Wie Bindung und Vertrauen stärken, Rückruf aufbauen?

  • Hallo ihr,

    in einem anderen Thread habe ich bereits von unserem Problem berichtet.
    Ich habe Luna nun mehr als zwei Jahre und wir haben von Anfang an mit positiver Verstärkung trainiert, verschiedene Hundeschulen besucht, uns auf die Begleithundeprüfung vorbereitet und waren nun 1,5 Jahre bei einer Hundeschule die mir sehr gut gefiel (arbeiten mit Clicker, Futterbeutel usw). Im Grunde war ich zufrieden mit Lunas Erziehung, obwohl wir natürlich unsere Probleme hatten (z.B. alles draußen fressen,...). Da ich neugierig war habe ich dann die Methode der Harmonilogie ausprobiert, ein Seminar besucht, das Buch gelesen, Einzelstunden gehabt. Schnell habe ich gemerkt, dass mir die Methode keine Spaß macht, doch ich wollte nicht einfach so "aufgeben" und dachte ich muss Luna und mir einfach Zeit geben die "neue Sprache" zu lernen. Nur leider wurde es immer schlimmer, zwar klappt die Leinenführigkeit, doch der Rückruf klappt überhaupt nicht mehr. Wenn ich Luna mal ohne Leine laufen lasse macht sie was sie möchte, orientiert sich überhaupt nicht mehr an mir. Das war früher kein Problem.

    Luna ist ein eher unsicherer Hund. Ich habe gestern lange mit meiner bisherigen Trainerin (von meiner "alten" Hundeschule, vor der Harmonilogie) telefoniert, sie kennt auch die Methode der Harmonilogie, hat das früher mal selbst praktiziert. Sie sagt, Lunas Bindung hätte wahrscheinlich gelitten. Luna kommt vielleicht deswegen nicht mehr zu mir, weil sie Angst vor "der Strafe" hat, wenig Vertrauen hat... Ich hatte mir sowas auch schon gedacht, wahrscheinlich war ich "zu hart" zu ihr, sie kannte doch vorher nur die positive Verstärkung... Luna ist verunsichert und ich muss mir nun ihr Vertrauen und die Bindung zurück erarbeiten.

    Natürlich habe ich schon ein paar Ideen wie ich das machen möchte und auch die Unterstützung der Hundetrainerin, aber vielleicht habt ihr ja Ideen wie ich wieder das Vertrauen erarbeite und den Rückruf aufbaue?
    Momentan lobe ich Luna sehr viel, clickere jeden Blickkontakt den sie draußen aufnimmt, wenn sie zu mir kommt etc.. Wir üben mit dem Futterbeutel (das liebt sie, wir durften das ja in der Harmonilogie auch nicht), ich verstecke Leckerchen, wir spielen, kuscheln. (Wobei wir das Spielen & Kuscheln natürlich immer schon gemacht haben... :)) Beim Rückruf gehe ich so vor, dass ich Luna nur dann rufe wenn ich mir sicher bin das sie kommt oder wenn sie ohnehin schon auf mich zuläuft. Und dann gibt es Party, Leckerchen oder Futterbeutel.

    Kann ich sonst noch was machen, damit die Bindung wieder stärker wird? Und wie reagiere ich wenn Luna mal den Rückruf ignoriert? Kommentarlos anleinen? Schimpfen? Ignorieren? Wenn ich Luna rufe und sie nicht kommt, noch eine Weile "ihr Ding macht" (z.B. buddeln, schnüffeln) und dann zu mir kommt, dann kann ich ja schlecht schimpfen, oder?

    Ach, ich hab das Gefühl wie fangen wieder bei 0 an. Aber ich bin ja selber Schuld, ich hoffe nur dass wir das schnell wieder in den Griff bekommen.

