Stress ohne - Entspannung mit Schleppleine?
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Also,
mein Finchen, auch Aussie, hatte am Anfang auch einen Radius, der mich zum Fürchten brachte, zumal sie ja Angst vor Menschen hat und kaum andere Hunde mag. Ich war es auch nicht gewöhnt, Amy ist immer in meiner unmittelbaren Nähe (da ist es übrigens auch nicht ganz einfach, einen ordentlichen Rückruf zu trainieren...).
Ich habe einfach immer wieder bestätigt, wenn Finchen sich zu mir umgedreht hat, im Freilauf und an der kurzen Leine und auch an der langen Leine. Das habe ich nicht die ganze Zeit gemacht, sondern immer mal wieder für 2-3 Tage. Inzwischen schaut sie sie sich sehr oft um nach mir, von ganz alleine. Außer sie ist sehr aufgeregt, aber dann ist sie eh an der Leine und selbst da schafft sie es manchmal, sich zu mir zu orientieren, sogar ohne Klicker oder Anssprechen!
Ich denke nicht, dass sie ihre Grenzen austestet, sie hat einfach einen größeren Radius als Amy, und wie gesagt, der eignet sich für's Rückruftraining wesentlich besser.
Ich habe das übrigens mit dem Klicker gemacht, ohne Signal.
Liebe Grüße
Susanne - Vor einem Moment
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Hi,
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Ich finde Shoppys Erklärung viel plausibler, als die Theorie, dass der Hund an der Leine erleichtert "Verantwortung" abgibt und deshalb entspannt. Die (lange) Leine mag einem unsicheren Hund Sicherheit geben, für einen normal sicheren bedeutet sie erstmal Einschränkung seines natürlichen Erkundungsverhaltens. Dieses hat nichts mit "etwas regeln" zu tun, sondern ist eben Erkundung, Neugierde. Der Drang, Informationen über die Umgebung zu sammeln ist ein angeborenes und auch lebenswichtiges Bedürfnis des Hundes. Es lohnt sich für den Hund, das zu tun. Man möchte also den Hund in einer lustvollen Tätigkeit unterbrechen - da muss man ihm mit guten Argumenten kommen.
An der Leine kann er viele wichtige Dinge gar nicht, oder nicht so, wie es ihm wichtig erscheint, tun. Damit findet er sich ab und macht das Beste draus. Und so ist es für den Halter leichter, dem hund attraktive angebote zu machen, bzw. er kriegt mehr Angebote vom Hund. Denn einige der top bewerteten Tätigkeiten fallen schonmal weg aus der Waagschale.Ich bemerke diesen Unterschied auch sehr deutlich bei Splash, einem extrem "aussenorientierten" Hund. Nachmittags gehen wir üblicherweise nur langweilige Hausrunden an der Flexi oder 5 m Leine. Er akzeptiert das mittlerweile sehr gut, hat sich damit abgefunden, dass er da nicht wie am frühen morgen durch sein Hausrevier fetzen kann und ein Inventar aller Katzen- und Eichhörnchenbewegungen erstellen kann. Er schnuffelt also auf und am Weg, und ist viel empfänglicher für alternative Angebote meinerseits, fragt gegen Ende jeweils sogar danach. Natürlich ist das Erregungsniveau, der Stress höher, wenn er nach Freigabe explorieren darf, denn er tut dies mit sehr viel Passion und in schwindelerregendem Tempo. Dies werte ich aber nicht negativ, das ist Eustress, nicht Distress! Ich habe nicht das Erziehungsziel, den Hund nur noch "entspannt" (oder resigniert) neben mir trotten zu sehen, entspannen kann er daheim! Wieso sollten für ihn die Gassigänge nicht Highlights, mit entsprechend höherem Erregungslevel sein? Ich möchte nicht, dass er das Freigabesignal mit hundert Verboten oder du-musst-Anweisungen verbindet. Mir ist lieber, wenn er aus freien Stücken entscheidet, dass es sich lohnt, ein Auge und Ohr bei mir zu behalten. Dies ist aber ein langwieriger Prozess, und für mich ist wichtig, dass dieser Prozess nicht nur an der SL, sondern auch im echten Freilauf stattfindet.
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Zitat
ja nur wie mache ich ihm denn dann klar, dass es sich auch ohne Leine "lohnt" bei mir zu bleiben und zu trödeln?Mit Leine kann er sich in Ruhe über ein liebes Lob oder ne tolle Wurst freuen, aber ohne... hat er einfach nicht die Zeit dazu.
vorab: Crispel, der RR hat einen Radius von bis zu 200m. Bei Gandhi ist es etwas weniger, dafür düst er aber schneller durch die Gegend. Trödeln ist anders und "bei mir bleiben" auch - die müssen nicht direkt bei mir rumschlubbern - aber auf Ansprache da sein, das sollte klappen ;D - das ist aber ohne Zwischenschritte kaum erreichbar!
