Zeit zum Abschied? - Bitte dringend um Rat

  • Hallo alle zusammen,

    ich ab ein dringendes Anliegen, was unseren Boxer Benny (fast 12 Jahre alt) betrifft, es geht ihm nämlich seit einer Woche sehr schlecht und wir sind am Überlegen ob es Zeit ist ihn einschläfern zu lassen.

    Also die sehr traurige und unglaubliche Geschichte ist die:
    wir waren 2 Wochen im Urlaub und die Tochter einer Kollegin meiner Mutter hat auf die Hunde aufgepasst (hatte sie vorher schon 2/3 mal gemacht). Sie kam dann aus unerklärlichen Gründen (das Datum hatten wir ihr per SMS und auf einem Zettel der in der Wohnung lag geschrieben) nur eine der beiden Wochen, sodass unsere armen Vierbeiner die letzte Woche ohne Wasser und Futter und Ausgang alleine in der Wohnung waren.
    Unserem kleinen Hund geht es immer noch super, aber Benny lag in der Ecke hat schwer geatmet und nicht reagiert. Wir sind dann gleich zum Tierarzt, da war er am Tropf damit er wieder hydriert wird. Blutwerte waren anscheinend normal, aber er wollte nicht fressen.
    Wir hatten ihn dann nach 2 Tagen nach Hause geholt aber er hat ziemlich schnell einen Fieberanfall bekommen also sind wir in eine Notfallklinik. Da haben sie wieder Bluttests gemacht und festgestellt, dass er eine Infektion oder ähnliches in der Bauchspeicheldrüse hat.
    Er ist seitdem in der Klinik da am Tropf und er bekommt Antibiotika und Schmerzmittel (also seit Dienstag Abend). Er kann immer noch nicht mehr als ein paar Schritte laufen, er reagiert überhaupt nicht auf uns und atmet schwer. Einmal ist er aufgestanden und hat getrunken, als er einen anderen Hund gesehen hat wollte er auch auf ihn zu.
    Wenn er steht fängt er schnell an wegzurutschen und kippt fast um, aber man muss ihn zwingen sich hinzulegen...

    Wir haben von unserem Tiertransporter (wir wohnen in Singapur und haben kein Auto) die Nummer eines anderen Tierarztes gegeben wo er meinte dies sei der Beste hier und er hätte schon andere schwierige Fälle gehabt.
    Um ehrlich zu sein sind wir uns aber nicht sicher, was noch für Benny getan werden kann und wollen ihm den Stress ihn in eine andere Klinik zu bringen nicht unnötig antun.
    Natürlich haben wir aber auch Angst frühzeitige Entscheidungen zu treffen...
    Angesichts der Tatsache, dass er so alt ist, überlegen wir auch inwiefern eine langatmige und schmerzhafte Genesung die möglichen paar extra Monate die er hat rechtfertigen würde... In dem Zustand in dem er jetzt ist, erkennen wir ihn kaum wieder, er war früher ein sehr lebhafter Hund (wie Boxer eben so sind)

    Mich würde eure Meinung und auch mögliche Ratschläge interessieren. Wir müssen wohl heute oder morgen eine Entscheidung treffen

    Danke schon mal
    Viele Grüße
    Lisa

  • Hallo Lisa,

    Eine solche Entscheidung ist nie so einfach.

    Mal eine Geschichte ... Meine zu dem Zeitpunkt 11,5 Jahre alte Grosspudelhündin bekam eine Lungenentzündung. Zunächst war nicht klar, was sie hatte. Sie frass nicht mehr wirklich, hatte Durchfall, dann wieder völlig aufgequollene Ohren - so was hatten wir alle noch nie gesehen.
    Ok, Ohrenentzündung und Durchfall waren im Griff, aber es ging ihr immer noch schlecht.

    Bis wir auf die Lungenentzündung kamen, vergingen 1,5 Wochen. Da sie dann auch überhaupt nichts mehr zu sich nahm, fuhr mein Vater jeden Tag für ca. 4 Stunden in die Klinik um sie an den Tropf zu legen.
    Etwas Nahrung bekam sie dann noch via Zwangsernährung mit speziellen Pasten vom Tierarzt und Putenstreichwurst etc. Also Zeug, das streichfähig und feucht ist und man ihr auf die Zunge bzw. In die Lefzeninnenräume schmieren konnte.

