Agility Anfänger Stunde

  • Hey Leute,
    Ich brauche mal wieder eure kompetente Hilfe. :rollsmile:
    Am Freitag sind bei uns im Verein alle Trainer ausgeflogen, es steht generell ein bisschen schlecht um unseren Trainerbestand momentan. Deshalb ist der Vorstand auf die glorreiche Idee gekommen, ich als längste A3 Läuferin könnte doch evtl. ein wenig aushelfen.
    So weit so gut. Ich möchte wirklich gerne helfen, nur fühle ich mich ehrlich gesagt längst nicht kompetent genug dafür. Ich habe mir und Lou damals das meiste selbst beigebracht, mein Glück war, dass sie eben ein verdammt 'dankbarer' Hund ist. (Sie versteht schnell, verzieht viele Fehler, lässt sich perfekt lenken, macht die Geräte fast ausschließlich gut und selbstständig usw.). Nur sind die anderen Hunde meistens nicht so. Ich habe ziemlich Angst etwas falsch beizubringen bzw. 'mit meinem Latein am Ende zu sein', wenns auf meinem Weg nicht funktioniert.
    Ich bin zwar für den Trainererschein beim DVG gemeldet, also ich könnte mit den Seminaren anfangen (da lernt man ja auch verdammt viel), aber das dauert ja sehr lange und die Zeit und das Geld dafür habe ich momentan leider nicht, außerdem brauche ich ja jetzt grade praktische Hilfe.
    Also jetzt frage ich mal hier ganz praktisch, wer von euch kann mir helfen eine Trainingseinheit/einen kleinen Trainingsplan für die Anfängergruppe zu erstellen?
    Bis jetzt habe ich v.a. auch das Clickern/Targettraining als Vorbereitung für die Kontaktzonen gezeigt. Habt ihr vllt Ideen für effektives Sequenztraining? Ich würde ungern neue Geräte zeigen, weil unser guter Steg momentan in Wartung ist und wir nur ein recht rutschigen/wackeligen haben, den ich unerfahrenen Hunden nicht zumuten will.
    Zum Trainingsstand der Hunde/Frauchen:
    Einige waren schon ein paar Stunden da, die Hunde haben aber noch Probleme die Hürden selbstständig zu nehmen, es muss also noch sehr sehr genau angezeigt werden. Außerdem ist seit letzter Woche ein Aussie Rüde in der Gruppe, der ist noch komplett unerfahren. Für ihn könnte ich mir einen ganz einfachen 'Parcour' mit 3 Hürden und nem Tunnel o.ä. vorstellen, damit er die Geräte erstmal etwas besser kennelernt.
    Aber das sind nur Überlegungen. Also ich wär euch für konkrete Anregungen super dankbar!
    Ich möchte explizit, dass es nicht zu schwer wird (ein Trainer von uns macht das des öfteren, einfach Wellen stellen zB bei einem Hund in der 3.Agistunde, ohne dass dieser das jeh gemacht hat usw.), sondern dass man von Anfang an ordentlich Aufbaut.
    Also, tobt euch aus. Ich bin über jede Hilfe dankbar! :hilfe:
    Liebe Grüße

  • Hallo,


    du schreibst, einige Anfänger haben Probleme, die Hürden selbstständig zu nehmen. Anzeigen ist gut und erlaubt, es ist doch wünschenswert, dass der Hundeführer mit seiner Körpersprache anzeigen kann, welches Hindernis von wo aus genommen werden soll....oder meinst du das anders mit dem selbstständig? Kannst du das erklären?



    Was wir mit unseren Anfängern gerne machen:
    -Geräte kennenlernen ( habt ihr wohl schon gemacht)


    -Lernen, gemeinsam zu rennen.Viele Anfänger sind verwundert, wenn der Hund nicht weiß was er machen soll, oder halb druchdreht, wenn sie das erste Mal mit dem Hund rennen, von doof guckender bis in die Hacken zwickender Hund, war da schon alles dabei....
    Die Übung dazu (kann man gut als Hausaufgabe mitgeben) ist, der Hund wird erst auf die linke Seite genommen, und dann werden gemeinsam Kreise gerannt.....die Kreise kann man langsam immer größer machen, dabei sollte der Hund schön an der Seite rennen ( nicht Fuß laufen, ruhig schneller und ruhig rennen), am Anfang kann man es gut mit Futtertreiben oder so beginnen...danach die Rechte Seite nicht vergessen, immer beide Seiten trainieren.


