Bitte um eure Hilfe bei meinen 2 Problemen

  • Hallo,
    ich hoffen ihr könnt mir weiterhelfen.

    Ich habe einen 1,5 jährigen sehr quirligen Mischlingsrüden.
    Bis vor ungefähr 1 Monat hat er draußen super gehört.
    An der Leine konnte er Fuss gehen und wenn er frei war, war er auch abrufbar.

    Seit ein paar Wochen hat sich die Situation leider verändert.
    Problem 1:
    An der Leine knurrt er jetzt manche andere Hunde an. Selbst wenn er sie auf der anderen Straßenseite sieht.

    Ich reagiere so: Sobald ich einen anderen Hund an der Leine sehe, gebe ich den Befehl "Fuss".
    Wenn er den Anderen dann sieht zieht er hin und fängt an zu knurren. Dann krieg ich ihn weder mit
    Leckerli noch mit seinem Lieblingsspielzeug abgelenkt.

    Ich schimpf dann: "Nein, hör auf." und versuch möglichst schnell vorbei zu laufen. Aber es passiert immer wieder. Wie verhalte ich mich in so einer Situation richtig??
    Vorbei gehen und gar nichts sagen? Stehen bleiben und ihn sitz machen lassen? Ich bin so ratlos. Wahrscheinlich mach ich unbewusst irgendetwas falsch.

    Nicht alle Hunde an der Leine knurrt er so extrem an. Vor ein paar Tagen war ein anderer an der Leine und er hat nichts gemacht. Wir haben sie dann kurz beschnüffeln lassen und auf einmal fing er an und wollte sogar nach dem anderen schnappen. Ich hab mein Hund nicht wieder erkannt, war wirklich bisschen geschockt. Eigentlich hat er sich immer mit allen verstanden und sich immer unterworfen, wenn was war.

    Problem 2:

    Abrufen lässt er sich draußen leider auch nicht mehr so gut wie vor ein paar Wochen. Er ignoriert mich oft, weshalb ich jetzt seit ein 2 Wochen mit der Schleppleine raus gehe und auch sein Essen mitnehme.

    Meine Frage an euch: Kann sein Verhalten draußen auch teils daran liegen dass er zu hause einfach zu viel darf??

    Wir schauen oft Martin Rütter und er sagt ja dann auch, der Hund darf nicht mehr ins Bett,
    nicht aufs Sofa, bekommt nichts vom "Menschenessen", weniger Aufmerksamkeit und
    Streicheleinheiten.

    Wir wollen das jetzt umsetzen und hoffen bald wieder Fortschritte statt Rückschritte zu machen.

  • Könnte gut sein das der junge Kerl pubertiert und nochmal ausprobiert ob er nicht doch die Weltherrschaft an sich reissen kann. Und zu MR ein Zitat einer von mir hochgeschätzten Hundetrainerin: "wenn ich echte Eheprobleme hätte würde ich auch nicht zu Mario Barth gehen"

  • Ja, der junge Mann wird erwachsen, pubertiert und testet nochmal aus, wie Kinder halt auch. Da musste jetzt durch mit viel Liebe und Konsequenz.

    Zu Problem Nr. 1 kann ich Dir diesen Thread empfehlen: https://www.dogforum.de/zeigen-und-ben…nennen#p9525052. Hat bei uns super funktioniert und meine hat nicht nur geknurrt sondern stand kläffenderweise auf 2 Beinen in der Leine.
    Außerdem würde ich keinen Kontakt mehr an der Leine zulassen. Lola macht das auch: kurz schnuffeln, gefällt ihr der andere nicht, wird sie auch ätzend - ergo keinen Kontakt mehr (sie verhält sich so allerdings auch im Freilauf).

    Zu Problem Nr. 2: SL ist eine gute Wahl und zwar solange, bis der Rückruf wieder sitzt. Das wird er schnell lernen und dann kann er wieder frei laufen.

