Beiträge von Hundundmehr

    Zitate, die ich mir zum Beantworten herausgesucht habe ... habe ich wieder verworfen.

    Statt dessen Folgendes:

    "Der morphologische und verhaltensbezogene Vergleich zwischen Wölfen und Hunden verlockte oft zu der BEHAUPTUNG, die letztere Spezies sei in juvenilem Status stecken geblieben. die geringere relative Größe eines Hundekopfes, die kürzere Schnauze, zahlreiche juvenile Verhaltenseigenarten (z. B. abhängige Verhalten, Verspieltheit) und das Fehlen gewisser Muter erwachsenen Raubtierverhaltens bei vielen Hunderassen wurden als stützende Belege herangezogen (siehe auh oppinger und Schneider 1995, Frank und Frank 1982)"

    Aus: Hunde - Evolution, Kognition und Verhalten, Adam Miklosi, Seite 198

    Diese Behauptung der nicht vollendeten Reifung zu einem erwachsenen Lebewesen wurde unter dem Begriff der "infantilen Hunde" verbreitet.

    Von da aus war es nicht weit zu der pseudowissenschaftlichen Unterteilung in "ernsthaftere" und "infantile" Hundetypen, weil die scheinbare Ernsthaftigkeit einen Pseudo-Erwachsenenstatus zu bescheinigen suggeriert.

    Infantilismus als Krankheit - und das ist es im Zusammenhang mit der Behauptung, Hunde wären INFANTIL - ist KEINE Begleiterscheinung oder gar das Ergebnis der Domestikation.

    Tatsächlich sind die Unterschiede in der Verhaltensentwicklung von Wölfen und Hunden eher unter dem Gesichtpunkt der Heterochronie (evolutionäre Änderungen in der Verhaltensentwicklung) zu sehen.

    Hierzu führt Miklosi im Folgenden aus:

    "Verhaltensunterschiede zwischen Hunden und Wölfen wurden oftmals als eine Entwicklungsverlangsamung erklärt, die dazu führt, dass juvenile Merkmale im Erwachsenenalter beibehalten werden. Diese Theorie besagt, dass Merkmale bei Hunden später in Erscheinung treten (postdisplacement) und sich während der Entwicklung langsamer herausbilden (Neotenie, oder auch Neotonie). Die Vergleichsanalyse verschiedener Hunderassen stützt diese Ansicht nicht. Als sie das erste Auftauchen von mehr als 70 Verhaltensaktionen bei 7 Hunderassen feststellte, fand Feddersen Petersen KEINEN Beweis für allgemeine Neotenie oder für Postdisplacement bei Hunden im Vergleich zu Wölfen. "

    Aus: Hunde - Evolution, Kognition und Verhalten, Adam Miklosi, Seite 199

    Manchmal ist es echt hilfreich, sich bei bestimmten fachlichen Begriffen mehr kynologischer Quellen zu bedienen, die genauere Auskunft im Hinblick auf die Bedeutung/Aussage im Bezug zu Hunden geben.

    Mittlerweile wird mir echt übel, wenn eine Diskussion auf dem Tiefpunkt von "infantile Hunde(rassen)" versus "ernsthafte Hunderassen" gelangt.

    WIE unsere Hunde sich verhalten, daran sind maßgeblich WIR beteiligt.

    Ich bin Geselligkeit gegenüber nicht abgeneigt, und habe mir entsprechende Hunde ausgesucht, die dieser Neigung entgegenkommen. Dementsprechend haben sich meine Hunde auch erwartungsgemäß entwickelt.

    Ich respektiere JEDEN, der keinen Kontakt will. Wobei ich Menschen nicht verstehe, die keinen Kontakt wollen, sich aber dennoch in Bereiche begeben wo sie von Kontakten überflutet werden.

