Rüde kastrieren?

  • Hallo liebe Forumgemeinschaft,

    ich möchte mich gerne vorstellen.
    Mein Name ist Kim und ich bin 26 Jahre alt.
    Seit vier Jahren lebe ich mit meiner Möpsin MissMarple zusammen, die ich als Welpen zu mir nahm.
    Seit gestern hat sich der Rudel um einen circa 4 jährigen Mopsrüden vergrößert.
    Unsere Miss Marple ist kastiert. Daher ist die Aufnahme eines Rüden erstmal kein Problem gewesen.

    Ranger ist ein sogenannter "Notmops". Er kommt aus sehr schlechter Haltung und hat aus dieser leider einige Beeinträchtigungen mitgebracht. Ranger fehlt das linke Auge, das Rechte ist durch viel Prügel fast erblindet.
    Nun lebt Rangi erst zwei Tage bei uns. Er ist noch sehr ängstlich was menschlicher Kontakt angeht und er ist unsicher in der neuen Umgebung, da er ab und an vor etwas stößt (er kommt mit seiner Blindheit aber sonst sehr gut zurecht, es ist nur angewohnt das große neue Haus).
    Er mag unsere Hündin und auch zu mir baut er Vertrauen auf. Er kuschelt mit mir und wedelt nun auch mit dem Schwanz wenn er auf meinem Schoß liegt.

    Mir macht nur eine Sache großen Kummer:
    Ranger markiert im Haus. Er hat nun zweimal an das Sofa und einmal an die Wand im Wohnzimmer gepiselt.
    Und das obwohl er vorher draußen war und sich gelöst hat. Er macht es, wenn ich im Raum bin. Ich habe ihn noch nicht allein gelassen bisher. Ich habe ihn danach zurecht gewiesen, will aber nicht zu wütend oder aggressiv mit ihm reden, da er noch stark eingeschüchtert ist und bei jedem Geräusch zusammenzuckt.
    Nun ist Rangi mein erster Rüde (ich hatte immer nur Hündinnen). Könnt ihr mir hier Tipps geben? Marple ist kastiert und bisher hat er null sexuelles Interesse gezeigt (auch bei der unkastrierten Hündin meiner Mama). Rangi ist unkastriert und lebte nur in Zwingerhaltung.
    Er ist meiner Meinung nach noch zu eingeschüchtert, um sich als Rudelführer zu sehen.
    Worauf führt ihr das Markieren in der Wohnung zurück?

    Ich denke über eine Kastration nach, weil die Hündin meiner Mama unkastriert ist und Rangi dort z.B. im Urlaub sein wird.
    Was haltet ihr davon? Könnte das das "Problem" lösen, oder soll ich einfach strenger sein? Ich bin in einer Zwickmühle, weil ich behutsam sein will, weil er noch nicht lange hier ist und er es wirklich unbeschreiblich schwer hatte und sein Leben durch Gewalt geprägt ist. Andererseits will ich ihm das Verhalten nicht durchgehen lassen, falls es rangordnungsbedingt ist.

    Ich freue mich auf eure Antworten.

    LG
    Kim

  • Zitat

    Rangi ist unkastriert und lebte nur in Zwingerhaltung.
    Er ist meiner Meinung nach noch zu eingeschüchtert, um sich als Rudelführer zu sehen.
    Worauf führt ihr das Markieren in der Wohnung zurück?


    Darauf das er erst seit einem Tag bei euch ist, Stress hat, nicht stubenrein ist und deswegen gleich vor Ort seine Blase erleichtert. Das würde er auch kastriert tun.

    Behandelt ihn wie einen Welpen. Geht in kurzen Abständen mit ihm raus. Er muss sich einleben, die Regeln im Haus erstmal lernen (woher soll er wissen, dass er im Haus nicht pinkeln darf) und es wird sich auch ohne Kastration legen. :) Geduld ist das Stichwort.

  • Erstmal Herzlichen Glückwunsch zum Familienzuwachs :)

    Ich denke nicht, dass es durch eine Kastration besser wird ,oder er die Rangordnung klären will!