  • Ich habe dir schon im anderen Thread geantwortet, lies dich in den doppelten Rückruf ein. Am wichtigsten ist jetzt Lunas Motivation, es soll ihr (und dir) wieder Spass machen! wenn du dich mal verschätzt, und rufst oder pfeifst, wenn sie noch zu abgelenkt ist, dann keinenfalls aversiv werden! Entweder du machst es ihr leichter, indem du aus der halben distanz nochmals rufst, oder du sammelst den Hund ein, nimmst ihn mit, fokussierst ihn wieder auf dich mit einigen leichten Aufgaben, und machst dann einen leichten Rückruf, der garantiert klappt. An Orten, wo du dir das warten auf günstige Momente zum Rückruf nicht leisten kannst, führ sie an der Schleppleine, bzw. nimm diese auf. Benutze sie aber ja nicht, um den Hund heranzuziehen, sie soll nur Selbstbelohnung durch abdüsen verhindern.

    Ihr kriegt das hin, Luna wird sich wieder an das Gelernte erinnern, sie ist jetzt bloss stark verunsichert, weil sie nicht mehr weiss, was sie von dir zu erwarten hat. Bindung stärkt sich ganz automatisch durch gemeinsames Tun, mach vielleicht "sinnlose" Tricks, das macht euch beiden Spass, und es ist kein Druck dabei, weil sie ja unwichtig sind. :smile:

  • Ach ja, und noch was: leg dir einen "Gummi-Rückruf" für den Alltag zu, ein Signal, das bloss heisst "komm mal wieder in meine Nähe, wenn du mit wichtigerem fertig bist". Bei mir hat sich da "this way" fast von selber konditioniert, immer zumindest verbal bestätigt, absolut Null druck drauf, der Hund darf fertig pinkeln, schnüffeln, gucken.... Ich war selber platt, wie zuverlässig Jagdgeier Splash nach kurzer Zeit in meinem Dunstkreis auftaucht! :D So habe ich keinen stress mit Rückrufen, die nicht so oberdringlich sind, und kann den flotten Rückruf sparen für geeignete Momente im Aufbau.

  • für einmal "Strafe" muss es hundertmal "Lob" geben, sonst wirds kontraproduktiv.


    Wahrscheinlich hat schlicht das Verhältnis bei dir nicht gestimmt.

    Ich glaube nicht, dass Luna das Vertrauen zu dir verloren hat, aber du hast sie wahrscheinlich demotiviert und ich glaube auch nicht, dass es an der Methode als solcher liegt, sondern daran, wie du sie anwendest.

  • Ich will ehrlich sein, ich finde das immer sehr befremdlich, wenn ich solche Threads lese.

    Mal zusammen gefasst, wie es bei mir ankommt:
    "Hund kriegt kein Leckerlie mehr, deshalb hört er plötzlich nicht mehr"

    Sprich, der Futterspender ist "geizig" geworden und Hund denkt sich, dann mach ich meinen Schei** halt allein.

    Darf ich fragen, wie lange Du mit ihr den Rückruf noch trainieren willst, also mit dem ganzen Leckerlie Kram??
    Ich kenne es so, dass es trainiert wird, dann wird der Futterkram abgebaut und gut ist.
    Ich meine, sie ist 2 Jahre alt und hat keinen gefestigten Rückruf?

    Meine Große hat gejagt, sehr extrem gejagt. Da sie ihre Umwelt inkl. mich ausgeblendet hat, wenn sie auf Jagd ging, lief sie an der Leine. Ohne wenn und aber, weil sie eine Gefahr für die Umwelt und sich darstellte.

    Bei Dir lese ich raus, Hund hat viel zu oft Erfolg damit, dass sie nicht das macht, was Du willst.
    Und, auch wenn Du das nicht lesen möchtest, dass liegt nicht an der HarmoniLogie oder sonst was, sondern an Dir.

    Du bist draußen der Futterspender, der Beutelwerfer, der Hund-Bespaßer und das war auf einmal vorbei, also hat sie keinen Bock mehr zurück zu kommen.

    Das sind meine Gedanken dazu ;)

  • Zitat

    Ich will ehrlich sein, ich finde das immer sehr befremdlich, wenn ich solche Threads lese.