    Hier ist die Soziale Intelligenz unserer Hunde sehr interessant und aufschlussreich:

    "Hunde sind insbesondere in der Lage, Erkenntnisgewinne im Zusammenhang mit Assoziationsfähigkeit, Lernen und Kommunikation zu gewinnen. Damit wären wir im Bereich der emotionalen oder sozialen Intelligenz, da Hunde über die analoge Kommunikation den Umgang mit fremden und eigenen Gefühlen praktizieren, indem sie über die ausgeprägte Fähigkeit verfügen, Emotionen in Mimik, Gestik, Körperhaltung und Stimme bei Artgenossen wie auch Menschen wahrzunehmen, zu identifizieren und ihnen kommunikativ gezielt zu begegnen. Hunde haben das Bedürfnis wie die Motivation, wiederum UNSERE Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, sie zu verstehen und sich darauf einzustellen. "

    Aus: Ausdrucksverhalten beim Hund, Dorit Urd Feddersen-Petersen, Seite 114

    DAS ist er große Unterschied zwischen Wölfen und Hunden, wo ein Vergleich zwischen diesen beiden Arten nicht mehr möglich, weil unsinnig ist.

    DAS ist das Ergebnis der Domestikation - und nicht Hunde, die infantil sind und nicht mehr erwachsen werden können.

    Zum Abschluss: Dazu war übrigens eine Veränderung im Gehirn notwendig, bzw. zwangsläufige Folge:

    " Bereits Klatt fand bei seinen Untersuchungen heraus, dass die Hundegehirne um 1/5 bis 1/4 kleiner waren als die Wolfsgehirne* .... Alles in Allem könnte man sagen, dass beim Haushunde diejenigen Hirngebiete eine Zunahme erfahren haben, welche mit den höheren psyhischen Voergängen in Beziehunggebraht werden, während die Sinnesgebiete zum Teil eine recht beträchtliche Abnahme erfahren. Also Zunahme der Assoziations-, Abnahme der Projektionszentren..."

    Aus: Von der Seele des Hundes, Eric H.W. Aldington, Seite 254


    *Anmerkung von mir: Dieser Fakt des "kleineren Gehirns" trug z. B. auch dazu bei, die Mär vom "dümmeren, nicht erwachsen werdenden Hund" im Vergleich zu seinem Urahn, dem Wolf, entstehen zu lassen ...

    Unsere Hündin wurde so (Anmerkung: als zickiges Weib)schon öfter mal bezeichnet obwohl sie nur klar und sauber kommuniziert.

    Warum wird hier eine zum Aggressionsverhalten gehörende Ausdrucksweise denn unbedingt als "klar und sauber" beschrieben?

    Die Hündin nutzt die Ausdruckweisen des Aggressionsverhaltens, um klar zu machen: Mein Hintern gehört mir!

    Recht hat sie - und ich mag Hündinnen, die das so kommunizieren.

    Manche Hündinnen fahren da andere Strategien, nutzen nicht Aggression, sondern setzen sich beispielsweise auf MEINEN Fuß: "Hey du, das sind DEINE Jungs - hälst du die mal bitte von meinem Hintern fern?".

    Klar - null Problemo.

    Ich würde auch sehr deutlich werden (was dann auch aggressiv ist), wenn mir jemand an den Hintern oder Busen grapscht :barbar:

    Ich zücke dann nur kein Messer - das wäre bei einem reinen Grapscher unangemessen.

    Aber von so einem Verhalten sprechen wir doch gar nicht - nur von Hündinnen, die durchaus mal deutlicher, mittels angemessener Aggression, deutlich machen, dass sie selber darüber bestimmen, wer an ihren Hintern darf.


    Meine Hunde auch nicht. Je nachdem wie alt und wie nervig der Junghund ist wird gespielt, auf Abstand gehalten oder es gibt einen Satz heiße Ohren. Aber alles im angemessenen Rahmen, selbstverständlich ohne Löcher.

    Auch das finde ich sozial.

    Ich auch.

    Liest sich jetzt aber deutlich anders als deine vorherige Aussage: "Dann wird der Hintern versohlt."

    Nur weil sie ihre Jugend nicht auf Hundewiesen verbrachten, vermöbeln sie nicht alle Hunde!

    Vielleicht gerade WEIL sie ihre Jugend nicht auf Hundewiesen verbrachten?

    Den Großteil des praktizierten Hundewiesenprocederes empfinde ich als sehr geeignet, das Sozialverhalten von Hunden zu versauen...

    Natürlich gibt es da auch Ausnahmen, und manchmal reicht auch EIN vernünftiger Hundehalter oder EIN souveräner Althund, um solche Hundewiesenspektakel in geregeltem, annehmbaren Rahmen zu halten.

    Ich habe Hundewiesen immer gemieden oder bin gegangen, wenn ich merkte dass es anfing in eine für mich nicht akzeptable Richtung zu driften.