    - Hund um die Ausleger schicken, am Anfang die Stangen runterlegen, zwei Hürden gegenüber in einigem Abstand aufstellen und dann üben, den Hund vor ( über die Hürde, also zwischen den Auslegern), außen ( von außen um den Ausleger nach innen zwischen die Ausleger) usw. zu schicken, der Hund acht das was angesagt und angezeigt wird, bei der Übung kann man einbauen, dass man dem Hund anzeigt, in welche Richtung es nach dem Vor oder Außen weiter geht, also vor über den Sprung, danach soll der Hund links usw...


    -Lernen, nach der Hand zu laufen, die anzeigt.
    Dazu die Übung: Hund steht vor einem, man nimmt ein Leckerli in eine Hand, macht beide Hände zu Fäusten, so dass der Hund nicht sieht, wo das Leckerli ist....nun nimmt man z. B. die linke Hand führt zur Nase vom Hund und dann nach links außen, dann dort die Rechte zur linken Hand und die rechte Hand nach Rechts aussen führen, folgt der Hund der Hand, das Leckerli geben...(auch eine gute Hausaufgabe für Anfänger), so dass der HUnd lernt, sich an der Führhand oder Hand allgemein zu orientiern.


    Für Anfänger vl eine Gasse bauen, für den Slalom und sie mal durch eine weite Gasse rennen lassen. Warm-up Übungen zeigen um den Hund aufzuwärmen.


    Das sind so richtige Basic-Übungen bei unseren Anfängern.
    Wünsche euch viel Spaß!!

  • Zitat


    Am Freitag sind bei uns im Verein alle Trainer ausgeflogen, es steht generell ein bisschen schlecht um unseren Trainerbestand momentan. Deshalb ist der Vorstand auf die glorreiche Idee gekommen, ich als längste A3 Läuferin könnte doch evtl. ein wenig aushelfen.


    Also vorweg: eine schlechtere Gelegenheit, Trainer zu werden, wirst Du sicher nicht finden. Als Notnagel, der die Kastanien aus dem Feuer holen soll, denn ich gehe mal davon aus, für den plötzlichen Abschied der Trainer gibt es eine Vorgeschichte, und diese haben die schlechte Eigenschaft, sich ständig zu wiederholen.
    Solltest Du trotzdem davon überzeigt sein, dass es Dein fester Wille ist, in den nächsten Jahren mindestens zweimal die Woche auf dem Platz zu stehen und andere Menschen zu unterrichten (hinterfrage bitte auch ganz bewusst Deine Eignung als Lehrer, das liegt definitiv nicht Jedem!), dazu noch Deine eigenen Trainings irgendwie auf die Reihe zu bringen, Turniere zu laufen und Seminare mitzumachen, dann ist es spätestens jetzt der Zeitpunkt, beim Vorstand den Kostenvoranschlag für die nötigen Seminare einzureichen. Wenn sie Dich wirklich als Trainer wollen, dann müssen sie dafür was locker machen, kann nicht sein, dass sie Trainer vergraulen und dann erwarten, dass sich andere Leute verschulden um das wieder auszugleichen.


    Der beschriebene Trainingsstand der restlichen Gruppe schreit nach Basics (ja, die vergesse ich auch gern :headbash: ). Wie schon von den Vorrednern beschrieben, Bodenarbeit, schicken um Pylonen, voranschicken, Wechsel an den Pylonen lernen. Kontaktzone kann man auch mit Anfängern prima mit einem Brett arbeiten, dazu braucht man kein ganzes Gerät. Und wenn die Hundeführer die Basics drin haben, dann kann man sich Anregungen für passende Sequenzen überall im Internet ziehen. Grad heute hat z.B. Andrea Deeg (http://www.tunnelkrokodil.de/wp/agility/training/) wieder neue Sachen eingestellt, die im Schwierigkeitsgrad prima auf alle Teilnehmer eingehen.


