Beiträge von Hundundmehr

    Das frage ich mich tatsächlich, ob ein Hund soetwas dann tatsächlich wahrnimmt wenn er sehr fokussiert ist. Gerochen hat er den Hasen wohl schon, aber "kam das im Bewusstsein" an?

    Amigo hat eine Zeit lang extrem auf Knackgeräusche im Unterholz reagiert.

    Später hat er diese zwar wahrgenommen, manchmal, wenn da ein Rascheln war von z. B. einem Vogel, hat er auch einen kurzen Blick dahin geworfen, ist dann aber weiter gegangen.

    Es hat kein Jagdverhalten mehr in ihm ausgelöst.

    Wäre der Hase ohne diese Fokussierung auf Beute direkt vor seiner Nase aus dem Gebüsch gehüpft, hätte ihn das getriggert. Hier war aber das Jagdtraining von Vorteil, wo ich ihn mit einem Signalwort sofort umlenken und auf seine Beute fokussieren konnte.

    Hasen auf den Wegen, oder Rehe auf 20m Distanz hat er interessiert wahrgenommen, aber es hat kein Jagdverhalten mehr ausgelöst. Manchmal bekam er dann zur Belohnung einen Extraapport, manchmal auch nur ein "Weiter". Er geriet dann aber nicht mehr in ein Jagdverhalten, ging entspannt weiter.

    Etwas wahrnehmen, und ein bestimmtes Verhaltensinventar auslösen, sind zwei paar Schuhe.

    Sich auf die eingewiesene Beute zu konzentrieren, und nicht von anderen Reizen ablenken zu lassen, wird beim Apportiertraining speziell geübt - wenn die Ausbildung des Hundes schon weit genug fortgeschritten ist.

    Massai Noch mal extra raus, kurz etwas lösen (so 10min), dann 15min Arbeit, ab nach Hause.

    Habe ich auch gemacht, allerdings habe ich auch sehr oft bei den Spaziergängen Trainingseinheiten eingebaut. Hatte bei uns den dauerhaften Erfolg, dass außerhalb der Arbeitseinheiten großes Umweltinteresse, aber kein Jagdbedürfnis mehr da war.

    Bestimmt gibt es Hundetypen die mit Bespassung während dem Gassi klar kommen, habe aber genug Hunde erlebt die dann einfach nur hochdrehen und das will ich für meine Hunde nicht, egal ob Arbeitshund oder nicht.

    Mein Amigo war so einer. Allerdings war das nicht Bespaßung, sondern richtige Arbeit, auch innerhalb des Spaziergangs ganz klar abgetrennt von Freizeit (=mach was du willst, solange ich nichts anderes sage).

    Amigo war da auch speziell - durch und durch Jäger, gab es bei ihm eine Phase, wo er Wald und Feld nur noch nach Jagdreizen abgescannt hat. Da war gar nichts mit Entspannung.

    Die Umwelt eben nicht mehr ausschließlich auf jagdliche Anreize abzuscannen, war eine große Herausforderung für mich, und hat sehr viel Nerven gekostet.

    Das war in seiner Pubertät, und zum Glück hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine gute Grundlage gelegt für das Apportiertraining, wodurch ich sein übergroßes Jagdbedürfnis gut und vor Allem kontrolliert abdecken konnte.

    Was er auch zu diesem Zeitpunkt schon wusste: Angeleint gibt es keine Jagd.

    So hat er dann Stück für Stück angefangen, die Leinenzeit während des Spaziergangs zu nutzen, um seinen anderen hundlichen Beschäftigungen nachzugehen.

    Der Schlüssel zu ihm war tatsächlich, ihm Arbeit zu geben.

    Also nicht Bespaßung, sondern richtig Arbeit, bei der er seinen Kopf, seinen Körper und alle seine Sinne einsetzen konnte. Markierungen wurden immer gerne mitgenommen, er ist super gerne gerannt. Aber so wirklich zufrieden und damit auch ausgeglichen war er, wenn es sehr knifflig war, die Beute aufzuspüren und zu bekommen.

    Dann hat der ganze Hund gestrahlt, wenn er mir die Beute brachte.

    Eine kleine Anekdote, wie sehr Amigo auf "seine Beute" fixiert war: Eine vielleicht 4m² große Gestrüppinsel, drumherum Sandboden mit wenigen kurzen Gras-/Unkrautbüscheln.