    Das Einzige, was einige von ihnen lernen mussten war, dass sie nicht jedes Mal „ich find dich aber doof“ blöken müssen.

    Jep - man kann auch mal friedlich gemeinsam mit anderen die gleiche Luft atmen - Hauptsache der Halter weiß, wie doof sein Hund das eigentlich findet, und befreit ihn beizeiten aus dieser Situation. Wird das gemeinsam mit dem Hund zu einer Lernerfahrung, die diese Gewissheit bietet - dann wird das Blöken unnötig.

    Nein nicht jeder Hund profitiert von solchen flüchtigen Begegnungen , einigen schadet es. Oder halt dem Gegenüber.

    Ich finde, JEDE GUTE Erfahrung ist ein Profit - für Mensch und Hund.

    Wenn meine Hunde die Erfahrung machen, dass der "große, gefährlich scheinende" Hund gar nicht so gefährlich ist, wenn sie nur seinem Wunsch nach in-Ruhe-gelassen-werden akzeptieren, dann ist das für meine Hunde eine GUTE Erfahrung.

    Für den Hund, der in Ruhe gelassen werden will, dann übrigens auch.

    und wenn ein Hundehalter das nicht verstehen, spreche ich und bitte darum den fremdhund bei sich zu behalten.

    Ah, okay.

    Ich hatte dabei die eher seltenen eigenen Begegnungen im Kopf, wenn Hundehalter mit mehreren Hunden unterwegs sind, von denen einer (oder mehrere) angeleint sind, und andere frei laufen.

    Ich weiß da nämlich nie, warum einer (oder mehrere) an der Leine sind - aber ich weiß, dass meine Hunde den (oder die) anderen, freilaufenden Hund(e) kontaktieren ... und dann auch keinen Unterschied machen, ob die anderen zu dieser Gruppe gehörenden Hunde angeleint sind oder nicht.

    Da muss ich wissen, ob ein Kontakt zu den unangeleinten Hunden okay ist, und ob bei dem/den angeleinten Hund(en) ein besonderes Management erforderlich ist.

    Das geht nur, wenn mein Gegenüber mir eine entsprechende Information gibt.

    Ich leine meine Hunde nicht an, wenn die anderen Hunde ohne Leine sind.

    Ich rufe sie aber zu mir, wenn ich sehe dass der andere Hundehalter dies mit seinen Hunden macht.

    Nö! Sozial heißt für mich lediglich saubere Kommunikation.

    Sozial beschreibt die Beziehungen innerhalb einer Gruppe, oder von Gruppen untereinander. Als soziales Verhalten werden dabei die Verhaltensweisen bezeichnet, die für ein Miteinander innerhalb der Gruppen oder von Gruppen untereinander zuträglich sind.

    Wenn jemand mit Gruppen außerhalb seiner eigenen Gruppe nicht klarkommen, also zu einem verträglichen Miteinander beitragen kann, dann fehlt ihm dieser soziale Aspekt.

    Er ist unsozial.

    Nach der Definition einiger hier bin ich übrigens infantil: Ich kann gut Nähe ab, fühle mich nicht gleich angegriffen wenn jemand meine Individualdistanz unterschreitet, und habe es absolut nicht nötig, beim Kennenlernen irgendein "Revier" (mit dessen Verhaltensregeln) "klar zu machen". Dabei bevorzuge ich eine "spielerische" Vorgehensweise: Ich WILL grundsätzlich dem anderen nix Böses - warum auch? An meinem Leben kann keiner kratzen, denn das habe ich selber fest in der Hand. Andere Menschen interessieren mich, es ist nett, auch mal zu plauschen und dabei vielleicht auch den ein oder anderen Blick über den eigenen Tellerrand zu erhaschen.

    Wer sich ansonsten für diese Mär des Infantilismus, oder fachlich korrekt Neotonie, interessiert, kann sich dazu in einschlägiger Literatur (Miklosi, Feddersen-Petersen) informieren.

    Ich finde es immer sehr bezeichnend, wenn Halter bestimmter Hundetypen das Verhalten ihrer "nach Vorne gehenden Hunde" (was nichts anderes als die Beschreibung aggressiven Verhaltens ist) als "saubere Kommunikation" möglichst noch in Verbindung mit "ursprünglichen Hunden" bezeichnen - und alle nicht so handelnden (weil so selektierten) Hundetypen als "infantil" empfinden.

