Beiträge von Karpatenköter

    Da waren die Erwartungen an einen Hund aus einer völlig anderen Umgebung mal wieder zu hoch und man hat sich nicht gut genug darüber informiert, was ein Auslandshund so mit sich bringen kann...

    ... aber gut, ich will dir mal erklären, warum Lily sich so verhält.

    Was kann ich da tun? Der Verein sagt ich soll Geduld haben und abwarten, aber wie lange? Es sind 2 Monate vergangen und es ist keine Besserung in Sicht.

    Der Verein hat Recht. Zwei Monate sind nichts für einen Hund, der die ersten 2 Jahre seines Lebens in einer völlig anderen Umgebung verbracht hat.

    Weißt du, wie Lily aufgewachsen ist?

    So, wie sie sich aktuell bei dir verhält, hat sie sehr wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben eine Wohnung von innen gesehen. Das Konzept ist ihr völlig fremd. Das ist in etwa so, als würdest du einen Steinzeitmenschen auf den Berliner Alexanderplatz stellen - der totale Kulturschock!

    Zigtausend neue Gerüche.

    Abertausend unbekannte Geräusche.

    Tausende von fremden Menschen.

    Komische Blechbüchsen, in denen Menschen sich bewegen.

    Noch größere komische Blechbüchsen.

    Noch mehr Menschen.

    Du musst da wirklich Geduld mit ihr haben. Lily fängt quasi bei Null an, die fängt gerade erst an, den Alltag des klassischen deutschen Haushundes zu erlernen. Gib ihr Zeit. Lass ihr ihre Teppichwege, lass sie in ihrem Körbchen KOMPLETT in Ruhe. Das ist ihre sichere "Höhle", in die sie sich zurückzieht, wenn sie Sicherheit braucht. Und die braucht sie jetzt erstmal 24/7, damit sie überhaupt die ganzen neuen Reize verarbeiten kann.

    Beweg dich ganz normal durch deine Wohnung, leb deinen normalen Alltag. Sprich sie ruhig und nett an, lass ab und an mal ein Leckerchen fallen, stell ihr Futter und Wasser hin. Lass ihr Zeit. Dräng sie nicht zu irgendetwas, zumindest noch nicht. Erstmal muss sie ein Grundvertrauen zu dir und ihrer Umgebung aufbauen. Und das geht nur mit viel viel viel Routine und Zeit.

    Wie bringe ich ihr bei, dass der Zaun eine Grenze ist? Oder soll ich wirklich nur noch mit Leine in den Garten?

    Einem Hund, der bereits 2x erfolgreich ausgebrochen ist, wirst du kaum vermitteln können, dass der Zaun eine Grenze ist. Denn der Hund weiß ja schon, wie er diese Grenze überwindet.

    Ein Hund, der derart ängstlich ist, mit der Umgebung überhaupt nicht zurecht kommt und bereits mehr als 24 h verschwunden war, wäre bei mir im Garten stets an der Leine und vor allem NIEMALS unbeaufsichtigt.

    Wo ich hingehe, geht auch der Hund hin, punkt. Da ist nix mit Hund in den Garten schmeißen und ich gammel im Haus rum, nix da!

    Du musst aber auch bedenken, dass im Garten ebenfalls zigtausend Reize auf Lily einprasseln. Die muss sie alle irgendwie verarbeiten. Gestalte die Aufenthalte im Garten kurz und strukturiert.

    Du leinst sie an oder nimmst die Leine, die sie eh schon am gut sitzenden Sicherheitsgeschirr hat (GANZ WICHTIG!) und ihr geht zusammen raus. Du setzt dich in den Garten, hältst die Leine fest. Die ist idealerweise so lang, dass Lily den Garten erkunden kann, wie sie das möchte, ohne eine Chance zur Flucht zu haben. Und dann lässt du Lily Zeit, sich in Ruhe mit der Umgebung "Garten" auseinanderzusetzen. Da sind 5 Minuten am Anfang erstmal völlig ausreichend.

    Sie lernt ganz schlecht. Wenn wir draußen sind ist sie total abgelenkt und hört überhaupt nicht auf den Rückruf, den wir seit 2 Monaten trainieren

    Ja, wie soll sie denn auch konzentriert lernen, wenn da 37930127392017442709 Geräusche, Gerüche, Lebewesen, wasweißich sind, die sie nicht kennt? Die sie erst einordnen muss? Die sie als bedrohlich empfindet? Unter Stress lernt man nur schlecht bis gar nicht, das ist bei Mensch, Hund, Katz und Co. so.

