Beiträge von Hundundmehr

    Da sich der von dir verlonkte Text ausschließlich auf brachyzephale Rassen bezieht, kommen darin keine Hund mit ausgeprägten Schnauzen vor. Per Definitionem:

    Die Kunst des Lesens liegt im Detail: Ich schrieb "ausgeprägtere" Nase bei - wie du richtig feststellst - brachyzephalen Rassen.

    Es gibt brachyzphale Hunde mit Plattschnauze (also gar keine), mit einer Spur von Schnauze, und mit einer ausgeprägteren Schnauze, die aber nicht so lang ist dass sie in den mesozephalen Bereich fällt.

    Wenn ich bei der Zucht einer Hunderasse nichtmal der Kurznasigkeit entgegenwirken kann, weil dann der Genpool zu klein würde und ich damit noch weitere Krankheiten/ Defekte riskiere, ist das für mein Empfinden grotesk.

    und:

    Es ist absurd, weil dort im Grunde schwarz auf weiß steht, dass es nicht mehr genügend gemäßigte Hunde gibt, die als Zuchtbasis dienen könnten.

    Nein.

    Das steht nicht so in dem FCI-Text.

    Es gibt brachyzephal, mesozephal und dolichozephal, übersetzt:

    Kurze Schnauze, mittlere Schnauze, lange Schnauze.

    Eine kurze Schnauze ist nicht grundsätzlich immer krankhaft.

    Hier sagt die FCI eindeutig, dass alleine die Schnauzenkürze nicht ausreicht zur Diagnostik, sondern alle anderen Parameter auch untersucht werden müssen, um nicht per se alle Hunde als "krank" auszuschließen, nur weil die Nase kurz ist.

    Was in dem Text nicht drinsteht, ich aber - aus Laiensicht! - sinnvoll finden würde: Zuchtauflagen für zwar gesunde, aber dennoch sehr kurzschnäuzige Hunde, dass diese nur mit gesunden Hunden mit längerer Nase (also immer noch brachyzephal, aber eben länger) verpaart werden dürfen, um mittelfristig dieses Extrem "sehr kurz" komplett weg zu bekommen.

    Ich kann das glaube ich verständlicher erklären, wenn ich das mit dem Mindestgewicht veranschauliche: Wenn das Mindestgewicht 3 kg betragen soll, und man verpaart Hunde, die knapp bei 3 Kilogramm liegen, dann besteht die Möglichkeit, dass in der Nachzucht Exemplare dabei sind, die selber keine 3 Kilo erreichen.

    Will man das Mindestgewicht von 3 Kilo aber immer einhalten, dann sollte das Gewicht der Elterntiere bei mindestens 3,5 Kilogramm liegen, um in der Nachzucht keine Exemplare mit weniger als 3kg zu bekommen.

    So verhält sich das auch mit der Schnauzenlänge: Will ich ein Mindestmaß nicht überschreiten, muss ich bei den Zuchttieren auf eine längere Schnauze als das Mindestmaß achten, um langfristig das Unterschreiten des Mindestmaßes zu verhindern.

    tassut

    Deine verlinkte Studie ist aus 2016.

    Die FCI schreibt Folgendes:

