Wer ist hier der Chef - fehlende Distanz?

  • Hallo miteinander,
    ich habe mich soeben frisch hier angemeldet, weil mich eure Meinungen interessieren würden.
    Ganz kurz die Vorgeschichte:
    Meine Freundin ist vor 2 Monaten mit 2 Chihuahuas (Rüde 1,5Jahre/kastriert und Weibchen 3 Jahre nicht sterilisiert) bei mir eingezogen. Seit ich denken kann hatte ich bzw meine Eltern immer Hunde, von daher war die Freundin mit Ihren 2 Hunden auch sehr willkommen.

    Seit einer Woche geht der Rüde täglich beim Gassi-gehen stiften, soll heißen: sobald er einen Hasen sieht ist er weg und alles rufen und kommandieren bringt nichts. Heute hat sich die Hündin dem ganzen dann noch angeschlossen. Das dauert dann so 2-3 Minuten bis sie wieder da sind - kurz: die machen worauf sie Lust haben.
    Ich glaube, dass uns (also meine Freundin und mich) die Hunde nicht mehr wirklich ernst nehmen. Sie dürfen zu Hause fast alles machen, ihr Stammplatz ist die Couch, und wenn ihnen danach ist, dann springen Sie meiner Freundin oder mir nach dem Mittag- oder Abendessen mal auf den Schoß. Hier seh ich ganz klar den Fehler, dass wir sie immer mit Samthandschuhen anfassen, sie kurz streicheln und wieder zurück auf den Boden setzen.

    Meine Idee war nun, zu den Hunden wieder mehr Distanz aufzubauen, soll heißen: klare Regeln schaffen und nicht zu sehr verhätscheln.
    Striktes Bei-Fuß-gehen lernen (und üben), die Hunde von der Couch schicken und beim Essen nicht mehr auf den Schoß springen lassen. Die Hunde sollen die Kommandos die ich/wir ihnen gebe einfach ausführen.
    Meine Freundin ist der Meinung, dass die Hunde verstehen müssen warum sie jetzt von der Couch gehen müssen oder warum sie nun bei Fuß gehen müssen. Aus pädagogischer Sicht haben wir hier Konditionierung gegen Kognitivismus ( sie ist Sozialpädagogin wohlgemerkt :D)
    Gerade eben hatten wir zum Beispiel:
    Ich habe gesagt, die Hunde sollen von der Couch gehen weil ich das will, also weil ich vielleicht eine schwarze Hose anhabe und keine Hundehaare drauf haben will. Meine Freundin meint, dass ich mich doch auf`s Bett setzen kann, weil die Hunde jetzt nicht verstehen, warum sie runtergehen sollen - da ist doch klar, dass die Hunde beim Gassi gehen machen was sie wollen, oder?

    Ich bin schon sehr gespannt auf eure Meinungen, hier hängt deswegen der Haussegen nämlich grad leicht schief :ugly:

    Edit:

    Viele Grüße und noch einen schönen Abend,
    Martin

  • Zitat

    Meine Freundin ist der Meinung, dass die Hunde verstehen müssen warum sie jetzt von der Couch gehen müssen oder warum sie nun bei Fuß gehen müssen.

    Jetzt mal ganz ehrlich gefragt:
    Wie soll das gehen???
    Hund liegt auf der Couch und soll da runter...weil ich jetzt keine Hundehaare auf meiner Hose haben will...ist nem Hund doch nun wirklich nicht verständlich zu machen...
    Zurückkommen, wenn ein Hase aufspringt...wie soll ein Hund das VERSTEHEN...das geht doch völlig gegen seine Natur!
    Bei einem Kleinkind kann ich in der Erziehung nun auch noch nicht soviel Einsicht und Verständnis voraussetzen und auch wenn es viele Hundehalter nicht gerne hören wollen, bei Hunden noch viel weniger...die sind nämlich alles, aber keine kognitiven Intelligenzbestien... :D

  • Hallo miteinander,
    vielen Dank für eure Antworten, das geht ja sehr fix hier :-)

    @sleipnier: Das ist auch mein Standpunkt :-) Wie gesagt, ich bin der Vertreter der Konditionierung (in der Hundeerziehung)

    @Rockabell: Der Trainingsstand sieht im Prinzip gar nicht so schlecht aus. "Hier" klappt ohne mögliche Beute oder einen interessanten Duft in der Nase ganz gut, "Sitz" können beide und "Ab" ist das Kommando wenn sie z.B. von der Couch müssen - das macht er dann auch.
    Er kann auch apportierten.
    Wir trainieren Sitz und Hier auch Regelmässig mit Futterbeutel und Pfeife :-)

  • Dass ein Hund einem Hasen nachhetzt und sich beim Essen auf den Schoss seiner Bezugsperson begibt, sind zwei komplett andere Baustellen. Willst Du das eine in den Griff kriegen, hat das überhaupt nichts damit zu tun, dass er das andere auch sein lassen wird...