    Das signalisieren meine Hunde immer. Darum gibt es ja keine fremdhundekontakte mehr. Die meisten fremdhunde würden trotzdem herkommen, aber bei meist 4-8 Hunden, leint eigentlich jeder sofort an.

    Ich leine meine Hunde hingegen gar nicht an, außer Hudson, weil die selbst auf einem engen Gehweg keinen Kontakt aufnehmen würden und am anderen Hund vorbei gehen, als wäre er ein hutständer. Zwingen andere Hunde sich der Gruppe auf, dann lösen meine Hunde das halt vorwärts. Ist einzeln übrigens genauso. June, Reeba, Nevis haben einzeln auch überhaupt kein Interesse an anderen Hunden, so gar nicht.

    Ich frage mich allerdings, wie andere Hundehalter bei DEINEN FREILAUFENDEN HUNDEN dann erkennen sollen, dass sie ihre Hunde anzuleinen haben...

    Oder läufst du unter einer Glocke durchs Leben?

    ................................

    Manches Mal, gerade bei einigen Äußerungen hier, frage ich mich:

    Wo sollen denn bitte all die Halter junger Hunde hin, die noch der Erziehung bedürfen und trotz aller Mühen ihrer durchaus verantwortungsvollen Halter doch mal den ein oder anderen Fehler machen?

    Vor Allem: Wie haben bloß all die heute erwachsenen Hunde so unbeschadet ihre Jugendzeit überlebt?

    :ka:

    Das ist ein Der-Tut-Nix hat für mich eindeutig eine negative Färbung.

    Deshalb gefällt mir tatsächlich diese Definition von "der tut nix" am Besten:

    Ein Tutnix ist ein Hund, der nicht erzogen ist, der absolut keine Regeln kennt, der andere umschubst, anrempelt, beißt.

    Ich finde Hunde, die im Freilauf grundsätzlich freundlich, je nach Hund mehr oder weniger distanziert, mit friedlichen Absichten und darauf bedacht, den anderen Hund eben NICHT in Bedrängnis zu bringen, als NORMAL.

    Das ist für mich eine normaler, stressfreier (hunde-)gesellschaftskonformer Umgang.

    Das können viele Hunde - und diesen den Stempel "Das ist ein Tut-Nix" aufzudrücken, widerstrebt mir.


    Und sein Besitzer ist ein Vollhonk.

    Stimmt. Wer nicht bemerkt, oder es sogar selbstverständlich findet, dass sein Hund keinerlei Regeln des angemessenen Umgangs im Miteinander kennt oder einhält, ist genau das: Ein Vollhonk - der sich auch so benimmt.

    "Mein Hund benimmt sich entsprechend seiner Erziehung angemessen im Rahmen der rechtlichen und gesellschaftlichen Erwartungen."

    :lachtot:

    Stimmt - das ist zu lang, und wenn ich statt "der tut nix" einen solchen Satz von mir geben würde, würden mich so manche für bekloppt halten xD

    Trotzdem vermeide ich hier in meinem Umfeld den Gebrauch von "der tut nix".

    Hat mein Mann mal gemacht, als eine Frau sich mit ihrem unangeleinten Hund näherte - und sich dann plötzlich bei weniger als 10m Abstand vor ihren Hund stellte, weil mein Vasco sich ihnen näherte.

    "Der tut nix, Sie brauchen keine Angst zu haben!"

    :ugly: ... ich habe verzweifelt nach dem nächsten Mauseloch Ausschau gehalten, das war sooooo klassisch |)

    Schade dass die Frau nicht schon vorher irgendwie angedeutet hat, dass wir ihr nicht so ganz geheuer sind - es wäre null Problem gewesen, meine Jungs zunächst bei uns zu halten.

    Bei so kurzen Distanzen ist mein Vasco übrigens nicht mehr abrufbar.

    Da ist er schon so intensiv mit dem anderen Hund "im Gespräch" - die "Absprachen" für ein freundliches Miteinander sind da schon längst getroffen, und wenn ich dann mit einem Abruf "reinknalle", handel ich genau entgegen diesen "Absprachen".

    So viel "Gehorsam" verlange ich nicht, ich habe den Eigenanspruch, so vorausschauend zu agieren dass es nicht zu unliebsamen Begegnungen kommt.

    Vasco hat sich übrigens hingesetzt, von sich aus, als er sah dass die Frau ihren Hund abschirmte...