    Zitat

    In einer früheren Studie (Packer et al. 2015a) wurden mehrere Rassen mit einer relativ geringen Anzahl von Hunden verglichen, was zu der Annahme führte, dass das BOAS-Problem umso größer ist, je kürzer die Schnauze ist. Eine neuere Studie (Liu et al., 2017) legt nahe, dass für bestimmte Rassen möglicherweise kein direkter, vergleichbarer Zusammenhang zwischen dem CFR (craniofacial ratio = Verhältnis der Nasenlänge zur Schädellänge) und BOAS besteht. Anatomisch lassen sich durch die CFR-Messung nicht die wichtigsten internen BOAS-Läsionen entlang der oberen Atemwege bestimmen. Bei Hunden mit extremer Brachyzephalie umfasst die Schnauzenlänge nur den Bereich des Nasenplanums und des Nasenvorhofes, während andere häufige BOAS-Läsionen, wie vergrößerte und aberrante Nasenmuscheln, verlängertes Gaumensegel und Makroglossie, in Bereichen gefunden werden, die anhand der Schädellänge gemessen werden (Liu et al. 2017). Kürzlich fanden Ravn-Mølby et al. (2019) keinen signifikanten Einfluss der Nasenlänge als konformatives Merkmal bei der Entwicklung von BOAS bei französischen Bulldoggen. Dieselbe Studie ergab, dass das Ausmaß der Verengung der Nasenlöcher einen großen Einfluss auf die funktionellen Fähigkeiten des Hundes hat. Weitere Ergebnisse der Studie bestätigen auch mehrere andere Studien, die auf Halsumfang und körperliche Kondition als weitere Risikofaktoren für BOAS hinweisen. Das klinische Bild von BOAS ist heterogen und deutet darauf hin, dass von der Schädelform unabhängige Determinanten ebenfalls zur Atemwegserkrankung bei brachyzephalen Rassen beitragen. Indes sind Norwich Terrier als mesozephale Rasse prädisponiert für das Syndrom der oberen Atemwege (Upper Airway Syncrome, UAS), eine Krankheit, deren pathologische Eigenschaften sich mit denjenigen von BOAS überschneiden. Jüngste Untersuchungen an Norwich Terriern ergaben, dass ein Atemwegsödem, das durch einen Defekt des ADAMTS3-Gens verursacht wird, Hunde für eine Atemwegsobstruktion prädisponiert (Marchant et al., 2019). Diese Ergebnisse deuten auf eine neue Sicht im Verständnis der Ursachen von Erkrankungen der oberen Atemwege bei Hunden hin.

    Daraus folgert FCI - mit Hinweis auf die Vorgehensweise in den Niederlanden, wo alleine die Nasenlänge die Erlaubnis zur Zucht bestimmt, diese Aussage:

    Zitat

    Daher würde die Konzentration auf die CFR-Messung unweigerlich zu Zuchtprogrammen mit einer Zunahme stark verwandter Hunde (Inzucht) führen ..(...).

    Das bezieht sich allerdings auch nur auf bestimmte Rassen, die länderübergreifend sowieso nur eine kleine Population haben, wie z. B. den Japan Chin.

    Was ist daran absurd?

    Bei Mops und Französischer Bulldogge sieht das anders aus, weil bei diesen eine deutlich größere Population besteht - hier allerdings der größte Teil außerhalb kontrollierter Zucht, was noch mal ein eigenes Problem ist, worauf der FCI und die ihm angeschlossenen Verbände keinen Einfluss haben.

    Heißt laienhaft ausgedrückt: Ob ein Hund an BOAS erkrankt ist, ist nicht alleine von der Nasenlänge abhängig; Es gibt Hunde mit kurzen Schnauzen, die krank sind, und es gibt Hunde mit ausgeprägteren Schnauzen die krank sind (weil z. B. trotz längerer Schnauze die Nasenlöcher verkrüppelt sind, oder das Gaumensegel zu lang), und es gibt Hunde mit kurzer Schnauze, die gesund sind.

    Auch meine laienhafte Meinung: Das Problem ist entstanden durch überspitztes selektieren auf extrem wenig (bis hin zu gar keine) Nase. Dadurch sind Fehler im genetischen Bauplan entstanden (Gendefekte), die sich vererben.

    Deshalb lassen sich diese Gendefekte nicht einfach ausmerzen, indem man auf längere Schnauzen selektiert, auch nicht durch Einkreuzen einer anderen Rasse mit längerer Schnauze.

    Die Vorgaben des FCI als Gesamtpaket machen durchaus Sinn.

    Ändert aber nichts an meiner - auch wieder laienhaften - Meinung, dass der Zug schon Jahrzehnte abgefahren ist.

    Vielleicht, möglicherweise, belehrt mich die Zukunft eines Besseren, und die kontrollierte Zucht schafft es tatsächlich über entsprechende Maßnahmen, verschiedene Rassen wieder gesund züchten zu können.

