Soll er eingeschläfert werden ?

  • Hallo,

    ich traue mich mal, die Situationen (laienhaft, nur aufgrund deiner Schilderungen) zu deuten.

    Situation 1:
    1. Freund geht zum Kofferraum, beugt sich, um die Leine nehmen zu können, ungeschickt über den Hund, Hund ist dadurch verunsichert, kann aus Platzmangel nicht ausweichen, einzige Möglichkeit der "Bedrohung" (die dein Freund für ihn durch das Eindringen in die Individualdistanz/ durch das "bedrohliche" Beugen über ihn/ ... darstellt) zu entkommen, sieht der Hund im Nachvornegehen, letzte Konsequenz: der Hund schnappt.

    2. Freund geht (zu achtlos) zum Kofferraum, Hund erkennt ihn nicht gleich als Bekannten, Hund will das Auto vor dem "Fremdling" verteidigen, Konsequenz: der Hund schnappt.

    Situation 2:
    1. Hund hat eine Ressource ergattert, du, die er nicht als "überlegend, ressourcenverwaltend" (ich vermeide es bewusst, solche Sachen wie Rangordnung etc. einzubringen, da die Meinungen darüber durchaus konträr sind) versuchst, ihm die Ressource abzunehmen, Hund lässt sich das nicht gefallen, warnt (!) dich durch Knurren deutlich, ihm nicht näher zu kommen (Knurren ist auch ein Kommunikationsmittel!), du kommst ihn (wenn auch durch einen "Stock") näher, dringst in seine Individualdistanz ein, Hund nutzt, nachdem du alle seine Warnungen ignoriert hast, das letzte Mittel, um dich daran zu hindern, näher zu kommen, Hund schnappt.

    Das sind, meiner Meinung nach, je nach Charakter/ Erfahrungen des Hundes, vollkommen normale Gründe für Aggressionen.
    (Wie gesagt, da ich in den Situationen nicht dabei war, stelle ich mir nur ein passendes Szenario vor.)

    Bitte sucht auch einen Hundtrainer, der euch hilft, euren Hund besser einschätzen zu können und seine Reizschwelle, wenn möglich, zu erhöhen und hört bitte auf, ihn in Situationen zu bringen, in denen er keine andere Möglichkeit sieht, außer zu Schnappen.

    Wenn die Angst vor dem Hund überwiegt, sollte eine Abgabe in Betracht gezogen werden/ erfolgen.

    Grüße, Grimaldi

  • Gründe für Aggressionen sind ja vielfältig, Ressourcenverteidigung ist nur einer. Gerade Angst und Unsicherheit sind auch Gründe!! Im Kofferraum hat der Hund keine Möglichkeit auszuweichen, hat sich ggf. bedroht gefühlt, durch welchen Teil der Handlung eures Bekannten auch immer. Auch das ins Zimmer kommen und ihn auffordern etwas zu lassen kann eine Bedrohung für den Hund sein. Er merkt ja schließlich deine Stimmung in dem Moment und die wird sicher nicht freudig gewesen sein, als du gesehen hast, dass er was tut, was er nicht soll. Außerdem hatte er was zu fressen, also eine Ressource. Und durch den Stock hast du ihn ja noch stärker bedroht! Bei einem Hund mit solch einer schlimmen Vergangenheit, sind oft kleine Dinge schon eine massive Bedrohung! Und Phasen wo es euch mehr auffällt können natürlich durch äußere Umstände (zum Beispiel Hund hat an dem Tag viel Streß gehabt) oder körperliche Gegebenheiten (Schmerzen, Übelkeit, ...) verstärkt werden.
    Es scheint so als wärt ihr ziemlich überfordert mit einem Hund, der solch eine massive Vergangenheit hat. Ich kann durchaus auch gut nachvollziehen, dass man bei solch einem Verhalten Angst entwickelt und das auch nicht gerade förderlich für das gemeinsame zusammenleben ist. Ein Grund ihn deshalb euthanasieren zu lassen ist das aber nicht. Der Hund hatte in seinen Augen in den geschilderten Situationen durchaus einen Grund zu drohen/nach vorne zu gehen. Entweder solltet ihr euch entscheiden einen sehr kompetenten Trainer hinzuzuziehen, der den Hund begutachtet und ohne Zwang arbeitet oder aber tut euch und dem Hund den Gefallen und sucht ihm Menschen, die Wissen wie man mit solchen Verhaltensweisen umgeht....