    Ich bemühe mich meine Hunde so anzuleiten, dass sie nicht ignorant für die Bedürfnisse anderer durch diese Welt laufen.

    Ich nutze dieses "der tut nix" nicht erst seit dieser treffenden Darstellung vom Rütter.

    Meine Hunde sind HUNDE, und die können sehr wohl etwas tun, wenn ihnen kein anderer Ausweg bleibt.

    Mit seinem "Lieblingsfeind" würde mein Lamm Vasco allzu gerne mal ein "ernstes Wörtchen unter Rüden reden" - dafür habe ich Verständnis, das ist einfach "typisch Rüde".

    Lasse ich trotzdem nicht zu.

    Es lebt sich besser ohne Löcher im Pelz.

    Ergänzend: EIN Instrument zu erkennen, ob zwei leinenpöbelnde Hunde es tatsächlich ernst meinen, ist ambivalentes Verhalten; dann wechseln sich Calming Signals mit dem Pöbeln ab, aber auch die Gewichtsverlagerung von Vorne auf die Hinterhand ist ein mögliches Zeichen dafür, dass der Hund eher unsicher ist - und eigentlich auf Hilfe und Unterstützung "seines" Menschen wartet, und auch angewiesen ist.

    Wie, hat hier Mehrhund sehr schön beschrieben: Leine dran lassen und mit ausreichendem Abstand, dem eigenen Hund das Signal gebend, für diesen Abstand auch Sorge zu tragen, ein paar Schritte gemeinsam gehen.

    Auch das ist nicht pauschal übertragbar - aber manchmal eine Möglichkeit, aus einer solchen Begegnung eine positive Lernerfahrung mitzunehmen.

    Ich wollte damit nur sagen, dass es oft wie Freude aussehen mag, er aber eigentlich unsicher ist und deshalb zu fiddlen beginnt.

    Kannst du erkennen, bei welchen Hunden er das macht?

    Mein Vasco - der alles ist, nur nicht unsicher - setzt das Fiddlen sehr gerne ein bei unsicheren Hunden. Er wird dabei aber weder aufdringlich noch übergriffig, und ich habe schon oft erlebt, dass er unterstützt mit diesem "Signal" zur Bekundung seiner friedlichen Absicht dem anderen Hund Raum und Zeit gelassen hat, seine Unsicherheit zu überwinden und statt dessen vorsichtig-neugierig ihm gegenüber zu sein.

    So eingesetzt, ist Fiddlen sogar ein Verhaltensinstrument, welches ich befürworte und dem Hund ein positives Feedback gebe.

    Natürlich muss ich dann auch erkennen können, dass der andere Hund auch unsicher ist.

    Erlebe ich z. B. oft bei diesen "Alarmsirenen", die nicht genug von ihren Besitzern beschützt wurden, und deshalb präventiv mit viel Schall und Rauch "nach Vorne gehen".

    Diese letzte Aussage bitte ich NICHT PAUSCHAL auf alle Hunde zu übertragen, die "so einen Alarm nach Vorne machen" - weder auf die Hunde hier anwesender DF-Teilnehmer, noch auf Hu-Ha-Gespanne, die man im Reallife trifft.

    Es ist NUR eine MÖGLICHKEIT von vielen.

    Da hab ich es mit meinem Golden eh so schon schwer genug, mit seiner angeborenen Freude über alles, was atmet :lol: (wobei das teilweise auch Fiddeln ist.)

    Nur mal als Anmerkung: Fiddlen in ein Bestandteil des Flirt, und gehört zu den 4 möglichen Verhaltensweisen (vier F), die als Groborientierung an Verhalten möglich sind. Auch dem Menschen.

    Das ist grundsätzlich also nix Schlechtes, und dass bei manchen Rassen von den Eigenschaften her mehr Wert auf die Möglichkeit, freundliche Grundstimmung zu haben gelegt wird, ist jetzt auch nichts was diese Hunde weniger zu Hunden macht als andere Vertreter dieser Spezies.

    Der Unterschied liegt darin, ob bei einem Hund bei diesem gezeigten Verhalten Unsicherheit der Grund dafür ist, oder nicht.

    Die anderen waren der Meinung daß ein Hund es ja auch nicht lernt mit anderen Hunden zu interagieren wenn man sie immer an der leine an fremden vorbei führt.

