Begegnung mit anderen Hunden an der Leine

  • Hallo zusammen,

    mein Labbi Ben ist jetzt 4 1/2 Jahre alt. Wir haben ihn bekommen, als er etwas über 1 Jahr alt war. Die Grundgehorsam war bereits vorhanden (wie Sitz, Platz, etc), aber ansonsten war er doch sehr wild und ungestüm.

    Leider haben wir den Fehler gemacht ihm erst mal Zeit "zur Eingewöhnung" zu geben und hatten dann später, als wir ca. 6 Monate später in die Hundeschule sind, lange benötigt um an Leinenführigkeit etc. zu arbeiten. Leinenführigkeit klappt jedoch seit 2 Jahren gut, Gehorsam beim frei laufen ist OK (könnte manchmal besser hören).

    Mein Hauptproblem sind jedoch Begegnungen mit anderen Hunden. (da hat sogar der Hundetrainer seine Probleme gehabt). Vorallem bei großen Hunden ist es auffällig. Er verhält sich an der Leine so, als wäre er total aggressiv, schmeißt sich in die Leine und ab und an bellt er auch dabei. Wenn ich ihn ableinen würde, würde er nur spielen wollen! Ich kann einfach nicht normal an anderen Hunden vorbei gehen. Gut, es kommt allerdings auch auf die Entfernung an. Wenn es eine Begegnung von weitem ist, kann ich ihn sogar mit einem Ball oder Leckerli ablenken, wenn unsere Wege sich allerdings direkt kreuzen und keine große Ausweichmöglichkeit besteht ist an Ablenken garnicht mehr zu denken. Er fixiert dann schon von weitem und tut so als wäre ich garnicht mehr anwesend.

    Jaa, ich muss auch zugeben, dass ich immer nervös werde wenn wir einem Hund begegnen, weil ich einfach weiß wie er reagieren wird, natürlich macht das die Situation nicht einfacher ... aber ich kann nun mal keine Schalter umlegen, der meine Nervösität verschwinden lässt.

    Es ärgert mich halt einfach, dass er es nicht mal langsam versteht, dass sein Verhalten nicht gewünscht ist!!! Es ist ihm so egal das er mir dabei weh tut, etc.

    Mit einer Freundin hatte ich jetzt das Thema "Sprühhalsband". Jetzt wollte ich mal fragen was ihr davon haltet, oder welche Tipps ihr noch für mich habt. Ich habe denke ich einen eher seniblen und manchmal auch schreckhaften Hund und ich denke vielleicht könnte ich ihn damit einmal so erschrecken, das es direkt "fruchtet" bei ihm ;)

    Bitte helft mir! :) Danke schon mal.

    Jen

  • Fehler Nr. 1:

    Zitat

    Jaa, ich muss auch zugeben, dass ich immer nervös werde wenn wir einem Hund begegnen


    das überträgt sich auf deinen Hund

    Fehler Nr. 2:

    Zitat

    (da hat sogar der Hundetrainer seine Probleme gehabt)


    such dir nen Hundetrainer, der Ahnung davon hat, was er tut

    Fehler Nr. 3:

    Zitat

    Er fixiert dann schon von weitem und tut so als wäre ich garnicht mehr anwesend.


    du gehst weiter und bestätigst ihn darin

    was genau tut er, wenn du einfach umdrehst und woanders lang gehst?

    Fehler Nr. 4:

    Zitat

    Wenn es eine Begegnung von weitem ist, kann ich ihn sogar mit einem Ball oder Leckerli ablenken


    du versuchst ihn mit nem Hilfsmittel abzulenken?
    aber du merkst, wenn der Reiz zu groß ist, hilft auch Ablenkung nicht, da hilft nur Gehorsam


    und zum letzten Punkt:

