Ich erziehe/trainiere wissenschaftlich fundiert und so „nett“ wie möglich und so wenig aversiv wie nötig.
Absolut Tabu sind für mich alles was dem Hund Schmerzen zufügt und/oder psychologisch Gewalt sind.
Ich arbeite auch mit Körpersprache und dazu gehört auch blockieren (nicht aus dem nichts und nicht unnötig intensiv).
und wichtig: immer an den individuellen Hund und die Situation angepasst.
This!
Als wir Carlo übernommen haben, war alles, was keine positive Verstärkung war, wie der Ritt auf einem Pulverfass. Carlo ist Meister im positiv Strafen und er hat sich da nicht zurückgenommen. Hat er sich auch nur im Allerkleinsten unter Druck gesetzt oder unfair behandelt gefühlt, ist er explodiert.
Oben drauf war ich in Sachen Strafen ein Noob. Konnte ich nicht, wollte ich nicht, widersprach zutiefst meiner weichen Wattebausch-Seele.
Es ging.
Sehr gut sogar.
Wir haben in den ersten Jahren so krasse Fortschritte gemacht, die ich nie für möglich gehalten habe.
Aber es war so anstrengend. Immer um die Ecke denken, immer Alternativen im Kopf haben, Training, Training, Training und Management, Management, Management.
Und dann, Halleluja, ich kann mich noch ganz genau erinnern, als Carlo das erste Mal einen körperlichen Block von mir angenommen hat, ohne dagegen zu gehen. Das hat uns tatsächlich nochmal eine ganz neue Welt des Trainings eröffnet. Nicht, dass ich jetzt nur noch geblockt und draufgehauen habe, OMG, nein. Wie BadlyConfused schon so schön gesagt hat, Schmerzen und vor allem psychologische Gewalt sind (im kontrollierten Umgang, falls jetzt wieder jemand mit einem konstruierten "Aber wenn euch der Himmel auf den Kopf fällt, der Hund drei Giftköder und den Kopf vom Kleinkind im Maul hat"-Szenario daher kommt: in so einer Situation gilt natürlich Sicherheit für alle vor meinem ethischen Kompass) für mich Tabu.
Aber.. es macht das Leben so viel einfacher, wenn man dem Hund auch mal "Nein" sagen kann und der das annimmt und es für alle Beteiligten OK ist. Dass ich, wenn er Druck macht, auch mal gegenhalten kann und er sich trollt und mir nicht ins Gesicht springt.
Trotzdem bilde ich mich weiter, lerne dazu, versuche weiterhin hauptsächlich über positive Verstärkung zu arbeiten und zu reflektieren und auszubrechen, wenn ich in einer "Nein-Spirale" gefangen bin.