    :ka:

    Dazu müsste aber in Kauf genommen werden, auf Dauer keine extrem kurzen Schnauzen mehr zu produzieren, denn dieses Extrem würde wieder für ein Aufflammen der Gendefekte sorgen.

    Würden die Züchter aber dafür genügend Abnehmer finden?

    Denn es ist ja gerade das Puppyface, welches "so süß" ist, und:

    Solange Menschen lebenlange Puppyfaces süß finden, wird es auch Produzenten dafür geben.

    So, damit habe ich mehr als genug geschrieben zu diesem Thema, ich verabschiede mich mal hier an dieser Stelle.

    Auch interessant:

    (link entfernt)

    Jetzt muss ich erst mal schauen, ob sich das verlinken lässt ... moment

    ...

    nee, leider nicht.

    Müsst ihr googeln:

    FCI: Brachyzephale Rassen und das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom

    Ist eine Datei, fand ich sehr interessant, dort wird u.A. auch beschrieben, dass nach neuesten Erkenntnissen eine kurze Schnauze nicht immer im direkten, vergleichbaren Zusammenhang mit BOAS steht.

    Dort sind auch etliche Rassen aufgelistet, die im Zusammenhang mit BOAS stehen ... und noch einige Informationen mehr.

    "Belastung" bedeutet bei diesen Tests eben nicht, eine außerordentliche/große/anstrengende Körperleistung zu erbringen, sondern den Organismus in einen Zustand zu bringen, der sich vom Ruhezustand UND dem energiesparenden Schritt unterscheidet.

    Es geht um die dabei messbaren Vitalparameter.

    Alleine dass man bei einer Hunderasse eine solche Feststellung machen muss, eben weil in dieser Rasse etliche Hunde keine gesunde Atmung und Körpertemperaturregulierung mehr haben, ist ein Armutszeugnis für sich.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn statt des bisher üblichen Tests von 1km in maximal 11 Minuten der Test von den TiHo als Standard zur Zuchtzulassung verpflichtend würde.

    Ich habe nämlich auch die Ahnung, dass dann so einige Züchter IM VDH aus allen Wolken fallen, wenn sie merken dass die überwiegende Zahl an getesteten Hunden diesen nicht besteht.

    Als Allererstes müsste für mein Empfinden die Mär vom "Atemgeräusche beim Mops und Co. sind rassetypisch, und damit gesund" vom Tisch; KEIN HUND mit einer solchen Atmung hat eine gesunde Atmung, wie sie von der Natur vorgesehen ist.

    ................

    In dem Text der Züchterin steht z. B. auch die Information, man würde zum Erhalt der genetischen Vielfalt ja auch mit Vereinen außerhalb Deutschlands kooperieren, und sich des dortigen Zuchtmaterials bedienen - ich lach mich schlapp :lachtot:

    Was für eine Schönfärberei - denn bei 27 Züchtern im gesamten VDH ist die Auswahl an Zuchttieren so gering, erst Recht, wenn dann auch noch ein Gesundheitstest gemacht werden muss, dass das Bedienen aus anderen Zuchtquellen unverzichtbar ist, will man nicht ruck-zuck nur noch Nachkommenschaften haben, die enger miteinander verwandt sind als Geschwister.

    Eigentlich ist es ja gut, dass dieser Gesundheitsaspekt jetzt berücksichtigt wird, auch wenn ich diesen nicht standardisierten Test von "1km auf maximal 11 Minuten" für nicht aussagekräftig genug halte - aber es ist zumindest ein Anfang.

    Nur leider zu spät - denn es war vor mindestens 30 Jahren schon 5vor12 für diese Rassen, und jetzt ist es 15 Uhr. Mindestens.

