Physiotherapeut/Osteopath oder erst TA, bitte Hilfe

  • Hallo Ihr Lieben,

    hab ein Problem mit meiner Jack-Russell-Mischlingshündin, 2,5 Jahre alt, sportliche Figur, 7,5 kg.

    Sie lahmt vorne links, immer dann, wenn wir im Urlaub sind, oder waren, schon zum dritten Mal. Erst fiel es mir schwer, einen Zusammenhang festzustellen. Mittlerweile bin ich dahintergekommen. Ich vermute, es hängt damit zusammen, dass sie dort häufiger an der Leine gehen muss, als zu Hause.

    Daheim läuft sie fast immer ohne Leine, sie hört spitzenmäßig, Leine brauchen wir nur, wenn Autoverkehr in Sicht ist. Wir halten es so, dass Halsband heißt, Stadtgang, Leine muss durchhängen, es wird auf Frauchen geachtet. Geschirr heißt, Landgang mit Schnüffeln, Hin- und Herlaufen und auch mal die Leine straffen.

    In Niedersachsen musste sie fast die ganze Zeit an der Leine laufen (Geschirr) und war nach wenigen Tagen lahm.

    Ich habe in Niedersachsen bei Beate Warnat geclickert und sie ist ja auch Physiotherapeutin. Sie hat sich Jacky angesehen und hat festgestellt, das das Iliosakralgelenk (schreibt man das so) blockiert ist und ein Brustwirbel im Bereich der Schulter. Leider ließen sich die Blockaden beim Clickertraining nicht lösen, da Jacky nicht locker gelassen hat. Sie empfahl mir, daheim einen guten Physiotherapeuten oder Osteopathen aufzusuchen, der das richtet.

    Wir mussten nach dem Clickern aufbrechen und Richtung Heimat fahren, so dass kein weiterer Versuch möglich war.

    Nun meine Frage:
    Ich habe mit Physio... und ähnlichem keine Erfahrung. Ich habe Angst, dass irgendjemand, den ich nicht einschätzen kann, an meiner Hündin herumrenkt, ohne zu wissen, was er macht (habe schlechte Erfahrungen bei meinem Pferd gemacht, Stute war danach monatelang lahm).

    Wie stell ich das am schlausten an? Lass ich erst einen TA draufschauen, der mich dann ggfls. weiterschickt an einen Physio? Oder gibt es TAs, die vielleicht beides machen, oder soll ich mir einfach jemanden vor Ort suchen, und schauen, was der für einen Eindruck auf mich macht.

    Habe einfach Angst, dass jemand was an meinem Hund kaputt macht, da ich keine Ahnung auf diesem Gebiet habe. Komme aus 58300 Wetter, vielleicht hat jemand einen Tipp.

    Danke schonmal
    lg Andrea

  • Hallo Andrea,
    es gibt noch einen weiteren Weg, ganz ohne "Einrenken"....

    Da die Problematik bei Deiner Hündin offensichtlich schon länger besteht, kannst Du davon ausgehen, dass sich Muskulatur/Sehnen/Bänder in gewisser Weise schon an die "Schiefe" angepaßt haben.

    Würde man dann durch chiropraktische Griffe "einrenken", wird zwar für einen kurzen Zeitraum die normale Stellung im ISG und in der BWS wieder hergestellt, aber eine kurze, falsche Bewegung genügt und die immer noch verkrampfte Muskulatur zieht das Ganze wieder in die falsche Stellung zurück.

    In solch einem Fall ist der - zwar längere, aber erfolgversprechenere - Weg zu empfehlen, zunächst an der Muskulatur zu arbeiten, die reflektorische Verkrampfung zu lösen, Bänder und Sehnen durch vorsichtige Dehnungen wieder zu bessern und erst dann durch sanfte Manilpulationen - ganz ohne spektaluläres "Knirsch und Knack" die Blockaden zu lösen.
    Danach erfolgt noch ein Muskeltrainung um das Ganze zu stabilisieren.