    LG Marion

  • Ich kann mich Marion voll anschließen, bin auch kürzlich auf den Thread *zeigen und benennen* gestoßen und fand das sehr einleuchtend. Bin momentan erst dabei meinen Hund an das "clickern" zu gewöhnen, weil man das natürlich erstmal sicher konditionieren muss, bevor man bei anderen Hunden starten kann. Lese dazu das Buch "Mein Clickertraining" von Martin Pietralla, das ist wirklich super (allerdings sehr umfassend - es gibt glaube ich auch noch kürzere Bücher von ihm). Er gibt den gleichen Tipp wie in *zeigen und benennen* dargestellt und erklärt eine Menge dazu wie Hunde lernen und warum.

    Ohne es zu wissen, habe ich mich bei meinem jetzt 6-jährigen Labrador-Mix (Tierheimhund, kannte gar nichts als wir ihn mit 5 Jahren bekommen haben) genauso kontraproduktiv verhalten wie du es beschreibst - "Fuß" verlangt, geschimpft, ggf an der Leine geruckt etc. Vor allem das Schimpfen und Leinenrucken verstärkt allerdings die Leinenaggression noch mehr, was ich nicht wusste. Der Hund verknüpft dann u.U., dass sein Frauchen schimpft und Stress hat, wenn er angeleint andere Hunde trifft. Also verhält er sich zunehmend gestresst / aggressiv, sobald er angeleint andere Hunde sieht. (Weitere Buchempfehlung: Clarissa v. Reinhardt, "Leinenaggression" - das is kurz und knackig :-))

    Als Übergangs- / Erstmaßnahme: Meine Hundetrainerin hat mir empfohlen zunächst immer mal einen möglichst großen Bogen (je nach Weg) zu laufen, der Hund geht möglichst auf der dem anderen Hund abgewandten Seite. Du wendest deinen Körper ebenfalls vom anderen Hund etwas weg (dem Bogen entsprechend). Damit signalisierst du dem Hund zumindest nicht "Angriff", wie ggf. beim frontalen draufzulaufen, sondern "beschwichtigst". Wenn er schon soweit ist, dass er Leckerlies nicht mehr nimmt, bleibt dir für den Übergang wohl nicht viel mehr. Prinzipiell ist es immer am besten, die Entfernung (also den Bogen) möglichst so groß zu wählen, dass der Hund noch keinen Stress hat - dann klappt es bei meinem schon ganz gut. Wenn der Weg zu eng ist - möglichst zügig und kommentarlos aus der Situation raus - egal was der Hund macht. Oder besser umdrehen und woanders lang laufen, wenn das geht. Jedes mal wo der Hund pöbelt verstärkt sich prinzipiell die Leinenaggression.

    Zum zweiten Problem:
    Ich hatte bei meinem Hund auch das Problem, dass er erstmal alles mit Begeisterung gelernt hat und dann eine Phase kam, in der wir wieder Rückschritte in der Abrufbarkeit gemacht haben. Ich habe dann auch im Training wieder da angesetzt wo ich schonmal war - bei der Schleppleine und einem genauso ruhigen und konsequenten Training wie zu Beginn. Nach wenigen Tagen / Wochen war er plötzlich wieder "der Alte" und hat plötzlich noch besser und zügiger gehört als zuvor. Bei deinem Hund kommt sicher die Pubertät hinzu, meiner hat sich wohl nochmal überlegt ob das mit dem Hören wirklich so sein muss, es ging bei den Vorbesitzern ja schließlich auch 5 Jahre ohne ;-)

    Ich find den Rütter ganz gut und bei meinem Hund waren feste Regeln (nicht aufs Sofa, nichts vom Tisch etc.) auch gut. Er war anfangs Menschen gegenüber aggressiv und das hat sich mit einer solchen konsequenten Erziehung völlig gelegt. Ich denke aber dass es weniger auf "welche Regeln" ankommt, sondern darauf dass es welche gibt und dass man sie ruhig und konsequent durchzieht.

    Sorry für den Roman, nicht aufgeben - ihr schafft das!!

  • Zitat


    An der Leine knurrt er jetzt manche andere Hunde an. Selbst wenn er sie auf der anderen Straßenseite sieht.


    Wenn er den Anderen dann sieht zieht er hin und fängt an zu knurren. Dann krieg ich ihn weder mit
    Leckerli noch mit seinem Lieblingsspielzeug abgelenkt.