    Lily hat jetzt einfach massiv Stress (siehe unten) und kann daher gerade überhaupt nicht lernen.

    Die muss grad erstmal lernen, wie lernen überhaupt funktioniert. Lass solche Themen wie Rückruf, Sitz, Platz usw. bitte erstmal weg, bis Lily sich überhaupt an ihr neues Leben gewöhnt hat.

    Das kann 6 Monate dauern, vielleicht auch 12. Oder sogar 2 Jahre. Oder es dauert ihr Leben lang. Weiß zum jetzigen Zeitpunkt niemand.

    Sie wird einfach nicht stubenrein. Sie pinkelt ständig auf die Teppiche, die ich überall hinlegen muss, damit sie sich bewegen kann. Ich gehe alle paar Stunden mit ihr raus und sie macht draußen auch, aber trotzdem pinkelt sie danach oft in die Wohnung.

    Sie pinkelt rein, weil sie so viel Stress hat, drinnen wie draußen, dass sie sich draußen gar nicht richtig "lösen" kann. Um richtig pinkeln zu können, muss man entspannt sein.

    Du kennst das doch bestimmt von dir selbst. Du hast verschlafen, kommst zur spät zur Arbeit, die Blase drückt, du rennst fix aufs Klo, dann lässt der Chef seinen Ärger an dir aus, du rennst deshalb nochmal aufs Klo, bist durstig und trinkst n Schluck Wasser, ein Kunde mault dich an, du hast noch mehr Stress, rennst wieder aufs Klo...

    Wer Stress hat, trinkt viel.

    Wer viel trinkt, pinkelt viel.

    Wie sieht euer "Rausgehen" jetzt aus? Geht ihr richtig Gassi? Oder gehst du zur immer gleichen grünen Wiese, lässt Lily angeleint auf der Wiese rumschnuppern, bis sie pinkelt bzw. sich löst?

    Letzteres wäre JETZT mein Handlungsweg. Streich erstmal normales Gassi. Lily muss erstmal lernen, dass die Welt da draußen sie nicht auffrisst. Und da wäre es am besten, wenn du den Garten nutzt.

    Ein Hund, der mit seiner Umwelt so überfordert ist, profitiert erstmal nicht von Gassi gehen. Der braucht erstmal grundlegende Sicherheit. Und die kannst du Lily geben, in dem du sie nur sehr dosiert neuen Reizen aussetzt, WENN! der sichere Alltag etabliert ist.

    Dein sicherer Alltag mit Lily sollte von Routine und Struktur geprägt sein. Damit Lily weiß, was als nächstes kommt. Dadurch gewinnt sie an Sicherheit und weiß "aha, Frauchen ist gerade aufgestanden, das heißt, es geht gleich raus. Aha, wir waren draußen, das heißt, es gibt gleich Fressen." Und so weiter.

    Wenn das sitzt, Lily im Haus wirklich entspannt ist, im Garten entspannt ist, dann könnt ihr euch ans nächste Level namens "Gassi gehen" wagen. Aber das braucht Zeit, Bauchgefühl, Geduld, Zeit, Gefühl für den Hund, Geduld, hab ich Zeit schon gesagt?

    Wenn ich sie erwische schimpfe ich natürlich, aber ich habe das Gefühl, dass sie es jetzt absichtlich heimlich macht, da ich sie seit 2 Wochen nicht mehr erwischt habe, aber ständig Pfützen finde.

    Durchs ständige Schimpfen hat Lily gelernt, dass sie besser nicht in deiner Gegenwart pinkelt, sondern dann, wenn du gerade nicht im gleichen Raum bist. Gratulation.

    Absichtlich macht sie es sicher nicht, so denken Hunde gar nicht!

    Wie trainiert man die Stubenreinheit bei einem erwachsenen Hund?

    Mit viel Geduld, Fingerspitzengefühl, richtigem Timing und ohne Schimpfen - also wie bei einem Welpen.

    Wenn man sie dann anfassen will schnappt sie. Das macht mir Sorgen, da ich beim Fragebogen klar ausgefüllt habe, dass ich keinen aggressiven Hund haben möchte. Wie kann ich ihr das abgewöhnen?