    Hunde jagen nicht aufgrund der sonstigen Inkompetenz ihrer Halter. Hunde jagen, weil Hunde jagen... ;)

    Wenn ein Hund sich nicht auf Signal ab der Couch bewegt, dann muss man ihm das beibringen. Jagen hingegen kann jeder Hund, wenn er denn Bock darauf hat. Ihm zu zeigen, warum er nicht jagen steht in keiner Verbindung damit ob er nun bei Fuss läuft oder nicht...

  • Jagen ist selbstbelohnend. Vielen Hunden ist dann die Meinung ihrer Menschen sowas von wurst, man glaubt es gar nicht. Von daher: Wenn man weiß, dass der eigene Hund jagen geht, dann läßt man ihn an der Leine, damit er sich nicht mehr selbstbelohnen kann. Schleppleine muss dran und daran gearbeitet werden, den Jagdtrieb des Hundes umzuleiten.

    Vielleicht ist den Hunden auf den Gassi-Gängen auch so langweilig, dass sie sich Abwechslung suchen? Was macht ihr so, wenn ihr unterwegs seid, ausser Gehen?

  • Zitat


    @Rockabell: Der Trainingsstand sieht im Prinzip gar nicht so schlecht aus. Hier klappt ohne mögliche Beute oder einen interessanten Duft in der Nase ganz gut, Sitz können beide und "Ab" ist das Kommando wenn sie z.B. von der Couch müssen.
    Wir trainieren Sitz und Hier auch Regelmässig mit Futterbeutel und Pfeife :-)

    Na, dann seid ihr doch prinzipiell auf nem guten Weg - wenn er auch noch etwas dauert ;)
    Bzgl. Abhauen würd ich mit Schleppleine arbeiten, bisher haben sie ja scheinbar oft/immer Erfolg. Bis das Abbruchkommando und der Rückruf 100% sitzt, müsst ihr ihnen diese Möglichkeit nehmen.
    Zusätzlich würde ich wohl entsprechend des Jagstriebs auslasten, apportieren, Nasenarbeit, in die Richtung. Macht den Hunden Spaß und euch vielleicht auch ;)

    Aber, das Grundproblem ist ja eure unterschiedliche Ansicht zum Thema, das ist natürlich was Schwieriges. Im Endeffekt sinds ja ihre Hunde, aber jetzt "leidest" du ja auch unter ihnen...Vielleicht kannst du deine Freundin z.B. zu ein paar gemeinsamen Stunden bei einem guten Trainer überreden, der ihr Verhalten und Lerntheorie etwas näher bringt?

  • Zitat


    Wenn ein Hund sich nicht auf Signal ab der Couch bewegt, dann muss man ihm das beibringen. Jagen hingegen kann jeder Hund, wenn er denn Bock darauf hat. Ihm zu zeigen, warum er nicht jagen steht in keiner Verbindung damit ob er nun bei Fuss läuft oder nicht...

    Hallo Windi,
    vielen Dank auch für deine Antwort.
    Was wäre den deiner Meinung nach hier der richtige Ansatz?
    Mein Denkansatz war: Wenn der Hund bedingungslos "bei Fuß" geht, dann habe ich auch in Extremsituationen die Kontrolle über ihn - oder nicht?

  • Zitat


    Mein Denkansatz war: Wenn der Hund bedingungslos "bei Fuß" geht, dann habe ich auch in Extremsituationen die Kontrolle über ihn - oder nicht?

    Nein. Oder willst Du, dass der Hund den gesamten Spaziergang am Bein klebt? Das wird nicht funktionieren und hat auch nichts mit Spaziergehen = Umwelt erkunden (und für Hunde ein wichtiges Verhalten, dass sie ausleben müssen) zu tun.

  • Puh :D
    Also ich versteh dich schon... Ich dachte ich bin extrem, aber deine Freundin...

    Ich würde ihr n deiner Stelle vorschlagen, (gemeinsam?) eine Hundeschule zu besuchen. Aber wenn sie das nicht möchte, müsst ihr einen anderen Kompromiss finden. Es sind IHRE Hunde, also musst du ein Stückweit ihre Erziehung (oder das was sie so nennt) akzeptieren. ABER wenn du nicht willst, das die Hunde auf DEINEM Schoß, DEINEM Sofa, DEINEM Bett liegen... dann hat sie es genauso zu akzeptieren. So würde ich es ihr sagen.
    Und ich würde ihr sagen, das der Hund an der (Schlepp-)leine bleiben sollte... zumindest bis der Abruf sitzt.

    Und was hat Fußgehen mit absoluter Kontrolle zutun?

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!