Die Qual der Wahl - welche Leine?

  • Hallo zusammen.
    Ich arbeite mit meinem Hund (weißer Schäferhund, 1,5 Jahre alt) gerade an der Leinenführigkeit. Leider gibt es immer wieder Hochs und Tiefs, an einem Tag klappt alles super, und ich denke wir haben einen Durchbruch gemacht, und am nächsten Tag ist es wieder genau das Gegenteil, als hätte es gestern nie gegeben.

    Wir haben nun schon verschiedene Leinen ausprobiert, weil wir immer wieder andere Tipps bekommen haben, wie wir mit ihm umgehen sollen.
    Zur Auswahl stehen im Augenblick normale 1-2m Leine, Flexi (7m) und Kürzführer, sowie Halsband und K9-Geschirr.

    Er gehört zu den unsicheren Hunden, die gerne den Rückzug wählen. Aber bei Hundebegegnungen an der Leine spielt er sich auf, steigt in die Leine und ist kaum zu halten. Schwierig wirds auch, wenn wir als Familie oder Gruppe unterwegs sind und er an der Leine bleiben muss. Er mag es nicht wenn jemand auch nur 1m vor ihm läuft, springt aber gleichzeitig nervös herum und schaut misstrauisch nach hinten, wenn jemand direkt hinter ihm geht.

    Einerseits soll man einen Hund beim Fußtraining, bzw. an der Leine allgemein neben oder hinter sich laufen lassen, andererseits sollen unsichere Hunde vorausgehen dürfen, um Selbstvertrauen aufzubauen.

    Ich möchte ihn in der Stadt, wenn er eigentlich Platz hat nicht an meinem Bein kleben haben. Sobald er ein wenig Freiheit hat schnuffelt er nur noch am Boden. Und wenn er einen anderen Hund entdeckt zerrt er wie ein verrückter. An normaler Leine oder Flexi muss man dann schon sehr schnell reagieren können (mit Kindern als Ablenkung garnicht so einfach!! ) Wie mache ich ihm klar, dass er einfach neben mir laufen soll und dass ich auch noch da bin??
    Wann immer es geht lasse ich ihn ohne Leine laufen und übe zuverlässigen Rückruf. Da er sehr anhänglich ist hat er dann immer einen Blick für mich übrig und folgt mir, sobald ich eine gewisse Distanz (ca. 30m ) überschritten habe. Ohne Leine kann er ohne Ablenkung auch sehr gut im Fuß laufen. Ohne Leine läuft er zu den Hunden hin, und wenn er einmal geschnuppert hat lässt er sich ohne große Probleme abrufen. (ja ich weiß, er sollte eigentlich garnicht zu anderen hinlaufen ohne dass ich es erlaube... nächste Baustelle)

    Soll ich nun wirklich für jede Gelegenheit und jede Baustelle eine andere Leine verwenden, oder mich für eine entscheiden und mit den Nachteilen umgehen lernen? Und welche sollte ich nehmen? Geschirr, um den Hals beim ziehen zu schonen, oder doch Halsband, weil ich ihn dann leichter in die richtige Position dirigieren kann?

    Ich verzweifel langsam, denn ständig denke ich darüber nach, was ich machen kann um dieses Problem zu lösen. Und durch dieses ständige Gewechsel machen wir uns höchstwahrscheinlich gegenseitig verrückt.

  • Oha.

    Ich glaube nicht, dass es für die Leinenführigkeit wichtig ist, welche Leine Du genau verwendest, sondern wie und was Du trainierst (ansonsten nimm einfach 'ne verstellbar "Standartleine" - die reicht eigentlich. Kurzbinder und Flexi sollten überflüssig sein).

    Ich fand Deinen Text verwirrend: Der Hund soll neben Dir laufen, aber nicht am Bein kleben und trotz langer Leine nicht schnüffeln. Richtig? Das sind ja drei Dinge auf einmal! Das geht nun wirklich nicht.^^

    Für den Hund ist das wahrscheinlich zu unstrukturiert und schwer bis gar nicht zu verstehen.

    Wie wäre es, wenn Du Dein Trainingsziel Deiner Nerven und dem Hund zu liebe erstmal vereinfachst: Der Hund soll generell nicht ziehen. Wenn er das verstanden hat, kannst Du doch noch immer an den Feinheiten arbeiten. Oder kann er das schon?

