Verhaltenstipps Haushalt lt. Grewe

  • Hallo,
    Ich habe ein Training in einer Canis-Hundeschule begonnen. Dabei wurde mir geraten, den Hund Zuhause auch mal zu ignorieren und des Platzes zu verweisen...einfach weil ich es als Mensch kann...

    Soweit so gut, es ist auch durchaus ein Effekt spürbar, trotzdem würde ich gerne mehr zu dieser Erziehungsmethode lesen. Ich bilde mir doch gerne eine eigene Meinung und tue mich schwer damit einfach nur Anweisungen zu befolgen. Außerdem bewahrt ein ein bisschen Hintergrundwissen vor Fehlern.

    Habe jetzt eben "Hunde brauchen klare Grenzen" von Herrn Grewe gelesen und fand das echt sinnvoll. Leider fehlt mir etwas der Praxisbezug. Könnt ihr mir sagen wo ich dazu Infos finde? Am liebsten hier im Forum oder im Netz. Oder kann mich jemand der mit der Methode vertraut ist aufklären?

    Gruß DermitdemHund

  • hallo

    warst du bei michael grewe direkt oder in einer nach ihm arbeitenden hundeschule?
    wir sind bei ihm selbst in der hundeschule,nehmen an den samstäglichen übungsstunden teil.

    wir waren vom tierarzt an ihn verwiesen worden und haben zu beginn 4 einzelstunden gehabt , denen vorweg ein langes gespräch mit herrn grewe .

    uns wurde das alles sehr gut erklärt was / warum... auf unsere hund direkt bezogen,nicht allgemein.

    auch ich hinterfrage alles und nehme nicht jeden tip einfach so fraglos an.
    das buch habe ich auch und finde,es ist ein buch was man jedem hundehalter ans herz legen sollte.

    zum ignorieren im haus,mal auf meinen hund bezogen
    uns hat es geholfen,allesamt zur ruhe zu kommen.
    wir haben einen sehr unruhigen,kranken hund.
    da ich immer in sorge um den kerl bin,gabs oft im vorbeigehen mal einen streichler,sam wurde angesprochen .. naja,immer ,auch im vorbeigehen beachtet....
    seit ich dies nicht mehr mache (und das ist mit ignorieren gemeint) ist es hier wesentlich ruhiger geworden.
    es gibt tage ,da klebt mir sam immer noch an den hacken,aber er kann auch mal auf seinem platz ruhig liegen bleiben.
    nervt er mich mit dem hinterherlaufen,dann "sehe ich ihn eben einfach nicht",ist er im weg,gehe ich (vorsichtig) "durch ihn durch" oder ich schließe die tür vor seiner nase wenn ich den raum wechsel.
    dies nervt dann widerum ihn nach kurzer zeit und er bleibt auf seinem platz :-)
    im garten ist es ähnlich... beachtet man sam,bringt er seinen ball und will spielen... ignoriert man ihn,unterhält sich ,o. trinkt in ruhe seinen kaffee oder verichtet arbeiten ,dann legt er sich neben meinen stuhl o. im nutzgarten auf den weg neben das beet und ruh ist.
    diese ruhe ist in unserem fall für den hund lebenswichtig,besonders bei warmen wetter.

    wir sind froh das wir den anweisungen unseres tierarztes gefolgt und zu m. grewe gegangen sind.

    in einer nach d.o.g.s. arbeitenden hundeschule wurde uns nur gesagt ; wenn sam nicht zur ruhe käme,dann würde er nicht mehr lange leben.... super.. das wußten wir ja schon... uns wurde aufgetragen impulskontrolle zu machen bis zum erbrechen....ok,kann und hat ja auch nicht geschadet.. das beherrscht unser sam perfeckt :-)

    aber es spielten noch weitere faktoren mit und als wir so garkeinen rat mehr wußten waren wir bei einem facharzt für verhaltenstherapie,der uns dann zu m. grewe schickte.

    im nachhinein gott sei dank!


    lg kirsten

  • Bei uns war das eine vorbereitende Übung für weiteres Training.
    Den Hund zuhause erstmal zeigen, dass er auch mal weichen muss. Da man das sonst nicht macht, sind sie oft verunsichert und achten mehr auf unsere Körpersprache.
    Das hilft einem später dann auch draußen. Der Hund nimmt einen ernster, weil man zuhause neue Regeln aufstellt und Respekt erwartet.

  • Hallo,

    ich bin nicht direkt bei Grewe, sondern bei einer nach Grewe arbeitenden HuSchu.

    Mir fehlen einfach ein paar Ideen was ich Zuhause an Regeln aufstellen kann. Das Tier darf eigentlich überall hin, kommt nur ganz ganz ganz selten von alleine an zum Schmusen (und dann auch nur kurz im Stehen das Ohr kraulen) und kommt echt gut schlafend ohne mich klar. Das einzige ist die Begrüßung. Als die aber nach einer Woche ignorieren beim Hereinkommen auch ausblieb und das Tier einfach weiter geschlafen hat, konnte ich das auch nicht haben. Kann ich noch was Anderes tun was in die Richtung geht?