    Ich weiß nicht so recht... vielleicht gehört das eigentlich in den "Hundegeschädigt" Thread... :roll:

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    Also ich würde bei dem "Hund" ja mal die Analdrüsen checken lassen - so wie der zum Schluss auf dem Popo rutscht ... viel Spaß dabei, "Herr Hund" ... xD

    Jein. Für einen gesunden Kleinhund, der seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben darf, nicht nur an der Flexi um den Block geführt wird und natürlich an das Laufen am Rad gewöhnt sein muß, ist das keine Leistung, für die speziell sportlich trainiert werden müßte.

    Diese Gewöhnung an das Laufen am Rad ist doch Training?

    nach dem Ende der Laufstrecke und einer weiteren kleinen Pause müssen die Hunde zusätzlich noch einige Gehorsamsübungen absolvieren, um zu zeigen, daß sie körperlich und mental noch fit und leistungsbereit sind.

    Genau das ist doch Sinn und Zweck von Ausdauertraining: Die Fähigkeit eines Organismus, über einen längeren Zeitraum Leistung zu erbringen (Stichwort: Erhöhung der anaeroben Schwelle) steht hier im Vordergrund.

    Woher kommt eigentlich immer dieses kleine Hunde sind langsamer und können weniger Vorurteil?

    Die einzige Aussage, die ich zu kleinen Hunden gemacht habe, ist diese hier:

    Auch Kleinhunde (mit denen man dann aber sicher ein anderes Tempo fährt, als mit Hunden mit einer größeren Trittlänge) können auf Ausdauer trainiert werden.

    Wo ist das ein Vorurteil?

    Das ist einfache Physik: Die Schritt-, Tritt- und Sprunglänge steht in Abhängigkeit zur Länge der Gliedmaße (nicht nur; es gibt auch noch andere Faktoren wie Winkelung der Gliedmaße, Gewicht/Größenverhältnis, Schub der Hinterhand z. B.).

    Da Statik und Knochenstärke von der Größe unabhängig und damit gleich belastbar sein sollten (ein Qualzuchtmerkmal beim Zwergwuchs ist ja z. B. die geringere Belastbarkeit der Knochen), macht sich das geringere Gewicht von Kleinhunden sicher positiv bemerkbar, z. B. bei der Grundgeschwindigkeit.

    Meine persönliche Vorliebe für größere Hunde steht keinesfalls im Widerspruch zu meiner Meinung, dass kleine Hunde genauso Hunde sind, wie größere oder große Hunde.

    Mich schrecken die Extreme ab, die es bei allen Größen gibt, weil diese dazu führen, dass Hunde, die wegen dieser Extreme unter Einschränkungen leiden, in ihren Möglichkeiten als Hund leben zu können behindert sind.

    Du verstehst anscheinend nicht was ich ausdruecken wollte. Macht aber nix ;)

    Nö, verstehe ich auch nicht - oder meinst du, alle Hunde müssten Sportskanonen sein?

    10km durchgängig traben - dafür muss trainiert werden, Muskulatur und Ausdauer.

    Hast du das bei einem Hund, muss das aber auch im Alltag gefordert und gefördert werden, ein Hund in einem solchen Trainingszustand benötigt auch eine entsprechende Auslastung.

    Ein Hund, der vernünftig atmen kann, kann auch auf Ausdauer trainiert werden.

    Auch Kleinhunde (mit denen man dann aber sicher ein anderes Tempo fährt, als mit Hunden mit einer größeren Trittlänge) können auf Ausdauer trainiert werden.

    Ansonsten kennst du doch meine Meinung zu den extrem brachyzephalen Hunden, wo ich gerade bei Mops und Frenchie überzeugt bin, dass diese Rassen nicht mehr zu retten sind, und dementsprechend nicht mehr weiter vermehrt werden dürfen, weder beim Züchter noch beim Vermehrer noch bei Privatleuten die meinen, auch einen Wurf in die Welt setzen zu müssen (aus unterschiedlichen Gründen).

    Ich verstehe nur nicht, warum du einen Ausdauertest in Vergleich bringst mit einem Test, der BOAS identifizieren soll.

    Das ist, als würdest die den Eignungstest für Taucher mit einem Lungenfunktionstest vergleichen.