    Klar macht es Spass, Trainer zu sein. Wenn man jeweils die richtigen Waffen dabei hat :hust:

  • Hey und erstmal danke für die Antworten. :smile:
    Um nochmal auf die Rückfragen einzugehen:


    Luziefer:
    Natürlich ist es erwünscht, dass der Hund auf die Körpersprache reagiert und nicht selbstständig irgendeine Hürde nimmt, aber ich meinte, dass die Anfänger quasi noch bis vor den Ausläufer mit laufen müssen und dann irgendwie drumherum kommen, weil die Hunde noch so sehr 'an der Hand' bzw. am Hundeführer hängen und das Gerät, also 'Hürde wird angezeigt - ich löse mich und spring drüber' noch nicht ausreichend verstanden haben.Ergibt das Sinn? Ich hoffe. :D


    Iuwaruwa:
    Ich möchte nicht gleich vollwertiger Trainer werden, zumindest nicht jetzt. Genau genommen springe ich nur kurzfristig ein, denn ich weiß genau, dass ich diese Zeit und das Geld im Moment eben nicht habe. Und dass ich meine eigenen Fähigkeiten sehr kritisch hinterfrage ist hoffentlich klar geworden. :headbash:
    Nochmal zum Trainingstand der Gruppe:
    Also die zwei Hunde, die schon etwas öfter da waren haben als Hausaufgaben bis jetzt bekommen:
    -außen um Pilone
    -Clicker
    -2on2off Position an der Treppe
    -Target
    -Kreisarbeit
    -über Steg führen um das Gerät ein bisschen kennen zulernen
    Dazu sollte ich sagen, dass das jeweils von mir ausging. (Habe einmal das Training mit denen gemacht.) Bei den anderen laufen sie halt immer kleine Parcoure usw. Gerade weil ich die Grundarbeit so wichtig finde habe ich das aber eben nicht gemacht. Anderseits habe ich auch total Angst, dass es ihnen schnell zu langweilig wird, denn sie wollen ja Agility machen, eben das wo die Hunde so schnell durch den Parcour fliegen. Ich weiß, dass sollte wirklich nicht ausschlagend sein, aber ich hoffe es ist nachvollziehbar, dass ich mich mit meinen 18 Jahren etwas merkwürdig fühle, wenn ich Erwachsenen sagen soll, dass es so eben nicht geht, während der Unterricht bei anderen eben doch mehr nach 'Agility' aussieht.


    Seite schaue ich mir gleich mal an. :)
    Vllt kommt ja noch ein bisschen was, ansonsten danke nochmal.

  • Ich würde ja mit Anfängern im Hundesport erst mal gezielt am Lernverhalten arbeiten ...


    Wie motviere ich einen Hund?
    Richtiges "Spielen" und "Zergeln"
    Impulskontrolle
    Wann belohne ich?
    Wie belohne ich?
    Was belohne ich?
    Clicker, Target und dann kleine Sequenzen und Gerätefokus (also nicht blöd ein Gerät nach dem anderen arbeiten lassen, sondern eben ganz gezielt einen Tunnel erarbeiten und eben das kleinschrittige Anlernen der restlichen Geräte, gerade Zonen und Slalom sind nun mal Fleißarbeit).


    Diese Art von Training ist für die meisten Anfänger leider nicht spannend genug ...
    Aber auf "Hundehalterbespaßung" hätte ich persönlich keine Lust. Überlegs dir gut :smile:

  • Möchte ich meiner Vorschreiberin beipflichten!

    Zitat

    Einige waren schon ein paar Stunden da, die Hunde haben aber noch Probleme die Hürden selbstständig zu nehmen, es muss also noch sehr sehr genau angezeigt werden. Außerdem ist seit letzter Woche ein Aussie Rüde in der Gruppe, der ist noch komplett unerfahren. Für ihn könnte ich mir einen ganz einfachen 'Parcour' mit 3 Hürden und nem Tunnel o.ä. vorstellen, damit er die Geräte erstmal etwas besser kennelernt.



    bei uns im Verein wurden erst Kombinationen aus mehreren Geräten gestellt, als die Hunde die Geräte alle kannten und wussten, was sie an welchem Gerät zu tun hatten!
    Also erst mal Geräte kennenlernen und zeitgleich an der Führigkeit arbeiten.