    Amigo trabte dran vorbei, blieb stehen, Nase in der Luft, und ging dann in diese Gebüschinsel zum Stöbern. Zu dem Zeitpunkt war er schon ein junger Erwachsener, also auch gut ausgebildet, und ich ahnte ungefähr, wonach er stöberte.

    Er war hochkonzentriert, ich stand einige Meter von ihm entfernt, und wartete lächelnd, was er mir jetzt wohl anschleppen würde.

    Plötzlich hoppelt ungefähr 20 cm links neben seinem im Gestrüpp versenkten Kopf ein Hase aus dieser Gestüppinsel hervor, lief zwischen dem wartenden Vasco und mir vorbei, und verschwand in dem so 20m hinter uns befindlichen dichten Unterholz ... Vasco und ich nur so: :shocked:

    Amigo stöberte derweil ungerührt in dem Gebüsch weiter - und kam nach ca. 20 Sekunden ganz stolz ... mit einem Ball heraus :herzen1:

    Mir kann niemand erzählen, dass Amigo den Hasen nicht auch wahrgenommen hat. Er war aber so fokussiert auf die Beute, auf die er spezialisiert war, dass der Hase ihn einfach nicht getriggert hat, er war uninteressant.

    Beute, auf die ich ihn gezielt spezialisiert habe.

    Das ist Wolfserbe - differenzieren lernen zu können, was lohnenswerte Beute ist, und was nicht.

    Meine Hunde haben übrigens auch Jogger und Radfahrer von Welpe an als zur-Umwelt-gehörend und Nicht-Beute kennengelernt.

    Ist uninteressant - es sei denn, sie bleiben stehen, sprechen sie an und wollen sie streicheln.

    Ansonsten passieren sie diese, ohne sie zu behelligen.

    Ich sehe den Hasen dann auch, rufe den Hund, der dreht um, kommt zu mir und holt sich seinen Keks

    Braver Hund, gut gemacht.

    Habe ihn trotzdem besser angeleint.

    Besser ist das - nicht, dass der Hund (der in diesem jungen Alter von 6 Monaten ja noch gar nicht ausgebildet sein kann, und deshalb auch noch nicht weiß WAS er nach der Sichtung zu tun hat) dann nach dem Keks doch noch entscheidet: "Okay - den Keks hab ich, yammi ... und jetzt hol ich mir noch den Hasen :nicken: :D ".

    Ich habe dann auch immer entweder angeleint, und beim Passieren der Stelle den Hund auf mich fokussiert, oder bin in die Gegenrichtung gelaufen.

    Ja, das ist langweilig. Vor Allem weil diese Hunde ja sowieso schon mit so wenig Jagdinteresse zur Welt kommen.

    Es ist auch absolut langweilig, diesen Hunden beizubringen, was Beute ist (und damit interessant), und was keine Beute ist (und damit uninteressant).

    Aber das braucht man ja nicht, weil - s.o.

    :ironie2:

    Na ich denke es ist klar, was ich damit meinte 🙄

    Nein, ist es nicht, und nicht nur für dich alleine hier im Thread.

    Viel beeindruckender als Videos, auf denen sich die Hunde eh nicht für wild interessieren 😅

    Ja, das ist langweilig. Vor Allem weil diese Hunde ja sowieso schon mit so wenig Jagdinteresse zur Welt kommen.

    Es ist auch absolut langweilig, diesen Hunden beizubringen, was Beute ist (und damit interessant), und was keine Beute ist (und damit uninteressant).

    Aber das braucht man ja nicht, weil - s.o.

    :ironie2:

    Mein aufrichtiges Beileid.

    Auch wenn 13,5 Jahre eine gute Lebensspanne sind, und am Ende die Gewissheit steht, das Richtige zum richtigen Zeitpunkt getan zu haben, so ist dieser letzte Liebesdienst für unsere geliebten Familienmitglieder auf vier Pfoten doch die schwerste und traurigste Entscheidung, die wir fällen müssen.

    Ich wünsche dir viel Kraft in dieser traurigen Zeit.

    Run free, Cala!

    Kann man halt nur machen, wenn der Hund sich für Jagdersatzbeute interessiert und begeistern lässt.

    Nö - wie kommst du da drauf?