  • Du bitte gebt dem Hund eine Chance auf ein neues Leben und schläfert ihn nicht ein. Bitte.

    Mein Rüde war sogar schlimmer als ich den aus dem Tierheim übernommen hab. Er wurde ausgestezt, was keine feine art ist, da ich nichts von seiner Allergie wusste und nichts von seinem Jagdtrieb und nichts von einer krankheit die er hat.
    Trotzdem hätte ich ihn genommen, auch wenn ich von all dem gewusst hätte. Es wäre nur viel leichter gewesen, wenn ich diese Angaben durch die Vorbesitzer schon gehabt hätte.

    Mein Rüde hat jeden gebissen, der ihn anfassen wollte. Der ging ab wie eine Bestie bei seinem ersten Tierarzt Besuch, wollte jeden im Raum zerfetzen. Da hat ich den noch nur mit Pflegevertrag und hät den sofort zurück ins Tierheim bringen können. Der hat alles zusammengeschrien, wenn er mal kurz nicht beachtet wurde. Als ich den paar Monate hatte, hat ich mal eine Situation wo ich den grad noch in den Flur sperren konnte und dort saß er dann und Knurrte mich jedesmal an, wenn ich die Tür nen Spalt aufgemacht hab.

    Aber ich bin jetzt das richtige Zuhause für diesen Hund. Hab den Stinker jetzt schon 1 1/2 jahre, der Hund ist mit dem Hund der er früher war nicht mehr zu vergleichen.

    Waren vor kurzem meinen Neffen besuchen und er war der liebste Hund der Welt(lies sich von Kleinkind betatschen und begrabbeln ohne zu beißen).Gestern hab ich ne Shopping Tour gemacht mit dem und der legte sich nach 2 Stunden Shopping gelangweilt in der Umkleide vom New Yorker von selbst hin.

    Das kam nicht von selbst, hab jedes einzelne problem mit dem Trainiert. Das er sich anfassen lässt, das er in der Öffentlichkeit nicht alles zusammenbellt, das er niemanden Angreift, das er mich nicht Angreift... .

    Das Training ist nach 1 1/2 Jahren noch lange nicht vorbei, da steckt noch viel mehr in dem Hund was der drauf hat.

    Schläfert den nicht ein! Gebt ihn bitte ins Tierheim und gebt dem Hund eine Chance.

    Ihr seid einfach die falschen Besitzer für diesen Hund, gebt ihm eine Chance einen Menschen zu finden der wirklich passt.

  • Nachdem, was ich aus Deinem Text interpretiere gehe ich davon aus, dass euer Hund auf Grund der vergangenen Erlebnisse das Vertrauen zum Menschen schlichtweg verloren hat.

    Ein "Rudelfremder" geht ans Auto, er kommt nicht weg..Angriff ist die beste Verteidigung

    Er hat sich Beute ergattert und Du machst sie ihm streitig. Er warnt "Komm nicht näher, das ist meins! Das hab ich mir ganz allein erworben!", Du bedrohst ihn auch noch. Was bleibt dem Hund dann anderes übrig? Wieder: Angriff ist die Beste Verteidigung.

    Einen Hund einschläfern zu lassen, weil seine Besitzer ihn nicht richtig lesen können...sorry, ich hätte spätestens nach solch einem Vorschlag den Tierarzt gewechselt....

