Extrem unruhiger und unsicherer Hund

  • Hallo liebe Hundecommunity. Eigentlich dachte ich immer, Hunde zu verstehen, da ich seit meinem 5. Lebensjahr bis jetzt, also gut 30 Jahre mit Hunden zusammen gelebt und besessen habe. Die meisten davon waren Mischlinge, aber auch Boxer, Schäferhund, Labbi und Mops war dabei.

    Da meine letzte Hündin im Oktober 2011 verstorben ist und ich ohne Hund nicht leben kann/will, habe ich mir Ende November 2011 aus einem ungeplanten Wurf bei uns im Dorf eine Mischlingshündin (Rotti/Bordeauxdogge) zu mir geholt.

    Jedoch schon am ersten Tag, als sie bei uns „einzog“, hat sie nur Kontakt zu mir gesucht, vielleicht lag es dran, dass die „Züchterin“ auch eine Frau mit dunklen Haaren und leiser Stimme war, so wie ich in etwa aussehe und auch ganz leise zu ihr gesprochen habe. Das ist aber nur so eine Idee.

    Im Laufe der Zeit kristallisierte sich heraus, dass wenn ich das Haus verlasse und sie mit meinem Mann allein zusammen ist, sie nur vor der Tür liegt und wartet, bis ich wieder zurück komme. Leckerlies oder Animation zum Spiel von seiner Seite konnte sie bisher nicht von ihrer „Trauer“ ablenken.

    Lt. der „Züchterin“ war sie diejenige, die von ihren Geschwistern immer geärgert und gebissen wurde und sich nicht traute mitzuspielen, sondern immer in der Ecke eingerollt gelegen und zugesehen hat.

    Sie hat ihren festen Platz im Wohnzimmer, auf dem sie sich auch gerne aufhält. Wenn ich und mein Mann zusammen auf der Couch Fernsehen, dann steht sie ca. alle 5 Minuten auf und will gestreichelt werden. Nach den Streicheleinheiten geht sie wieder zurück auf ihren Platz. Jedoch kann sie da auch nicht entspannen sondern hat immer den Blick auf uns gerichtet und ein Blick zu ihr ermuntert sie wieder, aufzustehen und zu uns zu kommen. Wir vermeiden es also zu unserem Hund zu blicken. Aber auch das hindert sie nicht, diesen ständigen Kontakt aufrecht zu erhalten. Sollte ich für ein paar Minuten den Raum verlassen, fängt sie an, wie ein Tiger im Käfig das Zimmer auf und ab zu gehen, bis ich wieder zurück bin.

    Die Hündin schläft von der ersten Nacht bei mir im Schlafzimmer auf ihrem Kissen am Boden. Da mein Mann oft wochenlang auf Grund seiner Arbeit nicht zu Hause ist, bin ich es, die sie füttert und mit ihr raus geht, also ihre Kontaktperson. Sobald mein Mann zu Hause ist, übernimmt er das Füttern, vor allem aus der Hand, damit sie mehr Zutrauen gewinnt. Aber bisher hat es noch nicht wirklich Früchte getragen.

    Mein Mann hat mittlerweile schon Probleme damit, mit ihr alleine sein zu müssen, da ihn diese ständige Unruhe und das Hin- und Herlaufen bis ich wieder zurück bin natürlich auch verrückt macht. Als Fernfahrer erholt er sich eigentlich nach seiner wochenlangen Fahrt zu Hause, aber durch die ständige Unruhe des Hundes kann er das oft nicht. Wir haben einen großen Garten und selbst wenn er mit ihr im Garten spielen will, läuft sie nur von Zaun bis Terrasseneingang und kann erst dann mit ihm spielen, wenn ich zurück bin und mich mit im Garten aufhalte. Dann erst kann sie das Spiel genießen, aber ohne mich ist sie nur ein nervöser Bündel Hund, der mir so sehr leid tut.

    Ich habe so ein Verhalten auch noch nie bei meinen vorherigen Hunden erlebt. Auch das Zurückschicken auf ihren Platz kann sie nur für ein paar Minuten durchhalten. Dann kommt wieder „ich will jetzt gestreichelt“ werden und ich habe das Gefühl, dass sie vollkommene Verlustängste quälen. Wobei wir ihr nie das Gefühl hierfür vermitteln. Wir schmusen und spielen viel und gehen auch lange Spaziergänge mit ihr, selbst mit Futtersuche im Wald, damit sie auch kopfmäßig gefordert wird.

    Vielleicht hat jemand von Euch eine Idee, damit meine Maus etwas ruhiger wird oder hatte auch schon so einen „Problemfall“ zu Hause.