    Ja, dann fasst sie nicht an! Durchs Schnappen zeigt sie sehr sehr deutlich, dass sie nicht angefasst werden will!

    Aggression ist Bestandteil der hündischen Kommunikation, es gibt schlicht keinen Hund ohne Aggression.

    Ganz sicher hast du vorher schon Signale übersehen, mit denen Lily dir und anderen mitgeteilt hat "Ich möchte das nicht". Das sind ganz feine Signale, die ungeübte Hundehalter (das ist kein Vorwurf) nicht sehen oder verstehen.

    Das kann ein leichtes Lecken über die Lefzen (auch "Züngeln" genannt") sein.

    Das kann ein Zucken der Ohren nach hinten sein. Das kann der Blick sein, der starrer und steifer wird.

    Das kann ein "Walauge" (weit aufgerissene Augen, bei denen dann viel Weiß sichtbar ist) sein.

    Bitte mach dir Gedanken darüber, ob du lernen willst, Lily zu verstehen. Angsthunde sind nicht für jedermann, man braucht bei vielen Exemplaren viel Fingerspitzengefühl und Hundeverständnis.

    Ich glaube, dass der Verein da einfach wieder völlig planlos vermittelt hat bzw. auf Teufel komm raus einen Hund "retten" wollte.

    Aus welcher Gegend kommst du?

    Dann können dir die Leute hier vielleicht einen geeigneten Trainer empfehlen. Denn ich glaube, du musst jetzt ganz schnell sehr viel lernen, um Lily verstehen und helfen zu können.

    Wenn du im Berliner Umland lebst, dann komm ich auch gerne mal vorbei und erklär dir ein paar Dinge. Ich hab selbst eine ängstliche Hündin, die war aber nicht so ängstlich wie Lily. Dennoch gibt's einige Dinge, die die beiden bestimmt gemeinsam haben.

    Wie pflegt ihr eigentlich die Lederriemen eurer Maulkörbe?

    Ich hab Dinos Maulkorb gestern mal gereinigt, u. A. weil sich am Fleece-Nasenpolster der halbe Wald gesammelt hat, dabei sind die Lederriemen natürlich auch nass geworden... und als die dann wieder trocken waren, waren die ziemlich steif, nicht so schön geschmeidig wie vorher. :fear:

    Hab die vorhin mal mit dem Lederwachs, das ich auch für meine Wanderstiefel habe, gepflegt und jetzt ist's zwar etwas rutschig, aber dafür immerhin wieder etwas geschmeidiger ...

    Sagt mal... gibt es Hausmittel für Pferde gegen blutsaugende Insekten (Mücken, Bremsen, Zecken, etc.)? Das ist so schlimm aktuell und ich mag mein Pferd nicht täglich einsprühen mit der Chemiekeule (was ich aber mache, das geht sonst gar nicht, aber ich habe da starke Bedenken weil das Zeug ja nicht aus reinem Quellwasser besteht).

    Hausmittel nicht direkt, aber Schlamm soll wohl ein guter Schutz gegen Mücken sein.

    Ist nur die Frage, ob du dein Pferd jedes Mal mit Schlamm einschmieren willst |)

    Ich kontaktier bei sowas zuallererst unsere inoffizielle Tierschutzbeauftragte - eine gute Freundin von mir, die sehr aktiv im (Wild)Tierschutz ist, gefühlt alle Hunde im Ort kennt und auch bei Tote Hunde e. V. mitarbeitet usw.

    Die kann den Hund dann meist zuordnen und informiert dann den Halter. Wenn der Hund völlig unbekannt oder der Halter nicht erreichbar ist, kommt der Hund halt zum Tierheim bzw. zur Polizei und die kümmern sich um alles weitere.

    Ich bin nach der Meldung ziemlich froh, dass Dino beim Gassi immer (und häufig beim Autofahren) einen Maulkorb trägt... ich trau ihm durchaus zu, dass er auch die Zähne einsetzen würde, wenn ein Ersthelfer an mich ran will. :verzweifelt:

    wähle ich nur den Notruf

    Das allein ist ja schon Erste Hilfe genug in der Situation. Wenn ich mich mit/bei der Erstversorgung einer Person definitiv selbst gefährde, dann ist das Absetzen eines Notrufs aus legaler Sicht völlig ausreichend. Denn wenn mir als Ersthelfendem was passiert, ist weder mir noch der anderen Person geholfen.