    Letztendlich vermute ich, dass euer Hund kein Vertrauen zu euch hat und genau DA muss angesetzt werden
    (Habe selbst einen "futteraggressiven" Hund zu Hause...und da ging das schon mit 13 Wochen los. Ist ein hartes STück arbeit, aber kein unüberwindbares Hindernis)

  • Wollte noch gerne erwähnen, wenn man einen Hund ins Tierheim bringt muss man sich ja nicht selbst schlecht reden.

    Wichtig sind das Alter des Hundes, Gesundheitliche Probleme, Verträglichkeit mit Artgenossen, ob an Katzen oder Kleintiere gewöhnt, eventuell ob der Hund mit Kleinkindern oder Kindern generell klarkommt. Einen Impfausweis vom Hund zu haben ist auch schön für den neuen Besitzer, aber kein muss.

    Das wars dann auch schon, dann seid ihr den Hund los ohne ihn getötet zu haben und braucht auch kein schlechtes gewissen haben dafür.

    Wenn ihr den Hund mal in der Stadt oderso wiederseht und der neue Besitzer und der Hund glücklich aussehn, wisst ihr das sich ein Topf und ein Deckel gefunden haben, weil ihr die courage besessen habt den abzugeben.

  • Zitat

    Wollte noch gerne erwähnen, wenn man einen Hund ins Tierheim bringt muss man sich ja nicht selbst schlecht reden.

    Wichtig sind das Alter des Hundes, Gesundheitliche Probleme, Verträglichkeit mit Artgenossen, ob an Katzen oder Kleintiere gewöhnt, eventuell ob der Hund mit Kleinkindern oder Kindern generell klarkommt. Einen Impfausweis vom Hund zu haben ist auch schön für den neuen Besitzer, aber kein muss.

    Das wars dann auch schon, dann seid ihr den Hund los ohne ihn getötet zu haben und braucht auch kein schlechtes gewissen haben dafür.

    Wenn ihr den Hund mal in der Stadt oderso wiederseht und der neue Besitzer und der Hund glücklich aussehn, wisst ihr das sich ein Topf und ein Deckel gefunden haben, weil ihr die courage besessen habt den abzugeben.

    Mit dem Tierheim ist erstmal eine gute Idee, besser als den Hund einschläfern zu lassen. Man muss aber erwähnen das, das Tierheim den Hund nicht nehmen muss.
    Ich würde mir vor vor einen guten Trainer suchen der euch erklärt wie man den Hund liest und dann handelt. Gleichzeitig würde ich nochmal in verschiedenen Hundeschulen vorsprechen und um Hilfe bitten.

    Ich kann Dich und deine Angst durchaus verstehen, aber auch so ein Hund hat eine Chance auf leben.
    Ich hab auch so einen eigenständigen, manchmal beißenden allerdings älteren Hund neben mir liegen. Wir befinden uns gerade auf einen mehr als guten weg und ich möchte ihn nicht mehr missen.
    Schreib dir mal die ganzen tollen Eigenschaften eures Hundes auf und du wirst sehen, er hat es sicher verdient Leben zu dürfen.

    Sind eigentlich Kleinere Kinder bei euch zuhause?

  • Zitat

    Eigentlich hatten wir von anfang an mit ihm schwierigkeiten ... wir sind ja auch zur hundeschule gegangen aber die meinten ... wegen seinen vielen besitzer wechseln .. müsse er erstmal bei uns "ankommen"

    Hallo,

    da er ja nach einer gewissen Zeit (ein Jahr habt ihr ihn) angekommen sein müsste, frage ich, was ihr in den letzten acht Monaten gegen diese Probleme unternommen habt?
    Oder haben deine Eltern es aufgrund der obigen Aussage bis zu diesem Thread so laufen lassen?
    Wann zeigte er überhaupt seine ersten Aggressionen?
    Gleich in der ersten Woche?
    In der danach?
    Nach Monaten?
    Oder spitzt es sich erst in letzter Zeit zu?