    Zwischenzeitlich sah es so aus, dass unsere TÄ meinte, wir müssten uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie es vermutlich nicht schafft. Wir hatten abgemacht, dass wir ihr die Chance geben, wenn sich aber herausstellen sollte, dass sich ihre Atmung so verschlechtert, dass sie zu ersticken droht - war's das ....

    So weit kam es nicht, aber es dauerte mehr als zwei Wochen, bis sie über den Berg war. Und gut 3 Wochen, bis wir mit dem täglichen Infundieren aufhören konnten.

    Sie hat in der Zeit fast 6 kg abgenommen, was bei ihrem Normalgewicht von 25-26 kg nahezu einem Viertel des Gewichts entspricht.

    Das war im September 2012.

    Es dauerte bis weit in den Winter hinein, bis sie wieder halbwegs fit war. So richtig gemerkt, dass es ihr wieder gut geht, und die Nachwirkungen weitgehend überstanden sind, hat man erst im Frühjahr 2013.


    Heute, am 11.04.2014, wird sie 13 Jahre alt und wer sie so sieht, glaubt nicht wirklich, dass sie schon so alt ist.

    Klar man merkt es schon. Und inzwischen kommen auch Alterswehwehchen, wobei wir noch nicht wissen, ob die leichten Herzprobleme, die jetzt entdeckt wurden, eine Spätfolge der Lungenentzündung oder einfach altersbedingt sind. Evtl. Beides ein bischen.

    Wir standen damals auch öfter vor der Entscheidung "weitermachen oder einschläfern lassen".

    Das ganze ist gut ausgegangen, aber es gab genügend Kommentare von wegen "wie kann man nur, der arme Hund, das ist doch Tierquälerei".
    V.a. Mein Vater, da er ja immer unter der Woche in der Klinik war, bekam da einiges zu hören. Sowohl in Richtung "nur Mut, das wird schon wieder" als eben auch "der arme Hund".

    Auch hier wirst Du solche und solche Kommentare zu hören bekommen.

    Letztendlich ist es deine Entscheidung.

    Wenn dein Hund vorher gesund und fit war ... Würde ich es evtl. Versuchen. Ich würde mir zumindest anhören, was der andere TA sagt. Allein schon deshalb, weil Du sonst sehr schnell ins Grübeln kommst, ob Du nicht doch ....


    Wobei ich sagen muss, ich weiss nicht, ob Nele es gepackt hätte, wenn sie hätte in der Klinik bleiben müssen. Dadurch, dass mein Vater es unter der Woche auf sich genommen hat, täglich für nen halben Tag fast in die Klinik zu fahren, konnte Nele daheim bleiben.
    Was mE für den Überlebenswillen des Hundes nicht zu unterschätzen ist. Ein Mensch versteht, dass ihm in der Klinik geholfen wird. Wie viel davon versteht ein Hund?

    Natürlich geht es auch anders. Wir hatten mal einen Hund in der Klinik, in der ich gearbeitet habe, der hatte massivste Magenblutungen aufgrund eines vom Besitzer falsch gegebenen Medikaments. Besitzer war Humanmediziner und dachte "was, das alte Zeug an Schmerzmitteln, das uns der TA gegeben hat, da gibt es doch viel bessere neuere Medikamente" ....
    Der Hund war 4 Wochen in der Klinik bis er über den Berg war. Und es sah teilweise auch sehr sehr schlecht aus.

    So kenne ich einige Beispiele ... Deshalb bin ich immer dafür, erst mal ne Chance zu geben und zu sehen, wie es sich entwickelt.

    Aber - diese Entscheidung musst Du selbst treffen. Die kann dir niemand abnehmen.

    Und Du musst bedenken, ich gehe von deutschen Verhältnissen aus. Ich weiss nicht, wie die Verhältnisse in Singapur sind. So von wegen Standards in Tierkliniken usw.

  • Hallo Lisa,

    ohne die genauen Umstände zu kennen, ist es sehr schwierig, da etwas zu raten. Ich habe selbst einen 12-jährigen Boxerrüden zuhause und muß mich leider auch mit der Tatsache auseinandersetzen, daß unsere gemeinsame Zeit sich wohl dem Ende zuneigt. Mein Hund hat eine Herzschwäche, die sich langsam, aber fortlaufend verschlechtert. Bei meinem Quarus ist es eine Alterserscheinung.