    Mal zusammen gefasst, wie es bei mir ankommt:
    "Hund kriegt kein Leckerlie mehr, deshalb hört er plötzlich nicht mehr"

    Sprich, der Futterspender ist "geizig" geworden und Hund denkt sich, dann mach ich meinen Schei** halt allein.

    Darf ich fragen, wie lange Du mit ihr den Rückruf noch trainieren willst, also mit dem ganzen Leckerlie Kram??
    Ich kenne es so, dass es trainiert wird, dann wird der Futterkram abgebaut und gut ist.
    Ich meine, sie ist 2 Jahre alt und hat keinen gefestigten Rückruf?


    Man mag es befremdlich finden, aber mit weiterer Verunsicherung hilft man einer ohnehin unsicheren HH nicht.... Warum sie von einem im grossen Ganzen recht gut funktionierenden Weg weggegangen ist und sich einem strafbasierten Training zugewandt hat, weiss ich auch nicht genau - vermutlich wegen genauso Stimmen, die verächtlich von Leckerlikram sprechen. Sie hat es ausprobiert unter kundiger Anleitung, und es hat sich herausgestellt, dass es für sie und ihre Hündin gar nicht passt. Nun will sie wieder zurück zu dem schon Erreichten, zu Methoden, mit denen sie sich wohl fühlt. Sollte man da nicht helfen, dass sie die zu ihr passenden Methoden besser und effizienter umsetzen kann, als wieder zu verunsichern, wieder zu zweifeln zu lassen, hin und her zu schwanken lassen zwischen verschiedenen Ansätzen? Bei jemandem, der so wenig Vertrauen in sein eigenes Bauchgefühl hat? Sie hat einen Fehler gemacht, will nun den Schaden reparieren, und du versuchst, das zu torpedieren? Sie hat eine hoffentlich endgültige Entscheidung getroffen, WIE sie mit ihrem Hund umgehen möchte, und die Entscheidung ist gegen ein Gehorchen aus Angst vor Strafe gefallen. Das ist keine abstruse Idee, das kann erwiesenermassen sehr gut funktionieren, wenn es konsequent umgesetzt wird. Bei der Umsetzung braucht sie jetzt Hilfe und Unterstützung (neben der ihrer Trainerin), und die besteht nicht in einfach draufhauen.

    Wenn du das Eingangsposting richtig gelesen hättest, wüsstest du, dass der Hund nicht einfach "keinen Bock" hat, zu kommen. Ihm wurde die Motivation aktiv kaputt gemacht, das Zurückkommen gehemmt wegen ständiger aversiven Einwirkungen. Egal ob die Harmonilogie bei andern Gespannen funktioniert, hier tat sie es gar nicht, und ich bin grad etwas fassungslos, dass man die Abwendung von einer Methode, die in der praktischen Umsetzung solche Rückschritte bewirkt hat, verdammt.....

    PS: Bei meinen Jagdnasen erwarte ich nie, dass ein einmal aufgebauter Rückruf ohne weitere Pflege ewig funktioniert. Sie sollen gerne kommen, kommen wollen, nicht aus Angst vor Strafe. Daher sorge ich für freudige Motivation. Irgendwann ist auch viel Gewohnheit dabei, aber Anerkennung poliert den Rückruf ganz spektakulär, und kostet mich kaum was.

  • Naijra, ich bin von Deinen Beiträgen immer wieder beeindruckt und mag auch selten dagegen sprechen.

    Aber diesmal schon.
    Die TS hat sicherlich kein Bauchgefühl mehr, da gebe ich Dir recht.
    Seit ich von ihr lese, ist der Hund eine "Baustelle" ob in der Erziehung oder bei der Gesundheit.
    Die Gesundheit ist sehr unschön und die Erziehung ist sicherlich auch nicht toll.

    Aaaaaaaaaaber, die Motte ist jetzt 2,5 Jahre alt.
    Sie hat 1,5 Jahre nach der Clicker-Methode trainiert und der Rückruf funktionierte so lala, also nie wirklich gut. Und eigentlich auch nur gut, wenn der Futterbeutel bzw. das Futter gelockt hat.
    So lese ich es raus, auch in dem anderen Thread.

