Der kleine Hund auf dem Arm ...

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    Nur weil etwas den eigenen Horizont übersteigt, muss es ja nicht unbedingt Blödsinn sein. ;)

    Ich hab einen mittelgroßen Hund, der im Grunde mit anderen Hunden gut kann und auch Spaß auf den Hundetreffen hat. Letztens habe ich einen Mini einer Bekannten (Tibet-Kleinpudel-Mix) zu unserem Hundetreff mitgenommen, die anderen Hunde alle auf sie zu, klar, neugierig, alle an den Hintern und bald ging auch das Gehetze los, weil die Hündin aus Angst losgerannt ist.
    Ich hab sie aus der Situation rausgenommen, indem ich sie auf den Arm genommen hab und aus dem Pulk rausgegangen bin. Es bestend wohl keine akute Lebensgefahr für die Kleine, aber sie hatte ne Mordsangst und ich wäre nie auf die Idee gekommen, sie nicht zu schützen.

    Nicht hochnehmen ist also zwingend gleich nicht schützen?
    Ah ja, dann tun mir mal die ganzen großen Angsthunde leid, die man nicht hochnehmen kann - denen widerfährt dann wohl nie eine Situation, wo sie beschützt werden?

    Ich bilde mir einfach ein, dass man auch einem kleinen Hund Schutz gewähren und Sicherheit geben kann, ohne ihn auf den Arm zu nehmen und über alles andere zu erheben.

    Mein Kleinster reagiert, seitdem wir von einem Schäferhund angegriffen wurden, auch nicht wirklich normal auf Fremdhunde - die ersten Tage war es ein reines gewinsel, gekreische und gewimmer, wenn ein Hund erblickt wurde, ein hinter mir verstecken und Schutz suchen - natürlich bin ich darauf eingegangen. Trotzdem wäre ich nicht auf die Idee gekommen den Hund hochzuheben - dort kann man, finde ich, auch einfach angemessener reagieren.

    Genau so bei unserem Opa - der ist vor drei oder vier Jahren in eine recht heftige Auseinandersetzung mit unserer Hündin geraten - 50kg vs 7kg
    Er gehört natürlich zu den Hunden, die ich ohne weiteres hätte auf den Arm reißen können, um ihm danach wieder Sicherheit zu geben, weil er verwirrt war - aber ich habe da auch eine Möglichkeit gesehen ihn auf dem Boden zu beruhigen ohne ihn hochzugeben.

    Und genau da verstehe ich halt nicht, warum man den Hund zwingend hochheben muss, nur um ihm Sicherheit zu geben. Da sehe ich selber einfach keine Notwendigkeit. :???:

    Wenn das hochheben etwas wäre, was nicht umgangen werden könnte, dann müssten ja alle großen Hunde, die man nicht hochheben kann, ein extremes Defizit aufweisen - und das kann ich mir halt einfach nicht vorstellen.

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    Wenn man Menschen täglich über einen längeren Zeitraum begegnet, sich an der Situation nix verändert und immer und immer und immer wieder der Hund direkt auf den Arm gerissen wird und dann ein "Ach was, ja...schimpf ruhig...braaav...genau,...der böse böse große Hund tut dir schon nichts..." kommt...Ja, da zweifel ich daran, dass mit diesem Hund gearbeitet wird - wo er doch sonst eh auhc schon nicht hört. :roll:

    Ich sehe es genauso wie Brizo. Mir passiert es täglich, dass ich zwei Hundehalter mit ihren kleinen Hunden treffe. Und die werden sofort auf den Arm genommen, obwohl wir erstens auf der anderen Straßenseite sind und zweitens meine beiden (Golden Retriever und Mini Aussie) angeleihnt sind. Und der Goldie interessiert sich auch überhaupt nicht für die, oft sieht er die auch gar nicht. Und dann tätscheln die den Kopf ihres Hundes und sagen dann so Sachen wie "Die bösen Hunde sind gleich weg" usw, während die schön weiter auf dem Arm ihres Herrchens weiter kläffen. Also das ist einfach nur unnötig. Und das passiert mir täglich.
    Und das hat für mich nichts mit beschützen des Hundes zu tun, da der Hund in dieser Situation nicht beschützt werden muss.

  • Brizo, im Grunde stimmt das - aber in der von mir beschriebenen Situation waren um uns zig hochgepushte Hunde, in dieser gab es keine andere Möglichkeit. Ein größerer Angsthund ist körperlich nicht unbedingt so in Gefahr, aber auch meinen musste ich schon öfter vor Mobbern schützen, könnte ich ihn einfach so auf den Arm nehmen, würde ich es bestimmt tun. :smile:

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    Einer hat es eben geschrieben: Was ist der Unterschied zwischen einem pöbelnden Hund in der Hand oder auf dem Boden?
    Wenn ihr selbst als HH von kleinen Hunden da keinen Unterschied drin seht, wieso holt ihr den dann auf den Arm? Wenn es einen Unterschied machen würde wäre es ja logisch, aber so :???: ?


