Muss immer Party sein?

  • Hallo,

    in sämtlichen Ratschlägen, Hundeerziehungsbüchern und was weiß ich nicht alles
    heißt es ja immer dass man Party für seinen Hund machen soll, dass man ihn für sich begeistern soll und den Spaziergang zum Abenteuer machen soll.

    Das ist ja alles schön und gut, aber meine einjährige Hündin hat absolut kein Interesse daran irgendwas auf dem Spaziergang mit mir zu machen.
    Ihr macht es viel mehr Spaß einfach nur ein bisschen zu schnüffeln, ein paar Vögeln hinterherzuschauen und andere Hunde zu treffen.
    Spielen kann ich mit ihr ganz vergessen und Leckerlis nimmt sie eher widerwillig.
    Kommandos werden gelangweilt und halbherzig befolgt.

    Daheim im Garten ist das kein Problem. Da wird heftig gerauft mit mir, sie hängt förmlich an meinen Lippen und hat das Kommando schon ausgeführt bevor ich es ausgesprochen habe.
    Nur mit der Beißwurst kann sie sich nicht anfreunden, aber das ist mir dann herzlich egal.

    Ich dachte immer dass es daran liegt, dass die Reize für sie noch zu viel sind, aber selbst wenn wir nur einen Schritt aus dem Garten draußen sind, bin ich nur noch lästiges Anhängsel.

    Ich bin eh nicht so der Quietsch-Typ auf den alle Hunde stehen, deswegen habe ich mir oft Vorwürfe gemacht weil ich sie nicht begeistern kann.

    Aber mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht krampfhaft versuchen sollte sie zum Spielen auf dem Spaziergang zu bringen, wenn sie so anscheinend zufrieden ist.

    Was meint ihr? Mache ich es mir zu leicht, oder habt ihr vielleicht sogar selbst solche Dümpel-Hunde?

  • Also mein Wuffel täte mir wahrscheinlich den Vogel zeigen, wenn ich ihn ständig versuchen würde, zu bespaßen.
    Training mache ich hin und wieder, aber nur einige Minuten. Bei ihm lässt sehr schnell die Konzentration nach und ich habe keine Lust, das Training mit lauter Fehlschlägen zu beenden.
    Seine liebste Unterwegstätigkeit ist rumliegen und auf Spielzeug kauen. :D
    Wenn ich z.B. ein Spielzeug werfe, rennt er hinterher, sammelt es auf, läuft zu mir, legt sich hin und kaut draufrum. Werfen ist doof. :headbash:

    Von daher würde ich mir keine allzugroßen Sorgen machen. Wenn du merkst, dass dein Wuffel ausgelastet ist und gut zur Ruhe kommt ist es m.M. nach völlig egal, wie man Gassi geht.

  • Klar gibt es Hunde die lieber Schnüffel-Runden gehen und denen Bespaßung einfach nicht zu sagt!
    Wenn du das Gefühl hast dein Hund ist so ein Charakter, solltest du das akzeptieren.

    Andererseits schreibst du ja selber dass du nicht der "Quitsch-Typ" bist, und dann kanns auch sein dass dein Hund die Umwelt ausserhalb des Gartens einfach interessanter findet als dich... :ka:

    Wie alt ist dein Hund und welche Rasse ist es?

  • Wenn Du keine Probleme auf den Spaziergang mit deinem Hund hast ist das doch OK...anders würde es aussehen wenn durch die "Selbstständigkeit" deines Hundes Komandos überhört werden ,wenn sie nötig sind...bzw eine Situation aufkommt wo der Hund halt unter Kontrolle sein sollte...aber sonst...wen stört es? ;)

  • Ich mach unterwegs auch kein Spaßprogramm mit dem Hund - das ist MEINE Joggingrunde, die er der Einfachheit halber mitläuft. Zu Beginn gibts noch ein paar UO-Spielchen, und das wars und insgesamt interessiert er sich dabei auch mehr fürs "Zeitung lesen" als für mich. Wenn ich ihn zu mir rufe, klappt das meistens ganz gut und ich bin damit so zufrieden. So ein Qietsch-Typ bin ich auch nicht. AUch niemand, der mit seinem Hund rauft oder tobt übrigens.

    Wenn wir zu Hause sind, leg ich immer mal Spielzeiten für ihn ein, aber da hat er auch schnell keine Lust mehr - nach vier-, fünfmal Stock suchen (werfen machen wir nicht mehr) zieht er sich mit dem Teil zurück, um ein bißchen darauf herum zu kauen. Er kommt dann immer sehr schnell und will wieder bespaßt werden, aber die Begeisterung ist nie von langer Dauer - auch nicht, wenn wer anders was mit ihm macht.

  • Hallo,

    genau so was meiner auch mit einem Jahr und ich finde, es lohnt sich schon alleine deswegen daran zu arbeiten, weil mir persönlich die Spaziergänge so wirklich keinen Spaß gemacht haben und weil es jetzt, als Team, so viel schöner ist.

    Allerdings ergaben sich durch das Verhalten bei uns auch noch andere Probleme, wie z.B. mangelnde Leinenführigkeit, ableinen ging nicht, weil er mehr als unzuverlässig hörte und ansprechbar war er in den meisten Situationen nur bedingt.
    All die Party hat mir nicht viel gebracht und mal ehrlich, bei einem Hund mir ordentlich Jagdtrieb, wie meiner ihn hat, kann man auch nicht interessanter werden als eventuelle Beute. Auch mit Futter kam ich da nur mäßig weit.

    Bei uns musste erst der "Ernst" kommen, dafür haben wir jetzt die Party.
    Wobei ich dir keine wirkliche Übung nennen kann, die die Gesammtsituation geändert hat, es waren viele kleine Dinge, die bei uns nicht stimmten.