    Der Anreiz zum Frauchen zu kommen ist nicht das Frauchen, sondern nur das Futter.
    Natürlich kann man so arbeiten, dann füttere ich für immer draußen, wenn mein Hund genug Hunger hat, dann wird er auch zu der Zeit zuverlässig kommen.

    Aber ich schweife ab.
    Die Frage wäre doch, wenn ich schon 1,5 Jahre mit der Clicker und Futter Methode arbeite, aber keinen Rückruf habe, mit dem ich zufrieden bin, dann stellt sich doch die Frage, wie lange soll das bitte dauern??
    Ich habe noch einige Threads von ihr im Kopf und der Rückruf ist schon immer ein großes Problem und da hat auch Futter bisher nicht so "gewirkt" wie es vielleicht sollte.

    Wie gesagt, sind nur meine Gedanken und ich möchte auch niemanden verunsichern, denn jeder hat mal angefangen und meine Hunde sind keineswegs perfekt.
    Ich möchte einfach nur zum Nachdenken anregen, ob ihr Hund nicht besser seltener mit Futter belohnt werden sollte, sondern mit anderen Anreizen. =)

  • Ich möchte nochmal was dazu schreiben.

    Ich kenne nur die DVD´s von A.K. die ich sehr eindrucksvoll finde.
    Sie zeigt Hunde in ihrer ursprünglichen Form. Bei ihr sind es überwiegend BC´s, die sie für ihren Hof für die Arbeit braucht. Entsprechend muss das Gehorsam stimmen, denn das ist wichtig, um das Vieh und die Hunde zu schützen.

    Ihre "Methode" zeigt also nicht, das Familienmitglied in dem Sinne, die wir hier im DF so kennen, sondern den Hund an sich. Der Hund, der sich unserem Alltag anpassen muss, da er darin lebt.
    Nicht immer ist es so, dass die Halter damit umgehen können, finde ich aber nicht so schlimm, denn es gibt ja genügend Wege.
    Aaaaaaaaaaaaber wenn ein Hund nicht auf den Rückruf hört, dann hat der Halter ein sehr großes Problem.

    Bedeutet, ob nun nach A.K. Methode oder mit dem Clicker. Solange der Hund nicht auf den Rückruf hört, gehört dieser Hund, bei mir!!, an die Leine.
    Meine Große lief 7 Jahre an der Leine. Ich habe auch viele Fehler gemacht. I-Net gab es zur damaligen Zeit begrenzt, so ein gutes Forum wie das DF gab es noch nicht.
    Ich habe über viele Jahre einfach resigniert, habe gedacht, mein Hund kann niemals ohne Leine laufen.
    Doch, sie konnte und sie ist die letzten 4 Jahre ihres Lebens ohne Leine gelaufen.
    Was habe ich getan. Ich habe meinem Hund das gegeben, was sie brauchte. Sie brauchte ein Ventil, bei Dusty war es das Jagen. Natürlich ging das nicht einfach so, entsprechend haben wir etwas gesucht. Sie durfte nach Mäusen buddeln.
    Was genau Luna als Motivation braucht, kann ich nicht beurteilen, aber ob es wirklich nur die Futtermotivation sein muss, kann ich mir nicht vorstellen.

    Interessant wäre, was macht Luna sonst noch? Wenn sie gerne apportiert, apportiert sie auch richtige Dummys? Könnte man sie so auch motivieren?
    Ich lese einfach zuviel von Futter und das stößt mir persönlich einfach auf.
    Und ja, ich persönlich finde es zu lange, wenn nach 1,5 Jahren der Rückruf nicht sitzt. =)

  • Ich glaube, dass Dir Deine eigene Verunsicherung im Weg steht und es deshalb nicht klappt. Der Hund spiegelt meistens seinen Besitzer wieder. (ist bei uns jedenfalls so ;) )

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