Zb wenn ich jetzt Sitz im Alltag abfrage ohne große Ablenkung, belohne ich dann bei der Hälfte der Fälle nur mit verbalen Lob und sonst mit Leckerli und weitergehen dürfen, oder schnuppern, etc. oder wie ist da so das Verhältnis bei euch?
Und ich hatte eben zusätzlich noch die Sorge, dass wenn der Hund nur/ zu viel mit Leckerlis belohnt wird, dass er sich dann irgendwann über verbales Lob nicht mehr freut, weil er sozusagen enttäuscht ist, weil er ein Leckerli erwartet. Aber ihr meint, da muss ich mir keine Sorgen machen, oder?
Du siehst das mMn zu streng und zu theoretisch und du vergisst, dass da sehr viele Parameter mit rein spielen.
Ich habe zB derzeit zwei Hunde. Für den einen ist die beste Belohnung Futter, dann Beute und dann Lob. Für den anderen ist die beste Belohnung Beute, dann Lob und Futter nimmt er teilweise nicht mal an (beim Arbeiten), teilweise ganz gerne (beim Tricksen).
Dazu kommen noch andere Belohnungen, die aber beispielsweise vom Hund situationsbedingt anders gewertet werden. Für den einen ist das ins Gesicht schlecken dürfen, für den anderen Anspringen.
Mein allerzackigstes und sicherstes Kommando ist aber Platz bei Hund 2 auf dem Fahrrad. Und während ich das Platz zwar sehr sorgfältig aufgebaut habe, hat er am Rad noch NIE eine Belohnung außer vielleicht ein 0815 Lob bekommen. Trotzdem bremst er da aus vollem Galopp mit dem Bauch am Boden, derzeit eingehüllt in eine Staubwolke, dass er niesen muss.
Warum? Weil ich sonst anhalte und darauf bestehe, dass er es macht. Das will er aber nicht, er liebt das rennen am Rad, also haut er die Bremsen rein wie noch was damit es so schnell wie möglich weiter gehen kann. Da ist das weiter fahren die Belohnung.
Du siehst, dass deine Frage also ziemlich unmöglich zu beantworten ist. Weil unterschiedliche Belohnungen für unterschiedliche Hunde in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Bedeutungen haben.
Grundregel ist einzig je besser und zuverlässiger der Hund etwas ausführen soll desto besser (passend) und regelmäßiger die Belohnung.
Das von dir erwähnte anleinen belohne ich zB nur beim Welpen um zu zeigen was ich will. Später gibt es dafür nichts mehr oder höchstens wenn ich eh noch was in der Hand habe. Warum auch, ich verlange ja nicht wirklich was außer den Kopf nicht aus der Schlinge zu drehen. Für wichtige Kommandos, Tricks oder UO Training gibt es dafür bis zum bitteren Ende und auch oft/immer etwas. Bei ersterem weil sie wichtig sind, bei zweiteren wegen Präzision und weil genau gearbeitet werden muss, bei letzterem um die Motivation auf dem nötigen Level zu halten.
Also mach dir nicht so einen Kopf. Wenn der Hund die Zusammenarbeit verweigert oder wenig Motivation zeigt belohnst du zu wenig (andere Möglichkeiten wie Fehler ignoriere ich mal), wenn er nur noch an dir klebt oder keinen klaren Kopf mehr hat zu viel oder zu hochwertig (wieder exklusive anderer Fehler), dazwischen hat man meist einen sehr großen Ermessensspielraum, v.a. weil zu viel Belohnung relativ schwer ist.
Schau dir also den Hund an, probier rum bis es für euch so passt.
Und ignorier dieses überholte irgendwann muss der Hund es auch ohne Belohnung machen. Das stimmt insofern, dass er es auch mal aushalten können muss wenn man keine Belohnung hat oder nur eine minderwertige, aber meist versteht man daruter ja eher, dass man nie wieder belohnen muss und das ist so einfach falsch. Und ich kenne keinen gut erzogenen und freudig hörenden Hund der nicht regelmäßig belohnt werden würde.