Überforderung des Hundes mit Führungsrolle
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Ati und Aaron -
4. Juni 2012 um 10:09
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So richtig wusste ich nicht, wie ich mein Problem in die Betreffzeile formulieren sollte.

Es geht um Folgendes:
Denkt ihr, dass ein Hund mit der Führungsrolle innerhalb des Hunderudels überfordert sein kann??
Wir wissen momentan nicht so richtig weiter.
Als Tasia noch bei uns war, fühlte Aaron sich wohl. Tasia übernahm in den meisten Fällen das Kommando und Aaron konnte "alle 4 gerade sein lassen".Jetzt, wo Jette da ist, verändert sich Aarons Verhalten immer mehr zum Negativen.
Mittlerweile ist es sogar soweit, dass er, wenn wir mit Jette und ihm gemeinsam spazieren gehen, bei Hundebegegnungen völlig austickt. Dabei haben wir schon alles (in unseren Augen) versucht, um dagegen zusteuern:- Ablenken
- ruhig bleiben und ihn die Sache beobachten lassen
- energischer (straffere Leine und ihn scharf ansprechen) Reagieren und ihn vom anderen Hund abschirmen
- ruhiges abschirmen
...Aber keine der Maßnahmen hilft. Mittlerweile rastet er so stark aus, der uns schon zweimal gezwickt hat (während unserer Maßregelung).
Die allgemeine UO klappt ansonsten prima.
Ich weiß sein Verhalten einfach nicht zu deuten und habe Angst (nicht vor ihm), dass er sich da immer weiter rein steigert und irgendwann richtig zu beisst.

