"Jeder Hund braucht seinen Lieblingsfeind
"
O-Ton der Züchterin meines ersten Hundes vor über 20 Jahren, als ich ihr mein Leid klagte über meinen Marco, der einen in der Nachbarschaft wohnenden Jack Russell auf den Tod nicht leiden konnte - was auf Gegenseitigkeit beruhte.
Ihr Rat: Großräumig aus dem Weg gehen.
Was ich für mich daraus geschlussfolgert habe, auch, weil ich dieses Thema "andere Hunde mögen/nicht mögen" mit meiner Züchterin damals gut auseinandergebröselt habe:
Meine Hunde haben, genauso wie wir Menschen, das Recht, selber zu entscheiden wen sie mögen, und wen nicht.
Sie haben auch genau so das Recht, dass ihr Mensch diese Befindlichkeit berücksichtigt, und ihnen keine unangenehme Nähe oder gar Konfrontation zumutet.
Unterm Strich reicht es mir bei meinen Hunden, wenn sie mit vielen Hunden so weit klar kommen, dass sie selber (und auch der andere Hund) zumindest angstfrei in deren Gegenwart atmen kann.
Spielen wird überbewertet
Meine Hunde werden ja, weil sie Golden Retriever sind, gerne in die Schublade: "Die wollen immer spielen!" gesteckt.
Das stimmt meiner Erfahrung nach überhaupt nicht, und - auch meiner Erfahrung nach - oft werden vermeintliche "Spieleaufforderungen" nicht tatsächlich als Aufforderung zum Spiel genutzt, sondern als Kommunikationssignal, um dem Gegenüber zu vermitteln: "Mit mir ist gut Kirschen essen, du hast von mir nichts zu befürchten!".
Oftmals beschränken sich Interaktionen mit anderen Hunden eben darauf, sich kurz "in Augenschein" zu nehmen, wenn es passt auch gerne mit Analkontrolle, und anschließend macht jeder wieder sein eigenes Ding, manchmal geht man auch ein wenig gemeinsam interessante Schnüffelstellen inspizieren.
Ganz selten passt es mal mit dem Gegenüber so gut, dass eine gemeinsame Spielesequenz zu sehen ist - wo mir immer das Herz bei aufgeht, eben auch, weil es so selten ist.
Das betrifft jetzt ausschließlich meine Hunde.
Ich kenne durchaus Hunde (auch persönlich), die außer "Spielesignalen" und darauf basierenden Verhaltensweisen nichts oder kaum etwas anderes an Verhaltensrepertoire zeigen ... wo ich dann vermute, dass diese Hunde zu wenig Möglichkeiten hatten, ein breiter gefächertes Verhaltensspektrum zu erlernen.
"Lieblingsfeindkandidaten" meiner Hunde gehe ich großräumig aus dem Weg.
Sobald wir die sehen und uns nähern, prescht sie in die Leine und pöbelt, als würde sie der Hündin an die Gurgel wollen.
Möglicherweise liegt hier in diesem "nähern" der Schlüssel ![]()
Deinen Worten ist zu entnehmen, dass ihr bisher versucht, irgendwie "aneinander vorbei" zu kommen.
Was ich machen würde: Sofort bei Sichtung kehrt machen, meinem Hund damit quasi direkt vermitteln: "Wir nähern uns gar nicht an, sondern gehen weg".
Daran kann dann im weiteren Verlauf ein: "Wir machen kehrt, und gehen an eine Stelle, wo wir sehr viel Abstand zu der Hündin haben, damit sie ohne Stress passieren kann." angeschlossen werden.
Möglicherweise kommt ihr dann auch zu dem Ergebnis, was ich dadurch bei meinem Marco erzielt hatte: Auf eine Distanz von mindestens 10m konnten die andere Halterin und ich uns gut unterhalten, während die Hunde sich hinlegten und ruhig blieben. Das hat zwar gedauert, bis sich in deren Hirn manifestiert hatte: "Okay - unsere Menschen verhindern absolut zuverlässig, dass der andere Hund in meinen "Spielraum" kommt.", aber es ist gelungen.