    Dies ist ein etwas "längerer" Weg, aber dahingehend besser, dass bei jeder "mißglückten" Manipulation, bei der die Blockaden sofort wieder auftreten, die Gefahr von Mikrotraumen in den betroffenen Gelenken (Wirbelgelenke, etc) mit nachfolgender Arthrosegefahr recht groß ist.

    Deshalb mein Tipp - einen Physiotherapeuten suchen und das Ganze langsam und vorsichtig angehen.

    HTH, LG,
    Chris

  • Hallo liebe Chris,

    auf eine Antwort von Dir hatte ich gehofft. Bin Dir total dankbar. Das ist genau der Weg, den ich bevorzugen würde. Ich wusste nur nicht, ob dies überhaupt auf die sanfte Tour möglich ist.

    Ich hatte sowohl Angst davor, dass der TA mir einfach nur Schmerzmittel gibt, ich abwarten soll und beim nächsten längeren Leinenzwang das gleiche Problem wieder auftritt und zweitens hatte ich Angst vor einem Osteopathen, der vielleicht nur kurzfristig einrenkt und unter Umständen die Bänder und das Gewebe herum immer lockerer werden und das Problem dadurch auch wieder auftritt.

    Könntest Du mir bitte noch sagen, auf was ich bei der Auswahl eines guten Physiotherapeuten achten soll?

    Danke nochmal für Deine Hilfe. Bin Dir total dankbar. Schade, dass Du so weit weg bist, ich würde Deine praktische Hilfe gern in Anspruch nehmen.

    Viele liebe Grüße
    Andrea

  • Zitat

    Könntest Du mir bitte noch sagen, auf was ich bei der Auswahl eines guten Physiotherapeuten achten soll?

    Ja, das ist ähnlich wie bei THP immer die Gretchenfrage. Die Qualifikationen sind z. t. sehr unterschiedlich.
    Du kannst im telefonischen Erstkontakt ja einfach mal vorfühlen, ob der/die TP ein wie oben beschriebenes Vorgehen favorisieren würde...
    Allerding wird sich ein guter TP nicht im Vorfeld festlegen wollen, sondern sich den Hund selbst erst einmal genau ansehen wollen, um einen "ist-Zustand" von Muskulatur, Blockaden, Bewegungsamplituden zu haben und dann danach die Vorgehensweise zu entscheiden.

    Ein guter TP wird Dir alles schlüssig erklären, was er da gerade macht, Dich auch mal selbst fühlen lassen, wenn er besonders verkrampfte Stellen findet und Dir Übungen für Zuhause zeigen.

    Nimm unbedingt das Geschirr mit - dann kann man gleich sehen, wo genau eigentlich da die Problematik ist und was man besser machen kann.

    LG, Chris

  • Also meine erkenntnis ist normal bei jedem neuen Leiden ob mensch oder Tier, zuerst zum Arzt, dann zum physio. War das problem schonmal und hat diesen weg bereit bestritten kann man auch direkt zum physio.

  • Roland:

    Da antworte ich mit einem Jein.

    Einfach aus der Erfahrung heraus, dass ein Großteil der TÄ bei einer gelegentlich auftretenden Lahmheit a) zum Abwarten rät, b) zu Schema F - 14 Tage Schmerzmittel und dann bei erneuter Lahmheit wiedervorstellen rät.

    Also nicht unbedingt der Diagnose-Trip, der Dir vermutlich so vorschwebt.
    Ist im Grunde auch keine grundverkehrte Vorgehensweise, weil sich 2/3 der akut auftretenden Lahmheiten je nach Grad auch tatsächlich von allein wieder beruhigen, ohne dass man hunderte von Euro in die Diagnostik gesteckt hätte. Wirbelblockaden lassen sich per Röntgen und CT fast nicht darstellen - da handelt es sich um Verschiebungen im Millimeter-Bereich.

    Ein guter Physiotherapeut kann in einer Erstuntersuchung - für die die meisten TÄ schlicht keine Zeit mehr haben, Können könnten sie es, aber wer will schon 1,5 Stunden Lahmheitsuntersuchung beim TA bezahlen? - sehr viel zu einer nicht-geräte-basierten Diagnostik beitragen, gerade in einem Fall, wo ein sehr eindeutiger Verdachtsmoment bezüglich der Ursache besteht.

    Heißt also - grundsätzlich geb ich Dir Recht, da sollte der erste Gang der zum TA sein, hier in diesem Fall unter diesen Voraussetzungen ist die geplante Vorgehensweise aber absolut vertretbar.

    LG, Chris

  • Hallo Ihr Zwei,

    ich war beim ersten und zweiten Auftreten der Lahmheit beim TA. Es wurde das Pfötchen und die Schulter abgetastet, ohne Ergebnis. Dann bekam ich für 5 Tage Schmerzmittel mit und sollte bei Wiederauftreten nochmals kommen um das Bein röntgen zu lassen.

    Nach der Schmerzmittelgabe hatte sich das Problem jeweils wieder erledigt, bis zum nächsten Urlaub, wo sie wieder stundenlang im Geschirr an langer, nicht immer durchhängender Leine mit uns unterwegs war.

    Erst beim dritten Mal bin ich stutzig geworden und hab nachgedacht, was im Urlaub immer so anders ist. So bin ich auf das Laufen im Geschirr gekommen.

    Ich bin übrigens am Montag hier http://www.pfötchen-fit.de. Mal schauen, was dabei raus kommt. Ich soll mir für die Erstbefundung 1 - 1,5 Stunden Zeit nehmen und sie sagte von sich aus, dass es auf jeden Fall sanft und nachhaltig gemacht wird.

    Falls es von Interesse ist, werde ich berichten.

    lg Andrea

  • So, sind dann wieder da!!

    Ich fand es recht aufschlussreich, wenn auch etwas anderes dabei raus gekommen ist, als bei ersten Schnelldiagnose im Urlaub.

    Erst wurde eine Anamnese gemacht, so mit Aufnahme der Daten, Krankheiten, Allergien, Futter usw. Nebenbei hat sie sich schonmal etwas mit Jacky angefreundet damit sie Vertrauen fasst.

    Danach hat sie Jacky beim Laufen beobachtet, drinnen und auch draußen. Wir haben uns dann im Behandlungsraum auf den Boden gesetzt und sie hat Jacky eingehend im Rückenbereich abgetastet, im Stehen und im Liegen. War ein Staatsakt, bis meine Hündin das relativ locker über sich ergehen ließ. Es konnten keine Blockaden oder Verschiebungen festgestellt werden.

    Zur Vorsicht wurde noch die Muskulatur vermessen, aber beide Seiten sind total gleich.

    In Seitenlage wurde sie dann nochmal abgetastet und die Muskulatur der Vorderbeine etwas gedehnt. Beim Dehnen des Trizeps auf der linken Seite hat sie eine Schmerzreaktion gezeigt und ist abgehauen. Beim Weglaufen hat sie dann wieder ein bissl gelahmt.

    Vermutet wird nun eine Verhärtung der Oberarmmuskulatur im Bereich des Trizeps.

    Nach der ganzen Prozedur war Jacky doch ein bisschen fertig aber nicht mehr ängstlich.

    Am Donnerstag will sie versuchen die Verhärtung aus dem Muskel herauszumassieren, zumindest damit anfangen, ich hoffe ich hab das richtig verstanden.

    Ich soll weiter Traumeel geben und nur noch am Halsband, anstatt am Geschirr laufen (sie ist ja sowieso am Halsband führiger) Parallel will sie sich nochmal Gedanken machen, welches Geschirr wohl schonender sein könnte.

    Ich hoffe, ich hab nichts vergessen. Hab einen guten Eindruck und bin gespannt auf Donnerstag.

    lg Andrea

  • Hallo,
    das liest sich jetzt erstmal sehr schlüssig - und ist auch nicht eine komplett neue Meinung. Kann schon sein, dass sich die Blockaden DOCH durch den ersten Manipulationsversuch gebessert haben, sich dies nur zu dem Zeitpunkt durch die Anspannung gar nicht so feststellen liess und die Verkrampfung im Trizeps einfach noch eine Folge davon ist.

    Weiter viel Erfolg - und berichte, ob´s besser wird.

    LG, Chris

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