Hier ist es ja momentan nachts absolut rabenschwarze Nacht. Gestern war zumindest klarer Himmel und der Vollmond hat gereicht um die Gegend in etwa erahnen zu können. Wenn man sich auskennt. Zumindest bis zum Ortsschild, dahinter ist dann Wald, der das bisschen Mondlicht auch noch schluckt.
Wir waren gestern Nacht nochmal zum Pipi machen draußen. Die 150 m zum Ortsschild und zurück. Hunde frei um mich rum. Nach Mitternacht ist da niemand, kann da niemand sein, außer Mal ein einzelnes Auto. Und das sieht man wegen der Scheinwerfer rechtzeitig.
Jedenfalls laufe ich da Richtung dieser schwarze Wand die der Wald darstellt, als plötzlich beide Hunde zu mir kommen und sich neben mich stellen. Während ich mich wundere was das jetzt soll, hat sich schon stark angefühlt wie Leibwache nimmt Schutzziel in die Mitte, fängt Argos an kurz zu knurren.
Huch? Naja, vielleicht ist es der Dachs den er nicht zuordnen kann?
Ich fasse ihm vorsichtshalber ins HB als Baldur neben mir anfängt zu knurren.
Dazu muss man sagen, Argos nimmt kein Blatt vor den Mund, der ist noch jung usw. Dass dem Mal was komisch vorkommt und er das kommentiert, kommt vor. Bei Baldur nicht, den habe ich in seinem Leben genau zweimal knurren gehört und es war jedes Mal eine schon echt komische Situation.
Dem also auch ins Halsband gefasst und dann, mit einer Mischung aus verwirrt und dann doch auch besorgt, ins Schwarze gestarrt.
Da ist mir Argos plötzlich bellend ins Halsband gesprungen. Kurz vor mir, wirklich Nahe, vllt so grob 10m vor mir, ertönt ein erschrockener Schrei.
Hö? Wer kann das denn sein?
Ich laufe also mit den Hunden Richtung Schrei bis sich, so zwei oder drei Meter vor mir plötzlich ein schwer bepackter Radfahrer abgezeichnet hat.
Der Stand da und hat mich genauso erschrocken angeschaut wie ich ihn.
Ende vom Lied, es war ein Wanderfahrer dem das Licht kaputt gegangen ist. Der ist eine riesige 3-Tagestour gefahren und dass er die letzte Etappe heute bis in die Dunkelheit fahren würde war geplant. Das ohne Licht schaffen zu müssen allerdings nicht. Deswegen war er halt auch nochmal deutlich später dran als geplant.
Ich habe ihm dann eine uralte Funseltaschenlampe und ein eh nie verwendetes Leichthalsband geschenkt, damit er zumindest bisschen was sieht wo er hin fährt und v.a. vorne und hinten für Autofahrer beleuchtet ist. Davon gibt es zwar nicht viele, aber die fahren hier auf dieser kurvigen nur 1,5-spurigen Straße halt sonstwo und grenzwertig schnell. Das ist einfach zu gefährlich.
So im Nachhinein bin ich ja schon leicht beeindruckt, dass er es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Der Vollmond hat gerade so ausgereicht, dass ich den weißen Argos nur bis wenige Meter vor mir erkennen konnte. Da dann im Wald die Straße von der Umgebung unterscheiden können war schon eine Leistung für sich... 