    Bei Deinem Hund gibt es einen konkreten Anlaß, der zu der schlagartigen Verschlechterung seines Zustandes geführt hat. Du schriebst, vorher wäre er boxertypisch lebhaft gewesen. Das ist der Punkt, wo ich für mich wahrscheinlich entscheiden würde, noch etwas zu versuchen, um diesen besseren Zustand wiederherzustellen. 12 Jahre ist alt, aber die älteste Hündin einer Freundin mußten wir letztes Jahr mit 15 Jahren verabschieden, das hätte keiner geglaubt, daß die Tasja fast beschwerdefrei so ein hohes Alter erreicht!

    Ob die Verlegung in eine andere Klinik etwas bringt, kann keiner sagen. Vielleicht würde er sich auch zuhause, in seinem gewohnten Umfeld, mit tierärztlicher Unterstützung, wohler fühlen. Es kann auch sein, daß Deine Bedenken, ihn noch allerlei Therapien auszusetzen und ihm das lieber ersparen zu wollen, richtig sind.

    Es ist immer auch die Frage, mit welcher Entscheidung Ihr langfristig besser leben könnt.

    Ich wünsche Eurem Benny alles Gute und Euch Kraft!

  • Also, ich würde aus dem Bauch heraus sagen : Wartet noch, gebt ihm Zeit, wieder auf die Beine zu kommen !!! Wenn er so lange ohne Wasser war, steckt er das kaum so einfach weg und der ganze Organismus muss erst wieder zu Kräften kommen - denke ich !! Ich würde ihn noch nicht einschläfern lassen , aber auch "verlegen" würde ich ihn wohl zum derzeitgen Zeitpunkt (noch) nicht !

    Alles Gute, drücken Daumen und Pfoten, dass es ein happy end gibt !!!!!!!

    LG Petra

  • Ich würd ihm noch etwas Zeit geben, auch wenn er für einen Boxer schon ein stolzes Alter hat. Aber das hier:

    Zitat


    Also die sehr traurige und unglaubliche Geschichte ist die:
    wir waren 2 Wochen im Urlaub und die Tochter einer Kollegin meiner Mutter hat auf die Hunde aufgepasst (hatte sie vorher schon 2/3 mal gemacht). Sie kam dann aus unerklärlichen Gründen (das Datum hatten wir ihr per SMS und auf einem Zettel der in der Wohnung lag geschrieben) nur eine der beiden Wochen, sodass unsere armen Vierbeiner die letzte Woche ohne Wasser und Futter und Ausgang alleine in der Wohnung waren.

    kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Eure Hunde sind zwei Wochen ganz alleine, es kommt nur jemand zum Füttern und Tränken?

    Liebe Grüße,
    Birgitta

  • Zitat

    Also, ich würde aus dem Bauch heraus sagen : Wartet noch, gebt ihm Zeit, wieder auf die Beine zu kommen !!! Wenn er so lange ohne Wasser war, steckt er das kaum so einfach weg und der ganze Organismus muss erst wieder zu Kräften kommen - denke ich !! Ich würde ihn noch nicht einschläfern lassen , aber auch "verlegen" würde ich ihn wohl zum derzeitgen Zeitpunkt (noch) nicht !

    Alles Gute, drücken Daumen und Pfoten, dass es ein happy end gibt !!!!!!!

    LG Petra


    Würde ich auch sagen - eine Woche unter den genannten Umständen kann eine SO schwere erkrankung nicht bewirken. Lass ihn behandeln und ihm Zeit, sich zu erholen!

  • Also ich weiß nicht, ob ich die Story so glauben kann.
    Eine Wo ohne Futter, ok.
    Aber 1 Wo = 7 Tage ohne Wasser überlebt ein Hund nicht.
    Zumal es in Singapur etwas wärmer ist als hier.

  • Danke für eure Antworten.
    Wir haben uns nach einer Besprechung mit dem Tierarzt dazu entschieden Benny weiteres Leid zu ersparen, vor allem weil wir seine Genesungsmöglichkeiten für begrenzt hielten.

    LG Lisa

  • Hallo Lisa, das tut mir sehr Leid für euch. Ich wünsche euch viel Kraft für die nächste Zeit.
    Die Geschichte ist wirklich furchtbar. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es euch damit geht.
    Traurige Grüße
    Nele

  • Zitat

    Aber das hier kann ich beim besten Willen nicht verstehen. Eure Hunde sind zwei Wochen ganz alleine, es kommt nur jemand zum Füttern und Tränken?


    Das war die Frage, die ich mir innerlich auch gestellt habe..... Nur Füttern und Gassi gehen und dann allein?? Mit Katzen kann man das so handhaben über diesen Zeitraum hinweg, aber nicht mit Hunden!

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