Einmal ängstlich, immer ängstlich?

  • Hallo!
    Ich habe mich nach gründlicher Überlegung dazu entschlossen, mir einen Zweithund zuzulegen.
    Nach dem ich in mehreren Tierheimen nach einem passenden Hund geschaut habe, bin ich diese Woche fündig geworden. :lol:
    Das kleine Mädel scheint sich gut mit meiner Diva zu verstehen und Katzen und Pferde sind auch völlig problemlos.
    Die kleine Maus kommt aus schlechter Haltung und hat mit ihren 2 Jahren absolut noch nichts kennengelernt. Sie ist unglaublich ängstlich und scheu.
    Meine Frage lautet nun, ob ihr schonmal Erfahrungen gemacht habt mit ängstlichen Hunden und in wie weit sich das gelegt hat.
    Oder sind die Chancen eher schlecht, dass sie ein gesundes Selbstbewußtsein entwickelt?
    Vielen Dank für eure Antworten!

  • Hi,

    das klingt fast wie bei uns. Ich habe meine Zweitündin mit ca 2,5 Jahren übernommen.
    Was auch immer war lässt sich nicht so ganz nachvollziehen, aber sie ist sehr ängstlich gewesen.
    Ich habe sie jetzt seit ca 1 1/2 jahren. Ich habe sehr viel mit ihr gearbeitet und es ist jetzt schon etwas besser geworden und trotzdem ist es in vielen Situationen schwierig.
    Sie orientiert sich ziemlich gut an meiner souveränen Althündin, aber wenn sie alleine mit mir unterwegs ist, ist sie sehr unsicher.
    Bis zu einem gewissen Grad bekommt man es bestimmt hin, aber je nachdem wie auch ihr Charakter ist, wirst Du immer einen Hund haben, für den Du im voraus denken musst, damit Du sie entweder absichern kannst oder sie gar nicht erst in für sie schwierige Situationen kommt.
    Wichtig ist eine gutes Vertrauensverhältnis und das benötigt Zeit.

    Gruß
    Nadine

  • Hallo,

    unsere Mila ist die bislang ängstlichste Hündin, die je bei uns lebte. Sie kam mit zweieinhalb Jahren zu uns, nachdem sie 2 Jahre bei "Züchter" :hust: an der kurzen Kette hing und danach im Tierheim lebte.

    Sie hatte Angst, teils Panik vor fast allem. Alltagsgeräusche waren ihr total suspekt und mehr als einmal machte sie auch im Haus riesige Sprünge vor lauter Angst. Bewegungen von uns waren für sie ebenfalls sehr schlimm und sie hatte immer und immer wieder ängstlich-panische "Anwandlungen". Einzig vor anderen Hunden hatte sie noch nie Angst.

    Aber: Mila ist ein sehr neugieriger Hund und mein Mann arbeitet wirklich viel an der Bindung zu ihr. Dadurch hat er in den 6 Monaten, wo Mila nun bei uns lebt, immense Fortschritte gemacht und Mila natürlich auch.

    Beim ersten Termin in der Hundeschule vor 6 Wochen hielt sie riesigen Abstand zu den 5-6 anwesenden Menschen.
    Heute ging sie erstmals zu einer dieser Personen hin um zu betteln :smile: An sich müsste man das natürlich unterbinden und wir holen sie dann auch dort weg, aber es freut uns einfach, dass sie langsam die Angst vor Menschen verliert.

    Gleiches bei der A-Wand. Sie lief halb hoch und stand dann steif und geduckt und mit eingezogenem Schwanz. Mein Mann drängte sie nicht, zog sie nicht, schob nicht. Er ermunterte sie nur, weiter zu gehen. Das hat garantiert so 3 Minuten gedauert, bis sich ihre Körperhaltung veränderte, lockerte. Und plötzlich lief sie einfach weiter, als hätte sie nie was anderes gemacht. Kurz darauf der zweite Durchlauf ... ohne Probleme *freu*.