    Ich schimpf dann: "Nein, hör auf." und versuch möglichst schnell vorbei zu laufen. Aber es passiert immer wieder. Wie verhalte ich mich in so einer Situation richtig??
    Vorbei gehen und gar nichts sagen? Stehen bleiben und ihn sitz machen lassen? Ich bin so ratlos. Wahrscheinlich mach ich unbewusst irgendetwas falsch.

    Hallo,

    versuche vorher die Aufmerksamkeit (Spieli, Leckerlie) auf dich zu lenken.
    Wenn er erst mal den dicken Max macht, ist er wahrscheinlich schon nicht mehr ansprechbar und jeglicher Versuch, mit einem "Nein" - oder "Aus"-Kommando stachelst du ihn noch mehr an.


    Zitat

    Nicht alle Hunde an der Leine knurrt er so extrem an. Vor ein paar Tagen war ein anderer an der Leine und er hat nichts gemacht. Wir haben sie dann kurz beschnüffeln lassen und auf einmal fing er an und wollte sogar nach dem anderen schnappen. Ich hab mein Hund nicht wieder erkannt, war wirklich bisschen geschockt. Eigentlich hat er sich immer mit allen verstanden und sich immer unterworfen, wenn was war.

    Leinenkontakte würde ich grundsätzlich nicht zulassen.

    Dein Hund wird erwachsen - handelte es sich bei dem anderen Hund auch um einen Rüden?

    Zitat

    Problem 2:

    Abrufen lässt er sich draußen leider auch nicht mehr so gut wie vor ein paar Wochen. Er ignoriert mich oft, weshalb ich jetzt seit ein 2 Wochen mit der Schleppleine raus gehe und auch sein Essen mitnehme.

    Meine Frage an euch: Kann sein Verhalten draußen auch teils daran liegen dass er zu hause einfach zu viel darf??

    Wir schauen oft Martin Rütter und er sagt ja dann auch, der Hund darf nicht mehr ins Bett,
    nicht aufs Sofa, bekommt nichts vom "Menschenessen", weniger Aufmerksamkeit und
    Streicheleinheiten.

    Wir wollen das jetzt umsetzen und hoffen bald wieder Fortschritte statt Rückschritte zu machen.

    Das Nichtbefolgen des Rückrufkommandos hat nichts mit den Lebensgewohnheiten zu Hause zu tun.
    Allerdings ist es so, wenn ein Hund zu Hause quasi alles auf dem Silbertablett serviert bekommt, wie z.B. Streicheleinheiten, Futter, Kauartikel, ständige Ansprache, wenn man auf alles eingeht, was der Hund einfordert, ist er gesättigt - draußen macht er dann sein Ding, er braucht dich weniger, da er schließlich genug verwöhnt wird.
    Aber das alleine lässt den Rückruf nicht scheitern, es kommen noch andere Ursachen hinzu:
    Dein Hund befindet sich in einem Alter, in welchem der Hund zum Hund wird.
    Er wird eigenständiger, der Radius und das Interesse an anderen Dingen wird größer bis riesig.
    Sprich:
    Andere Dinge motivieren ihn höher als du ihn.
    Das bedeutet, dass du ihn wieder für dich gewinnen musst.
    DU musst dich interessanter machen, auch die Motivation, alles stehen und liegen zu lassen, wenn du deinen Hund rufst, muss höher als alles andere sein.
    Das schaffst du nicht, wenn du ihn nur mit normalem Hundefutter belohnst, womit sein Napf sowieso regelmäßig gefüllt wurde.
    Packe dir Besseres in die Taschen, belohne variabel, gute Leckerlies (Fisch, Käse, Fleischwurst...) oder auch ein Spiel.
    Dann musst du ihn richtig anfeuern, wenn er kommen soll, also nicht monoton rufen.
    Richtig freudig, außerdem musst du erst die Aufmerksamkeit erhalten, bevor du rufst, bekommst du sie nicht, rufe ihn erst gar nicht.
    Renne immer in die entgegengesetzte Richtung, dabei motivieren, anfeuern...
    All das vorerst an der Schleppleine.

    Zitat

    Könnte gut sein das der junge Kerl pubertiert und nochmal ausprobiert ob er nicht doch die Weltherrschaft an sich reissen kann

    Das glaube ich nicht!

    Gruß
    Leo

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