    Das kam erstens von mir und ging zweitens um einen anderen Zusammenhang, nämlich den des Nervfaktors ;)

    Ich für meinen Teil habe auch nie gesagt, dass ich es sinnvoll finde, den Hund in allen möglichen Situationen hochzunehmen, ich verstehe nur nicht, wie man sich so sehr darüber aufregen kann, vor allem, da es überhaupt nichts bringt, sich hier darüber aufzuregen, da wäre es vielleicht effektiver mal mit den betreffenden Personen darüber zu reden.

    Paco wurde bisher zweimal von mir bei Hundebegegnung hochgenommen, einmal da war er gerade eingezogen und da hätte ich mir nachher selber am Liebsten im Hintern für getreten, weil es unnötig war, übrigens war ich davor immer nur mit großem Hund unterwegs gewesen, und einmal vor einigen Wochen als ein Flat auf meinen angeleinten Hund in definitiv nicht guter Absicht auf uns zu kam und ich damit am Kämpfen war, den Hund abzuwehren und meinen Hund selber davon abzuhalten, loszugehen, während die Besitzerin des Flat absolut nichts machte. In der Situation hatte ich es übrigens für ziemlich wahrscheinlich gehalten, von den anderen Hund gebissen zu werden, da ich eben genau zwischen den Hunden war, aber ich würde es im Zweifel wieder genauso machen, da ich einen Biss sicherlich besser hätte wegstecken können als mein Hund.

    Sam wurde übrigens noch nie wegen anderen Hunden auf dem Arm genommen.

  • ja, der Nervfaktor ist bei beiden der gleiche. Das krieg ich mittlerweile aber nicht mehr mit, da meiner genauso nervt, woran ich auch arbeite.... :ops:

    Ich rege mich eigentlich gar nicht darüber auf, ich rege mich nur darüber auf, wenn der Hund auf dem Arm ist und der eigene Hund wird dann als böse etc. dargestellt, nur weil er groß ist. Und ich mag es nicht, dass viele den kleinen Hunden so viel durchgehen lassen, aber letzten Endes haben sie dann später damit die Probleme und nicht ich. ;)

    Ich habe hier nur gerade am Anfang mitgemischt, da ich einfach total falsch wiedergegeben worde und das klar stellen wollte.

    Wie gesagt, in einer wie von dir beschriebenen Situation mit dem Flat würde ich den Hund auch hochnehmen, da sehe ich absolut kein Problem drin. Nur manche Menschen müssen meiner Meinung nach besser differenzieren, wann man den Hund hochnimmt und wann nicht. So wie du es schreibst hört sich das für mich nach einer guten Mischung davon an ;) :gut:

  • Ich finde es gibt genauso viele Kleinhundehalter die ihre Hunde anständig erziehen, wie Großhundehalter. Die die auf Erziehung keinen Wert legen gibt es auf beiden Seiten genauso. Bei einem kleinen Hund wirkt das unerzogene nur einfach "anders", nicht so bedrohlich wie bei einem großen. Außerdem greift immer das Kindchen- Schema bei kleinen Hunden. Deshalb regen sich viele nicht so auf und finden vieles eher süß als ungezogen (wie anspringen z.b.). Ich denke das Kleinhundehalter es schwerer haben, weil es einfach unangenehmer auffällt, wenn die Hunde kläffend auf dem Arm eines überbesorgten HH hängen, oder das Pech haben bei einer dieser "mein kleines süßes Babylein" Tussis zu landen, die Strasshalsbänder von Gucci kaufen. Der ganze "das sind doch keine Hunde Zirkus" ist doch erst dadurch enstanden, weil jemand herausgefunden hat das die Kleinen Super in die Handtasche passen.
    Ich finde nicht das man kleine Hunde unterschätzen darf. Die meisten ( die die ich kenne) haben ordentlich Pfeffer im Hintern und lassen sich von den Großen nicht so schnell einschüchtern.
    Ob es sinnvoll ist einen kleinen Hund aus bedrohlichen oder beängstigenden Situationen mittels Hebel rauszuwuchten? Ich bin da nicht so sicher. Aber ich denke das es hauptsächlich gemacht wird, weil es eben geht. Bei einem großen kommt man ja gar nicht erst auf die Idee. Außerdem könnte ich mir vorstellen, das der Hund dieses auf den Arm nehmen als soziale Zuwendung nimmt und ihn in seiner Haltung eher bestätigt. Ob das dann langfristig gut für ihn ist würde ich eher bezweifeln.
    Stören tut mich es persönlich aber nicht. Jeder muss doch selbst entscheiden, was er seinem Hund zumuten möchte oder kann.

