Ja, natürlich ist er da zu Beginn des Jagdtunnels.
Die Betonung liegt auf "Beginn" - und da "greife" ich den Hund ab, und lenke ihn um in ein Alternativverhalten.
Setzt dein Hund - im Gegensatz zum Hund von Massai - denn anschließend die Jagdsequenz fort, schleicht sich also an und behandelt den anderen Hund dann als Beute (greift ihn also an)?
Dann würde ich auf jeden Fall ein "Platz auf Distanz" außerhalb dieser Situation, zunächst ohne Umweltreize (also wie jedes sonstige Signal/Kommando auch) üben, um schon mal eine Grundkonditionierung zu haben, die zusätzlich greift, wenn du ihn aus seinem Jagdtunnel rausholen und umlenken willst.
Gerade Verhaltensweisen die einer Spezialisierung zuzuordnen sind (verhaltenbiologisch: Merkmale), zeigen sich in unterschiedlichen Szenarien, auch außerhalb dieser Spezialisierung - eben weil diese Verhaltensweisen dem "Wesen" des Hundes nahe liegen.
Das birgt natürlich die Gefahr, dass, je öfter ein solches (Verhaltens-)Merkmal angewandt wird, umso leichter der Schritt zum eigentlich zugrundeliegenden Verhalten ist.
Im vorliegenden Fall eben das Jagen.
Eine weitere Gefahr dabei ist: Möglicherweise reagiert der andere Hund, demgegenüber dieses Verhalten gezeigt wird, dann selber aggressiv (sei es aus dem Gefühl des bedrängt/gejagt werdens heraus, oder weil er es unangemessen/bedrohlich findet).
Dann kommt noch für den eigenen Hund diese negative Erfahrung der Aggressivität dazu, und das in Kombination mit einem Jagdverhalten ist eine sehr gefährliche Kombination.
Dazu würde ich es nicht kommen lassen.
Im Fall von Eros, dem Hund von Massai (der meine Antwort ja galt) sehe ich eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Motivation für das Verhalten möglicherweise in der spielerischen (und damit durchaus positiven) Erfahrung mit seinem Kumpel liegt.
Bei diesen beiden Hunden ist es der Auftakt zum Spiel - und spielerische Intention ist eine freundliche Intention.
Vielleicht versucht Eros aufgrund dieser Erfahrung, diese Verhaltenssequenz auch anderen Hunden gegenüber zu nutzen, weil es bei seinem Kumpel ja auch als spielerische/freundliche Information gilt.
Dieses Verhalten, gerade bei einem großen Hund, birgt aber möglicherweise Komplikationen.
Massai Das weißt du, aber eben nicht dein Hund.
Ich finde es gut, dass du es nicht auf diese Erfahrung ankommen lassen willst, und schon jetzt eingreifst um andere Wege einzuleiten.
Gerade bei einem Hund, der - so wie dein Eros zur Zeit - gerne und freundlich mit anderen Hunden interagiert, würde ich dabei eben nicht den Weg gehen, an dieses "Platz" dann immer ein "Wir gehen an diesem Hund vorbei, ohne Kontakt" anschließen.
Ich bevorzuge es dem Hund beizubringen, dass ich gerne auf seine Bedürfnisse (in diesem Fall: Kontakt) eingehe - aber die letztendliche Entscheidungsgewalt, ob es tatsächlich einen Kontakt gibt, liegt dennoch letztendlich bei mir.
Bei mir gibt es oft Kontakt - aber eben nicht immer.
Um das durchsetzen zu können brauche ich Verhaltensweisen, die ich sicher abrufen kann und die meinen Hund umweltkompatibel machen.
Die Basis dafür ist das Wissen meiner Hunde: Sie kommen nicht zu kurz, ich gebe ihren Bedürfnissen genügend Raum.
Potato Bei deinem Hund: Ja, ich würde das auf jeden Fall probieren, allerdings auf jeden Fall außerhalb dieser Situation ein "Platz auf Distanz" konditionieren. Du sagst ja selber: "Bei besonders begehrlichen Objekten" - und wenn du das schon im Vorfeld erkennst, ist es sicher besser, ihn erst gar nicht in diese Jagdsequenz abgleiten zu lassen. Passiert es aber doch, ist ein konditioniertes "Platz" ein zusätzlicher Anker, der eine Konfrontation vermeidet.
P.S.: Meine Hunde trainiere ich grundsätzlich positiv, und unser üblicher Umgang ist von einem freundlichen, wohlwollenden Miteinander geprägt. Mir gefällt das so, ich gehe so mit Familienmitgliedern um.
Trotzdem kann es in "Notsituationen" durchaus vorkommen, dass ich ein eigentlich immer freundliches Signal auch mal so richtig "donnere" - um meinen Hunden damit anzuzeigen: DAS ist jetzt keine Bitte, sondern mein voller Ernst, weil ich sonst echt sauer werde - und in sauer wollt ihr mich nicht.
Voraussetzung dafür ist allerdings das Wissen meiner Hunde, was ich von ihnen will. Sie müssen das Signal (Kommando) und das damit verknüpfte Verhalten kennen und können.