Zunächst ist es schlau zu wissen, was der Hund alles toll findet - und ich meine NICHT ausschließlich Leckerchen und diese wiederum nicht ausschließlich aus der Hand. Ich hab noch keinen Hund gesehen, der Leckerchen-Kegeln nicht geil fand (man wirft ein möglicht annähernd rundes Leckerchen den Weg entlang, dass es möglichst weit hüpft und kollert, damit der Hund hinterherflitzen, es hetzen und "erlegen" kann - Verhalten aus dem Jagdbereich, und alle völlig "legal". Tatsächlich meine ich alles, was Du derzeit als "Ablenkung" bezeichnen würdest, spannende Pippistellen von anderen Hunden, Wildspuren, Wirdsichtungen, vielleicht Sichtungen von anderen Hunden, spielen mit anderen Hunden, spielen mit Dir etc. Schau mal hier für weitere Anregungen: http://www.easy-dogs.net/home/blog/trai…nungsguide.html (und dort dann rechts in der Spalte sind Links zu ich glaub weiteren 25 Belohnungsguides).
Natürlich übe ich, sofern das nötig ist, weil z.B. der Rückruf noch nicht klappt, alles an Schleppleine, aber da achte ich sehr darauf, dass ich diese nicht einsetzen muß, um irgendwas "durchzusetzen".
Ich mache da z.B. Radiustraining dran, sprich, ist der Hund innerhalb eines bestimmten Radius (und der ist logischerweise 1-2m kleiner als der tatsächliche Leinenradius, wird er hochfrequent (= häufig) und variabel (mit unterschiedlichen Bestärkerarten) bestärkt.
Ich kündige an, wenn der Hund ans Leinenende gerät (Ende Signal nach dem AJT-buch von Pia Gröning).
Ich warte den Hund aus, und bestärke freiwillige Umorientierung und Kooperationsangebote des Hundes zu mir. Wir spielen alle paar hundert Meter leichte, aber lohnenswerte und nützliche Spielchen, wie z.b. das Namensspiel, oder kleine Rückrufspielchen, oder wir shapen irgendwas mit zufällig vorhandenen Gegebenheiten, z.B. Springen oder klettern auf Baumstammstapel, sitzen, liegen, drauf lang gehen, drauf umdrehen. Über Gräben hüpfen, um irgendwas herum laufen, durch Reifenstapel klettern... udn wir erarbeiten unterwegs kleine Tricks wie hinter mir sitzen, durch meine Beine laufen, durch meine Beine weben, achter um meine Beine laufen, Seiten wechseln und "rumstrebern" = unperfektes Fuß gehen - ich mache keinen Hundesport und daher darf das ruhig schief und wenig dicht sein, hauptsache, sie haben Spaß, die Jungens.
Und was ich noch gar nicht genannt habe, weil meine da nicht so drauf stehen, sind Dummie- oder apportierspielchen jeglicher Art. Da gibts tausend weitere Möglichkeiten, spannende Sachen mit dem hund zu machen.
Als Bestärker nehme ich alles mögliche: Gandhi darf schon mal einem Schwarm Vögel hinter her sausen, oder einem Traktor auf dem Feld. Crispel "tupft" sich gerne mal ein wenig Mist oder Silage ans Geschirr, und als unkastrierter Rüde ist er natürllich mächtig interessiert daran, pippistellen zu finden und genauestens abzuschnüffeln. Andere sterben dafür, Mauselöcher ausheben, oder gesichteten Enten vorstehen zu dürfen. Fast alle stehen drauf, an gewissen Büschen, Laternenpfählen, Mauerecken die neuesten "Pee-Mails" nachzulesen. Viele Hunde mögen Wasser oder Matsch. Mit ein bißchen Koordination bekommt man es hin, diese Sachen als wirkungsvolle Bestärker einzusetzen. Damit wird man von der Spaßbremse zum Entertainer, denn man baut sich in all diese Unternehmungen mit ein.Zitat
Ich habe ja schon versucht ihm das bei mir sein schmackhaft zu machen, aber ohne die Schleppleine lässt er sich da irgendwie nicht drauf ein...Und ich sehe sein Verhalten sehr wohl als Grenzen testen an, weil er stehen bleibt und dann noch 2 oder 3 Schritte weitergeht. Mich anguckt und dann aber eben nochmal pinkelt.
Ich glaube er will einfach herausfinden, wie weit er gehen kann und wie weit nicht, denn das sehe ich als normalen Teil des Erwachsen-werdens an.Naja, was ist ihm halt wichtiger - Sachen zu machen, die er nicht kann, wenn er an der Leine ist? Ist doch logisch!