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    {...} Bei einem großen kommt man ja gar nicht erst auf die Idee. Außerdem könnte ich mir vorstellen, das der Hund dieses auf den Arm nehmen als soziale Zuwendung nimmt und ihn in seiner Haltung eher bestätigt. Ob das dann langfristig gut für ihn ist würde ich eher bezweifeln.
    {...}.

    Käme auf das "warum" und "wie" an. Als meine damals den Leinen-Larry geprobt hat, wäre ein harsches "lass das" kombiniert mit Hochnehmen, Umdrehen, schnurstracks Weggehen wahrscheinlich sehr effektiv gewesen. Wer Stunk sucht, macht gleich 'nen Abgang.

    Als bei ihr im Hirn pubertätsbedingt Baustelle war, hatte ich meist das Problem, dass sie mich bei hohem Erregungsgrad einfach ausblendete. Sie durch das Hochheben an meine Existenz zu erinnern und ihr das Vergnügen zu nehmen, kläffend und hampelnd in der Leine zu hängen, hätte das Problem ggf. schneller beheben können, als meine Arbeit vom Boden aus. Heute wird nicht mal mehr zurückgepöbelt - am Hampeln arbeiten wir aber noch. :D

    Hochnehmen, weiter pöbeln lassen und schlimmstenfalls noch bestärken, macht in meinen Augen aber auch keinen Sinn. Da bin ich ganz Deiner Meinung. Nicht, dass wir uns falsch verstehen.

  • Wir verstehen uns da schon genau richtig. Das was du beschreibst ist ja Erziehung. Das andere ist .... Für mich zumindest.... Schnelle Lösung ( für den Menschen).

  • So wie ich das sehe, haben die meisten, die ihre Hunde hoch nehmen schon mehrere Winzlinge gehabt und ihre Erfahrungen gemacht. Ich finde es vollkommen okay, wenn Leute ihre Hunde auf den Arm nehmen, wenn mein Grobmotoriker wieder mal nicht schnallt, dass es einen Unterschied zwischen 2- und 40kg- Hunden gibt. Ich hätte es nämlich deutlich schwerer, meinen aus der Situation zu holen.
    Aber zum Gruseln finde ich es, wenn Halter ihre 30- Kilo -Hunde in der Luft baumeln lassen.

  • Nachdem ich wohl das Eingangsposte falsch verstanden habe, möchte ich der TS darauf noch antworten, warum ich es nicht gut finde, einen Hund wie von ihr/ihm beschrieben auf den Arm zu nehmen. Die Angst wird durch das Hochnehmen bestärkt, der Hund fühlt sich in seinem Tun bestätigt. Anstatt den Hund mal alleine eine Lösung suchen zu lassen oder mit der Sitzguckmichanmethode zu arbeiten, wird das Problem per Hochnehmen gedeckelt und bestärkt, aber nicht direkt gelöst. Die Angst kann sich dadurch noch verstärken.

    Dasselbe tritt in Kraft, wenn Hund pöbelt. Und nicht immer kann man Angst und Pöbeln unterscheiden. Insofern bringe ich dem Hund das Verhalten im Prinzip sogar bei. Möglich, dass das manchem HH sogar recht ist. Letztendlich schickt man auch hier den Hund in eine Hilflosigkeit, aus der er nicht nichtanders mehr rauskommt.

    Das Problem der Angst wird so nicht gelöst. Der Hund fühlt sich auf dem Arm groß und stark, auf dem Boden, wo er weit weniger sieht, verlassen. Da aber der rettende HH da ist, ist ja alles kein Problem.

    Ich persönlich finde das schade für den Hund, da er nie lernen wird, eigene Strategien zur Problemlösung zu entwickeln. Es wird für ihn per Tragen gelöst. Der HH fühlt sich sicherer. Der Hund hat jedesmal in derselben Situation erneut Angst, er lernt nicht, mir passiert nichts, wenn ich mich so oder so verhalte. Er lernt nicht mal Bogen zu laufen und dem Ärger aus dem Weg zu gehen oder dicht beim HH zu bleiben. Er lernt nur, Angst oder pöbeln und mein HH nimmt mich hoch.

    Und wenn jemand seinen Hund hoch nimmt, obwohl er nur einen anderen Hund sieht, dann hat der HH einen schönen persönlichen Schutzschild, einen rühr mich ja nicht an. Mehr Angst kann man nicht signalisieren. Aber ein HF, der selber Angst hat? Wo ist da die Beschützerfunktion? Welcher Hund nimmt so einen HF ernst?

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