  • Ich bin selber bissl verwirrt, was ich eigentlich genau will. Und das ist das Problem.
    Also mein großes Ziel ist ein z.B. ein entspannter Stadtbummel, Hund neben mir, folgt mir wenn ich um die Kurve gehe... Davon sind wir aber meilenweit entfernt, weil jede Plastiktüte am Boden ihn zurückschrecken lässt, und jeder Hund für ihn Party bedeutet. Ich muss ständig meine Augen überall haben, um evtl. "Gefahrenstellen" zu umgehen, oder ihn vorsichtig heran und dran vorbei zuführen. Gleichzeitig noch die Kinder im Blick zu behalten ist fast unmöglich.

    Anfangs sagte man mir, ich soll bei Fuß trainieren, das gibt ihm Sicherheit, wenn er nah bei mir ist. Gesagt getan, ein paar Mal trainiert, dann musste er leider in die Klinik und hatte ein paar Wochen Bettruhe. Danach musste ich ihn erstmal neu kennenlernen, weil seine Probleme sich verlagert hatten. Manches lief besser als früher, anderes verschlimmerte sich. Seine Angst vor Menschen hat sich ein wenig gelegt, dafür war er draußen schreckhafter.
    Also kam der Tipp ich soll ihn voraus laufen lassen. Seit dem verbellt er jeden Hund.

    Wenn ich ein "bei Fuß" von ihm verlange muss es nicht dieses Prüfungsverhalten in perfekter Position sein. Hauptsache er achtet auf mich und folgt mir an lockerer Leine ohne Kampf.
    Oder stell ich mir unter Leinenführigkeit und dem Kommando was falsches vor?


    Und das "im Rudel" laufen hat seit dem ersten Tag nicht funktioniert.
    Wenn ich ihn nun "bei Fuß" laufen lasse versucht er immer wieder vor zulaufen, weil ich ihn nun mal Wochenlang hab vorlaufen lassen. Also alle 30 Sekunden stehen bleiben, Hund wieder absitzen, neues Fuß-Kommando, weiter gehen. Wenn ich das nun bei einem Spaziergang mit Familie versuche dauerts keine 5 Minuten bis meine Kinder 1km vor mir rumhüpfen und warten dass wir endlich unter lautem Protest-Gekläffe nachkommen. :hilfe:

    Also hab ich es mit verschiedenen Leinen versucht. Für Fußtraining hatten wir uns den Kurzführer besorgt. Fürs vorauslaufen lassen die Flexi. Dann hatten wir anfangs Halsband. Dann hieß es, ein Geschirr würde ihm Sicherheit geben. Dann kam das rumhüpfen, also wieder Halsband, zeitweise an beidem gesichert. In der Hundeschule haben sie uns auch das Cani-Collar aufgeschwatzt. Das ist ja ganz nett, aber mit der 1-2m Leine verrutscht der Riemen immer zur Seite, also wieder Kurzführer... Aber da Narthan mit dem Ding noch schreckhafter wurde verstaubt es wieder in der Schublade.

    Sicher wäre eine konsequente Art und Weise mal ne tolle Sache, aber für welche soll ich mich entscheiden?
    Beispiel Stadtbummel:
    Kurzführer: Niemals ne Hand frei, um den Kindern irgendwas aus der Tasche zu kramen.
    1-2m-Leine: könnte ich mir für sowas um die Schulter hängen. Muss aber immer mit beiden Händen rumhantieren um die optimale Länge zu finden. Einmal Finger entspannen, er zieht, Leine lang, wieder kürzen, festhalten... naja ,oder dauerhaft um den Bauch wickeln, was aber auf Dauer auch schmerzhaft werden kann.
    Flexi: Vielleicht falsches Modell, aber bei seinem Gespringe um mich herum löst sich der Stopper, also muss ich den Finger ständig gedrückt halten - AUA!

    Seit wir Narthan haben konnten wir noch keinen Familienausflug machen, wo wir alle gemeinsam gelaufen sind. Immer ist ein Erwachsener erzieherisch mit dem Hund unterwegs, und der andere hält die Kinder bei Laune. Denn das Verhalten kann man bei der Zugkraft nicht ignorieren!

  • achja, und ja er kann ohne Ziehen laufen, wenn er müde ist, oder wenn es gerade nichts gibt was ihn ablenken könnte. Also nein, er kann es nicht bis auf wenige Ausnahmen. Und mit dem ständigen gewechsel wundert mich das auch nicht.

    Beim Kurzführer kommt er nicht weiter, ausser er renkt mir die Schulter aus, und bei den anderen Leinen schafft er regelmäßig mit so viel Kraft reinzurennen, dass er doch wieder kurzzeitig komplett vor mir steht.