    Ja, diese Aussage trifft schon zu - wird aber dann fatal, wenn dazu dieses pauschale "Die machen das unter sich aus"-Denken hinzukommt.

    Merke ich, mein Gegenüber ist der Ansicht, Hundeinteraktionen OHNE menschliche Präsenz laufen lassen zu müssen ... ergreife ich die Flucht!

    Weder meine Hunde noch ich müssen für die Erziehung andererleuts Hunde herhalten - und erst recht nicht für deren Vorstellung von eigenen Hunde; Da passierte es mir in der Vergangenheit einfach zu oft, dass der andere Hundehalter

    - stolz auf seinen scheinbar "dominanten Hund war"

    - auf der Suche nach einem Hund war, der dem seinen mal "so richtig die Leviten liest", damit er mal lernt dass er sich nicht alles erlauben kann.

    Beide Kategorien von Hundehaltern sind für mich ... das Letzte, und dafür gebe ich meine Hunde nicht her.

    Es gibt genügend andere Hu-Ha-Gespanne, die nicht so extrem daneben liegen, und zwar auch keine rosa-Herzchen-pupsenden Hunde erwarten - aber eben einen normalen Umgang miteinander.

    Löcher im Pelz sind genauso wenig normal wie alles überrollende Knutschkugeln.

    Meine Meinung.

    Mich interessiert wie viel Interaktion ihr mit euren (verträglichen) Hunden und Fremdhunden auf Spaziergängen zulasst.

    Alles was geht.

    Mit manchen Hunden oder auch Haltern geht es eben nicht, da weiche ich großräumig aus.

    Eine Absprache erfolgt vorher immer, wobei öfter dazu eine non-verbale Absprache ausreicht.

    Ich hab dann völlig überrumpelt abgeleint, der andere Rüde kam nämlich schon auf uns zu.

    Dieses Überrumpeln geht gar nicht, vor Allem die Begründung stößt mir hier gewaltig auf.

    Statt einfach loszumachen, wäre hier eine Absprache über das Management angebracht gewesen - und dazu hättest DU mit einbezogen werden müssen.

    (Nur ein Gedanke: Kann es sein, dass die Labbihalterin genauso "überrumpelig" ist wie ihr Hund? Dann helfen nur klare Worte ihr gegenüber, VOR dem nächsten gemeinsamen Gang. Es ist DEIN Hund, den DU führst - und wenn er merkt, dass du diese "Führung" an einen anderen Menschen abgibst, entwickelt er sehr wahrscheinlich neue Strategien, und diese entsprechen dann nicht mehr eurem üblichen Handling.)

    Meiner (der verträglich ist, aber nicht in die Suppe spuckt wenn jemand der Meinung ist ihn körperlich zu unterwerfen) und der andere Rüde stellten sich nebeneinander und legten sich gegenseitig die Köpfe auf den Nacken. Beide mit aufgestelltem Fell.

    Da es wohl NICHT geknallt hat - GUTE JUNGS!

    Der "Wer hat die dickeren Eier"-Test wurde beiseite gelegt, jeder hat dem anderen gesagt, dass er Eier hat - und dabei haben sie es belassen.

    Ich hatte richtig übel Schiss dass es knallt und bin langsam weitergegangen um die Situation zu entspannen.

    Gute Reaktion von dir, und auch die richtige. Wenn sich Rüden schon so gegenüber stehen, ist jeder menschliche Eingriff möglicherweise der Funke, der es doch zum Knallen bringt.

    So konnten die Jungs das lösen, ohne es knallen zu lassen.

    Das ist zwar keine Garantie dafür, dass es immer so läuft, aber kommt durch Zufall diese Situation doch zustande, ist es immer besser zunächst abzuwarten, ob die Rüden eine friedliche Lösung finden.

    In der Konstellation mit der Labbihalterin hätte ich diesen Kontakt wohl nicht zugelassen.

    Ohne diese (und deren Hund - denn auch dieser hat zu einer anderen "Chemie" zwischen den Hunden beigetragen) evtl. schon; Nach Absprache und deutlich gemanaged.

    Ich bin der Meinung, dass alleine das Handeln der Menschen schon im Vorfeld einiges an "Dampf" aus solchen Begegnungen rausnehmen kann.


    Zu der Hotspot-Neigung: Hast du schon mal Velcote ausprobiert, als Kur?