    Zitat

    Mit einer Freundin hatte ich jetzt das Thema "Sprühhalsband". Jetzt wollte ich mal fragen was ihr davon haltet, oder welche Tipps ihr noch für mich habt. Ich habe denke ich einen eher seniblen und manchmal auch schreckhaften Hund und ich denke vielleicht könnte ich ihn damit einmal so erschrecken, das es direkt "fruchtet" bei ihm


    gerade bei einem sensiblen Hund kannst du sehr viel kaputt machen mit so etwas
    du gehst über einen Überraschungsmoment und er wird das Sprühen mit etwas verknüpfen, kannst aber nicht kontrollieren, mit was er es verbindet

    einfaches Beispiel:
    Junger Hund geht an ner Schafsweise vorbei, schnüffelt und kommt an den Stromzaun
    nun hat er panische Angst vor den Schafen, weil er weiß, ihre Nähe bedeutet schmerzen

    solche Aktionen sind nicht kontrollierbar und du kannst dir damit noch größere Momente einhandeln, als du es jetzt schon hast


    Ich persönlich würde (pauschal gesagt, ohne natürlich dich oder den Hund zu kennen), an der Leinenführigkeit arbeiten, dass es ein No-Go ist, zu ziehen.
    Ich möchte es in einer reizarmen Umgebung so haben, dass der Hund an der Leine auf mich achtet, ich seine Aufmerksamkeit habe, wenn ich Schnüffeln etc. verbiete (natürlich kann ich es mit nem Kommando erlauben, dass der Hund sein Ding macht, aber ich muss ihn zu mir holen können).

    Anschließend würde ich dann dazu übergehen, nen Trainingshund in weitem Abstand zu haben und auch da an der Leinenführigkeit zu arbeiten und genau daran, dass mein Hund auf mich achtet. Wenn er es nicht tut, wechsel ich Tempo und Richtung an langer Leine, so dass er mir folgen muss.

    Und so erhöhe ich die Reizlage, dass mein Hund nach und nach lernt, dass es nichts bringt für ihn, wenn andere Hunde in seiner Gegend bin, weil ich die einzige bin, mit der es Action gibt.

    Langer steiniger Weg, aber für mich die sicherste Lösung.

  • Zitat

    Ich habe denke ich einen eher seniblen und manchmal auch schreckhaften Hund und ich denke vielleicht könnte ich ihn damit einmal so erschrecken, das es direkt "fruchtet" bei ihm ;)


    vergiß es, es wird dann nur noch schlimmer.

    nimm dir vor ort einen guten trainer, der dir hilft, alles andere, auch tipps aus dem forum, sind immer so eine sache.

    gruß marion

  • Zitat

    vergiß es, es wird dann nur noch schlimmer.

    nimm dir vor ort einen guten trainer, der dir hilft, alles andere, auch tipps aus dem forum, sind immer so eine sache.

    gruß marion

    Muss dir Zustimmen. Hatte auch erst Erfolg als ich den passenden Hundeverein gefunden hatte. Mehrere Kostenlose Probestunden im Gruppenunterricht vorher und wusste das ich da mit meinem Pöbler gut aufgehoben bin.

    Weiß bis heute noch nicht was sich da wirklich verändert hat. Ausser ich hab durch die Trainerin Sicherheit im Umgang bekommen mit meinem Hund und weiß ganz genau wie ich richtig reagieren muss. Vorher war das manchmal mehr ein halbherziges ausprobieren, dazu mit starker Nervösität und Stress bei mir...

  • @ acidsmile: Vielen Dank für den Link, werde ich mir auf jeden Fall mal durchlesen. Ja, mit der Nervösität ist das so eine Sache ... das Problem ist beim Hund selbst hat sich das ja auch schon so eingebrannt so zu reagieren. Z. B. gab es auch mal eine Situation, wo ich garnicht nervös werden konnte, weil ich den Hund erst so spät gesehen hatte und er hat trotzdem so reagiert. Ist ja auch klar, für ihn strahle ich scheinbar Unsicherheit aus und er meint die Situation dann für mich klären zu müssen. Aber ich verstehe halt nicht, warum er nach 3 Jahren nicht kapiert, dass wenn er so reagiert ich sauer werde und wenn er gut an einem Hund vorbei geht er gelobt wird und damit gezeigt bekommt, dass es gut ist! Grrr.