    Ich würde vielmehr daurauf tippen, dass er es nicht verstanden hat, dass das Haus eine Tabu-Zone fürs Pipimachen ist!
    Du schreibst er lebte nur im Zwinger. Das heißt, er machte dort, oder draußen, wenn er denn dann mal raus durfte.
    Meine ist eine Auslandshündin, kam im Erwachsenenalter zu mir und ich musste sie diesbezüglich behandeln wie ein Welpen. Also alle zwei Stunden raus, nach dem Essen, Schlafen, Spielen, draußen Party, wenn sie Pipi machte.
    Und bei erwachsenen Hunden kann dies sehr lange dauern und auch öfters zu Rückfällen kommen.
    Daher mein Tip: Wie einem Welpen die Stubenreinheit beibringen.

    Und wegen der Hündin deiner Mutter: Wenn diese nicht läufig ist, kann auch nichts passieren.
    Und da Hündinnen ja nur zweimal im Jahr läufig sind, kann man das bestimmt einrichten, dass die beiden dann nicht zusammen sind. :gut:

  • Beobachte ihn mal genau-
    also bei meinem Rüden kann ich an der Körperhaltung erkennen wann er das Beinchen heben möchte und so noch bevor etwas passiert aktiv werden.

  • Hallo,

    ganz bestimmt will der Rüde kein Rudelführer werden, generell strebt auch ein Rüde nicht so einen Posten an.
    Im Gegenteil, Hunde möchten souverän geführt werden und drücken durch Pinkeln nicht aus, die Weltherrschaft an sich reißen zu wollen.

    Ranger ist erst gerade eingezogen, ist durch Zwingerhaltung wahrscheinlich nicht wirklich stubenrein und hat Stress durch den Umzug, was die Urinproduktion anregt.
    (wie bei Menschen, die vermehrt zur Toilette müssen, weil sie Stress durch Aufregung/Angst haben)
    Wie PocoLoco schon erklärte, gehe wie bei einem Welpen vor:
    Alle zwei Stunden herausgehen, lobe ihn, wenn er draußen seine Geschäfte erledigt und weise ihn nicht zurecht, wenn im Haus ein Malheur passiert.
    Er baut gerade Vertrauen zu dir auf, was ganz schnell wieder zerstört werden kann.
    Es gibt keinen Grund, den Hund kastrieren zu lassen, zumindest stellt deine Schilderung keine Indikation dar.

    Gib ihm Zeit und sei geduldig mit ihm.

    Gruß
    Themis

  • Ich hatte schon einige Pflegehunde.

    Dabei musste ich feststellen, dass manche Rüden in den ersten Tagen markieren. Einige setzen nur zwei, drei Duftmarken, aber einen hatte ich dabei, der hat mir hier alles angepinkelt. Türrahmen rechts und links, das Türblatt, Gardinen, Gitarrenständer, Bücherregale, Tisch- und Stuhlbeine.

    Ich habe dazu nichts gesagt, bin nur mit dem Wischeimer immer hinterher. Und ich kann dir sagen, ich war schon drauf und dran, ihn wieder abzugeben, wenn er nicht aufhört.

    Er hat nur zwei Tage markiert, dann hat er sich zuhause gefühlt. Danach nicht ein einziger Tropfen mehr. Es war auch ein unkastrierter Rüde.

    Ob Du ihn kastrieren lässt, musst Du sehen.... bei dem oben erwähnten Rüden war es so, dass er wohl unheimlich viel Testosteron gehabt hat. Denn draußen war er quasi gar nicht ansprechbar. Er war hinter allem her, was weiblich war. Zuhause ist er den ganzen Tag und die halbe Nacht hinter der Katze her gewesen. Er konnte gar nicht in Ruhe fressen, war ständig unter Strom. Er hatte aber gerade frisch einen Kastrationschip bekommen, und als der anfing zu wirken, hatte ich einen ganz anderen Hund.