    Wir denken mittlerweile, dass sie wir - sie ist ein Jagdhund - auf weiter Flur in einigen Monaten mal frei laufen lassen können. Aber eben nur zu bestimmten Zeiten sicher nie in der Stadt. Denn so ein souveräner Hund wie unsere Pupa wird Mila sicher nie werden.

    Das merken wir an unserer Zampa, die nun seit zweieinhalb Jahren bei uns lebt. Nach wie vor gibt es Geräusche, die sie zusammenzucken oder aus dem Stand auch mal mehr als einen Meter zu Seite springen lassen. Nicht, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht hat, sondern eben einfach deshalb, weil sie bis zum Alter von eineinhalb Jahren so gut wie nichts kennenlernte. Daher läuft auf Zampa innerhalb der Stadt immer an der Leine.

    Das Wichtigste, wenn ein solcher Hund ins Haus kommt, ist die doppelte Sicherung durch Halsband und Geschirr bzw. noch besser einem ausbruchsicherem Geschirr.

    Die Freude jedoch, wenn gerade ein ängstlicher Hund so nach und nach die Angst verliert, ist wirklich wunderschön.

    Liebe Grüße

    Doris

  • Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Habe meine Hündin jetzt knapp 1,5Jahre bei mir. Ungefähr ihr erstes Jahr lernte sie nichts außer Haus und Garten kennen. Sie hat mit uns außer ihrer Mutter und ihren Geschwistern das erstemal einen anderen Hund gesehen...Sie hatte panische Angst vor Menschen, Hunden, anderen Tieren usw. Sie lief einfach blind drauf los und wollte nur weg...Richtige Panikattacken hatte sie.

    Heute hat sie auch noch Situationen wo sie Angst hat, aber sie orientiert sich immer an uns. Sie wird wahrscheinlich nie ein "normaler" Hund sein, der es toll findet, wenn fremde Hunde auf sie zustürmen oder fremde Menschen sie anfassen wollen, aber bis auf ein verbellen hin und wieder und sonst nur einem verstecken hinter unseren Beinen läuft es im Vergleich zu Anfang super! Es gibt ein paar Typen Mensch, die sind ihr immer noch umheimlich, aber wir trainieren weiter und machen weiter Fortschritte! Und jedesmal bis heute, wenn sie frei mit anderen Hunden spielt (auch wenn das nur wenige Hunde sind) und sie ganz vorsichtig sich fremden Menschen nährt ist es ein tolles Gefühl für mich! Wir haben echt hart bis hier gearbeitet und das auch einen großen Teil des Weges mit einem Profi an der Seite und wir sind einfach glücklich mit dem Hund!

    Muss auch sagen, dass die Bindung zu einem ängstlichen Hund wirklich sehr intensiv sein kann! Es ist schwer einen Platz in seinem Vertrauen zu bekommen, aber hat man es einmal geschafft vertraut der Hund einem blind und ist sehr dankbar für alles!

    Unsere Hündin ist gerade bei ihrer Ausbildung zum Jagdgebrauchshund und das hätte zu Anfang ihr NIEMAND zugetraut und bis jetzt macht sie sich super! Auch das Arbeiten an ihren Talenten und ihrem Trieb gibt ihr noch mal zusätzlich ein grüßes Stück mehr Vertrauen in sich selbst!

    Also, überlege dir wirklich gut, ob du dir das "antun" willst, denn das ganze ist wirklich eine große ziemlich aufwendige Aufgabe, aber sie gibt einem auch eine Menge zurück!

  • hallo,

    ein ängstlicher hund wird nicht immer ängstlich bleiben, wenn man mit ihm arbeitet, aber ich denke schon, dass es ein unsicherer hund bleibt - jedenfalls in gewissen situationen.

    gruß marion

  • Zitat

    hallo,

    ein ängstlicher hund wird nicht immer ängstlich bleiben, wenn man mit ihm arbeitet, aber ich denke schon, dass es ein unsicherer hund bleibt - jedenfalls in gewissen situationen.

    gruß marion

    Das trifft es auf den Punkt! :)

  • Wenn du einen souveränen Ersthund hast, denk ich ist es schon mal kein schlechter Anfang. Ansonsten solltest du dir wirklich bewusst sein, das es Zeit braucht, wie schon geschrieben, sowie viel Überblick & vorrausschauendes Verhalten (man lernt aber auch dazu :D ). Rückschläge solltest du verkraften können.