Wir haben uns mit Antje (Hundetrainerin) schon mal kurz über das Thema "Aaron ist mit der Führungsrolle überfordert" unterhalten und werden das auf jeden Fall noch mal vertiefen. Aber sie hat halt wenig Zeit und deshalb hoffe ich auf eure Erfahrungen und Mithilfe.
Vielleicht habt/hattet ihr einen ähnlichen Fall und könnt mir berichten, wir ihr dagegen gesteuert habt!!
- Vor einem Moment
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Ich kann mir gut vorstellen, dass Jettes Alter da ne Rolle spielt. Vielleicht legt sich das auch, wenn sie älter ist und eher, zumindest in ein paar Bereichen, die Führung übernimmt.
Aber grade draußen sollte für Aaron klar sein, dass ihr die Führung habt.Wielange habt ihr denn die einzelnen Trainingswege durchgezogen?
Gabs zu denen jeweils eine Anleitung vom Hundetrainer? Wart ihr da wirklich zu 100% konsequent?
Wie äußert sich sein austicken bei Hundebegegnungen (nur an der Leine?)? Und gibts sonst noch Baustellen? -
Aarons Verhalten ist erstmal ganz normal. Jeder erwachsene Rüde hat das Bedürfnis, seine Hündinnen vor Rivalen und generell Fremdhunden abzuschirmen, und das äußern sie dann je nach Typ mehr oder weniger deutlich. Aaron ist jetzt in diese Beschützer-Rolle nachgerückt, und er nimmt sie offenbar zunehmend ernst - ein Knackpunkt bei gemischtgeschlechtlicher Haltung - und an euch ist es jetzt, das Ganze zu managen.
Ich kenne das ziemlich gut, denn ich war lange mit einem sehr selbstbewußten DSH/Boxermix-Rüden seinen zwei Hündinnen unterwegs. Wobei noch erschwerend hinzukam, daß die beiden seine Frau und seine "Tochter" waren, also ein echtes Rudel. Und nicht nur er selbst hatte zu fremden Kerlen an der Familie sehr ausgeprägte Ansichten, sondern die beiden Damen waren auch regelrecht scharf darauf, daß er sich kloppte. Wich er von sich aus Ärger aus und beschränkte sich auf Knurr- und Pinkelrituale (so lief es meist mit bekannten Rüden - da wollte keiner den totalen Krieg), hingen die Mädels ihm anschließend gern mal keifend am Bein.
Bei uns half da nur eins: ganz altmodische, strikte Disziplin. Auf jedem Spaziergang in ruhiger Umgebung geübt, jeden Tag. Beifußgehen, Down aus der Bewegung, Abliegen - all das, und natürlich mit reichlich Anerkennung für die vierbeinigen "Arbeitspartner". Ich hab dem Boß aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß nicht er es war, der die Entscheidungen traf, sondern ich. Anders ging es schlicht nicht, dann hätten die drei sich nämlich nicht nur mit anderen gekloppt, sondern auch noch gewildert - alles in der Hand zu haben, war also wirklich lebenswichtig.
Bei Hundesichtung in freiem Gelände kamen sie dann ins "Fuß", Rüde an der ganz kurzen Leine links, Hündinnen frei rechts, und dann ging es so vorbei, egal, was der andere aufstellte. Im Ernstfall hab ich mich wirklich massiv durchgesetzt. Am Anfang auch mit Knuff und Leinenruck, sobald der Rüde abgehen wollte (sowas muß aber wirklich im Ansatz kommen, sonst ist's zu spät!), später reichte dann die warnende Stimme. Die Hündinnen richteten sich nach dem Boß, die waren dann kein Problem. So ging es, abgesehen von ein paar Todfeind-Treffen, bei denen dann auch noch der andere attackierte, immer gut. Und hinterher hab ich NIE vergessen, ihnen zu sagen ,daß sie die tollsten Hunde der Welt waren, bevor sie wieder laufen durften!
Das soll jetzt absolut keine Empfehlung für körperliche Auseinandersetzungen sein, wenn du ernsthaft Angst hast, daß sich der Hund in seiner Aufregung gegen dich wendet - das hätte "meiner" nie getan, da konnte ich mir völlig sicher sein.
Aber ich denke, lösen wirst du das Problem wirklich nur damit, daß du es an der Wurzel angehst: damit, daß Aaron ganz konsequent lernt, DIR auch dann die Entscheidung zu überlassen, wenn's ihm richtig schwerfällt. Je nach Rüdentyp sicher ein mehr oder weniger harter Brocken (ich bewundere da immer meine Freundin mit ihrem HSH, bei dem notfalls ein Blickwechsel reicht), aber ohne solche konsequente Disziplin, so oft geübt, daß sie selbstverständlich wird, spielst du in so einer Konstellation wirklich mit dem Feuer. Und das je mehr, desto älter und selbstbewußter der Beschützer-Rüde wird.
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Das hoffe ich auch Anja, wobei ich Aarons Entwicklung in den letzten Wochen schon als besorgniserregend ansehe.

Nun zu deinen Fragen:
- Bisher dachten wir, dass es Aaron klar ist, wer die Führung hat. Aber ich glaube, da waren wir zu leichtgläubig.
Nach einem Gespräch mit einer Hundetrainerin über Aarons Markierverhalten, haben wir sofort damit begonnen, ihn da einzugrenzen. Er darf nun nicht mehr scharren und auch nicht überhall hinpinkeln, wo er will.- Ich muss gestehen, dass wir die einzelnen Trainingsmethoden nicht all zu lange durchgezogen haben. Bei negativer Erfahrung haben wir es anders ausprobiert. Vielleicht fehlt hier die klare Linie? Aber wir dachten, wenn es nicht klappt, ist diese Methode die falsche!