    Warum haben deine Eltern keinen Hundetrainer nach Hause kommen lassen?
    Als der Hund einen Bekannten gebissen hat, war doch schon Alarmstufe rot.
    Bevor man über das Einschläfern auch nur eine Sekunde nachdenkt, geschweige denn, es durchführen lässt, muss man sich doch Gedanken darüber machen, was, außer einer Euthanasie oder Abgabe, noch infrage käme.
    Und das wäre/ist realistisch gesehen, erst einmal zu überlegen, welche Alternativen hat man!
    Und diese Alternative nennt sich "eine Chance, das Verhalten zu verändern, die Gründe zu suchen und diese zu behandeln."
    Dazu gibt es gute Hundetrainer, die sich mit solchen Sachen auskennen.
    Es sollte jemand sein, der auch Ahnung hat und qualifiziert ist, also niemand, der sich selbst als Hundetrainer ernannt hat.
    Zumindest hat das jeder Hund verdient, bevor man ihn abgibt oder sogar einschläfern lassen würde.
    So ganz unkontrollierbar sind seine Aggressionen immerhin nicht.
    Caruso scheint ein sehr unsicherer Hund zu sein, Sennenhunde neigen dazu (habe selbst zwei), dafür "sprechen" sie aber eine recht deutliche Sprache (warnen allgemein sauber vor).
    Diese Sprache muss man verstehen lernen und ein Hundetrainer kann euch helfen und zeigen, wie man es zur Deeskalation bringen kann.
    Bei der Vorgeschichte und dem häufigen Besitzerwechsel ist aus ihm ein ganz unsicheres Geschöpf geworden, der gelernt hat, sich nicht anders helfen zu können, sein Vertrauen ist gegenüber Menschen gesunken.

    Es wird viel Arbeit sein, daran zu arbeiten, das kann auch nur mit einem wirklich guten Hundetrainer funktionieren.

    Ansonsten empfehle ich deinen Eltern, wie "asterix99" schon schrieb, dringend Kontakt mit dem Schweizer Sennenhund Verein für Deutschland, aufzunehmen.
    Wo habt ihr den Hund überhaupt her?
    Von privat?
    Tierheim?
    Tierschutz?

    Gruß
    Leo

  • Zitat

    Caruso hat ein Bekannten schon so in die Hand gebissen das er für 2 Monte krankgeschrieben war..
    Caruso war im Kofferraum und der Bekannte wollte die Leihne aus dem Kofferraum raus holen und da hat er zugeschnappt...

    Dazu wollte ich noch etwas schreiben:

    Ihr wisst doch hoffentlich, dass Sennenhunde Fremden gegenüber skeptisch, territorial sind und Schutztrieb haben!?
    Sie schließen sich normalerweise eng der Familie an und im besten Fall ignorieren sie Fremde, auch wenn es sich um Bekannte handelt, Nähe, dann noch auf sehr engem Raum (Kofferraum) führen sie in Bedrängnis.
    Niemals würde ich einen Bekannten an unsere Hunde heranlassen, wenn sie im Kofferraum sitzen, um noch etwas herauszuholen.
    Und sie haben nicht mal eine Vorgeschichte!

    Das soll nun kein Vorwurf sein, sondern dient eher zur Aufklärung, warum und wieso, Caruso gebissen hat.
    In der Regel handelt es sich um Fehler, die der Mensch an irgendeiner Stelle verursacht hat und der Hund konnte nicht mehr anders...
    Selbstverständlich ist das alles andere als wünschenswert, aber ich sehe da noch große Chancen für ihn.

    Noch einmal:
    Für mich klingt es nicht nach unkonrollierbaren Aggressionen, mit professioneller Hilfe und gutem Management kann da sicher noch eine Menge erreicht werden.
    Nun habt ihr ihn ein Jahr und nichts wurde in der Hinsicht unternommen, somit konnte es nur schlimmer werden.
    Eine wirkliche Chance hatte er in seinem Leben noch nicht.
    JETZT werft nicht die Flinte ins Korn.

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