Erziehen oder nicht erziehen - ich habe mich entschieden
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redbumper -
5. Oktober 2006 um 10:13
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Hallo,
solange ich Hunde halte, habe ich mich immer wohlgefühlt,
wenn meine Hunde gut erzogen waren.
Dabei gab es viele Menschen,
die mir ein schlechtes Gewissen suggeriert haben: Sprüche wie
"ein Hund ist doch keine Marionette",
"darf dein Hund auch mal etwas selbst entscheiden",
oder "Hat dein Hund auch irgendwelche Freiheiten"
haben in mir oft ein schlechtes Gewissen hervorgerufen.
Dabei entsprechen diese Äußerungen ja
überhaupt nicht der Wahrheit! Nach vernünftiger
Erziehung in der Jugendzeit waren es vor allem
nämlich meine Hunde, die nicht an die Leine mussten,
die sich kein Gebrüll anhören mussten,
weil sie ja auf den ersten Zuruf reagiert haben,
die mit anderen Hunden Kontakt aufnehmen konnten,
mit mir viel (und lieber) gespielt haben,
beim Ausreiten mitkommen konnten - natürlich auch ohne Leine,
die hier schnuppern und da pinkeln gehen konnten..... während
die Hunde der "freiheitsbetonenden" Besitzer
doch - wenn sie mal frei waren - ihr Leben
unter stetem Gerufe ihrer Menschen verbringen,
oder in allen möglichen Situationen nicht von der Leine kommen, geschweige denn wie meine Hunde alles nur
Erdenkliche kennen gelernt haben,
weil ich gar keine Notwendigkeit sehe,
meinen Hund zu Hause zu lassen, weil er vielleicht stören könnte!
Da schließe ich mich dem Goethe-Spruch an:
"dem Hunde, wenn er wohl erzogen, ist selbst der kluge Mann gewogen". Meine Hunde sind in jeder Situation wohlgelitten.Richtig überzeugt von meiner Einstellung hat mich aber folgende Begebenheit:
Vor etwa 12 Jahren ging ich mit einem Freund,
seinem Bullymix und seinem Irish-Terrier und meinem Border Collie gemütlich spazieren.
Wir machten auf einer Bank Pause,
mein Hund wurde zu meinen Füßen abgelegt,
während die beiden anderen weiter rumsprangen.
Als mein Hund aufstehen wollte,
um sich zu den anderen zu gesellen,
gebot ich ihm, sich wieder hinzulegen.
Darauf kritisierte mich mein Freund,
dass ein junger Hund doch seine Freiheit genießen sollte
und mit den anderen Hunden rumkaspern dürfen müsse.
Ich erwiderte, dass ein junger Hund sich
meiner Motorik anschließen und vor allem lernen sollte,
auch Ruhe zu halten. Das stieß auf Unverständnis.
Nun muss ich dann sagen,
dass seine beiden Hunde wirklich nicht erzogen waren
und eigentlich nur machten, was sie wollten,
was nun garnicht meiner Einstellung entspricht.
Wenige Tage später rannten beide Hunde bei der Verfolgung eines Kaninchens auf die Autobahn und wurden überfahren.
Er saß derweil auf einer Bank - seine Hunde hatten jede Freiheit.
Ich für meinen Teil habe nicht die Nerven,
meinen Hund außer Sichtweite seinen Hobbis nachgehen zu lassen,
und auch meinen Hund viel zu gerne,
als dass ich in Kauf nehmen würde,
ihn auf so unwürdige Art zu verlieren.
Wenn man diese beiden Hunde fragt,
ob sie lieber einmal erzogen worden wären
oder lieber 3 bzw. 5 Jahre in "Freiheit" gelebt hätten - ich glaube,
sie hätten sich für Erziehung entschieden.Erziehung heißt für mich nicht,
dass man einem Hund mit Gewalt Manieren beibringt,
die seiner Rasse oder seinem Charakter nicht entsprechen.
Aber innerhalb seiner Möglichkeiten - und die sind bei fast allen Hunden weiter,
als die Besitzer es so denken - sollte doch jeder
Hund sich in den Mensch-Hund-Verbund einpassen lassen.
Wie wichtig es für Hunde ist, zu lernen,
und das auch bis ins hohe Alter,
wird ohnehin von den meisten Menschen unterschätzt.
Drängt sich der Verdacht auf,
dass sie selber das Lernen schon länger eingestellt haben....
Würde man Eltern fragen, ob sie ihr Kind eigentlich in die Schule schicken, würde man wohl nur verständnislose Blicke ernten.
Aber ein Hund darf ab der Grundausbildung richtiggehend verblöden!
Wie lange Hunde lernfähig bleiben,
zeigt ein Blick in die Supreme Champions
der hier so beliebten Border Collies:
kaum einer ist da unter 8 Jahren;
der älteste glaube ich knapp 13.