- Antje hat uns damals bei Tasia gezeigt, wie wir sie in schwierigen Situationen händeln sollen. Das haben wir nun auf Aaron übertragen.
- Das Problem mit Aaron besteht so stark noch nicht all zu lang, deshalb fehlt uns da auch eine richtige Anleitung durch unsere Trainerin. Das ist natürlich bei der nächsten Einzelstunde mit vorgesehen.
- Wir haben Hundebegegnungen mit und ohne Leine. Allerdings fallen die ohne Leine sehr rar aus, weil wir keine Möglichkeit haben, dies durch zu führen. Momentan treffen wir uns mit zwei verschiedenen Hundefreunden, wo einmal ein kastrierter und dann ein unkastrierter Rüde dabei sind. Mit denen hat er keine Probleme.
Aaron tickt aus:
- im Auto, wenn wir an bestimmten Hunden vorbei fahren (sein "Feindbild" kann ich da nicht definieren, es sind meistens Schäferhunde, aber auch andere Rassen, vielleicht Rüden?? Obwohl, gestern sind wir eine Schäferhündin vorbei gefahren und da ist er auch ausgetickt.)- wenn wir mit Jette gemeinsam spazieren gehen (auch für uns wahllose Kandidaten)
- bei Rüden, die an unserem Grundstück vorbei laufen (wobei das nun nicht mehr der Fall ist, da er laut Antje nicht mehr vor darf ---> zu starkes Revierverhalten)
- Fahrradfahreren
- Mopeds/ große Autos
- bestimmte Menschen
Kann sein, dass ich noch was vergessen habe.
Mopeds, große Autoas und Fahrradfahrer sind erst wieder neu dazu gekommen, seit dem wir auf dem Dorf wohnen und Tasia bei uns war (sie hatte es vorgemacht).
Als Auslastung machen wir mit ihm Maintrailing, Radfahren und UO-Übungen sowie Kopfarbeit. Alles natürlich verteilt auf die Woche.
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klingt schon nach Überfordung. Und es ist ja auch gar nicht seine Aufgabe auf gemeinsamen Unternehmungen zu führen. Das ist eure!
Beobachte doch mal ganz genau die Situationen in denen er in euren Augen falsch reagiert. Beschreib ise mal aus deiner Sicht und versuch es auch aus Hundesicht. Wo befindet Aaron sich, wo Jette, wo ihr und was passiert?
Im nächsten Schritt überleg wie sich der alte souveräne Hund in so einer Situation verhalten hat und wie sich Aaron daran orientierte.
Versuch das Verhalten des Althundes zu imitieren in dem du eventuell Situationen nicht frontal begegnest sondern einen Bogen läufst, deinen Oberkörper dieser Situation eventuell sogar abwendest. Meinem Bub hilft das es zeigt ihm es ist es gar nicht wert darüber zu gucken weil Fraule findet das ja unwichtig.
Geht viel mit ihm alleine und zeigt ihm dass er sich auf euch in jeder Situation auf euch verlassen kann und sich um nichts kümmern muss. Und wenn Jettchen dann dabei ist musst du ihm das um so deutlicher zeigen.
Anfassen würde ich ihn in so einer Situation eher nicht, bring deinen Körper schon im Vorraus zwischen ihn und diese Situation und. Notfalls die Leine so kurz wie es geht und dann kann man einen HUnd ganz gut auch mal einfach frontal zurückdrängen nur mit den Beinen.Wichtig ist immer das gleiche Verhalten zu zeigen damit er weiß dass ihr immer so zuverlässig seid. Passt auch gut auf Jette auf. Vielleicht findet er es beängstigend was sie manchmal tut und will auf sie achtgeben. Auch das ist aber euer Job!
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da Xena ja leider auch ein Kandidat ist, die sofort nach vorne geht, schreib ich jetzt mal, wie ich es zur Zeit händeln muß.
Da Madame sich in der letzten Zeit vermehrt aufgeführt hat wie ein Berseker - gibt es bei mir folgende Aktionen, auch wenn sie verpöhnt sind, anders krieg ich die Situation aber nicht gehändelt.
1) Xena wird sprichwörtlich kurz gehalten und bei Bedarf im Geschirr ausgehoben - d.h. die Vorderbeine hängen in der Luft
2) da ich ja nun schon darauf geeicht bin, die Erste bei der Sichtung zu sein, wird sofortiges Eingreifen durch Leinenruck bzw. das Wort NEIN in einem scharfen Ton eingesetzt, wenn Xena meint den Dicken markieren zu müssen.
3) da Xena trotz ihres hohen Alters, immer noch über sehr viel Kraft verfügt, muss ich sehen, das ich einen festen Stand bekomme, damit ich sie halten kann.
Inzwischen habe ich festgestellt, dass sie mit kleineren Hunden ein gr. Problem hat als mit Großen, die sie zwar auch anmotzt, aber nicht so austickt wie eben bei Kleinen.
Ich habe das Gefühl dass es sich bei ihr klar um ein Territoriales Schutzverhalten handelt, denn es ist sch.... egal wer von uns die Leine hat - egal wo wir stehen, wenn sie etwas sieht, dann wird es lautstark kommentiert.
Unsicherheit ihrerseits wird von mir nicht mehr so hingenommen, zumal ich oft die Richtung gewechselt habe, wir - wie ihr - die Situation von weiter weg angeschaut haben. Wir haben ausgesessen, ich habe versucht schönzufüttern - alles hat nix genützt, also versuch ich es jetzt so und kleinere Erfolge habe ich schon, aber die sind längst nicht mein Ziel.
Ich hoffe wirklich, dass Aaron nicht auf den Trichter kommt alles mobben zu müssen, was er sich da als Feindbild auf den Schirm holt.
LG Susanne und Xena
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Das ist natürlich der springende Punkt, wie bei aller Hundeerziehung: Aaron muß nicht nur lernen, zuverlässig zu tun, was ihr von ihm wollt - das wäre ja nur mechanischer Drill und zu kurz gegriffen.
Hinter solchem Üben steht aber etwas ganz Entscheidendes: Der Hund muß aus eurer Regelmäßigkeit, Konsequenz und Berechenbarkeit beim Training den Eindruck mitnehmen, daß ihr jederzeit absolut wißt, was ihr tut und wollt, und was er tun soll, kurz: daß ihr die Situation überblicken könnt. Daß er euch also, aus seiner Hundesicht, die Sorge um die Security und um sein Mädel jederzeit getrost überlassen kann. Wenn DAS sitzt, habt ihr gewonnen!
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Hört sich an wie Janosch

