Ich habe hier ja nur einen Angsthund light - ihres Zeichens großer Hasenfuß, der glücklicherweise aber auch mit großer Neugierde gesegnet ist.
Wir sind jetzt nach 1,5 Jahren so weit, dass sie von sich aus Kontakt zu ihr mittlerweile bekannten Männern aufnimmt (also nur auserwählten und sie sollen sie bitte auch nicht angucken) und sie anschnuppert. Ist das getan, lässt sie sich auch bald streicheln und fordert das dann auch mehr oder weniger frech ein. Wo ich andere Hunde direkt wegschicken würde, freuen wir uns bei ihr einfach drüber. Sie gerät bei ausnahmslos allen Männern nach wie vor ins Meideverhalten, wenn die was in ihren Augen gruseliges machen (laut sein, sich über sie beugen, zu ruckartige Bewegungen, …), fängt sich dann aber meistens schnell wieder.
In ein paar Wochen stehen bei uns in der Werkstatt auch große Umbaumassnahmen statt. Das wird echt laut und unruhig werden, mit den ganzen aufgeregten Männern, die dann hier rumrennen. Ich mache mir aber tatsächlich wenig Gedanken, ob das gut läuft mit ihr. Sie ist oben im Wohnbereich- da kriegt man zwar alles hautnah mit, aber das Bett dort ist ihr Safe Space und da schläft sie dann normalerweise einfach.
Beim Tierarzt friert sie weiterhin ein, ist aber mittlerweile so weit, dass sie direkt im Anschluss die Leckerchen vom Boden frisst. Da wir zum Glück nicht oft zum Arzt müssen, ist das einfach so. Sie lässt von mir alles untersuchen und machen, auch ohne freeze. Generell ist sie in der Interaktion mit mir nahezu komplett angstfrei, wir harmonieren sehr gut in Sachen Körpersprache und so.
Stadttraining kommt hier immer zu kurz. Da wird sie aber vermutlich nie ein entspannter Begleiter sein. Gibt schlimmeres, wenn man auf dem Dorf wohnt. :) Sie ist zumindest in der Lage, sich draußen zu lösen wenn wir zu Besuch in Berlin sind - das ist ja schon mal viel wert.
Alles in allem bin ich wahnsinnig stolz auf sie, wie sie sich entwickelt halt. Wir, die eng an ihr sind (und ich natürlich ganz besonders), sehen da natürlich viele Fortschritte. Die meisten sehen in ihr vermutlich weiterhin einen sehr schissigen Hund, der vor allem nur wegrennen will. Alles in allem bin ich aber sehr zufrieden, weil ich behaupten würde, dass sie in ihrem Leben bei uns ein sehr gutes Mittelmaß aus „entspannt ihr Leben leben“ und „Mit Reizen konfrontiert werden, um auch mal über sich hinaus zu wachsen“ hat.
Vielleicht lese ich in weiteren 1,5 Jahren ja nochmal meinen Beitrag und freue mich, weil bestimmte Themen da dann der Vergangenheit angehören.