    @ Maanu: Ich war schon extra bei einem Hundetrainer und habe dort Einzelunterricht genommen. Er war für mich eigentlich schon kompetent, aber er hat mir im Endeffekt gezeigt wie ich es machen soll, wenn wir einen anderen Hund treffen. Er hat ihn dann selbst öfter gehalten, wenn uns ein Hund entgegen kam und hat gemerkt wie stur mein Hund sein kann und hatte daher selbst Mühe ihn in den Griff zu bekommen ;) Am Ende habe ich den Unterricht abgebrochen, weil mir klar war wie ich es jetzt machen soll und es im Endeffekt jetzt an mir hängt.

    Also wenn ich die Richtung wechsel versucht er halt den Kopf noch zu drehen um weiterhin den Hund beobachten zu können, aber in der Hinsicht habe ich ihn eigentlich mittlerweile in den Griff bekommen, ich geb dann einen kurzen Ruck an der Leine und verbesser ihn damit und versuche ihn dann abzulenken, das funktioniert meistens. Ich hatte da schon wesentlich schlimmere Begegnungen, wo plötzlich hinter uns ein Spaziergänger mit Hund auftauchte und Ben ihn entdeckte... du glaubst garnicht wie lange ich beim ersten mal gebraucht hatte bis ich ihn davon abgebracht hatte sich nicht mehr zu drehen. Er hatte ständig versucht sich mit dem ganzen Körper zu drehen und sich gegen den Hund aufzubauen ... (der Mann muss gedacht habe ich bin bekloppt :) ) Aber ich hatte nicht aufgegeben bis er im Endeffekt aufgegeben hatte und ich denke mit so Momenten verschaffe ich mir ja auch Respekt beim Hund oder?!

    Deine Übungsvorschläge klingen gut, aber wie soll man es unterbinden, wenn er eben nicht hört? Er geht ja ohne Ablenkung mittlerweile gut an der Leine (ganz am Anfang ist ER mit mir spazieren gegangen) nur benötige ich ja einen Plan B wenn er eben plötzlich auf Durchzug stellt oder meinst du mit permanentem Umdrehen kann man sich irgendwann dem entgegenkommenden Hund immer mehr nähern? Das ist eigentlich das was ich so schade finde, wie oft wähle ich Wege aus, weil ich weiß mir kommt hier kaum jemand entgegen oder wenn ich jemanden von weitem mit Hund sehe wähle ich einen anderen Weg weil ich keine Lust auf bevorstehende Situation habe.

    Danke euch für eure schnellen Antworten.

    Lg
    Jen

  • Hi Jen, tröste Dich, Du bist nicht allein. Ich habe das Problem auch (seit 4 Jahren, sie wird im Oktober 6).

    Den Link von Acidsmile solltest Du Dir durchlesen, wie sie schon schreibt, sind viele gute Tipps dabei.

    Ich arbeite im Moment so: Jede Art von Fixieren wird unterbunden, entweder versperre ich ihr die Sicht, oder ich drehe um, versuche ihre Aufmerksamkeit zu bekommen (ohne mit Lecker oder Ball zu bestechen). Funktioniert dies überhaupt nicht (kommt ab und zu vor) lasse ich sie absitzen (grade wenn keine Ausweichmöglichkeit besteht, um einen Bogen zu laufen) und stelle mich vor sie. Sie darf zu dem anderen Hund schauen, aber nicht fixieren. Sitzt sie brav vor mir und schaut mich an, hole ich ein Lecker aus der Tasche und zeige es ihr, gebe es ihr aber erst, wenn der andere vorbei ist und wir weitergehen. Klappt ganz gut. Habe ich die Möglichkeit einen Bogen zu laufen oder größeren Abstand zu halten, nehme ich sie auf die, dem entgegenkommenden Hund abgewandte Seite, heißt, ich bin dazwischen, mittlerweile schaut sie mich dann schon immer öfter an, wieder wandert ein Lecker aus meiner Tasche, das ich ihr zeige, bekommen tut sie's erst, wenn sie ruhig vorbeigegangen ist. Wenn nicht, wanderts wieder in meine Tasche. Klappt auch gut.