Die Trainerin vor der jetzigen hat uns auch empfohlen Markieren, bzw das Scharren zu unterbinden. Hat nichts gebracht. Er war dann so schlau und ist einfach soweit dafür weg gegangen, dass ich nicht mehr einwirken konnte. Außerdem halte ich das inzwischen für ziemlichen schmarrn. Wenn man von Hunden ausgeht, welche Hunde machen sich gegenseitig an, weil einer markiert? Zumindest nicht die souveränen Hunde, eher die die sowieso kein Selbstbewusstsein haben. Also ich zeige ich meinem Hund, dass ich etwas hysterisch und unsicher bin
An der Leine ist es was anderes, weil man seinen Hund da sehr klar und wirksam davon abhalten kann, ohne hektisch zu werden.Eine klare Linie ist auf jeden Fall wichtig. Nicht nur für ein paar Wochen, sondern über Monate, damit sich der Hund wirklich drauf verlassen kann. Nichts ist schlimmer, als wenn man unberechenbar ist.
Wenn du magst kannst du dir ja mal unseren Trainingsweg abhier durchlesen. Keine Angst ist gar nicht so lang
https://www.dogforum.de/ein-jahr-vorbe…144601-210.html -
Es ist doch normal, dass ein Hund verunsichert ist, wenn sich die Lebensumstände ändern.
Ich kann dir die Trainingstechnik empfehlen: https://www.dogforum.de/zeigen-und-benennen-t128830.html

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Danke für die Links. Ich werde sie mir in Ruhe durchlesen.

Was mich bei der ganzen Sache erschreckt hat, ist dass er UNS gegenüber die Hemmung zum Beißen/Zwicken verloren hat. Mit so etwas hätte ich gerade bei ihm nie gerechnet und daran habe ich momentan ganz schön zu kauen.

Selbst Tasia, die ja nun schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hatte, hat uns nie gegenüber (bis auf die anfängliche Futterverteidigung) solche Andeutungen gemacht. Sie hat uns 100 %ig vertraut.
Natürlich kann Aaron durch die neuen Lebensumstände "verwirrt" sein, aber dass er das gegen uns richtet, dass finde ich erschreckend.

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