    Helfen tun viele tapfere Freiwillige, die sich auch von einem Bluffen oder Knurren nicht erschrecken lassen & Hundebegegnungen mit souveränen Hunden, sowie den Schisser, langsam soweit es tagesbedingt geht, überall mit hin zu nehmen.

    Entschädigt wird man dafür (wenn man weitestgehend alles richtig macht oder das zumindest glaubt :hust: ) mit einer besonderen Hund/ Menschbeziehung, die geprägt ist von einem besonders tiefen Vertrauen.

    Wir haben unsere Hündin jetzt 3 Jahre. Mein tollstes Erlebnis in letzter Zeit? Josy auf einem Schlittenhunderennen. Viele Hunde (arge Bürstengefahr)- sie blieb weitestgehend entspannt. :cuinlove: Fremde Leute in Massen. Menschen soweit sind wir im letzten Jahr gekommen, werden nicht angemacht- lässt du mich in Ruhe lass ich dich in Ruhe so das Motto bisher. :lol:

    Da waren aber Menschen die sie riefen & zu sich locken wollten- bis jetzt absolut nicht denkbar (knurren, verbellen- komplettes Programm). Doch Josy nur kurz gebrummt, bisschen Rute eingezogen- das fremde Mensch lockte erneut & Josy zögerlich wedelnd hin gegangen & sich kraulen lassen. Ich stand breit grinsend da & hätt heulen können. :wolke7: Tja & es hat bei mehreren fremden Leuten funktioniert. „Halbfremde“ die sonst nur toleriert wurden sind seitdem schon Kumpels- mein Opa wurde letztens sogar zum Spielen aufgefordert, meinen Bruder das Ohr abgeleckt…

  • Zitat

    Ich stand breit grinsend da & hätt heulen können. :wolke7:


    das kann ich mir vorstellen. :D

    noch ein nachtrag:
    wenn man sich so einen hund nimmt und sich auf ihn einläßt, lernt man sehr viel.

    gruß marion

  • Zitat

    das kann ich mir vorstellen. :D

    noch ein nachtrag:
    wenn man sich so einen hund nimmt und sich auf ihn einläßt, lernt man sehr viel.
    gruß marion

    wie wahr, wie wahr! :D & man lässt einges an Nerven & fragt sich ab & an in dunkelsten Stunden "warum"??? Dann kommt die Fellnase an, kuschelt sich in deine Arme, guckt sich mit dem vertrauensseligsten Blick auf Erden an & der böse Gedanke wird weeiiiit weg geschoben. Irgendwie gehts immer weiter & voran. ;) wenn nicht rechts rum, dann halt links rum. =)

  • Zitat

    das kann ich mir vorstellen. :D

    Ich mir auch :D

    Was auch wichtig ist: Ist der Hund ängstlich-zurückweichend oder ängstlich-nach vorne gehend.
    Das macht einen gewaltigen Unterschied.

    Unser Baffo kam zu uns ... mensch, 12 Jahre ist das nun schon fast her ... und war angst-aggressiv. Die Jahre mit ihm waren alles andere als einfach und wir wussten mehrmals nicht weiter. Gerade auch, weil wir hier im Umkreis keine Hilfe bekamen. Dennoch haben wir das bisherige gemeinsame Leben gut gemeistert *freu*. Aber er wird immer (!) ein Angstbeißer bleiben.

    Zampa und Mila hingegen weichen zurück, ich kann mir nicht vorstellen, dass sie nach vorne gehen würden.

    Wüsste ich, dass ein ängstlicher Hund bei mir einziehen soll, würde ich den auch immer selbst abholen. Wo auch immer.

    Wie Marion schreibt: Man lernt immens viel im Zusammenleben mit solchen Hunden.

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