    Zu den Trainingshunden: habe ich aktuell in meinen Einzelstunden. Wir sind mit Trainer im Park und warten auf Hunde, denen wir entgegengehen können, geht grundsätzlich in die Hose, weil ich (aufgrund der Traineranwesenheit und man will ja zeigen, dass es funktioniert - Vorführeffekt) nervös, angespannt etc. bin und die Situation gestellt ist. Im "wirklichen" Leben meide ich Begegnungen, wo ich weiß, das klappt nicht (erkenne ich an dem mir entgegenkommenden Hund). Hund merkt das, schon habe ich den ON-Knopf gedrückt und sie geht hoch. Hundebegegnungen trainiere ich auf meinen täglichen Gassigängen (wenn ich in Stimmung bin) und handel situativ, weil ich viel entspannter bin. Von 5 Begegnungen klappen 4 ohne Theater.

    Bin ich aber irgendwo auf dem HuPla, wo einige Hunde auf dem Platz sind, macht sie nicht einen Mucks.

    LG Marion

  • Hey Marion,

    ja der Vorführeffekt ist immer der beste :lol:

    Werde deine Taktik auf jeden Fall auch mal versuchen, denn du wirst es nicht glauben, ich hab es mit meinem Hund ebenfalls schon paar mal versucht ihn sitzen zu lassen, wenn ein Hund kam und ich meine mir einzubilden, dass es teilweise besser funktioniert hat als vorbei zu gehen. (obwohl der Hundetrainer immer sagte schnell vorbei wäre immer der beste Weg) Klar hatte ich beim 'Absitzen' lassen auch schon die Reaktion, dass er aufgesprungen ist, aber da habe ich dann einfach versucht mich auf´s Prinzip zu konzentrieren, und zwar, dass ich ihm das Kommando Sitz gegeben habe und er somit nicht einfach aufzuspringen hat, also habe ich ihn nur darin versucht zu korrigieren. Was machst du oder vielmehr hattest du gemacht, wenn sie aus dem Sitz aufgesprungen ist und versucht hat in Richtung Hund zu reagieren?

    Lg
    Jen

    P.S.: Wünsche dir weiterhin viel Erfolg! Vielleicht hast du es ja bald ganz im Griff!

  • Hallo Jen, hat sie auch schon gemacht (also aufgesprungen und in Richtung des Hundes reagiert). Dann gibts ein's auf den Deckel in Form eines körperlichen Verweises und 'ne klare Ansage. Ich sehe halt zu, dass ich so vor ihr stehe, dass sie in mich reinspringt (was aber mittlerweile sehr selten vorkommt) und das wird unangenehm.

    LG Marion

  • Seltsam das es auf dem Hundeplatz bei vielen so gut klappt.
    Na mein Rüde war wohl Hundeplatz unerfahren und mit mir das erstamal dort wo das Kind schon im Brunnen gefallen war. Da ist jeder Hund ein Übungsobjekt. Egal ob ich ihn hab oder die Trainerin oder er allein am Zaun angebunden ist...

    Aber mit nem Trainer der da wirklich Erfahrung mit hat und man hat viele "Übungsobjekte" diese in nem Verein eben ne halbe Stunde bis Stunde zur verfügung, da bekommt man richtig viel Sicherheit.

    Bin kein Stück mehr Nervös wenn ich andere Hunde sehe, nichtmal wenn mein Rüde pöbelt. Manche Hunde haben eben eine art die Pöbelt er eben noch an.
    Ich lass mich davon nicht Stressen, denn ich hab mein durch den Hundeverein antrainiertes programm was ich durchzieh. Das es Funktioniert hab ich ja durch die regelmässig 30min.-1std. Training auf dem platz schon gemerkt.

    Meist klappt es! Bei manchen Hunden nur mit abstand und bei manch anderen Hunden, wo ich mittlerweile auch durch die Trainerin weiß warum, eben derzeit noch garnicht. bei denen wo es noch garnicht klappt Stress ich mich erst recht nicht mehr, ich weiß ja wodran es liegt und das weder ich noch mein Rüde wirklich dran schuld sind...

    Aber natürlich liegt es in meiner Pflicht auch das Pöbeln bei solchen Hunden weg zu Trainieren ;). Andere Halter können ja nicht dafür das ihr Hund eine angeborene Imponierende Körperhaltung hat.

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