auch mal ein Stück Leinenführigkeit in Anwesenheit der anderen Hund üben.


    Überhaupt sehe ich da einfach einen mangelnden Rückruf (das braucht halt Üben Üben Üben und viel Belohnen), eine schlechte Leinenführigkeit und Langeweile.


    Wenn du die Spaziergänge interessanter und abwechslungsreicher gestaltest, konsequent und geduldig bist, dann wird das besser. Es dauert halt seine zeit, und es könnte sein, dass du die Grundlagen ein bisschen verschlafen hast... Klar ist es schön, wenn man mit seinem jungen Hund gemütlich durch die Gegend laufen kann - aber sie werden halt älter und unternehmungslustiger, da geht es nicht ohne ein bisschen Kontrolle.

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  • Ich würde genau andersrum trainieren. Die Spaziergänge eher öde und entspannt, um den Erregungslevel runter zu kriegen.
    Eine vernünftige Impulskontrolle braucht doch ein gewisses Mass an " Gelassenheit" , würde ich zumindest denken.
    Ausserdem würde ich die Hündin retrievertypisch ruhig und konzentriert beschäftigen, aber nicht unbedingt auf den Spaziergängen.
    Das Bällchen würde ich zu Hause lassen und ich würde auch auf ruhige Hundekontakte wert legen. Also weniger " Spiel und Spass" , sondern mehr entspanntes Laufen.

    Melanie mit Bandit & Anton
    und Mücke im Herzen



    BX und Labbi

  • Hallo und vielen dank für die Ideen!


    Also das interessante Gestalten der Spaziergänge habe ich schon ziemlich geübt. Wir üben apportieren, Abruf und Fuß laufen auch im Freigang. Die orientiert dich dann auch super an mir, bleibt dann auf Kommando auch stehen
    Ab und an toben wir dann auch sehr - aber nur, wenn ich sie auffordere. Wie ich das noch spannender gestalten kann, weiß ich gerade ehrlich gesagt nicht. Impulskontrolle funktioniert bei Wild, Hasen und Kühen auch wunderbar, nur eben nicht bei Hunden.


    Wie kann ich den Aufregungslevel denn senken, ohne dass sie sich langweilt und nach Ablenkung durch bspw andere Hunde sucht?

    • Neu

    Manchmal hilft einfach das richtige Futter - aber wie findet Ihr es?

    Ich hatte schon viele Hunde und die Erfahrungen haben mich gelehrt, dass jeder andere Ansprüche an die Ernährung hat. Mal legen sich Verdauungsstörungen durch eine Futterumstellung, ebenso können Fellprobleme abklingen. Schlanke Windhunde leiden nicht selten unter nervösen Störungen, wenn der Proteingehalt zu hoch ist; sie benötigen eher Kohlehydrate zur sofortigen Energiefreisetzung. Andere Rassen wie sportliche Huskys brauchen stattdessen hochwertige Proteine, während Kohlehydrate nur ansetzen würden.


    Das Alter spielt ebenso wie die Konstitution eine Rolle für den individuellen Bedarf und einige Krankheiten erfordern eine spezielle Nährstoffzusammensetzung.


    Aber ehrlich, welcher Hunde- oder Katzenhalter blickt bei den vielen Herstellern, Marken und Inhalten wirklich durch? Ich nicht - zum Leidwesen meiner Hunde. Daher habe ich es mit einem unverbindlichen Futtercheck versucht der übrigens nicht nur für Hunde ist, sein Katzenfutter kann man dort auch finden.


    Das hat mir die weitere lange Suche nach dem richtigen Futter erspart: Hier müssen Ihr lediglich wenige Minuten investieren und einige konkrete Fragen zu Ihrem Hund oder Katze beantworten. Anschließend erhaltet Ihr, abgestimmt auf Ihren Liebling, bis zu fünf Futterproben als kostenloses Paket zugeschickt!


    Einfach den Futtercheck ausprobieren - ich bin sehr glücklich, auf diesem Weg nun das richtige Futter gefunden zu haben.


    Liebe Grüße Tobi hugging-dog-face



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  • Es geht nicht um aufregend, sondern um kontrolliert, in Kommunikation und Zusammenarbeit mit dir. Nicht hochdrehen natürlich, sondern ansprechen, fordern, zusammenarbeiten.


    Problem ist ja, dass sie sich festschnüffelt und dann nicht mehr ansprechbar ist, oder etwas anderes spannend findet und nicht mehr auf dich hört. Also mehr Zusammenarbeit, mehr Beziehung aufbauen, damit sie ansprechbar wird, auch wenn was anderes in der Nähe ist.
    Daher alles in kurzen Sequenzen - kurz schnüffeln lassen, aber dann wieder rausholen, kurz aber richtig an der Leine gehen lassen (sie kann sich vermutlich nicht lange konzentrieren) dann wieder in Bewegung die Anspannung abbauen lassen usw.


    Mit einem jungen lebhaften Hund langweilige Spaziergänge machen, kann nach hinten losgehen. an der Leine versauts die Leinenführigkeit, und ohne Leine sucht sie sich selbst Abwechslung. Das habt ihr ja jetzt. Da seh ich den Lerneffekt nicht...


    Man darf ja nun auch nicht vergessen, dass ein junger Hund mit all seinen erwachenden Sinnen die Welt entdeckt und dabei eben auch schnell mal "kippt" - das kann man nicht mit Langeweile abstellen. Aber natürlich auch nicht mit permanenter Aktion. Die Mischung machts.

  • Nein, ich hab Sorge, dass sie sich mit mir langweilt und deshalb so "abgeht", wenn andere Menschen und Hunde da sind. Deshalb scheint mir der Tipp von byllemitblacky sehr sinnvoll. Wie kann ich denn außer mit Apportieren und anderen Übungen mehr Zusammenarbeit erreichen?

  • Nicht mit Übungen!!


    Mit da sein, ansprechen, kommunizieren, auf die Kleinigkeiten achten. Fang mit einer vernünftigen Leinenführigkeit an. Blickkontakt, Rückorientierung, häufiger Rückruf, viel Loben, Belohnen..


    Und vor allem aufmerksamkeit deinerseits, und zwar immer.

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