Nachzulesen in "blue ribbon", der Chronologie,
in der alle Supreme Champions verewigt worden sind.Viele Grüße, und jetzt seid ihr dran!
Redbumper
- Vor einem Moment
- Neu
Hallo,
hast du hier Erziehen oder nicht erziehen - ich habe mich entschieden schon mal geschaut ?*
Dort wird jeder fündig!-
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hey Dog-Lovers :sport: ,
ich würd ja gerne eine Antwort schreiben wollen aber ich kann dem Nichts mehr hinzufügen. Ich wollt nur meine Freude über den Artikel ausdrücken und kann ihn vollstens nachvollziehen. :blume:
Es zeigt daß das Hund-Mensch-Verhältnis ausser von Theorien und Wissenschaften auch von persönlichen und hundlichen Erfahrungen geprägt ist die eben dieses Verhältnis tagtäglich abschätzen und neu bewerten.Bei unserer Kuna-Mama-Beziehung leben wir eine ähnliche Philosophie. Die muss und sollte auch gar net für jeden so hinhauen da jeder auch andere Erfahrungen macht und Charaktere von Hund und Mensch vielseitig sind.
Toller Artikel :wink:
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Walter, was will man da noch hinzufügen ??

Jeder Hund benötigt eine individuelle Erziehung, wo der eine wunderbar mit Leben (und gehorchen) kann, fängt bei dem anderen die Ausbildung erst an. Manche sind nach 1 Jahr "perfekt" und benötigen lediglich noch einen Feinschliff, andere müssen ihr Leben lang immer wieder konsequent trainiert werden.
Grundgehorsam heißt nicht Drill und Unterdrückung, sondern Verstehen und Einhalten der Regeln, die ein problemloses Zusammenleben ermöglichen.
Auch meine Meinung: Nur ein gut erzogener und liebevoll, konsequent geführter Hund kann ein glückliches Leben haben !
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Dem kann ich mich echt nur absolut anschließen!!!
Ich hab eigentlich auch das Gefühl, dass "gut erzogene" Hunde oft eine engere Bindung zu ihren Bezugspersonen haben. Sie sind sich ihrer Position bewusst und vertrauen ihrem Herrchen.
Und wie Du schon sagst, können sie manchmal vielleicht nicht machen wonach ihnen grad der Sinn steht, aber durch die konsequente Erziehung erhalten sie dafür umso mehr Freiheiten!Leider fällt es mir manchmal schwer so konsequent zu sein, aber ich arbeite immer weiter dran. Schließlich können nicht nur Hunde immer noch was dazulernen.... :wink:
Lg Annika
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Ich finde konsequente Erziehung auch um einiges besser. Wenn er hört kann ich den hund auch mal ohne bedenken frei laufen lassen un dann hat er wenigstens auch seine Freiheiten.
Dieser Weg ist zwar anstrengender trägt aber mehr Früchte! -
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dem kann ich mich nur anschließen!!!!

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Hallo Walter,
Du sprichst mir aus der Seele.
Noch heute bekam ich einen "dicken Hals", als mich ein Nachbar blöd anmachte, weil ich mit den Hunden etwas Unterordnung übte. Als einer der Hunde bei der Sitzübung einfach aufstand, ich ihn korrigierte, glaubte der Nachbar seinen Senf dazu tun zu müssen und sagte:Lass doch den Hund.... er muss doch auch mal seine Freiheit genießen können.
Meine Antwort war kurz und knapp: Das kann er auch, aber erst, wenn ich es ihm sage.
Tja, Unverständnis unter Nicht-Hunde-Besitzern gibt es auch genug.
LG
Nele
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Wieder ein typisch Walter Thread - nicht negativ gemeint.
Es ist immer wieder schön Deine Beiträge zu lesen und mit Deiner
Philosopie in der Hundeerziehung kann ich sehr gut mitgehen.Echt mal wieder klasse geschrieben und trifft genau den Kern.
LG
agil -
Du sprichst mir aus der Seele !
Ein gut erzogener Hund hat doch viel weniger Stress als so ein unerzogenes Tier (gilt natürlich auch für die Besitzer :wink: )
Ich bin der Meinung ein Hund sollte immer dazu lernen auch über die Grundausbildung hinaus.
Mein Hund und ich wir üben bei jeden Spaziergang die verschiedensten Kommandos und es macht meinen Hund sichtlich Freude immer noch etwas zu lernen.
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ich kriegs nicht so schön hin und ich weiß auch nicht mehr, wer es geschriben hat aber sinngemäß und holperig übersetzt (Orginal war Englisch):
Ein erzogener Hund hat die Freiheit, mit seinem Menschen überhal hinzugehen.
Ein unerzogener Hund hat seine Freiheit im Garten. - Vor einem Moment
- Neu
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