    Ansonsten ist sie ein Zuckerstück, kommt mit allen Hunden auf der Hundewiese zurecht, spielt ohne Aggression und buddelt liebend gerne nach Mäusen.

    Über Antworten würde ich mich sehr freuen....

  • Hallo,

    Wie benimmt sie sich denn sonst so dir gegenüber? Maßregelt sie dich in irgendeiner Weise?

    Hmmm ich weiß nicht so recht, ob das Trennungsangst oder schlicht Kontrolle ist.
    Vielleicht hat sie den Eindruck, dass sie dich kontrollieren/bemuttern/auf dich acht geben muss, weil du "schwach" bist? Und wenn sie das nicht kann, dann wird sie unruhig. Wenn sie agiert, dann reagierst du (streichelst sie) - sie hat dich also eigentlich gut erzogen. Sie ist im Prinzip der "Big Boss". :???:

  • Zitat

    Sie ist im Prinzip der "Big Boss". :???:


    Sicher das sie mit ihren 7 Monaten "Big Boss" ist?
    Ich finde das man das nicht an einer einzigen Aussage festmachen kann nur weil:

    Zitat

    Wenn sie agiert, dann reagierst du (streichelst sie)

    Wenn TS nun IMMER nur reagieren würde, dann könnte man das wohl evtl gelten lassen, aber das kann man aus dem Text nicht lesen. Einzig die sache mit dem Streicheln.
    Ich streichel den Hund meiner Mutter auch oft als "Reaktion" und dennoch ist er in allen anderen belangen "unter" mir und Respektiert das ICH das sagen bei uns beiden hab (sicher er lebt nicht bei mir sondern bei meiner Mutter, aber der Kontakt ist so häufig das man schon fast von zusammenleben sprechen kann ;) )
    Trixi verhält/verhielt sich Grundsätzlich sehr ähnlich. Sie ist auch absolut auf mich fixiert.
    Als sie noch "alleine" war hat sie sich auch so verhalten wenn ich nicht da war (immer wieder hin und her laufen, fiepen, nie wirklich zur Ruhe kommen obwohl ja noch wer bei ihr war). Wollte mein Mann oder der Sohn mit ihr im Garten spielen -ohne mich- lief sie einmal mit auf die Wiese und hat sich danach vor der Terrassentür geparkt.
    Seit Sally dabei ist verhält sie sich wenn ich nicht da bin zumindest Ruhig (wobei sie zeitgleich auch ihre erste Läufigkeit abgeschlossen hatte, kann also nicht mit Sicherheit sagen ob es an Sally liegt oder daran das sie nun "Erwachsen" ist)...so ruhig das meinem Mann das schon fast unheimlich ist. Bin ich da bewegen sich die Hunde, folgen mir -nicht mehr pausenlos aber je nachdem in welche Richtung ich mich bewege (zB.Terassentür) mal mehr mal weniger- spielen miteinander und lassen sich auch zum Spiel auffordern. Bin ich nicht da liegen sie die ganze Zeit nur auf ihren Plätzen und dösen. "Leben" kommt erst wieder in die Hunde wenn sie hören das das Auto auf den Hof fährt. Mein Mann sagt: "Die sind ´Offline´ wenn du weg bist, die fahren die Systeme erst wieder hoch wenn du wieder kommst" :D
    Ich denke man muss Grundsätzlich gucken ob der Hund wirklich "Big Boss" Allüren hat oder einfach nur unsicher ist, besonders wenn die Bezugsperson weg ist.

  • Vielen Dank für Euere Antworten. Dass mein Hund der Chef ist, würde ich jetzt mal verneinen, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Nachdem sie versucht, ihren Platz zu verlassen, stehe ich auf und schicke sie mit einem konsequenten Blick wieder auf ihren Platz. Dabei zieht sie den Schwanz ein, duckt sich und geht zurück legt sich wieder hin. Dabei kommt es auch hin und wieder vor, dass sie eine kleine Menge Urin verliert. Ihr Tun wird von uns sicher nicht belohnt, aber wie gesagt, ich habe das Gefühl, dass sie immer und immer wieder unsere Nähe sucht, als hätte sie Angst, dass wir sie ausschließen könnten. Sie erinnert mich an meine Tochter mit 4 Jahren, die immer und immer wieder abends das Bett verlassen hat, um bei uns zu sein.

    Kontrollverhalten... dazu möchte ich sagen, dass ich jedes Kontrollverhalten sofort unterbinde, in dem ich die Türe hinter mir zumache und sie gar nicht die Möglichkeit hat, mir zu folgen. Ich weiß aber, dass sie es machen würde. Ein Kontrollverhalten ist also sicher gegeben, nur ob es als "ich steh über Euch und bin der Boss" gewertet werden kann, weiß ich im Moment nicht zu sagen.