    Ich weiß ja nicht, was für Konsequenzen sein Desinteresse an dir hat oder wie zufrieden du mit der Situation momentan bist. Wenn du meinst er folgt ja und irgendwie geht das schon, dann kann man ihn auch einfach lassen. Nicht jeder Hund steht auf Party, das ist wahr und manche sind auch einfach Trantüten.

    Wenn du allerdings wirklich möchtest, dass es sich ändert, würde ich vielleicht einen Trainer in Betracht ziehen, der euch die kleinen Macken zeigt und wie du ihn motivieren kannst. Denn jeder Hund ist eben anders, so über das Forum finde ich es schwer, da Ratschläge zu geben.
    Wobei ich bei der Passage schmunzeln musste:

    Zitat

    Aber mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht krampfhaft versuchen sollte sie zum Spielen auf dem Spaziergang zu bringen, wenn sie so anscheinend zufrieden ist.

    Denn das war bei uns auch ein Knackpunkt. Stelle dir vor du bist dein Hund - warum solltest du draußen mit deinem Frauchen spielen, wenn dieses Lust hat, wo sie doch sowieso und ständig mit dir spielen will? Da kannst du auch warten, bis du mal Lust hast und das wird eher drinnen oder im Garten sein, wenn es sowieso langweilig ist.

    Bei Fiete sind es nur Suchspiele, die ihm so richtig Spaß machen draußen. Früher habe ich diese genutzt, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Nun wird nur noch gesucht, wenn er mir Aufmerksamkeit entgegenbringt.
    Verstehst du den feinen Unterschied?

    Und das sind viele kleine Sachen, auf die man selber, weil es sich eben eingeschlichen hat, gar nicht so kommt. Deshalb meine Empfehlung: Wenn es dich so sehr stört, dass es dir das wert ist, lass einen Dritten draufschauen, der dich bei solchen Fallen korrigiert.

    Liebe Grüße

  • wenn ein hund abrufbar ist, reicht das doch völlig einfach nur spazieren zu gehen...(für viele hunde ist das eh anstrengend genug.. die vielen gerüche, fremde hunde, viele ablenkungen) spielchen kann man auch daheim machen. :)
    wenn der hund schlecht abrufbar ist, dann sollte man allerdings gehorsamkeitsübungen in den spaziergang einbauen (ich habs so hinbekommen, dass ich mich auf einer für den hund ungefährlichen teilstrecke einfach versteckt habe. wenn er mich dann gesucht und gefunden hat, hab ich mich über alle maßen gefreut und ihn gelobt...) ich mache das nur noch extrem selten, denn nun achtet er von sich aus auf mich und ist problemlos abrufbar)

  • Das muntert mich doch ein wenig auf, dass es auch andere Hunde gibt denen das nicht so zusagt.

    Sie hört immer, aber nur zögerlich und manchmal auch erst nach einer Wiederholung.
    Vögel und Hasen sind natürlich interessant, aber wir können problemlos dran vorbeilaufen.
    Auch die Leinenführigkeit macht keine Probleme. Da achtet sie sehr auf mich.

    Holly ist ein Jahr alt und ein Berger Blanc Suisse (weißer Schäferhund).
    Täglich ist eigentlich immer eine halbe Stunde Spaß im Garten drin.
    Momentan haben wir die Reizangel für uns entdeckt und auf ein normal gesprochenes "Schluss" hört sie während dem Hetzen schon sofort auf.

    Wir suchen aber eigentlich immer noch nach dem perfekten Spiel für uns beide.
    Den Futterbeutel findet sie zwei, drei Mal ganz nett, aber dann bringt sie ihn nur noch zur Hälfte.

    Zerrspiele findet sie leider doof, die würden mir total Spaß machen. Sie knabbert lieber nur leicht am Spielzeug als sich richtig reinzuhängen. Dafür kann man mit ihr toll mit den Händen spielen, weil sie eine super Beißhemmung hat und auf "Fertig" sofort aufhört.

    Ball spielen mag sie, aber ich mache lieber viel Impulskontrolle mit ihr und apportieren geht auch nur bis zur Hälfte.

    Fußball spielen ist das absolute Highlight, aber ich kann ja nicht immer einen riesigen Ball mit auf den Spaziergang nehmen.


    Ich will ihr ja nichts aufdrängen, aber es ist immer schön zu sehen wenn Hund und Halter während des ganzen Spaziergangs miteinander Spaß haben und spielen...

  • Huch, da hab ich doch glatt einen Beitrag überlesen:

    Zitat

    Bei uns musste erst der "Ernst" kommen, dafür haben wir jetzt die Party.


    Da verstehe ich nicht ganz was du meinst, kannst du das genauer erklären?

    Zitat

    es waren viele kleine Dinge, die bei uns nicht stimmten.


    Was denn zum Beispiel? Ich kann mir gerade gar nichts darunter vorstellen.

    Den feinen Unterschied verstehe ich.
    Ich habe es zwar noch nie aus der Perspektive betrachtet, ist für mich aber sehr logisch und ich werde in Zukunft mal drauf achten!

  • Meiner Meinung nach muss und sollte nicht immer Party sein. Es gibt Dinge, die schonmal eine Party erforderlich machen und dann findet mein Hund es auch super, dass es eine Party gibt, aber würd ich das immer machen, wäre es ja auch nichts Besonderes mehr.

    Bei uns gibts genauso Gammel-Spaziergänge wie Action unterwegs, genauso ein einfaches verbales Lob wie die dicke Party...

    LG Henrike

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