    Den allermeisten Hunden geht es überhaupt nicht um die Beute.

    Was zum Dopaminausstoß führt, ist das Handeln selbst - also die Ausführung der einzelnen Jagdsequenzen.

    Ich muss den Hund für das Ausführen auf Kommando begeistern können. Das kann ich durchaus auch an eine Jagdersatzbeute binden.

    Ja, es gibt tatsächlich Hunde, die genetisch ein so klares, eindeutiges Verhalten von Beute abgespeichert haben, dass sie tatsächlich nur dann auch ihr Jagdbedürfnis befriedigen können, wenn sie genau diese Beute jagen dürfen. Das geschieht aber meistens nur durch Zucht.

    Das kann auch durch Zufall so im Hirn "programmiert" worden sein - bei einem unerwünschten Jagderlebnis, z. B. Da wird es schwierig, gegen zu arbeiten, weil es viel mehr erwünschter Jagderfolge bedarf, um diesen zufälligen Erfolg wieder auszulöschen. Erst recht, wenn dieser unerwünschte Jagderfolg (was auch eine Hetzjagd ohne Beute zu stellen oder zu greifen sein kann) wiederholt passiert ist.

    Ich dachte halt nur, wenn es nach dem "der Stärkere frißt zuerst", bzw. mehr oder gar alles, und die Schwachen wenig(er) bis gar nichts abbekommen, sollte es auch optisch sichtbar beim Hund sein. Weil es ja doch immer die gleichen sind, die "das Glück" haben.

    Ich meine - in Erinnerung an die Videos, die diese Fütterungsszenen zeigten - war das Prinzip "Wenn ich Ärger mache, krieg ich gar nix ab" am Futtertrog zu sehen.

    Einem Hund, der Futteraggression zeigt, durch dieses Prinzip klar zu machen dass es ihm keinen Vorteil bringt, kann man natürlich so machen.

    Wäre nicht mein Weg, ich halte es für erfolgversprechender, erst einmal durch Separierung beim Fressen den Hunden zu vermitteln, dass ich dafür sorge dass jeder Hund in Ruhe fressen kann.

    Am Futtertrog war eben auch genau zu sehen, dass das Nicht-Zeigen von Futteraggression eben nicht auf der Basis "Jeder bekommt genug und kann in Ruhe seinen Teil fressen" geschieht, sondern auf Druck und Angst basierte.

    Wie hastig die Hunde in der Situation gefressen haben, wie oft der Blick zu den Hunden rechts und links ging - das war alles Mögliche an Stress, nur eben nicht stressfreies Fressen.

    Die von V.B. aufgestellte These, zu der diese Fütterungsart beitragen sollte, ist ja: Die Hunde sollen wieder lernen wie Hunde zu sein, und sich selber wieder fühlen und wie Hunde fühlen zu können.

    Sie - und auch ihre Anhänger - erkennen einfach nicht, dass sie genau das eben nicht damit erreichen, sondern nur der Gruppendruck für das Verhalten verantwortlich ist, was innerhalb dieser Gruppe gezeigt wird.

    Genau dieser Gruppendruck fehlt aber, wenn diese Hunde aus dieser Situation rauskommen, weshalb es - entweder im Weiteren bei dem "Einzeltraining", oder aber auch in dem neuen Zuhause (wenn ein Hund das "Glück" hatte, in ein neues vermittelt worden zu sein) mit genau diesem Druck weiter gearbeitet werden muss, damit diese Hunde das unter Druck erlernte Verhalten auch zuverlässig weiter dort zeigen.

    Deshalb wird potentiellen Interessenten ja auch ein entsprechendes Training angeboten, damit sie die Philosophie und Methodik von V.B. übernehmen können.

    Gelingen kann dies allerdings nur bei Hunden, deren Willen tatsächlich während ihres Aufenthaltes bei V.B. gebrochen wurde, und die dann neu aufgebaut werden können.

    Eine unsägliche, für die Hunde grausame, und in ihrem Erfolg sehr zweifelhafte Theorie, die dort von V.B., mit Unterstützung ihrer Anhänger, in die Praxis umgesetzt wird.


    Edit: Frage an die Mods: Warum bekomme ich jetzt diesen Pfötchenabdruck bei der Abkürzung des Namens eingefügt? :denker: