Medical Training mit Schwerpunkt auf einem Kooperationssignal wäre mein Vorschlag.
Da unterschreib ich vollumfänglich.
Mein Hund war ähnlich unkooperativ wie deiner. Zecken ziehen nur mit Maulkorb und Fixierung durch eine andere Person, die heiligen Pfoten zu berühren hat zum Abschnappen geführt und wehe Streicheln hat sich plötzlich nach Untersuchung angefühlt.
Der Weg über "einfach durchziehen" hätte bei uns nicht geklappt, weil ich dafür zu Beginn einfach nicht die richtige Ausstrahlung hatte. Weder hatte ich genug Vertrauen in meinen Hund noch in mein Handling. Wenn wir nicht weiter kämpfen wollten, führte für uns kein Weg am Kooperationstraining vorbei.
Ja, es dauert manchmal länger, vor allem, wenn man schon so festgefahren ist. Da muss man extrem kleinschrittig und über Umwege gehen, sonst könnte es sein, dass der Hund auch das Vertrauen in diese neue Herangehensweise super schnell verliert.
Aber, vielleicht als kleiner Ausblick: Krallenschneiden funktioniert hier inzwischen in Seitenlage, Carlo schläft dabei sogar fast ein. Zähneputzen wird allabendlich von ihm eingefordert und Zecken ziehe ich alleine ohne Maulkorb.
Wie ich jetzt an deiner Stelle vorgehen würde:
erstmal so viel wie möglich an direkten Konflikten über Management umgehen. Zeckensaison ist ja eh fast rum, aber da war unser Gamechanger Simparica. Eine Sorge weniger bei Hund und Mensch.
Krallen: entweder beim TA machen lassen, wenns notwendig ist, oder versuchen, über ein Kratzbrett in Schach zu halten.
Zähne: ebenfalls TA.
So dass du erstmal deine Finger nicht mehr unbedingt an den Hund bringen musst.
Dann würde ich anfangen, dem Hund das Konzept Kooperationssignal beizubringen. Erstmal ganz weit außerhalb von irgendwelchen Manipulationsversuchen. Keine Bürste, keine Zeckenzange. Einfach mit irgendwas anfangen, was unbelastet ist.
Ich pack mal ein Video mit dazu, wie man so ein Startsignal aufbauen kann, ohne dabei in Richtung Medical Training zu gehen. Wichtig ist, dass der Hund versteht, er gibt das Tempo vor.
In dem Video gehts darum, dem Hund beizubringen, dass seine Aktion (Pfote heben) einen Gegenstand erscheinen lässt, der Kekse verspricht.
(Das komplette Training hab ich für einen Kurs aufgenommen, hier gibts die ganze Playlist, von Trockenübungen mit einem Stofftier bis hin zur Einführung des Maulkorbs und den ersten Nase-in-MK Trainingsschritten: Start Button Behaviour Playlist
Wenn du so weit bist, dass der Hund versteht, dass er dich mit seinen Aktionen steuern kann, kannst du dazu übergehen, tatsächlich mit zum Beispiel der Bürste zu arbeiten. Auch hier, super kleinschrittig und immer gut auf die Körpersprache achten. Zeigt der Hund Unwohlsein, warst du zu schnell.
Am besten auch das berücksichtigen, was hier eh schon viele gesagt haben: die Orte für Medical Training und Kuscheln ganz deutlich trennen, so dass klar ist, Couch ist Freizeit. Für beide. Und dich daran aber auch halten! Du musst da super verbindlich und verlässlich sein.
Ich empfehle auch immer gern, jedes Training zu filmen. Man sieht so viel mehr, wenn man später in Ruhe nochmal drüber guckt. Das ist so ein einfaches, aber so hilfreiches Tool!
Und dann, ja, nimm dir mal einen Abend Zeit und stöbere durch den Medical Training Thread. Das ist eine Goldgrube an Wissen!