  • Bonadea:
    Die Sichtweise finde ich genau richtig! Und so werde ich es auch mit meinem nächsten Hund machen. :gut: Angesprochen wurde es im Training natürlich schon, nur denke ich nicht, dass es 'genug' ist um eine ganze Trainingseinheit zu füllen.
    Um mal ein Beispiel zu nennen:
    Der Hundeführer weiß natürlich welches Mittel sich für seinen Hund am besten zur Belohnung/zum Triebaufbau eignet. Wir haben aber zB auch eine Hündin die sehr schnell überdreht, da legt man der HF dann natürlich ans Herz, dass sie besser mit Futter bestätigt wird, um sie nicht noch mehr zu pushen. Auch arbeiten wir sehr am Timing der Belohnung, mir ist aufgefallen, dass die oft viel zu spät kommt usw. Aber das sind ja Dinge, die man v.a. beim effektiven Training bemerkt/trainiert. Clicker und Target kennen sie ja schon und bis das klappt ist es eben auch Fleißarbeit. Habe auch gesagt, dass, falls es da Probleme geben sollte, man mich immer gerne auch per WA anschreiben oder sonst wie fragen kann, damit keine Fehler passieren. Deine Leitfragen finde ich sehr sinnvoll und ich würde sagen relativ viel davon habe ich schon einigermaßen umgesetzt. (So gut es geht, wenn man nur ab und zu mal vorbei schaut halt.)
    Das Sequenztraining mit Gerätefokus war meine Idee für Freitag. Der Aussi hatte zB Probleme mit dem Tunnel, er ist drauf gesprungen statt durch gerannt :ugly:
    Also werden wir uns dem v.a. nochmal widmen. Für die anderen habe ich mir überlegt, dass wir uns v.a. mit dem eigenständigeren erarbeiten der Hürden beschäftigen. Also so, dass die HF sich auch entfernen können.


    Ja, das ist leider auch meine Befürchtung. :/
    Grade weil ich die einzige zu sein scheint, die so viel Wert auf eine VERNÜNFTIGE und genaue Grundausbildung zu legen scheint. Bei den anderen hatte ich doch arg oft das Gefühl, dass das 'Learning-by-doing-Prinzip' doch etwas zu arg verfolgt wurde. :/


    QuoVadis:
    So wars geplant, aber ich denke eine Sequenz aus 3 Hürden und nem Tunnel ist schon ein gewisses Minimum um beides Effektiv zu lernen. (Also nach dem Grundaufbau des Tunnels versteht sich)


    Hier schon mal zwei Sachen die ich mir für Freitag rausgesucht habe:
    http://www.aktiv-mit-hund.de/Texte/agi_anf_1.htm
    http://www.aktiv-mit-hund.de/Texte/agi_anf_3.htm


    1) Scheint mir ganz geeignet für den Aussie
    2) Der erscheint mir gut um bei den anderen beiden langsam mal die Hilfen zu reduzieren


    http://www.aktiv-mit-hund.de/Texte/agi_anf_10.htm
    Ein paar von den Bsp könnten ganz hilfreich sein um den HF eine kleine Vorstellung von 'Belgiern' und 'Franzosen' zu geben. Mal sehen, vll ist das auch schon wieder zu viel?


    Habt ihr noch Bsp für ganz konkrete kurze Sequenzen? Bestenfalls noch mit Trainingsschwerpunkten? Ich bin da weniger kreativ, was das Ausdenken angeht, evtl. schau ich auch nochmal in der AgilityLive. Naja, freu mich auf Anregungen. :)

  • Eben. Was die Sache mit den Anfängern so schwierig macht, ist halt oft, dass sie so wenig Grundverständnis für die Basics mitbringen ...


    Klar, vieles lernt man nur, wenn man es dann auch macht. Trotzdem braucht man eine Basis, mit der man arbeiten kann. Bei Hund und Mensch. Und wie will ich mir ein Gerät erarbeiten, wenn die Leute nicht in der Lage sind zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt für Belohnung ist? Aber du hast schon recht, dass man das in der Theorie so auch nicht hinbekommt. Mit dem Clicker und dem freien Shapen könnte man da sicher ein paar gute Übungen machen, um das Bewusstsein dafür zu schulen?!
    Das kann man ja gut am Target machen, oder ihr clickt Gerätefokus, Blick zum Gerät - evtl. auch selbstständiges in den Tunnel laufen ....?


    Dein Plan klingt jedenfalls schon recht vernünftig, wünsche dir viel Erfolg bei deinem Vorhaben und gute Nerven!!!! :D


    EDIT: Was mir auch grad noch einfällt: Start üben. Absetzen, weggehen, zwischendurch abrufen, zergeln und Party, wieder hinsetzen lassen, mal wegrennen, Hund muss sitzenbleiben - das volle Programm eben.


    Und viele lernen auch gut durchs Abgucken. Macht vielleicht Sinn, wenn du so Basics mit deinem Hund mal vormachst?

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