    Einen Hund, mit dem man gut arbeiten konnte und der sehr aufmerksam war und schnell lernte. Weil er schon 12 Jahre alt war, wollte man ihn nicht mehr kastrieren lassen, wegen der Narkose.

    Ich persönlich würde eher zu einer Kastration tendieren, weil man sich dadurch auch Prostataprobleme im Alter erspart. Einer meiner Hunde musste deswegen noch mit 14 Jahren kastriert werden, und da hat er es nicht mehr gut verkraftet.

    Aber nicht jeder Rüde bekommt Prostataprobleme und nicht bei jedem Rüden gibt es so signifikante Veränderungen im Verhalten.

  • Die Kastration ist im Endefekt eine Verstümmelung des Hundes und in den seltensten Fällen wirklich nötig (will man Nachwuchs verhindern, tut es auch eine Sterlisiation!). Zur Verhaltensänderung taugt sie oftmals ebenso nicht und wenn man kann es mit der chemischen Kastration "testen" - das allerdings würde ich nicht nach so kuzer Zeit bestimmen, es fehlt die Grundlage.

    Und eine Bekannte meinte, dass ihr Hund durch die Kastration "undicht" wurde und lt. Tierarzt sei das nicht allzu unüblich. Sie war froh, dass sie nur die chemische Kastration gewählt hatte...

  • Nachtrag:

    Der ist ja blind!

    Ich hatte zwischendurch auch mal eine blinde Hündin. Auch sie hat markiert, um sich zurechtzufinden. Aber ebenfalls nur an den ersten Tagen, dann fand sie sich gut zurecht und kam auch mit den Katzen klar.

    Die Hündin hat sich Wege markiert, ihren Schlafplatz, ihren Futterplatz.

    Vielleicht - nur so ein Gedanke - kannst du ihm auch Wege oder Orte markieren. Ich denke da an Duft-Teelichter oder sowas. Das Wachs riecht ja, und auch wenn du es nicht riechst, weil die Kerze nicht angezündet ist, nimmt der Hund es ja viel besser wahr.

    Du schreibst ja was von "Haus" - vielleicht könnte man an Treppen oben und unten jeweils rechts und links einen Duft hinstellen und an der Ausgangstür einen anderen Duft.

  • In der jetzigen Situation würde ich erstmal nicht kastrieren. Der Kleine hat eh schon sehr viel Stress und muss zunächst erst einmal ankommen. Eine Kastration und eine damit verbundene Hormonveräderungen könnten da erstmal kontraproduktiv sein. Darüber könntest du in einpaar Monaten nachdenken.
    Jetzt kann man das Verhalten des Hundes so nicht einschätzen, weil ich den Hund nicht kenne.
    Mag aber wirlich so ein, dass er einfach nicht stubenrein ist und aufgrund eines Sicherheitsgefühls erstmal drinnen macht. Entleert er seine Blase komplett oder macht er nur ein paar Tropfen?

    So sehr du jetzt mit diesem Hund Mitleid haben magst. Bitte pack ihn nicht zu sehr in Watte. Unsichere Hunden brauchen kein Mitgefühl sondern klare Strukturen! Je klarer DU bist, desto besser kann sich der Hund orientieren.

  • Ich danke euch für eure Antworten.

    Heute habe ich Ranger unserem Tierarzt vorgestellt. Leider ist er komplett blind, aber er kommt gut zurecht, das wird schon!!!

    Ich werde ihn definitiv nicht kastrieren lassen. Er markiert nicht, er entleert komplett seine Blase. Er ist eben einfach nicht stubenrein, da habt ihr Recht. Ab sofort geht es alle zwei Stunden raus. Wenn er sich in dem Haus zurecht findet, wird es mit Sicherheit besser werden und es wäre ja gelacht, wenn wir ihn nicht stubenrein bekommen.

    Es ist noch immer unter Strom, es kann 100 Gründe geben. Den richtigen Grund werden wir mit der Zeit sehen, bis dahin wird er wie ein Welpe und konsequent erzogen!

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