Nur mal so am Rande ... vielleicht magst du ja wirklich mal zu einer richtigen Zug-/Schlittenhundesport-Veranstaltung gehen. Vielleicht magst du auch mal beim Training deines Züchters zugucken oder mitfahren, wenn du da doch eh schon einen Kontakt hast, dann nutz den doch. Schau dir an, was die Hunde in ihrem Alltag machen, wie deren Auslastung aussieht. Online und auf Videos klingt das immer so einfach und schön, aber es ist halt doch auch viel "technischer" und "langweiliger" Kram dabei. Gerade die Grundlagen sind eigentlich erstmal ziemlich langweilig.
Mein erster Hund sollte am liebsten ein Deutscher Schäferhund sein. Der ist schlau, sieht schön aus, war schon immer mein Traumhund ... aber uff, die Auslastung. Bei solchen Rassen muss Hundesport einfach sein, und das am besten rassegerecht. Beim Schäferhund also IGP oder mindestens Mantrailing. Beim Husky dann eben richtiger Zughundesport, bei dem man am Tag 20-40 km in abgelegenen Gebieten macht. Nicht im Ort, nicht im Wald im ~5 km-Umkreis des Ortes - nee, am besten wirklich mitten in der Pampa, wo man selten (lies: 3-6x im Jahr) auf andere Menschen/Hunde trifft. Wenn der Hund nicht absolut im Gehorsam steht, wird Zughundesport sehr schnell sehr gefährlich. Vor allem mit so ner Jagdsau wie Huskies es häufig sind.
Ganz ehrlich: als Hundeanfänger ohne jegliche Vorerfahrung hab ich mir DAS nicht zugetraut, zumal Schäferhunde in den falschen Händen schnell mal brandgefährlich werden. Und weil ich mir eben auch nicht vorstellen konnte, irgendeinen Hundesport auszuüben (und das mehr als 1x die Woche), schon gar nicht im Verein mit anderen Menschen, wurd's ein netter unkomplizierter Hund aus dem TS.
Halbes Jahr später hab ich gemerkt: ok, mir fehlt irgendwas. Dann zog der nicht ganz so unkomplizierte Zweithund mit einer ganzen Reihe an Problemen ein. Der hat erstmal im Alltag rund ein Jahr (!) Training gebraucht, damit normale Spaziergänge und Ausflüge mit ihm möglich waren. Erst dann hab ich gemerkt, dass ich irgendwas außer Gassi gehen und wandern mit dem Hund machen will. Weil ich mir nicht vorstellen konnte, "stumpfen Gehorsam" in der Hundeschule zu üben, haben wir mit Mantrailing angefangen. Im Verein. Für mich als Sport- und Vereinsmuffel damals echt ne 180°-Wende.
So, nun sind seitdem knapp 3 Jahre vergangen. Aus 1x die Woche Mantrailing ist inzwischen min. 2x wöchentlich IGP (der klassische "Schäferhundsport") und 1x Mantrailing geworden. Weil es MIR Spaß macht, weil der bekloppte Hund Spaß daran hat und weil wir auch noch ganz nebenbei weiter an seinen Problemen arbeiten. Wir machen seit 3 Jahren Mantrailing, seit Mitte März machen wir IGP. Seit 7 Monaten üben wir das saubere Fuß gehen, arbeiten an sauberen Winkeln, an der idealen Grundstellung, daran, dass der Hund schön aufmerksam in der Ablage bleibt, sich nicht von geworfenem Spielzeug ablenken lässt und liegen bleibt ... und das immer nur so 8-10, vielleicht auch mal 12 Minuten lang. Weil der Hund einfach kopfmäßig noch nicht so viel Ausdauer hat, dass er über lange Zeit hinweg konzentriert arbeiten kann. Das dauert seine Zeit, bis der Hund zB bei Prüfungen auch mal 20 Minuten lang hochkonzentriert auf Kommandos hören kann. Und ähnlich wird's im Zughundesport sicher auch sein: da fängt man erstmal mit den absoluten Basics an, etabliert die üblichen Kommandos für Stop, Los, Links, Rechts ... ganz stumpf zu Fuß, bevor es überhaupt aufs Fahrrad, den Scooter o. Ä. geht. Und auch dann wird erstmal im Schritttempo geübt...
Und jetzt, nachdem ich weiß, Hundesport macht mir Spaß, entsteht endgültig der ernsthafte Plan, dass der nächste Hund ein Schäferhund vom Züchter wird. Weil ich nun weiß, worauf ich mich einlasse, sowohl in Hinsicht auf die Auslastung als auch auf die eventuellen Probleme, die so ein Hund mit sich bringen kann. Rund 4! Jahre, nachdem ich überhaupt dran gedacht habe, mir einen Hund anzuschaffen.
Nun isses ja nicht dein erster Hund, soweit ich weiß, aber mit der Zeit vergisst man gerne mal, wie anstrengend Hundehaltung überhaupt sein kann.
Dieses Pensum an Sport bedeutet übrigens, dass ich mittwochs und freitags von +-16 Uhr bis mindestens 20 Uhr außer Haus bin. Oft stehen wir 3-4 h lang am Hundeplatz. Samstags oder sonntags gehts dann um 7 aus den Federn, weil die inzwischen drei Hunde Gassi gehen wollen, weil das Zeug fürs Mantrailing vorbereitet werden muss, weil wir oft ne halbe Stunde Anfahrt haben ... und dann sind wir von min. 8.30 bis 12-14 Uhr auf Achse.
Heißt wiederum: für Aktivitäten, die nicht mit dem Hundesport oder den Hunden zu tun haben, hab ich quasi kaum noch Zeit. Das muss man auch berücksichtigen. Und v. A. auch Freunde haben, die dieses Weniger an Zeit nicht persönlich nehmen oder kein Problem damit haben, wenn man mal einen oder zwei Hunde mitschleppt. Die im Idealfall keine Angst vor dem bekloppten Köter mit Maulkorb haben.
Sobald ein Hund einzieht, wird der Freundeskreis oft schlagartig kleiner und verändert sich. 70% meiner jetzigen Freunde sind selbst Hundehalter oder Sportler.
Ich weiß, das ist meilenweit entfernt von deiner ursprünglichen Frage und ich merk schon, dass dein Plan ziemlich fest steht - ein Husky solls werden, um jeden Preis - und dass man dich davon ziemlich wahrscheinlich nicht mehr abbringen kann. Ich wünsche dir, dass du mit deiner Wahl glücklich wirst und irgendwann einsiehst, dass Radfahren innerorts mit einem jagdlich ambitionierten Hund ziemlich suboptimal ist.