Ich finde es wichtig, zu verstehen: wenn er Dich ansieht, hat er Deine Bitte wahrgenommen. Soweit so gut. Dann sagt er, ja, ich komme gleich, ich muß hier grad noch fas Telefonat beenden/den Absatz fertig schreiben/den Kuchen aufschneiden/die Gäste reinlassen.
Bei Menschen finden wir nichts dabei, wenn jemand auf "kommst Du??" "ja, sofort, kleinen Moment" antwortet, Hunde tun es eben auch.
Wünschenswert ist es, dass es ein Signal gibt, dass sagt "ne, wenn ich das sage, meine ich SOFORT!" Wenn mans halt wirklich dringend braucht. Meistens braucht man aber nur, dass sie halt merken, dass man abbiegt, oder dass sie nicht gar so weit voraus rennen, oder ähnliches - dafür verwende ich andere Signale!
Das Signal, das meinen Hunden sagt, ne JETZT und am besten in WARPSPEED" ist der "Doppelte Rückruf" - dazu gibt es einen ganzen Faden - findest Du über die Suchfunktion.
Aber auch der ist mit vielfältigsten und hochwertigsten Belohnungen aufgebaut.Zitat
Bei anderen Hunden ist er ja momentan genauso."Wie ich darf nicht an dein Stöckchen? Was ist wenn ichs trotzdem nochmal versuche? aha du beißt mich weg. Hmmm meinst du das auch echt ernst? ich probiers nochmal"
Er ist übrigens im September 2 geworden.
Ja, gutes Alter um selbstständig zu werden - denke "Pubertierender Jugendlicher". Ausserdem ist in der Zeit das Gehirn von mehr oder weniger großen "Umbaumaßnahmen" betroffen. Zellen werden abgebaut und neu aufgebaut, Verknüpfungen gehen verschütt, ganz verloren oder werden umgeleitet. Das führt dazu, dass gelerntes vergessen wird, schwerer zugänglich ist, oder unwichtig erscheint. Ganz normale Entwicklung.
Um das noch mal deutlich zu sagen: Ich möchte (und habe) auch Hunde, die auf einen Pfiff im vollen Galopp hinter Wild resp. Autos her auf der Stelle wenden, um zurückgerast zu kommen. Ich finde nur, dass man so schnell in Opposition zum Hund kommt, wenn man in Begriffen wie "Grenzen austesten" denkt. Natürlich tun sie das, wir tun das auch ständig.
Es ist nur wirkungsvoller MIT den Begierden des Hundes zu arbeiten, als dagegen
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Nur noch kurz was zur Ausgangsfrage, auch wenn es mittlerweile in eine andere Richtung geht
ZitatWenn ihr mit den Aussies genau das selbe bemerkt wie ich - wie gebt ihr dann eurem Hund ohne diese Leine die gleiche Sicherheit? Ich will ihn ja jetzt nicht immer an dieses Dingen hängen!
Manchmal denke ich, ein wenig Anspannung gehört bei Grisu einfach dazu. Dass er sehr aufmerksam ist und auf vieles meint, reagieren zu müssen. Ich hatte auch mal eine Weile versucht, ihn möglichst immer entspannt zu bekommen (z.B. auch bei Dämmerung), aber mittlerweile lebe ich bei ihm damit, bzw., ich denke, es ist eben ein Teil seines Wesens.
Und dann war es bei uns tatsächlich so:
Ganz zu Anfang habe ich blöderweise die Unterscheidung gemacht, im Freilauf darfst du vieles selber entscheiden, an der Leine musst du dich ganz an mir orientieren… Als er dann in der Pubertät ankam, hat er blöderweise vieles nicht in meinem Sinne entschieden im FreilaufEr war dann erst mal eine Weile an der Schlepp, wobei es mir mehr darum, ihn am durchstarten zu hindern in gewissen Situationen, als ihm Sicherheit zu geben. Und eben Umorientierung und Zusammenarbeit belohnen.
Zum "Stress":
Etwas später habe ich dann aus anderen Gründen einiges ausprobiert: nonverbale Spaziergänge, meine Körpersprache hinterfragen und was ich ihm an Emotionen vermittel in einem Moment, was ich ihm eigentlich mitteilen will und wie es ganz offensichtlich bei ihm ankommt
Und damit habe ich es nicht mehr auf „der testet“ geschoben, wenn er „überreagiert“ hat. Grisu wollte es allerdings in vielen Punkten einfach besonders gut machen, nur dass ich ihm offensichtlich das Falsche vermittelt habe… War ein langsamer Erkenntnisprozess auf beiden Seiten, mit langsam wachsendem gegenseitigen Vertrauen, das dann eben auch ein Anleinen immer überflüssiger werden ließ. Wir haben uns schließlich geeinigt auf: er meldet, ich nehme ihn ernst und „untersuche“ den Grund. Das klappt gut.Aber mit testen hat das bei ihm nichts zu tun.
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