    Zudem darf sie einige Zimmer, vorallem die Küche nicht betreten, was auch sehr gut klappt. Nachdem ich nach Hause komme, freut sie sich sehr, schwänzelt um mich herum, ein Anspringen haben wir ihr schon im Welpenalter abgewöhnt, in dem wir sie erst auf ihren Platz geschickt und sie dann erst begrüßt haben, wenn sie sich beruhigt hat.

    Ich wüsste im Moment nicht, was ich falsch gemacht habe in der Erziehung. Sie lebt einfach nur erst dann auf, wenn ich wieder zu Hause bin. Und in der Zeit, in der ich nicht zu Hause bin, leidet sie tatsächlich.

    Liebe Grüße
    Claudi

  • Zitat


    Ich wüsste im Moment nicht, was ich falsch gemacht habe in der Erziehung. Sie lebt einfach nur erst dann auf, wenn ich wieder zu Hause bin. Und in der Zeit, in der ich nicht zu Hause bin, leidet sie tatsächlich.

    Vielleicht hast du ja nicht unbedingt was falsch gemacht: Im Eingangspost hört es sich für mich so an, als hätte sie nicht unbedingt den besten Start ins Lbene bei den "Züchtern" gehabt, wenn sie da ständig gemobbt wurde...wer weiß, vielleicht liegt hier die Ursache?
    Ich würd euch auf jeden Fall empfehlen, dass sich ein kompetenter Trainer das Ganze mal bei euch zu Hause ansieht. Die Kleine scheint ja echt nen ganz schönen Streß zu haben, wenn du weg bist; ihr den zu nehmen, würde euer aller Leben sicher leichter machen.

  • Hallo,

    also meiner Meinung nach stimmt da was absolut nicht.
    Aus der Ferne kann ich das nicht beurteilen, finde es aber schon bedenklich wenn ein Hund wegen eines konsequenten Blickes Urin verliert.

    Meiner Meinung nach sollte da jemand draufschauen der sich damit auskennt und Dir vor Ort weiterhelfen kann.
    Rumdoktern würde ich nicht.

    Liebe Grüße

    Steffi

  • Zitat


    Vielen Dank für Euere Antworten. Dass mein Hund der Chef ist, würde ich jetzt mal verneinen, sondern genau das Gegenteil ist der Fall. Nachdem sie versucht, ihren Platz zu verlassen, stehe ich auf und schicke sie mit einem konsequenten Blick wieder auf ihren Platz. Dabei zieht sie den Schwanz ein, duckt sich und geht zurück legt sich wieder hin. Dabei kommt es auch hin und wieder vor, dass sie eine kleine Menge Urin verliert. Ihr Tun wird von uns sicher nicht belohnt, aber wie gesagt, ich habe das Gefühl, dass sie immer und immer wieder unsere Nähe sucht, als hätte sie Angst, dass wir sie ausschließen könnten. Sie erinnert mich an meine Tochter mit 4 Jahren, die immer und immer wieder abends das Bett verlassen hat, um bei uns zu sein.

    Die arme Maus :sad2:

    Mein Zwerg ist auch unsicher und unterwirft sich sehr schnell, wenn man zu forsch mit ihr umgeht.
    Helfen kann ich euch leider nicht. Ich glaube, ich würde einen wirklich guten Trainer zu Rate ziehen. Das ist ja kein Leben für die Hündin, wenn sie ständig total verunsichert ist.

    Darf sie denn auch mal bei euch liegen? Muss ja nicht am Sofa sein, aber vielleicht bei euren Füßen oder dass ihr euch zu ihr setzt, wenn sie den Körperkontakt braucht?

  • Habe mir Eueren Rat zu Hilfe genommen und eine Hundetrainerin zu mir nach Hause geholt. Sie war am Ende der Meinung, dass mein Hund sehr durch das Mobbing seiner Geschwister gelitten hat und sie sehr intelligent ist, dass sie das in Zukunft vermeiden möchte. Das ständige Hin- und Herlaufen und Kontakt zu uns suchen, liegt daran, dass sie definitiv Angst hat, uns zu "verlieren" und versucht durch ihr ständiges in Kontakt treten sicher zu stellen, dass wir für sie da sind. Es ist natürlich im Moment für uns schwierig, ihr Dinge nicht zu gestatten mit diesem Hintergrund. Die Hundetrainerin hat mir geraten, mich für ca. 20 Minuten auf den Boden zu setzen, während ich und mein Mann Fernsehen, und ich ihr all meine Aufmerksamkeit gebe. Danach soll sie bei jedem Versuch zu uns zu kommen, auf ihren Platz geschickt werden. Jetzt wollen wir mal schauen, meiner Maus ein wenig Selbstbewusstsein einzuflösen.

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