  • Du beschreibst einen zufriedenen, entspannten Hund - ich hab noch nicht ganz verstanden, warum da jetzt "Regeln" eingeführt werden sollen. Weil Du es kannst... hm, aber das reicht doch. Ich weiß, dass ich bei meiner Bande jederzeit Regeln einfordern kann, also haben sie viele Freiheiten. Z.B. dürfen sie auf der Couch und im Bett schlafen, aber wenn ich das mal nicht will, reicht ein Kommentar, dann wird das eben akzeptiert. Aber deswegen mach ich doch keine Regel draus im Sinne von "Regel! Ihr schlaft ab sofort nicht mehr im Bett!".

    Beschreib doch mal, an welchen "Baustellen" Du mit Deinem Hund arbeitest, vielleicht kann man dann einen Rückschluss draus ziehen, welche Regeln zuhause Sinn machen würden.

  • Hallo,

    Natürlich ist der Hund hochzufrieden. Er kann ja auch machen was er will :smile:

    Nein, im Ernst. Das Tier hört draußen kaum. Das soll halt an zuviel ihm entgegengebrachter Aufmerksamkeit und mangelndem Respekt liegen.

  • Ah ok, ich krieg eine Vorstellung von der Situation.

    Meine Interpretation dieser Regel-Maßnahme, ohne dass ich die Grewesche Methode kenne:
    Die Zielvorstellung beim Training ist ein ruhiger, entspannter und damit kommunikativer Hund. Das erreiche ich am leichtesten, wenn ich die Aufregung bereits in der Entstehung korrigiere, also nicht erst dann, wenn der Hund z.B. angesichts eines anderen Hundes kläffend in der Leine hängt, sondern schon wenn er beim Verlassen des Hauses die Ohren auf Durchzug stellen und zur Tür hinausstürmen will.
    Hunde untereinander arbeiten sehr viel über Bewegungseinschränkung, um Regeln aufzustellen, also z.B. "komm nicht näher an mich ran" oder "bleib, wo Du gerade bist" usw. Da nun sehr viele Hunde, die draußen außer Kontrolle sind, auch drinnen schon aufdrehen, könnte ich mir vorstellen, dass diese Regeln zuhause schlichtweg dafür gedacht sind, schon den Anfang aller Aufregung zu unterbinden. Beispiel: Hund latscht mir in der Wohnung überall hinterher, oder hüpft begeistert um mich herum, wenn ich die Leine in die Hand nehme, oder spielt Flummi, wenn ich nach Hause komme, usw.

    Wenn Dein Hund entspannt bleibt bei Deiner Rückkehr, im Haus nichts beansprucht, sich nirgendwo hochfährt, sich einen Platz zuweisen lässt, ... wäre das Ziel dieser Regeln schon erreicht - wenn ich das ganze richtig interpretiert habe - spannend wäre für Dich dann zu schauen, wo Dein Hund tatsächlich hochfährt. Er ist draußen nicht ansprechbar - in welchem Moment fängt das an? Beim Schuhe anziehen und Leine in die Hand nehmen? Beim Tür öffnen? Etc. Das wäre der Moment, in dem Regeln hilfreich sein können, z.B. leg Dich ab, statt mir auf Augenhöhe zu hüpfen, wenn ich die Leine in die Hand nehme, oder lauf hinter mir, statt durch die Tür zu preschen, usw.

  • Ich kenne das auch. Ich bin jetzt auch bei einem Canistrainer und ich habe auch zuhause einen tollen Hund. Gut, er läuft mir hinterher, er legt sich hin wo er möchte, aber es stört mich nicht wirklich.
    Aber wie soll er denn lernen, dass er sich draußen an mir orientieren muss, wenn er drinnen Narrenfreiheit hat?
    Ich sage mir, es ist ja nicht für immer, aber momentan ist es für uns beide besser, wenn er drinnen auch mal angebunden wird auf nem Platz und nicht sofort aufs Sofa darf.

  • Das Problem ist ja folgendes.

    Selbstständige Hunde brauchen den Menschen nicht, weder drinnen noch draußen.

    Nur wir Menschen wollen, dass der Hund hört.
    Was machen wir also? Regeln auferlegen.

    Lege ich Regeln fest und bin konsequent, können sie akzeptiert werden.
    Schwenke ich mit den Regeln aber von links nach rechts bzw. bin zu inkonsequent, nimmt der Hund mich nicht ernst.

    Mit neuen Dingen fange ich immer da an, wo am wenigsten Ablenkung ist, der Hund entspannter ist und so mehr Chance hat, sich auf mich zu konzentrieren.


    Letztendlich soll draußen das Ziel doch sein, dass der Hund nicht dies und jenes fordert bzw. mir den Hintern zu dreht, sondern:
    Ich möchte, dass ich ihn rufen (agieren) kann und er freudig reagiert und kommt, oder?

    Dazu muss der Hund aber lernen, dass er nicht der agierende Part ist, auf den ich stetig reagiere, sondern dass ich die Regeln vorgebe. Ich führe eine Aktion durch und der Hund kann darauf reagieren.


    Auch dass er in der Wohnung nicht mehr gestresst an die hoch springt, sondern entspannt auf dem Platz bleibt ist doch eigentlich das, was es sein sollte.
    Dein Hund fordert nicht und respektiert deine Freiheit, zu kommen und zu gehen.


    Ignoranz in bestimmten Situationen ist das, was dich aus der Marionettenhaltung des Hundes gegenüber raus nimmt und dich zu einem selbst agierenden Indiviuum macht

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