    Aber da ist nicht nächste Frage: Stehen bleiben, Leine von hand gleiten lassen, Richtungswechsel, vorlaufen blockieren.

  • Du solltest Dich erstmal entscheiden, was Du willst!
    Woher soll der Hund es wissen, wenn Du Dir selber nicht sicher bist!
    Vor allem, stell nicht alle paar Wochen die Methode um!
    Entweder, er geht "Fuß", oder er läuft vor, eines geht nur.
    Du kannst trainieren, wenn Ihr Gegenverkehr habt, geht er "Fuß" und wenn Ihr alleine auf weiter Flur seid, darf er vorlaufen, aber das dann konsequent.
    Aber, wie gesagt, wenn Du dem Hund etwas vermitteln willst, solltest Du zuerst wissen, was genau Du willst!

  • Zitat

    Du solltest Dich erstmal entscheiden, was Du willst!
    Woher soll der Hund es wissen, wenn Du Dir selber nicht sicher bist!
    Vor allem, stell nicht alle paar Wochen die Methode um!
    Entweder, er geht "Fuß", oder er läuft vor, eines geht nur.
    Du kannst trainieren, wenn Ihr Gegenverkehr habt, geht er "Fuß" und wenn Ihr alleine auf weiter Flur seid, darf er vorlaufen, aber das dann konsequent.
    Aber, wie gesagt, wenn Du dem Hund etwas vermitteln willst, solltest Du zuerst wissen, was genau Du willst!

    *seufz* das ist mir klar, solang ich nicht weiß wohin, verstärkt das seine Unsicherheit.

    Darum möchte ich ja wissen, welche Leine, und die dazugehörige Methode am Erfolgsversprechenden ist, für einen Hund, der sowohl schreckhaft als auch impulsiv ist.
    Muss ich einen Umweg über dieses "perfekte Fuß" mit Blickkontakt machen, oder gibt es einen Weg, ihm klar zu machen, dass er an der Leine einfach bei mir sein soll, und ohne Leine vorrennen darf?
    Eigentlich möchte ich nicht dass er vor rennt, es war ein Vorschlag um ihn sicherer zu machen. Aber mittlerweile geht es mir nur noch auf den Wecker, weil er immer gleich zum ziehen anfängt.

    Ich sehe sooft Hunde mit ihren Leutchen mit Leine überm Arm hängend an mir vorbeilaufen, total relaxed. Sowas wünsch ich mir :( Nicht ständig Alarmstellung und höchste Konzentration.

  • Ich muss mir hier einmal ein Lesezeichen setzen.
    Die Beschreibung ähnelt sehr meiner Lena und ich kann dir "morgen" früh, da gern einmal beschreiben, wie wir das gelöst haben.

  • Es ist sehr schwierig dir etwas zu raten, weil man eure Interaktion nicht sehen kann. Manchmal kann es gut sein, eine 3 Meter Leine zu nutzen, manche Hunde sind mit soviel Spielraum überfordert.
    Es kommt ja auch immer auf die Situation an.
    Ein Kurzführer ist denkbar ungeeignet, wobei ich jemanden kenne, der den als Leinenersatz nutzt.
    Ich würd einen Fachmann fragen, der euch beobachtet.

  • Guten Morgen,

    Meine Mädels sind zum Glück mittlerweile ganz einfache Hunde, Leine ist egal.
    Mein Rüde war schwierig, ängstlich, hatte Jagdtrieb und draußen war er ein anderer Hund. Ohren ja, aber nicht um auf mich zu hören. Meine Lösung sah wie folft aus:
    Auf dem Hundeplatz eine 1m Leine für die Fussarbeit.
    Draußen, wenn er bei mir laufen sollte, eine Umhängeleine - 2,4m Fettleder. Er mochte nicht eng bei Fuss gehen, aber im Notfall konnte ich reingreifen und sie kurz nehmen.
    Draußen lief er an der Flex-Leine 8m, wenn er nicht frei laufen durfte und durfte auch mal schnüffeln.
    Auf Spaziergängen mit anderen oder auf Wanderungen hatte ich oft einen Jogging-Gurt um. Die Leine war dehnbar und gute 1,70m lang. Mit einem größeren Karabiner war es auch möglich dort eine Flex-Leine zu befestigen. Das ging aber nur wenn wir alleine waren, sonst gab es Chaos.
    Wir haben viel geübt und irgendwann konnte ich auf viele Leinen verzichten. Das enge bei Fuss gehen war aber nie seins. Er brauchte immer etwas Abstand und wenn er "seine" ca. 2m hatte lief er brav mit. In der Stadt war er immer dicht bei mir. Das war ihm nicht geheuer.
    Bei ihm war es kein Unterschied ob er ein Halsband oder ein Geschirr an hatte. Seine Halsbänder waren aber immer sehr breit.
    Mittlerweile mache ich Leinen selbst, aus Biothane. Da sitzen dann die Ringe wo ich sie brauche und die Läng.e passe ich auch an. Für Schlechtwetter und Stadt nehme ich das Grippy. Da rutscht nichts aus der Hand. Tolle Farben gibt es auch. :gut:

