Sollte ich eingreifen?

  • Eine schwierige Situation für dich, ich kann verstehen, dass du dir Gedanken machst.
    Aber ich kenne es auch aus der eigenen Familie und einem Gespräch beim Blauen Kreuz (die beraten auch Angehörige und Freunde von Süchtigen), dass nur der Kranke selbst die Entscheidung treffen kann, dass er Hilfe braucht. Man kann höchstens dabei helfen, das zu erkennen.
    Wie sahen die Gespräche zu deinen Bedenken bisher aus? Ich finde es ganz wichtig, bei solchen Themen ganz besonders drauf zu achten, dass man die eigenen Ängste und Sorgen ausdrückt und nicht dem Anderen alles mögliche vorwirft. Eben, dass du dir große Sorgen um den Kleinen machst, aus welchen Gründen und auch, dass dir die Mengen an Alkohol und die Lustlosigkeit bei ihr aufgefallen sind, dass du dir Sorgen machst. Ich denke, das hilft ihr am meisten, zu hören, dass sich jemand Sorgen macht.
    Tierschutzrelevant hört sich für mich die Situation für mich nicht an, auch wenn es ziemlich sch***e ist, dass er so selten rauskommt, dementsprechend nicht stubenrein wird und von ihr den Frust kassiert. Möglicherweise fühlt sie sich aber wirklich unter Druck gesetzt von dir und es wäre sinnvoll, nicht ständig anzurufen und auf Gassigänge zu pochen. Aber auch hier würde ich ihr sagen, dass ich mir Sorgen mache, weil sie mir wichtig ist und es weh tut, zu sehen, wie sie lebt.
    Zwingen kannst du sie nicht, sie muss selber merken, dass es so nicht weiter geht. Und verständlicherweise ist es eine unglaublich große Überwindung, sich selbst einzugestehen, dass man abhängig und (so hört es sich jedenfalls an) schon stark depressiv ist. Aber grade beim Punkt Depressionen sind Vorwürfe das Schlimmste, was du machen kannst.
    Such das Gespräch, drück deine Sorgen aus und mach ihr keine Vorwürfe, ihr wird es schlecht genug gehen.

  • Danke Caro, schön benannt! :smile:
    nach allem was Du, Sabrina so schreibst bzw. auf meine Fragen geantwortet hast klingt das nicht nach "klassisch alkoholkrank" (wobei es da wirklich enorme Stufen gibt, darum meine Fragen nach Regelung des Alltags) sondern nach einem (eher tragischen) Versuch der "Selbstheilung". Dafür spricht der übermäßige Konsum von Alkohol, aber auch die Anschaffung des Hundes. Sich selber nicht mehr aushalten können, sich selbst nicht zu lieben, aber dafür die bedingungslose Liebe eines Tieres zu brauchen weist u.a. darauf hin. Ich denke auch, dass eine weitere Erkrankung oder zumindest massive Probleme dem zu Grunde liegt, wobei ich mir die Diagnosen lieber verkneife, denn das wäre aus der Ferne nicht angemessen.
    ich gebe Caro Recht, und um in der Forumsprache zu bleiben: "Zeigen und benennen"! Teile ihr deine Wahrnehmung mit, aber ohne Schuldzuweisung. Überlasse ihr die Verantwortung für ihr Handeln, gib ihr "Werkzeug" an die Hand ( irgendjemand wies auf studentische Beratung hin) aber lass sie selber laufen. Begleite sie (wenn unbedingt nötig) zum Tierarzt, aber lass sie selber mit dem Hund gehen.
    Wenn Du das Gefühl hast, sie ist betrunken, so teile es ihr mit. Mach ihr deutlich, dass Du das mitbekommst, aber anschließend einen Punkt. Gehe nicht in den Kontakt, wenn sie getrunken hat, sondern grenze Dich deutlich ab!
    Nur so kannst Du ihr eine Form von Krankheitseinsicht vermitteln, indem Du es thematisierst, aber nicht agierst.
    Ich wünsche Dir viel Kraft, ich weiß, wie schwierig das für Angehörige/ Freunde ist und wie schlecht man das aushalten kann, wenn man jemanden mag!! Solltest Du sonst noch Fragen haben schick mir eine PN!
    Liebe Grüße!
    Jui

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