    Gruß Terrortöle

  • Ich schlag Dir jetzt einfach mal eine Führleine vor:
    http://www.hund-unterwegs.de/hunter-vario-l…99b6c8230a86594

    Diese Leine ist frei verstellbar und aus rund gearbeitetem, griffigem, robustem Tau (maximale Länge: 2,60 m). Ich hab sie selbst für meine Dogge und bin damit sehr zufrieden. Die Schlaufe kann ich frei so einstellen, dass ich sie über die Schulter hängen kann. Das ist sehr bequem und beide Hände sind frei.

    Meine Hündin ist Deinem Nathan glaube ich ähnlich. Leicht unsicher, sehr reizempfänglich, aber im Freilauf absolut loyal (die würde nie weglaufen). Sie interessiert sich grundsätzlich für alles. Hunde, Menschen, andere Tiere, Tüten, neu aufgestellte Schilder... besonders irritiert ist sie, wenn sich auf bekannten Strecken etwas geändert hat (z. B. ein Holzstapel, der gestern noch nicht da war).

    Ich hab deswegen erstmal gaaaanz langsam angefangen und es ihr so einfach wie möglich gemacht. Training immer am Halsband und erstmal nur auf Wegen und in Gebieten, die sie kennt und die mehr oder weniger langweilig sind (kannst auch im Garten üben, wenn du einen hast).
    Die Leine habe ich zu Anfang so lang wie möglich eingestellt. Dann bin ich losmarschiert. Möglichst flott, damit ich ihrem natürlichen Marschtempo zumindest nahe kam. Sobald der Hund Gefahr lief seitlich, vor oder hinter mir an der Leine zu ziehen, habe ich geklatscht, mir auf den Schenkel geklopft oder lockende Geräusche gemacht (kein richtiges Kommando - die Leine an sich bedeutet ja schon "Folge mir"). Wandte sie sich mir zu - super! Lob, Begeisterung und Belohnung. Lief sie unbeirrt weiter, blieb ich stehen, bis sie sich irgendwann wieder näherkam (kann schon mal die eine oder andere Minute dauern). Dann wieder Lob & Belohnung.

    Ich gebe zu, dass ich kein Profi bin, denn es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich die Früchte meiner Arbeit ernten konnte. Als ich mir sicher war, dass mein Hund begriffen hat, dass es mir darum geht, dass sie nicht zieht, habe ich mit etwas kürzerer Leine geübt. Schritt für Schritt, ganz geduldig und langsam.

    Heute läuft sie (meistens) entspannt neben mir. Ohne sich den Hals zu verrenken, aber eben auch ohne mich komplett zu vergessen.
    Schwer wird es noch mal, wenn wir in neuen, super spannenden Gebieten sind (z. B. im fremden Wald). Die Gerüche... Hach da kommt der Hibbel in ihr wieder hoch! Und wenn dann noch ein fremder Hund auftaucht... Kann ich vergessen, so entspannt ist mein Quatschkopf noch nicht.
    In solchen Momenten drehe ich um, laufe im weiten Bogen oder biege ab, weil ich weiss, dass sie das noch nicht kann. Ich gehe also Situationen, die wir m. E. noch nicht meistern können, möglichst aus dem Weg, weil es mir wichtig ist, dass wir möglichst nur Erfolge, gute Erlebnisse und keine Rückschläge haben.

    Ein Geschirr habe ich übrigens auch benutzt, das jetzt aber schon seit Monaten im Schrank rumgammelt. Das Geschirr hatte sie immer dann an, wenn ich in Eile war und deshalb nicht konsequent sein konnte. Hat sie sehr schnell begriffen, dass Geschirr "lauf nur" und HB "jetzt aber ordentlich" heisst.

    Gibt sehr viele hier, die sicherlich bessere Ideen und mehr Erfahrung haben als ich. Ich hoffe, die melden sich hier noch. :smile:

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